Digitale Presseschau – KW 39

Fehldiagnose Internetsucht, Revolutionierung der politischen Beteiligung durch das Netz, Facebook als Navigationssystem für die Arabische Revolution – dies und mehr in der Digitalen Presseschau.

In dieser Presseschau nimmt das Thema Facebook einen größeren Raum ein: einerseits als “Navigationssystem” für die Arabische Revolution, andererseits als Untersuchungsobjekt der Stiftung Warentest. Unser Artikel der Woche ist jedoch eine kritische Auseinandersetzung mit einer Studie zur Internetsucht.

Die neue Sucht heißt Leben

Laut einer vom Bundesministerium für Gesundheit geförderten Studie mit dem Titel “Prävalenz der Internetabhängigkeit” (PINTA) sollen 560.000 Deutsche zwischen 14 und 64 Jahren internetsüchtig sein. Diese Meldung ging hierzulande meist unreflektiert durch die Medien. Doch für Martin Rank von taz.de ergibt die Gegenüberstellung von Online und Offline keinen Sinn. Von “Internetsucht” zu sprechen, zeuge von Angst vor einer neuen Art, sein Leben zu führen.

Leitfaden für Facebook-Privatsphäre

Sehr anschaulich erklärt die Stiftung Warentest auf test.de, wo die wichtigsten “Knöpchen” bei Facebook zu finden sind, um die Privatsphäre-Einstellungen anzupassen. Diese sind in der Mehrzahl auf Preisgabe privater Daten voreingestellt. Dem kann mit dem Leitfaden von test.de ein Riegel vorgeschoben werden!

Die Oxymoron-Gesellschaft

Auf den dritten Platz wählten wir einen Beitrag von Gunnar Sohn für The European, der mit Verweis auf eine Studie des Sicherheitsunternehmens Clearswift feststellt, dass Deutschland den zweifelhaften Ehrentitel der weltweit führenden Nation der Verbote, Regeln und Blockaden für Social Media-Dienste trage. Sohn lässt dazu in seiner Kolumne verschiedene Netz-Experten wie Gunter Dueck zu Wort kommen.

“Jüngere entwickeln eine ganz neue Kommunikation”

Astrid Herbold von Zeit Online führt ein Gespräch mit dem Politikwissenschaftler Gerhard Vowe von der Universität Düsseldorf über die Ergebnisse einer von ihm geleiteten Langzeitstudie zur E-Partizipation. Demnach revolutioniere das Internet die politische Beteiligung – jedoch nur für diejenigen, die mit ihm aufwuchsen.

Facebook als „Navigationssystem“ für Arabische Revolution

Auf den fünften Platz unserer Presseschau schaffte es ein vom Technology Review veröffentlichtes Interview mit der Sozialwissenschaftlerin Zeynep Tufekci. Darin geht es um die Art und Weise, wie soziale Netzwerke politische Debatten verändern und Revolutionen befördern können. Treffend kommt Frau Tufekci zu dem Schluss, dass ein auf drei Säulen fußendes Medien-Ökosystem für die Umwälzungen in der Arabischen Welt mitverantwortlich war: das Zusammenwirken von Satelliten-Sendern wie Al Jazeera, eine weite Verbreitung von Mobiltelefonen mit Kameras sowie soziale Netzwerke.

Internet ohne politische Schlagkraft

Aus Sicht von Carolin Hentschel vom Magazin Cicero belegt der Erfolg der Piraten bei der Wahl in Berlin, dass unsere Gesellschaft noch nicht im digitalen Zeitalter angekommen ist. Netzpolitik sei noch immer nur ein Thema für wenige: die digitale Elite – deren Repräsentanten die Piraten seien. Diese Behauptung untermauert Hentschel mit Beispielen der vermeintlich mäßigen Nutzung von Partizipationsmöglichkeiten im Internet durch die Bürger.

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