NRW-Piraten: “Ein mangelndes finanzielles Budget fördert die Kreativität der Mitglieder”

Notebook mit Piratenaufkleber

Foto: CC-BY: Tobias M. Eckrich, piratpix.com

Nur noch wenige Tage bis zur Wahl in Nordrhein-Westfalen. Laut Umfragen können die Piraten auch in NRW mit dem Einzug in den Düsseldorfer Landtag rechnen – es wäre ihr vierter Triumph in Folge. Im vierten Teil der Interviewreihe zum NRW-Onlinewahlkampf sprach politik-digital mit Lukas Lamla, Wahlkampfkoordinator und Listenkandidat (Platz 2) der PIRATENPARTEI Nordrhein-Westfalen.

politik-digital.de: Herr Lamla, durch die vorgezogenen Neuwahlen sind keine lang angelegten Kampagnen möglich.Was ist für die Piraten die größte Herausforderung bei dem doch recht engen Zeitfenster?

Lukas Lamla: Die mittlerweile erfolgreiche Zulassung zur Landtagswahl (42 Listen- und 128 Direktkandidaten) einschließlich der 1000 Unterschriften für die Landesliste und je 100 Unterschriften pro Direktkandidat innerhalb von zwei Wochen war wohl die größte Herausforderung. Dazu kam noch die Entwicklung und der Rollout von Plakaten, Flyern, Wahlkampfzeitungen usw., da wir -abgesehen von der Produktion- alles selbst machen und keine Marketingagenturen beauftragen.

politik-digital.de: Spielt der verkürzte Wahlkampf Ihres Erachtens eher großen oder kleinen Parteien, eher Regierungs- oder Oppositionsparteien in die Hände?

Lamla: Eher den großen Parteien. Wir mussten innerhalb kürzester Zeit nicht vorhandene Wahlkampfstrukturen aus dem Boden stampfen. Dies war in der ersten Phase mit Abstand die größte Herausforderung. Ob dabei jedoch Regierungs- oder Oppositionsparteien bevor- oder benachteiligt sind, vermag ich nicht zu beurteilen.

politik-digital.de: Welche spezifischen Vorteile haben Online-Wahlkämpfe gegenüber Offline-Wahlkämpfen?

Lamla: Online-Wahlkämpfe sind 24/7, also rund um die Uhr, möglich. Man erzielt mit wenig »Personal« eine wesentlich größere Reichweite.

politik-digital.de: Die etablierten Parteien haben Schwierigkeiten, Wähler über das Netz zu gewinnen. Woran liegt das Ihrer Meinung nach?

Lamla: Die etablierten Parteien haben möglicherweise zu wenig aktive Mitglieder mit einer „natürlichen“ Nähe zum Netz. Kampagnen wirken so schnell gekünstelt…

politik-digital.de: Die Piraten wiederum haben möglicherweise Probleme, ihre Wähler offline zu mobilisieren: Wie meistern Sie das, wie lernen Sie „offline-Wahlkampf“?

Lukas Lamla, Wahlkampfkoordinator Piraten NRW

Lukas Lamla (Foto CC-BY: Tobias M. Eckrich, piratpix.com)

Lamla: „Offlineprobleme“ sehe ich bei den Piraten nicht. Wir sind sehr aktiv mit Infoständen, an denen auch viele Bürger die Möglichkeit nutzen, sich zu informieren. Ganz bewusst sind wir in diesem Wahlkampf überall auf die Straße gegangen und konnten vielen Bürgerinnen und Bürgern zeigen, dass wir auch bei Ihnen vor Ort sind.

politik-digital.de: Wie erfolgreich ist bislang der Wahlkampf der Piraten in NRW?

Lamla:
Wie misst man denn den Erfolg eines Wahlkampfes vor Bekanntgabe der Wahlergebnisse am 13. Mai abends? Gemessen an den aktuellen Umfragewerten sind wir erfolgreich, gemessen an dem Mitgliederzuwachs der letzten Wochen, ebenfalls. Der Zuspruch auf der Straße ist wirklich überwältigend. Manch ein Pirat musste sich regelrecht bejubeln lassen.

politik-digital.de: Welche besonderen Herausforderungen gibt es im NRW-Wahlkampf, gerade im Vergleich zu den Wahlkämpfen in Berlin und im Saarland?

Lamla: NRW ist ein heterogenes Flächenland mit Großstädten, Ballungsgebieten, aber auch ländlichen Regionen. Hier war es stärker nötig, sich an die jeweiligen Anforderungen vor Ort anzupassen.

Politik-digital.de: Wie mobilisieren Sie eigentlich Wähler in ländlichen Regionen?

Lamla: Wir planen noch weitere spezifische Aktionen in ländlichen Regionen, da wir hier noch nicht so stark verbreitet sind. Es ist wichtig, auch in den ländlichen Regionen Präsenz zu zeigen.

politik-digital.de: Ihrer Partei stehen weniger finanzielle Mittel zur Verfügung als großen Parteien: sehen Sie sich Ihren Konkurrenten gegenüber benachteiligt?

Lamla: Ich glaube, dass wir durch unsere Infrastruktur und die vielen fleißigen Helfer sehr gut aufgestellt sind. Natürlich wären größere finanzielle Mittel hilfreich, aber wir kompensieren das mit unseren Wahlkampfhelfern aus dem ganzen Bundesgebiet schon sehr gut. Zudem stelle ich fest, dass ein mangelndes finanzielles Budget die Kreativität der Mitgliedern fördert. So entstehen aus der Not heraus viele unglaublich schöne Ideen.

politik-digital.de: Was sind die Vorteile von Twitter im Wahlkampf, wen können Sie über Facebook besser erreichen?

Lamla: Ich glaube nicht, dass man das so sehr voneinander trennen kann. Sicherlich ist Facebook etwas mehr “Mainstream” als Twitter. Wir nutzen beide Plattformen parallel. Twitter dient dabei mehr der spontanen Mobilisierung der Mitglieder und einem schnelleren Transport von Informationen.

politik-digital.de: Die Wahlkampf-Internetseite der NRW-Piraten hat kaum Auffälligkeiten. Müssen Sie sich im Netz nicht so sehr ins Zeug legen wie die anderen Parteien?

Lamla: Eine Internetseite muss funktional, übersichtlich und informativ sein. Ich finde, unsere Seite erfüllt diese Anforderungen. Mit einer Internetseite gewinnt man jedoch keinen Wahlkampf, darum legen wir uns mit unserem Wahlprogramm umso mehr ins Zeug.


Interviewreihe zum Online-Wahlkampf #nrw12:

FDP: “Wer Onlinekommunikation verschläft, kann die Wahl verlieren”

Grüne: “Wir verstehen uns als digitaler Vorreiter”

CDU: „Wir führen keinen bunten ‘Gute-Laune-Wahlkampf‘“

Linke: “Unser Wahlkampf ist ein harter Kampf gegen Zeit und Geld”

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