Gesellschaftsbetriebssystem Internet?

Derzeit findet in Berlin zum fünften Mal der Bloggerkongress re:publica (13.-15. April) statt. Auch politik-digital.de ist vor Ort. Dabei haben wir heute zwei interessante Vorträge zu den Themen „Das Internet als Gesellschaftsbetriebssystem“ und „OpenLeaks“ mitgeschnitten.

Bei der gestrigen Eröffnung der re:publica hatte Mitorganisator Markus Beckedahl, Betreiber des Blogs netzpolitik.org, mit der Gründung der Bürgerrechtsorganisation „Digitale Gesellschaft“ bereits für Schlagzeilen gesorgt. Kernziel der Organisation ist es, Nutzerrechte in der digitalen Gesellschaft zu fördern und zu fordern.

(Vortrag von Gunter Dueck)

Ein weiteres erwähnenswertes Ereignis war der heutige Vortrag des netzaffinen Philosophen Gunter Dueck über das Internet als „Gesellschaftsbetriebssystem“. Dueck stellte fest, dass z.B. die Regierung Minister für jede Infrastruktur (Recht, Ernährung, Verteidigung etc.) habe – diese aber müssten in einer Art “Betriebssystem” miteinander vernetzt werden. Zudem mache das Internet fachliches Wissen obsolet. Dueck wörtlich: „Jetzt muss der Lehrer nicht mehr wissen, wie Kästchenrechnen geht. Und was raus kommt. Sondern der Lehrer muss jetzt echt Pädagogik können.“ Das reine Fachwissen stehe in verschiedenen Formaten (Artikel, Bilder, Videos etc.) veranschaulichend im Netz zur Verfügung. Im nächsten Zeitalter gehe es nicht mehr um das Wissen, sondern um das Können! Hier der MP3-Mitschnitt des Vortrags.

(Vortrag von Daniel Domscheit-Berg)

Auch Daniel Domscheit-Berg, Gründer der Whistleblower-Plattform OpenLeaks, hielt einen Vortrag. Er bezeichnete OpenLeaks als digitale Babyklappe (= Dropbox). Die Alpha-Phase solle demnächst mit sechs ausgewählten Partnern erfolgen. Domscheit-Berg unterstrich, dass er und seine Mitstreiter auf ein nachhaltiges Konzept setzten. Alle Prozesse müssten transparent sein und das Whistleblowing Maßstäben der Ethik und Verantwortung (= Standards) gerecht werden. Es wird eine Zusammenarbeit mit bis zu 100 Partnern angestrebt. Dabei soll es eine 50:50-Aufteilung zwischen NGOs und Medien geben. Sehr wichtig sei darüber hinaus auch eine solide Finanzierung. Hier der komplette MP3-Mitschnitt.

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