Obama und Clinton rüsten zur Schlammschlacht

Die demokratischen US-Präsidentschaftskandidaten Hillary Clinton und Barack Obama liefern sich einen bislang beispiellosen Schlagabtausch, der spätestens seit den Vorwahlen in Iowa in erster Linie auf die persönliche Demontage des Gegners zielt. Längst bedienen sie sich dabei der neuen Medien – negative campaigning online!

Es begann mit einem Paukenschlag Anfang März 2007, wenige Wochen, nachdem Barack Obama seine Kandidatur bekannt gab. Anonym wurde der Clip „Hillary 1984“ auf Youtube lanciert. Es ist eine Adaption des legendären Ridley-Scotts-Werbespots, mit dem Apple 1984 seinen ersten Computer vorstellte. Hillary tritt hier als Orwells Big Brother auf, die die Massen über einen gigantischen Bildschirm indoktriniert, bis eine junge Athletin den Widescreen zerstört und dem Spuk ein Ende bereitet. Der Spot wurde rund 5 Mio. Mal auf Youtube heruntergeladen, 20.000 Mal kommentiert. Das Obama-Kampagnenteam dementierte umgehend, Urheber der Guerilla-Wahlwerbung zu sein, auch wenn im Abspann auf die URL barackobama.com verwiesen wird…

Rückblickend wirkt das Video wie der würdige Startschuss für einen Vorwahlkampf, der mit einer Härte geführt wird, die seinesgleichen sucht; der von Flüsterkampagnen, Dementis und persönlicher Demontage geprägt ist. Diese Form der Kriegsführung ist inzwischen unter dem Namen negative campaigning bekannt. Es ist ein Balanceakt, der – schlecht austariert – schnell mit dem Absturz der eigenen Sympathiewerte enden kann.

Die richtige Domain zur Schlammschlacht
Das letzte Feigenblatt in Sachen fairer Wahlwerbung schien nicht erst Anfang Januar gefallen zu sein, als Hillary Clinton bei den Vorwahlen in Iowa eine furiose Niederlage erlitt. Bereits einen Monat früher ließ sich das Clinton-Team die Domains VotingPresent.com sowie VotingPresent.org reservieren. Der pikante Hintergrund: Der Begriff voting present ist ein Fachbegriff aus dem Gesetzgebungsverfahren des Bundesstaates Illinois, der etwa „Stimmenthaltung“ bedeutet. Konkret bezieht sich der Begriff auf einen Vorwurf gegen Barack Obama, mit dem Konkurrentin Clinton zu punkten versucht: Obama soll sich bei Abstimmungen während seiner Zeit als Abgeordneter des Senats von Illinois 130 Mal der Stimme enthalten haben, darunter zu wichtigen Themen wie Abtreibung – für seinen politischen Gegner ein klarer Beweis für Unentschiedenheit, Zögerlichkeit und der Angst, klare Positionen zu beziehen. Bislang sind die Domains nicht mit Inhalten gefüllt worden – bislang.


Microsite vs. Microsite

Obama hingegen befindet sich in dem großen Dilemma, dass seine zentrale politische Botschaft der fundamentale Wechsel – gerade auch im Politikstil – ist. Er, der das Ende der Lagerbildung in liberal und konservativ anmahnt, kann, will er glaubwürdig bleiben, kaum seine Kampfhunde in Clintonscher Manier von der Leine lassen. Eine seiner Reaktionen auf die Angriffe seiner Gegnerin findet sich auf der Subhomepage HillaryAttacks.

Fast hilflos wirkt die dortige Auflistung von Pressestimmen und Clinton-Zitaten, die belegen sollen, dass der Wahlkampf der Senatorin aus New York schon längst nichts mehr mit Sympathiewerbung in eigener Sache zu tun habe, sondern in einen brutaler Nahkampf abgeglitten sei – mit den Königsdisziplinen Gerüchtestreuen, persönliche Verleumdung und Diskreditierung. Wurde HillaryAttacks das letzte Mal Anfang Dezember aktualisiert, legte das Clinton-Team mit der Microsite AttackTimeline nach – der Untertitel liest sich als klare Retourkutsche: „Obama on the Attack“. Hier werden entlang einer Zeitleiste und nahezu tagesaktuell gepflegt Obama-Zitate über Hillary Clinton präsentiert, die wiederum belegen sollen, dass sich Obama selbst tief in eine politische Schlammschlacht begeben habe.

Screenshot Attack Timeline

Wenn am Abend des 5. Februar, des „Super Tuesday“, die Vorwahlergebnisse aus über 20 Bundesstaaten vorliegen, wird man wissen, wessen Strategie aufgegangen ist. Der Gewinner bei den Demokraten kann dann endlich den eigentlichen politischen Gegner ins Visier nehmen – und sich schon einmal die einschlägigen Domains sichern.

Eine Antwort auf Obama und Clinton rüsten zur Schlammschlacht

  1. Hein Tuet sagt:

    Hallo,
    schlimmer als unter HIRNY Bushman kann es weder bei der Clinton noch beim Obama kommen.
    Hingegen scheint der republikanische Hauptkandidat ein Abklatsch
    vom Bushman zu sein.
    Any way – die Amis kürten ja doch ( meistens ) den falschen Kanidaten zum Präsidenten wie z.B. Nixon, Carter und Bush.

    Hopeless, hopeless those Yankees !!!!

    m.f.G.
    Hein Tuet

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