Buchkritik: “Das Internet in Wahlkämpfen”

Copyright: bildungskatastrophe via Flickr (CC BY-NC-SA 2.0)Mit einem schlichten Äußeren kommt das neue Buch von Andreas Jungherr und Harald Schoen daher. Doch im Inneren entfaltet sich auf rund 150 Seiten eine dichte Analyse. Ziel des Buchs ist es, den Leserinnen und Lesern einen Kenntnisstand über die Wahlkampfführung im Internet zu vermitteln und fokussiert sich dabei auf Deutschland und die Vereinigten Staaten.

Zwar präsentieren die Autoren keine eigenen Erhebungen, doch sind die Auswertungen der bereits vorliegenden Daten durchaus aufschlussreich. Beispielsweise erfahren die Leserinnen und Leser, dass sich die Nutzung der Medien durch das Aufkommen des Internets deutlich verändert hat. So ist das Internet das einzige Medium, dass Deutsche heute häufiger als Informationsquelle für Themen in Deutschland heranziehen als sie es noch im Jahr 2001 getan haben. Gleichzeitig haben die traditionellen Medien an Bedeutung verloren, besonders gravierend im Printbereich.

Digitaler Graben in der Gesellschaft

Dennoch ist der Zugang zum Internet – insbesondere zu Breitbandanschlüssen – in Deutschland nach wie vor ungleich verteilt. Forschungsergebnisse liefern zudem Hinweise darauf, dass das Internet eine digitale Spaltung eher verursacht anstatt z.B. eine bestehende Kluft zwischen Arm und Reich zu schließen. Ein weiterer Befund: Unpolitische Bürgerinnen und Bürger werden durch das Internet nicht politischer – vielmehr nehmen politisch Interessierte online Informationen auf und ergänzen so ihrem ohnehin hohen Informationsstand.

Auch ist die Beteiligung an politischen Onlineformaten nach Überzeugung der Autoren überschaubar – am ehesten finden online-basierte Unterschriftenaktionen Unterstützung. Mehrfach verweisen die Autoren darauf, dass die Nutzer im Netz nicht repräsentativ für die Bevölkerung sind – weder in den Vereinigten Staaten noch in Deutschland. So erfreuen sich besonders Bündnis 90 / Die Grünen eines überdurchschnittlichen Zuspruchs im Internet, wohingegen die so genannten Volksparteien abgeschlagen dahinter liegen.

Die USA als Vorbild?

Über die USA erfahren wir, dass vor allem Nutzer mit einer bereits bestehenden Parteiaffinität die Kampagnenseiten der Kandidaten aufsuchen. Unentschlossene und parteiungebundene Wahlberechtigte finden sich dagegen seltener unter den Seitenaufrufenden. Auch stellen Blogleserinnen und -leser keine große Gruppe dar. Für die Verbreitung politischer Informationen über Twitter sind in den USA darüber hinaus nur wenige Multiplikatoren verantwortlich. Von einer völligen Einebnung von Informationsgräben kann aufgrund dieser Befunde keine Rede sein.

Fazit

Insgesamt bietet das Buch einen guten Überblick über den Forschungsstand zu diesem recht jungen Thema der Politikwissenschaft. Erfreulich ist die unaufgeregte, aber deswegen nicht langweilige, Vorstellung und Interpretation der Daten. Zudem sind die (wenigen) Grafiken übersichtlich aufbereitet und geben einen schnellen Überblick über relevante Zahlen. Empfehlenswert zu lesen.

Jungherr, Andreas / Schoen, Harald: Das Internet in Wahlkämpfen. Konzepte, Wirkungen und Kampagnenfunktionen, Springer VS, Wiesbaden, 2013. Preis: 24,95 €.

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