Welttag gegen Internetzensur: Gesperrte Webseite, öffne dich!

1201_ROG3Vietnam, China oder Russland. Diese Länder haben eines gemein: Sie zensieren die Berichterstattung in ihrem Staatsgebiet und schränken den Informationszugang ihrer BürgerInnen ein. Zum siebten Mal in Folge rufen Reporter ohne Grenzen deshalb zum Welttag gegen Internetzensur auf. Doch dieses Mal prangern die AktivistInnen für Informationsfreiheit nicht nur an, sondern werden selbst aktiv.

Die international tätige Nichtregierungsorganisation Reporter ohne Grenzen (ROG) setzt sich weltweit für die Pressefreiheit und gegen Zensur ein. Heute rufen Reporter ohne Grenzen zum siebten Mal unter dem Motto „Grenzenloses Internet“ zum Welttag gegen Internetzensur auf. An diesem Tag wirbt die NGO für ein Internet ohne Grenzen und Hürden und übt Kritik daran, dass autoritäre Regierungen mit Gesetzen und Zensur im Internet Grenzen ziehen und staatliche ZensorInnen entscheiden, auf welche Informationen die BürgerInnen ihres Landes zugreifen dürfen und auf welche nicht.

Reporter ohne Grenzen aktiv gegen Internetzensur

Um sich gegen die Beschneidung des Rechts auf Meinungsfreiheit und die freie Meinungsäußerung zu wehren, haben sich die Reporter ohne Grenzen in den Vorjahren darauf konzentriert, die weltweiten „Feinde des Internets“ am Welttag gegen Internetzensur zu benennen, deren Zensurmaßnahmen zu dokumentieren und detailliert zu beschreiben. Als Zentrum von Überwachung und Zensur und Feinde des Internets 2014 sah die Organisation insbesondere Behörden wie den US-Geheimdienst NSA und dessen britisches Pendant GCHQ. Insgesamt zählte ROG insgesamt 32 Behörden und Institutionen, die eine zentrale Rolle bei der Unterdrückung kritischer Stimmen und unerwünschter Informationen im Internet spielen.

Dieses Jahr geht die Organisation einen Schritt weiter und begnügt sich nicht mit der Protokollierung von Internetzensur. Zum ersten Mal greifen Reporter ohne Grenzen aktiv ein und machen zuvor gesperrte Internetseiten und Informationen für die Öffentlichkeit wieder zugänglich. Reporter ohne Grenzen haben für die Aktion neun blockierte Nachrichtenseiten in elf Ländern ausgewählt. Um die zensierten Seiten zu öffnen, hat ROG Kopien der Webseiten erstellt und in Cloud-Servern großer Anbieter wie Amazon, Google und Microsoft abgelegt. Würden die Regierungen der Länder nun versuchen, die Clouds zu blockieren, würde das die Sperrung von Tausenden weiterer Seiten, die sich ebenfalls auf den Servern befinden, nach sich ziehen. Die wirtschaftlichen und politischen Folgekosten einer solchen Aktion wären nicht absehbar.

Neun zensierte Nachrichtenseiten in elf Ländern gehen wieder online

Zu den wieder zugänglich gemachten Internetseiten zählt etwa das unabhängige Nachrichtenportal „Grani.ru“ in Russland, abrufbar in der gespiegelten Version unter https://gr1.global.ssl.fastly.net/. Gegründet wurde es im Jahr 2000 und wurde kurz nach dem Ausbruch des Ukrainekonflikts im März 2014 gesperrt. Zuvor waren dort mehrere Kreml-kritische Berichte erschienen.

Zu den weiteren Ländern gehören u.a. Kuba, Turkmenistan oder Bahrain. Auch in China schottet die Regierung das Internet für seine BürgerInnen ab. Neben zahlreichen Webseiten sind außerdem soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter blockiert. Zunehmend werden auch alternative Wege zu gesperrten Seiten, wie VPNs, unbrauchbar gemacht. Allein in der Volksrepublik sollen 29 JournalistInnen und 72 BloggerInnen inhaftiert sein. Auch im Iran, wo derzeit 17 JournalistInnen sowie 28 OnlineaktivistInnen und BürgerjournalistInnen hinter Gitter sitzen, wurde eine Internetseite wieder zugänglich gemacht.

Weitere Informationen zur Aktion “Grenzenloses Internet” zum Welttag gegen Internetzensur 2015 gibt es hier.

Bild: Reporter ohne Grenzen

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