“Wir sind quasi eine Art Stiftung Warentest der Politik”

Politik
im "Espresso-Format".

Chat mit Maybrit Illner, Moderatorin von "Berlin-Mitte".



Maybritt Illner

Politik als Produkt
und die Talkshow als Stiftung Warentest: im Chat von politik-digital und
stern.de erklärte die ZDF-Talkerin, warum politische Talkshows wichtig
für die Meinungsbildung sind. Beim Thema Afghanistan fiel es aber
selbst der großen Meinungsmacherinnen des deutschen Fernsehens schwer,
Stellung zu beziehen. Maybrit Illner verglich im Chat die Situation mit
dem Kosovo-Krieg und bemängelte, dass es auch jetzt nur vier Bildquellen
gäbe, die zur Meinungsbildung einfach nicht ausreichten.


Trotz Informationsdefizit
– Themen, schwärmt Illner, gäbe es heute im Überfluß. Über
das Wetter oder Naddels neue Männer weigere sie sich allerdings zu sprechen.

In ihrer Talk-Show möchte
die ehemalige Sportredakteurin des DDR-Fernsehens zugleich informieren und unterhalten.
"Am liebsten wäre mir im besten Sinne des Wortes eine unterhaltsame,
gute Unterhaltung von fünf Menschen über ein Thema."

Vorwürfe, immer dieselben
Köpfe zu laden, wies sie zurück. Zwar waren Peter Struck, Fraktionsvorsitzender
der SPD und Friedrich Merz, Fraktionsvorsitzender der CDU/CSU schon jeweils
viermal dieses Jahr in der Sendung, doch müsse man sich darum bemühen,
die Verantwortlichen zu konfrontieren und das Verhältnis zwischen Opposition
und Regierung auch in einer Talk-Runde herzustellen.

Auf die Frage hin, wie sie
ihre Gäste aus der Reserve locke, zitiert sie Hermes Phettberg: "Die
Talkshow ist wie ein Aquarium. Und das Tolle an einem Aquarium ist, dass die
Fische nicht weg können."

Auch kritische Fragen tauchten
im Chat auf: ein Chat-Teilnehmer wollte wissen, warum Politik in Talkshowform
präsentiert werden müsse. Illner erklärte, daß sie ihre
Aufgabe darin sieht, nachzufragen, Lösungsvorschläge zu überprüfen
und nach Alternativen zu suchen.
"Im Grunde machen wir möglich, dass jemand, der morgens noch nicht
die Bundestagsdebatte verfolgen konnte, schlicht weil er zur Arbeit gehen musste,
dennoch am Abend versteht, über welches Problem angestrengt politisch diskutiert
wurde und was die politisch Betroffenen, nämlich wir, davon zu halten haben.
Und das alles in 45 Minuten. Espresso-Format, wenn Sie so wollen."

Als Frau in der männer-dominierten
Medienwelt kann die engagierte Moderatorin wertvolle Erfahrungen weitergeben.
Zwar haben es Frauen immer noch schwerer im TV-Geschäft, es sei aber mittlerweile
viel aufgeholt, lautet ihr Fazit.
Ihr Rat an junge Frauen, die Moderatorin werden wollen: "Vielleicht sollte
sie Journalistin und nicht in erster Linie Moderatorin werden wollen. Ansonsten
gilt immer: Keine Angst vor der eigenen Courage, vor dem ständigen Mißtrauen
gegenüber der ersten Idee und Freude daran, an sich zu arbeiten."



 

 

Das ausführliche Transkript finden sie hier.

 


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