Auf Social Media durch den Wahlkreis – Politische Kommunikation im Sommerloch

gonard-fluit, unsplashDas sogenannte Sommerloch trifft nicht nur die Tagespresse und großen Nachrichtenredaktionen im Land, auch in der Politik wird es zu dieser Zeit still, wenn nicht gerade die nächste Wahl vor der Tür steht. Während man in den letzten Wochen so allerhand kuriose Inhalte zu lesen bekam, haben sich einige Landesregierungen, Parteien, Politikerinnen und Politiker ihr eigenes Programm überlegt, um möglichst öffentlichkeitswirksam in Verbindung mit den Bürgerinnen und Bürgern zu treten und den Sommer zu überbrücken.

Viele Politikerinnen und Politiker nutzen diese Zeit für eine Sommertour durchs Land, doch nicht alle halten diese auch gleichermaßen gut auf sozialen Netzwerken fest, um so ein größeres Publikum als nur das vor Ort zu erreichen. Dabei bieten gerade die ruhigeren Sommermonate eine Gelegenheit, um verschiedene neue Kanäle für sich zu entdecken und die eigene Reichweite auszubauen. Es lassen sich einige Beispiele dafür finden, wie zeitgemäße politische Kommunikation aussehen könnte.

 Manuela Schwesig auf Twitter

Manuela Schwesig, Twitter, Sommertour

Manuela Schwesig fasst abschließend die Eindrücke ihrer Sommertour auf Twitter zusammen.

Manuela Schwesig nutzte als Ministerpräsidentin Mecklenburg-Vorpommerns u.a. Twitter effektiv dazu, um für das Bundesland Werbung zu machen und natürlich auch selbst medienwirksam aufzutreten. Unter dem Motto „Land zum Leben, Arbeiten und Urlaub“ besuchte sie dabei Unternehmen, soziale Einrichtungen, Kulturorte und Feste und hielt ihre Besuche sowohl in Bilderstrecken, als auch in kurzen Videobeiträgen fest. Mehrmals täglich gab es auf ihrem offiziellen Account Beiträge zu sehen. So lassen sich gleichzeitig das zu regierende Bundesland als auch die eigene politische Arbeit aufwerten und überhaupt erstmal genauer vorstellen. Obwohl auch die breiten Medien und Zeitungen über die Sommertour Schwesigs berichten, nutzt sie ebenso das Potential ihrer eigenen Kanäle für sich. Das ermöglicht nicht zuletzt eine unmittelbare Rückmeldung der Nutzer und potentiellen Wähler auf Twitter, mit denen die Ministerpräsidentin und ihr Team in einen direkten Austausch treten können.

 

Europatour auf Facebook

Arne Lietz, Facebook2

Arne Lietz hält seine Europatour auf Facebook fest.

Doch auch weniger bekannte Politikerinnen und Politiker können diese Möglichkeiten für sich nutzen. Unterwegs auf „Europa-Sommertour“ durch Sachsen-Anhalt ist Arne-Lietz, SPD-Abgeordneter des Europäischen Parlaments für Sachsen-Anhalt. Auch ihn kann man z.B. auf Facebook ausführlich dabei verfolgen, wie er Vereine, Verbände und Unternehmen besucht. Selbsterklärtes Ziel ist es dabei, „zu zeigen, wie Europa in Sachsen-Anhalt wirkt, aber auch zu hören, was die Menschen vor Ort über Europapolitik denken.“  Zu jedem Tag gibt es dabei neben separaten Beiträgen mit Bildern zu den einzelnen Stationen kurze Zusammenfassungen im Videoformat mit Voiceover des Politikers.

 

Praktikumstour im Storyformat auf Instagram

Sowohl in Sozialen Netzwerken als auch in der Bild-Zeitung gelobt wird Nikolas Löbel für seine zeitgemäße politische Kommunikation auf Instagram. Der CDU-Politiker ist Mitglied des Bundestages für den Wahlkreis Mannheim und nutzte die Sommerpause im Bundestag für eine kurze Praktikumstour. Ab dem 14. August besuchte er so sechs verschiedene Unternehmen und Einrichtungen in Mannheim. Ob als Bauarbeiter, Altenpfleger oder Reinigungskraft – Löbel dokumentierte seine Eindrücke täglich vor allem mit der Storyfunktion, die Instagram bietet. Entweder als kurze Einblicke, die ihn während der Arbeit zeigen oder in Form von Videos, um Gedanken festzuhalten und am Ende eines Praktikumtages zu resümieren. Die gesamte Tour lässt sich jetzt in einer zusammengestellten Story auf dem Instagram-Account des Politikers nachschauen. Löbel nutzte für dieses Format ebenfalls Facebook und WhatsApp.

Nikolas Löbel, Instagram2Nikolas Löbel, Instagram5

Durch Livestreams Verbindung zwischen analog und digital schaffen

Die Arbeit vor Ort und die Kommunikation im Netz ebenfalls geschickt kombiniert hat die FDP Niedersachsen. Landesvorsitzender Stefan Birkner und Generalsekretär Konstantin Kuhle reisen noch bis Anfang September durch Niedersachsen. Unter dem Motto „Willkommen auf dem neuen Weg“ stehen dabei vor allem die Erwartungen von Neu- und Altmitgliedern aber auch Interessierten im Vordergrund. Man möchte an einer Neuausrichtung der Partei arbeiten, den Weg der Partei und die programmatische Parteiarbeit diskutieren und kommunizieren. Dabei ebenfalls zentral sind moderne Parteiarbeit und das neue Schwerpunktthema „New Work“. Deshalb ist es naheliegend, als Teil der Sommertour auch ein Onlineangebot für diejenigen zu schaffen, die an den Terminen vor Ort nicht teilnehmen können.

FDP Niedersachen, Livestream

Stefan Birkner und Konstantin Kuhle beantworten im Rahmen ihrer Sommertour der FDP Niedersachsen Fragen im Livestream.

In einem einstündigen Livestream konnten Zuschauende so Fragen zur Parteiarbeit stellen und eigene Anregungen für die zukünftige Ausrichtung einbringen. Und vor allem: in direkten Kontakt mit Birkner und Kuhle kommen. Dabei bezogen sich beide immer wieder auch auf Gespräche und Erfahrungen vor Ort, die sie bereits den Sommer über gesammelt haben. Das alles passt zu dem Ziel, bei moderner Parteiarbeit stärker auf Online-Medien zurückgreifen und Landesfachausschüsse auch mal online tagen lassen, um so flexibler und effektiver arbeiten zu können. Für die FDP Niedersachsen bietet der Sommer damit die Zeit und Möglichkeit, am Strategieprozess zu arbeiten, neue Anregungen zu sammeln und verschiedene Formate auszuprobieren.

Regierungskommunikation auf Twitter

Landesregierung BW, #RegSommerBW

Unter dem Hashtag #RegSommerBW wird Sozialminister Manne Lucha auf Twitter bei seiner Arbeit für die Landesregierung vor Ort begleitet.

Aber auch ganze Landesregierungen kommunizieren ihr Wirken im Sommerloch und suchen Bürgerkontakt. Unter dem Hashtag #RegSommerBW startete zum Beispiel die Landesregierung Baden-Württembergs am 31. Juli auf Twitter eine kurze Sommerreihe, die sowohl Ministerinnen und Minister, als auch Staatssekretärinnen und Staatssekretäre bei ihrer Arbeit begleitet. Bisher zu sehen waren u.a. Katrin Schütz, Staatssekretärin für Wirtschaft, Arbeit, und Wohnungsbau bei ihrer Digitalisierungs- und Ausbildungsreise durch BW oder auch Umweltminister Franz Untersteller bei seiner Sommertour „Vitale Gewässer“. Die einzelnen Beiträge liefern dabei, bedingt natürlich auch durch die sehr begrenzte Zeichenanzahl auf Twitter, nur einen kleinen inhaltlichen Einblick in die einzelnen Stationen. Der Fokus liegt mehr darauf, die Arbeit der Regierung und der einzelnen Ministerinnen und Minister zu kommunizieren und nach außen zu tragen, aber auch verschiedene Initiativen des Landes vorzustellen. So lassen sich auch Politikerinnen und Politikern der Landesregierung miteinbinden, die selbst noch keine eigenen Social-Media Accounts besitzen oder mit deutlich weniger Followern eine geringere Reichweite haben.

Chancen auch fernab von Wahlkampfzeiten nutzen

Ob Ministerpräsidentin, Partei oder Landesregierung – für sie alle bieten Instagram, Facebook & Co viele Möglichkeiten, um mit potentiellen Wählerinnen und Wählern und Interessierten in Kontakt zu treten. Oft bleiben diese aber bisher noch ungenutzt oder weit unter ihrem Potential. Und das, obwohl sich zeigt, dass solche Aktionen wie die Sommertouren auf Social-Media überhaupt erst wahrgenommen werden und gut ankommen: viele loben die Nähe zu den Bürgerinnen und Bürgern, um die sich auf diesem Wege bemüht wird. Dass eine intensivere und glaubwürdige Nutzung der Sozialen Plattformen auch die breiten Medien aufmerksam werden lässt und sich so erst Recht lohnt, zeigt sich am Beispiel von Nikolas Löbel. Dabei geht es nicht nur allein um Klickzahlen und darum, möglichst viele neue Nutzer zu generieren, sondern Inhalt und Authentizität sind entscheidend. So gelingt es kleinere, aber relevantere Gruppen anzusprechen und bei der (potentiellen) Wählerschaft Vertrauen zu schaffen. Etwas, worauf alle Politikerinnen und Politiker langfristig angewiesen sind. Auch wenn es mehr Zeit und Aufwand erfordert, lohnt sich moderne politische Kommunikation, die den Menschen nicht nur in Wahlkampfphasen zeigt, dass man sich für sie interessiert.

Titelbild: Gonard Fluit via Unsplash, CC0, bearbeitet

Bilder im Text: Screenshot Twitter Manuela Schwesig, Screenshot Facebook Arne Lietz, Screenshots Instagram Nikolas Löbel, Screenshot Facebook FDP Niedersachsen, Screenshot Twitter Landesregierung BW

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