Viele Internetnutzer kennen Hassbotschaften, wenige tun etwas dagegen

Cyberprzemoc via Wikimedia Commons CCO 1.0Hassbotschaften sind im Internet in Deutschland weit verbreitet. Dies ergab eine Umfrage, die das Meinungsforschungsinstitut YouGov im Auftrag des Verbands der Internetwirtschaft eco durchführte.

Ein Drittel der Befragten sind laut der Umfrage im Internet schon auf fremdenfeindliche Kommentare gestoßen. Bei den jungen Befragten zwischen 18 und 24 Jahren geben sogar 62% an, schon mit rassistischen Äußerungen in Kontakt gekommen zu sein. Das dürfte daran liegen, dass diese Gruppe verstärkt soziale Medien nutzt, denn grade dort sind solche Kommentare häufig zu finden. Dass Hassbotschaften nicht nur abstrakt sind, sondern sich gegen Personen richten, zeigt sich daran, dass nach eigenen Angaben 3% der Befragten (7% der 18-bis 24-jährigen) sich schon mal selbst von rassistischen Kommentaren angegriffen fühlten.

Ein weiterer Schwerpunkt der Umfrage lag auf dem Umgang mit Hassbotschaften. Oft werden diese Kommentare ignoriert: Fast die Hälfte der Befragten gab an, sich so zu verhalten. Die häufigste aktive Reaktion besteht darin, die Äußerung zu melden. 20% nutzen den kürzesten Weg und melden die Äußerung direkt beim betroffenen Plattform-Betreiber. 10% melden die Verstöße bei externen offiziellen Beschwerdestellen. Nur 14% der Befragten reagieren nach eigenen Angaben öffentlich sichtbar, indem sie mit eigenen Kommentaren auf die Äußerungen antworten und sich diesen direkt entgegenstellen. Absolut hat die Zahl der Meldungen stark zugenommen: Laut einer Statistik der Beschwerdestelle des eco haben Beschwerdefälle im Bereich Rassismus von 2014 auf 2015 um 150% zugenommen.

Eine mögliche Erklärung für den geringen Prozentsatz an reagierenden Nutzern ist, dass sich viele User auf sich allein gestellt fühlen. Zwei Drittel der Befragten gaben an, dass ihnen keine einzige Initiative gegen Fremdenfeindlichkeit im Internet bekannt ist. Dieses Ergebnis der Umfrage kann man als Aufruf an die staatlichen und privaten Initiativen werten, sich noch stärker zu engagieren und mehr auf sich aufmerksam zu machen.

Bild: Mielon, CCo Public Domain

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