Junge Wähler und Wählerinnen erreichen – Wahlkampf mit WhatsApp (1/4)

WhatsappWarum sollten Politiker und Politikerinnen auf einer Plattform aktiv sein, bei der es um Dating geht, Hasenohren auf Selfies der Renner sind und Bilder von Schuhen des FDP-Vorsitzenden Christian Lindner die meisten Views erhalten? Weil sich da die junge Zielgruppe aufhält. Diese Artikelreihe will zeigen, wie WhatsApp, Instagram, Snapchat und Tinder in der politischen Kommunikation genutzt werden können und welche Politikerinnen und Politiker diese besonders gelungen einsetzen. Im ersten Artikel haben wir uns angeschaut, wie Politiker und Politikerinnen WhatsApp verwenden.

Der WhatsApp-Messenger ist die mit 37 Millionen Mitgliedern meist genutzte App in Deutschland. Mit WhatsApp kann man chatten sowie Bild-, Video- und Audiodateien an Freunde und Freundinnen, Familie sowie Kollegen und Kolleginnen versenden. Die meisten Jugendlichen und jungen Erwachsenen verwenden Messaging-Apps häufiger und ausgiebiger als soziale Netzwerke. Auch der Trend zu Audioinhalten zeigt sich bei der Nutzung von WhatsApp, viele nutzen Sprachnachrichten, um zu kommunizieren.

Warum eignet sich WhatsApp für den Wahlkampf?

Mit WhatsApp können Wähler und Wählerinnen direkt in ihrer Lebenswelt erreicht werden, Push-Nachricht erscheinen bei vielen direkt auf dem Bildschirm, während in sozialen Netzwerken die Posts im Newsfeed untergehen und man mit vielen anderen um die Aufmerksamkeit buhlt. WhatsApp ist unmittelbarer.

Liveberichterstattung per WhatsApp

Jens Zimmermann, Bundestagsabgeordneter der SPD, berichtete per WhatsApp von der Bundesversammlung und der Wahl des neuen Bundespräsidenten. Während der Veranstaltung konnte man ihm quasi über die Schulter schauen. In sympathischer Art berichtete er chronologisch mit Text und Bildern über den die Bundesversammlung und den Wahlvorgang.

Screenshot Jens Zimmermann

Er sieht sein Angebot als Ergänzung: ,,Das Thema “Second Screen” ist bereits bei vielen Fernsehsendern ein großes Thema. Für mich war klar, dass dieses Interesse auch bei einer Bundespräsidentenwahl da ist und es Zuschauer gibt, die vor ihrem Fernseher oder vor ihrem Notebook sitzen und mit Smartphone und Tablet einem zweiten Kanal nutzen wollen.“

Für ihn war der Liveticker ein voller Erfolg, er hätte jetzt ein Gefühl dafür, wie dieser Kommunikationskanal zu benutzen ist. 100 Nutzer und Nutzerinnen haben sich für das Angebot registriert. Und das Angebot wurde positiv aufgenommen: „Aus meinem Wahlkreis habe ich die Rückmeldungen bekommen, dass es toll war, von “seinem Delegierten” bei einem besonderen Ereignis mit persönlichen Eindrücken begleitet zu werden.“

In seinem WhatsApp Newsletter berichtet Zimmermann außerdem über seinen Wahlkreis und die Arbeit in Berlin sowie von seiner Veranstaltungsreihe „kleinster Biergarten der Welt“.

Bürgersprechstunde auf WhatsApp

Screenshot Sarah Philipps

Die SPD-Landtagsabgeordnete Sarah Philipp informiert auf WhatsApp über ihre Arbeit im Landtag und in ihrem Wahlkreis, inhaltlich bezieht sie sich auf Themen oder Veranstaltungen, die lokal von besonderer Relevanz sind. „Neben dieser eher einseitigen Kommunikation biete ich zudem WhatsApp-Sprechstunden an. Hier trete ich dann in den direkten Austausch mit meinen Abonnenten. Neben Lob, Kritik und Diskussionen zu verschiedenen Sachfragen nehme ich hier mitunter auch ganz konkrete Arbeitsaufträge aus dem Wahlkreis mit.“ Sie bewirbt ihr Angebot in der Lokalpresse oder bei Besuchergruppen, die sie im Landtag empfängt. Die Sprechstunden werden gut angenommen, das sei auch logisch, denn ,,wo sonst gibt es eine so niedrigschwellige Möglichkeit direkt mit „seinem“ Abgeordneten ins Gespräch zu kommen?”. Allerdings, so schränkt sie ein, wären eher es eher politikaffine Menschen, die sich für den WhatsApp Dienst anmelden, die breite Masse erreiche sie dadurch nicht.

Screenshot Lars Klingbeil

 

Auch Lars Klingbeil, Bundestagsabgeordneter der SPD, nutzte WhatsApp, um eine Sprechstunde durchzuführen. Diese kündigte er vorher in sozialen Netzwerken oder in der Zeitung an „Früher hat man seinem Abgeordneten einen Brief geschrieben und vier Wochen später eine Antwort bekommen. Jetzt geht das schnell und unmittelbar“. Es seien seiner Erfahrungen nach vor allem Bürger und Bürgerinnen die das Angebot annehmen, die er bei den bekannten politischen Veranstaltungen oder Diskussionen nicht wahrnimmt. Ob er darüber hinaus WhatsApp im Wahlkampf einsetzen wird, weiß er noch nicht, aber er kann sich vorstellen, die App als Kommunikationstool zu verwenden, um freiwillige Wahlkampfhelfende dort zu vernetzen.

WhatsApp als Experimentierfeld

Für wen die Kommunikationsform per WhatsApp nichts ist, kann es halten wie der Bundespräsident Österreichs Alexander van der Bellen, der WhatsApp auch als Kampagnenkanal im Wahlkampf nutzte. An seinem Beispiel kann man sehen, dass auch WhatsApp für PolitikerInnnen geeignet sind, die weniger medienaffin sind. Während er die Sprachnachrichten aufnahm, und so eine Nähe zu den Wähler und Wählerinnen herstellte, kümmerte sich sein Team um Text, Bilder und Videos.

Fazit

WhatsApp kann als Monolog Media genutzt werden, in Form von Newslettern oder zur Berichterstattung von Veranstaltungen. Bürgersprechstunden können über die App realisiert werden und Bürger oder Bürgerinnen haben die Möglichkeit, mit ihren Anliegen niedrigschwellig an den Politiker oder die Politikerin heranzutreten. WhatsApp kann auch einfach neben Email, Telefon und persönlichem Gespräch als weiteres Kommunikationsmittel angeboten werden. Außerdem ist durch die exklusive und persönliche Ansprache der Messenger auch dazu geeignet, potentielle Wahlkampfmultiplikatoren sowie Helfende zu rekrutieren oder zu vernetzen. Es ist wahrscheinlich, dass ein WhatsApp-Kontakt zum freiwilligen Engagement im Wahlkampf eher bereit ist als ein Facebook-Follower oder Followerin. Denn wer sich entscheidet über WhatsApp Nachrichten zu erhalten, ist schon eher ein politikaffiner Mensch, der auch schon meist auch eine bestimmten Parteipräferenz bzw. eine Wahl getroffen hat.

Im zweiten Teil der Serie haben wir uns angeschaut, wie Politikerinnen und Politiker Instagram einsetzen, im dritten Teil, wie sie Snapchat verwenden und im vierten, wie sie Tinder nutzen.

Titelbild: Berlin Reichstag via pixabay, CC0 public domain, bearbeitet von Daniel Schumacher

Bilder im Text: Screenshot Whatsapp Jens Zimmermann, Screenshot Whatsapp Sarah Philipp, Screenshot Facebook Lars Klingbeil

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