Digitale Hotelbuchung: Profitable Abhängigkeit

cwr02zo0gp8-jason-briscoeOnline-Buchungsportale wie Booking und HRS erfreuen sich großer Beliebtheit, stehen aber auch in der Kritik. Insbesondere die Markkonzentration auf wenige Anbieter erzeugt eine Abhängigkeit von den Portalen. Dennoch sind die Dienste für die Hoteliers nicht mehr wegzudenken, wie das Beispiel des Hotels zur Post in Aschheim zeigt.

„Moment, ich komme gleich…“ Dragan Zovko bricht seinen Satz ab, seine Augen sind bereits auf den Vorhang geheftet, der zwischen dem Schlafbereich und dem Bad hängt – noch eben schnell den Sichtschutz zurechtrücken. Erst seit 2012 gibt es im über 140 Jahre alten Hotel zur Post die sogenannten Naturdesign-Zimmer. Ökologisch und nachhaltig gebaut, heimische Materialien, Lehmwände mit integriertem Heizungssystem und einem Fenster mitten im Raum, das für Tageslicht im Bad sorgt. Moderne im traditionsreichen Haus in Aschheim, eine kleine Gemeinde vor den Toren Münchens.

Die Digitalisierung hat schon in vielen Branchen ihre disruptive Kraft entfaltet. So stellen Online-Portale auch Hotels vor ganz neue Herausforderungen. Mal eben mit ein paar Klicks eine Unterkunft gebucht – schnell, einfach, vom Sofa aus, ohne lästiges Telefonieren. Längst haben HRS und Co. das Telefon als stärkster Buchungskanal abgelöst. Laut Angaben des Hotelverband Deutschland e.V. ließ sich 2015 jede vierte Reservierung in Deutschland auf Online-Dienste zurückführen – Tendenz steigend.

Doch die Kritik an den Portalen ist nicht zu überhören. Vor allem die Marktkonzentration ist bedenklich: die drei größten Anbieter Booking, HRS und die Expedia-Gruppe kontrollieren gemeinsam knapp 94 Prozent des Marktes. 2016 wurde darüber hinaus HRS für fehlende Werbe-Kennzeichnung kritisiert: mithilfe eines branchenüblichen „Boosters“ konnten sich Hotels als Gegenleistung für höhere Provisionen ein besseres Ranking bei den Portalen erkaufen.

Dragan Zovko kann die Kritik an den Buchungsportalen nachvollziehen. Der 32-Jährige ist seit 2012 Empfangschef im Hotel zur Post. Die Portale nähmen viel Geld für etwas, womit sie im Endeffekt nichts zu tun haben. „Es geht dadurch ja dann doch ein Teil des Kuchens verloren.“ Doch so ambivalent solche Dienste auch sein mögen, sie sind einfach nicht mehr wegzudenken. Die Branche steckt in einer Transitionsphase zwischen analoger Vergangenheit und digitaler Zukunft.

Zwischen Tradition und Moderne

Vor acht Jahren richtete das Hotel zur Post neben der Gastwirtschaft die „Aschheimer Stube“ ein – eine urige und rustikale Bauernstube im Stile der „Alten Post“. Die Moderne ist nur drei Meter entfernt. Verlässt man den Raum durch die dunkle Holztür, fällt rechts sofort der Eingang zur Küche ins Auge: eine vollautomatisierte Glastür mit Bewegungsmelder.

Auch auf dem Weg in die oberen Etagen kontrastieren beide Welten: rechts die älteren Zimmer, denen der moderne Touch noch fehlt, links der moderne Neubau. Folgt man der Treppe vom Dachgeschoss mit den Naturdesign-Zimmern in den Keller, trifft man wieder auf die Vergangenheit: ein dunkler, rustikaler Raum mit ein paar hölzernen Tischen und Stühlen. Zwei Kegelbahnen befinden sich hier im spärlich ausgeleuchteten Untergeschoss, nur noch eine ist betriebstüchtig. Die Bahnen seien definitiv nicht der „Unique Selling Point des Hauses“ räumt Zovko ein. Eines Tages soll auch dieser Bereich modernisiert werden: geplant ist ein heller Fitness- und Wellnessbereich.

Die Nachfrage hierfür gebe es definitiv. Knapp 90 Prozent der Übernachtungen verzeichnet das Hotel unter der Woche. Kernzielgruppe sind die Geschäftsleute, die von der nur 10 Minuten entfernten Münchner Messe angezogen werden. „Wenn ein Hotel im Großraum München ein Problem mit der Auslastung hätte, dann würden es wirklich etwas falsch machen“, so Dragan Zovko. Services wie Airbnb sind für das Hotel zur Post kein Problem. Der Dienst habe einfach eine andere Zielgruppe als das Haus, so Zovko. Airbnb zöge nicht Geschäftsleute, sondern Menschen an, die preisbewusster unterkommen möchten. „Ich würde nicht sagen, dass uns dadurch Gäste abwandern.“

Fluch und Segen  

Die Internationalität von booking.com und Co. ist angesichts der Nähe zur Messe ein großer Vorteil – auch die Vollautomatisierung des Buchungsprozesses erspart dem Hotel viel Arbeit. Um ein Zimmer in der Vier-Sterne-Post zu reservieren, führt eigentlich kein Weg an den Buchungsportalen vorbei. Sie bieten letztlich einen entscheidenden Vorteil: die immense Reichweite.

So sind Booking, HRS und Co. trotz aller berechtigten Kritik für das Hotel zur Post nicht wegzudenken. Dragan Zovko schätzt, dass circa 75 Prozent aller Buchungen des Hotels zur Post über die Online-Portale eintrudeln. „Wenn wir uns komplett von den Portalen trennen würden, befürchte ich, dass wir einfach leere Zimmer haben würden.“ Um das zu kompensieren, „müsste ich viele Verkaufsleute einstellen – das würde sich nicht lohnen. Das wäre viel teurer als der Prozentsatz, der für eine Buchung vom Hotel verlangt wird.“ Für das Haus sei das definitiv ein profitables Geschäft, vor allem angesichts des Verzichts auf Marketingausgaben und Verkaufspersonal. „Deswegen sind wir eigentlich von den Portalen abhängig.“ Man begibt sich in eine Abhängigkeit, andererseits könnte man ohne die Portale das Hotel wohl dichtmachen. „Durch die Reichweite, die mit den Portalen kommt, muss man das einfach hinnehmen.“

Titelbild by Jason Briscoe via Unsplash, CC0

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