Wer kopflos ist, kann nicht mitreden

Junge Menschen sollen sich wieder mehr in politische Entscheidungen einmischen. Doch häufig fehlt es an der Orientierung. Wo kann ich etwas bewegen und welche Mitmachangebote gibt es? Das Anfang September an den Start gegangene Partizipationsportal sehenwaspassiert.de will hier Abhilfe schaffen.

Das Team von sehenwaspassiert.de hat zahlreiche Möglichkeiten der Online-Partizipation zusammengestellt, die das Einmischen erleichtern sollen. Mit dem Distanzcrasher und dem Partizipator sollen den Jugendlichen weitergehende Partizipationsmöglichkeiten und Beteiligungsportale vermittelt werden. Der Meinungssurfer gibt denjenigen Hilfmittel an die Hand, die sich noch keine politische Meinung gebildet haben, so zum Beispiel den Wahl-O-Mat. Denn "wer kopflos ist", könne nicht mitreden und an der Gestaltung unserer Gesellschaft teilhaben. "Sei nicht kopflos" hieß dementsprechend auch die erste Kampagne des noch jungen Portals, welche am 9. September mit einem "bikemob" in Berlin begangen wurde. Alle Interessenten konnten sich über Facebook für die gemeinsame Fahrradtour durch das nächtliche Berlin anmelden. Dabei wurden Projektionen mit Stellungnahmen verschiedener Jugendlicher zu gesellschaftlichen Themen an Hauswände geworfen. Zudem wurde selbst erstellte Videos von Nutzern gepostet, in denen Lehrermangel, die geringe Berücksichtigung umweltpolitischer Aspekte in politischen Entscheidungen oder die mangelnde Offenheit von Parteien als "kopflos" kritisiert wird.

Das Portal nahm seinen Ausgang beim MediaCamp 2011, dass Mitte August von der Medienanstalt Berlin-Brandenburg initiiert worden war. Die Teilnehmer des Camps erarbeiteten im MIZ vier Wochen lang Konzepte für die Partizipationsdemokratie der Zukunft. Als Ausgangsanalyse diente ihnen dabei die kurz zuvor veröffentlichte Studie "Sprichst du Politik". Nach Gesprächen mit Vertretern aus Wissenschaft, Politik und Netzgemeinschaft kam man schnell zu der Einschätzung, dass es bereits etliche ungenutzte Beteiligungsmöglichkeiten gebe. „Aus diesem Grund haben wir uns gegen die Entwicklung einer weiteren Website oder eines TV-Piloten entschieden. Stattdessen wollten wir eine übersichtliche und verständliche Anlaufstelle schaffen, auf der man, seine politische Stimme nutzen und in gesellschaftlich relevante Themen einbringen kann”, so Holger Heinrich von der Haupstadtmedien GbR, die das Projekt gemeinsam mit dem Medieninnovationszentrum Babelsberg (MIZ) initiiert hat. Auf die gemeinsame Ausschreibung konnte sich jedermann bewerben. Am Ende standen 13 junge Teilnehmer fest. "Wir haben dann nach individuellen Fähigkeiten ausgewählt – wir brauchten ja, um die einzelnen crossmedialen Kanäle bespielen zu können, ein paar Spezialisten, sowohl für die inhaltlichen als auch für die gestalterische Umsetzung", so Holger Heinrich gegenüber politik-digital.de.

Initiatoren mit ähnlichen Zielen sollen die Möglichkeit bekommen, ihre Seiten auf sehenwaspassiert.de selbst in ein dafür angelegtes Wiki einzutragen. Die Resonanz auf die neue Webseite sei bislang gut ausgefallen. Die gewünschte Durchdringung habe es aber leider noch nicht gegeben, so Heinrich. Für weitere Kommunikationsmaßnahmen reiche das Budget derzeit nicht aus, weshalb noch weitere Partner gewonnen werden sollen.

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