“Die Loveparade lebt von Berlin”

Jürgen Laarmann im Chat am 19. Juli 2001


Die Loveparade sei in Schwierigkeiten, Teile der Szene rebellierten und Dr. Motte
entwickele sich gerade zur "tragischen Figur" – so bewertetete zumindest
der Techno-Guru Jürgen Laarmann die derzeitige Befindlichkeit der Techno-Musikszene.
Der Mitbegründer der Loveparade und ehemaliger Chefredakteur bei Frontpage chattete
über die Interna des umstrittenen Ravespektakels, ihre politische Bedeutung und
die Wiederbelebung seines Musikmagazins.

Dass die Loveparade in
Schwierigkeiten ist, sei spätestens seit dem Gerichtsprozeß über den
Statut der Veranstaltung als politische Demionstration klar, doch auch
mit den Veranstaltern gebe es Streit. So berichtet Laarmann auf die
Frage, wann das "dicke Ende" der Parade komme; "Vielleicht nach diesem Jahr. Teile der Szene rebellieren, Sponsoren sind entsetzt." Der Grund: "Inkompetenz" der Love Parade, "strenge Bedingungen gegen die Wagenbetreiber", die "Arroganz" der Veranstalter und die "Bevorzugung der eigenen Künstler unter dem Decknamen der Liebe".

Wann es zum
finalen Aufbegehren der Szene kommt, wusste auch Laarmann nicht zu
sagen. Die Zeitschrift Raveline hat schon für die diesjährige Parade zu
Streik-Protesten gegen die Planetcom aufgerufen, um auf Mißstände
hinzuweisen – um 17 Uhr sollen die Wagen stillstehen, eine Resolution
soll verlesen werden. "Im Moment telefonieren die Planetcom Leute mit den Wagenbetreibern, um sie vom ‘Streik’ abzuhalten", berichtete Laarmann. Er selber stieg schon vor Jahren aus dem Organisationsteam aus. Der Grund: "Ich war mit den Organisatoren heillos zerstritten". Er spekulierte über Dr. Motte, eine der Hauptfiguren der vergangenen elf Paraden: "Er wird gerade zur tragischen Figur" Nachdem Dr. Motte nicht mehr die Hymne entwerfen durfte, habe er sogar bei der Fuckparade mitmachen wollen.

Die Fuckparade, Gegenveranstaltung zur Loveparade, konnte in Laarmanns Augen ihren politischen Charakter bewahren. "Ein schlimmer Tag für die Demokratie"
interpretierte er deswegen auch das Verbot, die Fuckparade als
Demonstration zu veranstalten. Es sei Zeit, dass die Gerichte Demos mit
Musik als emotionalen Träger anerkenne. Die Fuckparade repräsentiere
heute "ideologisch sehr viel, was die erste Love Parade ausgemacht" habe. Sie habe aber nicht wirklich Chancen wegen ihrer "Gabba-Musik-Herkunft" und ihres "Outfits".

Neben der
politischen Aufladung interessierten sich die Chatter auch für die
Finanzen des Mega-Events Love Parade. Dass deren Kommerzialisierung
nicht unbedingt zu Innovationen in der Technomusikszene beiträgt war
common sennse. Auf die Frage, wieviel Geld im Spiel sei, antwortete
Laarmann: "Na
da kann jeder Mal rechnen. Wenn eine Millionen Leute kommen und im
Schnitt 500 Mark ausgeben, dann sind das eine halbe Milliarde Mark."

Die Schätzungen, wie viele Raver
es dieses Jahr in die Hauptstadt zieht, weichen auseinander. Die
Veranstalter setzten die zu erwartenden Besucherzahlen "bewußt" niedrig an, um später darüber jubeln zu können, die Prognosen übertroffen zu haben, glaubt Laarmann.

 

Das ausführliche Transkript finden sie hier.

 


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