Digitale Presseschau – KW 47

Datenhungrige Konzerne, die chinesiche „Internet Water Army“ und wieder einmal die Proteste in Ägypten sind neben anderen die Themen unserer digitalen Presseschau der Woche.

 

Unser Video der Woche

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In „The Soft War“ wird anschaulich dargestellt, welche Länder dieser Welt das Internet auf welche Weise zensieren und was Anonymous und die USA dagegen unternehmen.

 

Jarzombek: Erliegen wir nicht einer Illusion, wo Google und Facebook mehr über uns wissen, als wir dem Staat je anvertrauen würden?

Die Wahl für unseren Top-Artikel der Woche fiel diesmal auf einen Blog-Eintrag des CDU-Bundestagsabgeordneten Thomas Jarzombek. Mit gutem Grund, meint dieser, haben wir in Deutschland strenge Datenschutzrichtlinien und ein Verfassungsgericht, das den Staat immer wieder in seine Schranken weist, wenn es um das Sammeln von Daten geht. Doch zugleich legen wir als Facebook- und Google-Nutzer unsere Daten in die Hände mächtiger Konzerne. Was, wenn diese ihre Macht missbrauchen? Können Abgeordnete unter diesen Umständen überhaupt noch frei sein, fragt der Politiker.

Verdeckte Recherche deckt chinesische „Internet Water Army“ auf

Auf „Technology Review“ wird der Chinese Cheng Chen porträtiert, der gemeinsam mit Freunden bezahlten „Propaganda-Postern“ auf der Spur ist. In China herrsche eine rege Nachfrage nach diesen Menschen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, das Internet innerhalb kürzester Zeit mit ausgewählten Informationen oder Gerüchten zu fluten. Chen arbeitete selbst verdeckt als einer von ihnen und entwickelt heute eine Software, die die „Propaganda-Posts“ erkennen soll.

Nazis im Netz – Distanzierungen von rechtem Terror sind reine Taktik

In einem Interview auf cicero.de erklärt Simone Rafael von „Netz gegen Nazis“, warum die Zurückhaltung rechter Gruppierungen nach der Aufdeckung der rechten Terrorgruppe nichts als Taktik sei. Es sei reiner Selbstschutz, wenn jetzt allen voran die NPD betone, dass sie Gewalt ablehne. In Wahrheit habe sich die rechtsextreme Szene schon lange im Netz etabliert und ermögliche dadurch auch einen besseren Zugang zu ihrem Gedankengut. Nun gelte es, das Bewusstsein für die Problematik zu schärfen.

Die Bedeutung der erneuten Proteste in Ägypten für die „Twitter-Revolution“

Was, wenn mobile Endgeräte es in Zukunft leichter machen, Regierungen zu destabilisieren, statt neue zu bilden? Mit dieser Frage setzt sich Rebecca J. Rosen auf „The Atlantic“ auseinander und bezieht sich dabei auf die Proteste in Ägypten. In etablierten Regierungen werden bereits Versuche von E-Government durchgeführt, aber in Ägypten müsse erst einmal herausgefunden werden, welche Art von Regierung das Land bekommen soll. Soziale Medien würden zwar ihren Dienst an Revolutionen tun, schreibt Rosen, aber beim Aufbau eines Staates brauche es weniger Leidenschaft als intelligente Entscheidungen.

Wikipedia wäre besser, wenn mehr Frauen dabei wären

In einem Interview auf „Zeit Online“ wünscht sich Sue Gardner von der Wikimedia Foundation dringend mehr Autorinnen für das Internetlexikon. Ohne diese und ihren Blick auf die Welt würden wertvolles Wissen und Erfahrungen verloren gehen. Erreicht werden soll ein verbessertes Wikipedia aber zusätzlich auch mit verbesserter Nutzerfreundlichkeit, mehr Anerkennung und der Unterstützung von Universitäten.

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