Bloggen am Río de la Plata

Auch in Südamerika schaute man in diesen Tagen gebannt auf die USA. Neidisch auf die gereifte Demokratie der US-Amerikaner, wünschen sich einige Blogger schon argentinische Kandidaten mit dem Format eines Obama. Dass die Argentinier sich nach einem politischem „Erlöser“ sehnen, liegt nahe: Während der Staatskrise 2001/2002 wechselten sich in nur zwei Wochen fünf Präsidenten ab.

Seither hat das Land zwar eine gewisse politische Stabilität und hohes Wirtschaftswachstum vorzuweisen, aber die Unsicherheit und Unzufriedenheit mit der politischen Elite wächst wieder – neben der Befürchtung, dass es bald wieder zum Staatsbankrott kommen könnte. Am Río de la Plata liegt der Schwerpunkt der Berichterstattung vor allem auf den Entwürfen des gewählten Präsidenten bezüglich der Handelsabkommen zwischen den USA und dem lateinamerikanischem Kontinent. Auch wird die historische Bedeutung der Kandidatur Obamas hervorgehoben und als Chance für einen Neuanfang nach der Präsidentschaft George W. Bushs gesehen, der auch in Argentinien allseits negative Reaktionen hervorruft.

Blogs von Tageszeitungen dominieren

Die argentinische Blogger-Szene wird, was das Thema Nachrichten und Politik angeht, von den Blog-
Ablegern der großen Tageszeitungen wie Clarín, La Nación und den Fernsehsendern dominiert. Private Blogs, die sich mit dem Thema Politik beschäftigen, spielen bisher keine große Rolle in der öffentlichen Wahrnehmung. Eigenständige und unabhängige Blogs, wie in den USA zum Beispiel die „Huffington Post“, oder „realclearpolitics.com“, sind nicht in Sicht.

Politische Blogs gibt es viele, doch führen diese vor allem die klassische Berichterstattung fort, ohne die neuen Möglichkeiten politischer Kommunikation wirklich auszuschöpfen. Politische Mobilisierung findet nach wie vor vor allem auf der Straße und über das Fernsehen statt. Doch auch argentinische Kommentatoren erkennen die Erfolge des Obama-Wahlkampfes an und konstatieren, dass das Internet zum wichtigsten Medium für die Überzeugung, das Engagement, die Mobilisierung und das Einwerben von Spenden für Wahlkämpfe im 21. Jahrhundert werden wird oder es schon heute ist.

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