Politischer Sprengstoff im Videostream

Still und heimlich, ohne Pressemeldung, starteten am 11. Mai 2008 parallel die ARD-Mediathek zum einem und die Mediathek für „Das Erste“ – mitten im Streit um die Zukunft des Internetangebots der Öffentlich-Rechtlichen. politik-digital.de schaute sich beide Angebote einmal an: Ein Erfahrungsbericht.

Die Einführung mit „der Maus“


Zuallererst die ARD-Mediathek, die mit mehr als 20000 Clips in der ersten Woche ein riesiges Angebot liefert. Für einen guten Einstieg empfiehlt sich das Grundlagenvideo von Armin Maiwald und „Der Maus“. In knapp acht Minuten bekommen so auch ungeübte Internetnutzer einen Überblick der Möglichkeiten, die die Mediathek bietet. Selbst als routinierter Nutzer, sollte man sich das liebevoll gestaltete Video einmal anschauen.

Dann geht es auf die Suche. Die Seite bietet zwar drei tagesaktuelle „Highlights“ an, ich möchte aber die aktuellen Beiträge zu den „olympische[n] Spiele[n]“ finden. Nach kurzer Wartezeit werde ich von etwa 1100 Clips erschlagen.

Darunter ist der Podcast der RadioEins-Sendung „Escape“, in dem es um „Den Spieler“ und Videospiele geht, aber auch etliche Beiträge zu den Olympischen Spielen in China. Soweit so unübersichtlich. Die Beiträge werden alle untereinander mit kleinen Thumbnails und einer sehr kurzen Zusammenfassung, sowie Angaben über Dauer, Datum und Sendeanstalt angezeigt.

Jedes Video kann wahlweise im Flashmediaplayer oder im Windows Media Player abgespielt werden; mit der Windowsvariante ist der Zuschauer auf Grund der Vollbildfunktion besser beraten. Die Möglichkeit Videos via HTML-Code auf anderen Internetseiten einzubauen, fehlt komplett, eine Option zur Eingrenzung oder andere erweiterte Suchoptionen leider auch. So ertrinkt der User in einer schier unendlichen Flut von Videoschnippseln aller Sendeanstalten von ARD über SWR4 bis WDR5.

Zu viel des Guten

Hier stellt sich das föderale System der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten selber ein Bein. Natürlich soll eine Mediathek umfassend sein, verschiedene Eingrenzungsmöglichkeiten wären aber gerade bei dieser schier unendlichen Masse von Videos-, Podcasts und Radiobeiträgen wünschenswert. Die Beiträge sind in der Mediathek dauerhaft abrufbar – es werden also jeden Tag mehr.
Sucht man beispielsweise nach aktuellen Kinofilmen, wie „Speed Racer“, kann sich der Nutzer die unterschiedlichen Filmgeschmäcker von Hessen 3 („Ich wünsche mir mehr Handlung, aber weniger Effekte“) bis NDR 2 („quietschbuntes Abenteuer“) anhören, muss sich aber entscheiden, welchem Geschmack man eher trauen möchte.
Aufegräumter präsentiert sich die Mediathek „des Ersten“. Der Auftritt orientiert sich sehr an dem des ZDF, setzt aber auch eigene Akzente. Die Videos lassen sich, im Gegensatz zum Flashmediaplayer der ARD-Mediathek, im Vollbild wiedergeben und die Suchfunktion lässt kaum Wünsche offen. Allein das Angebot gibt Raum für Kritik: Den Senderprimus „Schmidt und Pocher“ etwa, gibt es nur in zweiminütigen „Best-of“-Zusammenfassungen. Laut ARD hat dies aber nur rechtliche Gründe:“Wir bemühen uns aber um weitergehende Rechte.“

Politischer Sprengstoff?

Eigentlich ist der Start des Mediathekangebots der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten gar nicht so spektakulär. Schließlich ist das ZDF mit einer eigenen Mediathek schon seit 2005 online. Doch in den letzten Wochen spitzte sich der Streit über die gebührenfinanzierten Webauftritte von ARD und Co. zu.
Auf der einen Seite stehen die privaten Verleger, die in den derzeitigen Angeboten der öffentlich-rechtlichen Medien keine Konkurrenz sehen, sich aber vor dem Budget fürchten, das noch in die Onlinesparte fließen könnte. Zur Zeit werden „weniger als 1 Prozent“ der 7,3 Milliarden Euro in Internetseiten wie tagesschau.de gesteckt.
Auf der anderen Seite stehen die Intendanten von ARD und ZDF, die ihren gesetzlichen Auftrag erfüllen wollen. Die Erfüllung dieses Auftrages impliziere auch die Anpassung an das veränderte Konsumentenverhalten in Richtung Internet.
Zuletzt sorgte die Sendung „Quoten, Klicks und Kohle“ in der Medienwelt für Furore. Die Dokumentation wurde schon als „dreiste Dauerwerbesendung“(Focus) und „peinliche[s] Stück der Selbstbeweiräucherung“(F.A.Z.) bezeichnet. Die Sendung ist jederzeit über die Mediathek abrufbar.

2 Antworten auf Politischer Sprengstoff im Videostream

  1. fwittig sagt:

    Quoten, Klicks und Kohle ist wirklich sehr unterhaltsam auf seine Art und Weise. Eine derart dreiste Meinungsmache hätte ich der alten Dame ARD gar nicht zugetraut.

  2. rabenaas sagt:

    Na endlich. Es geht doch. Mehr Mut. Besser einäugig als blind.

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