“Ich fühle mich in Israel sicher”

Am 25. September 2007 war Lila, Bloggerin auf „Letters from Rungholt“, zu Gast in der Blogsprechstunde, dem Chat von politik-digital.de und den Blogpiloten. Sie sprach über ihr Leben in einem israelischen Kibbuz und erklärte, was sie an der Darstellung Israels in deutschen Medien ärgert und wie sie den Nahostkonflikts wahrnimmt.

 

Moderator: Hallo und herzlich willkommen zur Blogsprechstunde,
dem Chat von politik-digital.de und den Blogpiloten. Heute ist Lila
vom Blog "Letters from Rungholt" unser Gast. In ihrem
Weblog berichtet sie von ihrem Leben in einem Kibbuz im Norden Israels.
Von dort aus chattet sie heute auch mit uns.

Lila Rungholt: Hallo, ich bin auch
schon hier.

Lila

 

Lila, Letters
from Rungholt

Moderator: Ein Hallo nach Israel. Schön,
dass alles geklappt hat. Hier ist es jetzt 16 Uhr. Lila, können
wir starten?

Lila Rungholt: Na klar.

Moderator: Unsere Leser konnten schon im Vorfeld
Fragen stellen und darüber abstimmen,welche hier den Chat eröffnet.
Hier ist die erste:

Nataku: Wie muss man sich den Alltag im einen Kibbuz
vorstellen?

Lila Rungholt: Ganz normal. Man geht morgens arbeiten,
die Kinder sind gut versorgt, es gibt die Möglichkeit, im Dining
Room zu essen und Wäsche waschen zu lassen. Was ich nicht in
Anspruch nehme, aber könnte, wenn ich wollte. Und mein Gehalt
geht an den Kibbuz.

teichtier: Wie lange bist du jetzt genau schon
in Israel? War die Umstellung von Norddeutschland aus sehr schwierig
oder konntest du dich gut einleben?

Lila Rungholt: Ich bin schon seit fast 20 Jahren
hier. Die Umstellung war ganz einfach. Eigentlich war es mein Traum.
Und er hat mich nicht enttäuscht.

Skehl: Wie haben deine Familie und deine Freunde
reagiert, als du ins Kibbuz gezogen bist?

Lila Rungholt: Da ich aus Liebe nach Israel gegangen
bin, haben sie sich erst mal meinen Y. (Lilas Mann, Anm. der Red.)
angeguckt und als er ihnen gefallen hat, haben sie es akzeptiert.
Und alle, die mich hier besucht haben, haben sofort gesehen, dass
ich hier einfach hin passe und glücklich bin.

Fallinger: Was sind die größten Unterschiede
zwischen deinem Leben in Deutschland und deinem Leben im Kibbuz?

Lila Rungholt: Oh, Unterschiede. Ich bin als junge
Studentin, Single und abenteuerlustig, aus Deutschland weggegangen.
Ich habe mich verändert, mein Leben auch. Das hat nicht unbedingt
mit dem Kibbuz zu tun. Obwohl ich hier Verantwortung zu übernehmen
gelernt habe, mich für andere einzusetzen, was man als Erwachsene
so lernt.

Passadena: Wie reagieren Leute in Deutschland darauf,
wenn du ihnen erzählst, dass du in einem Kibbuz lebst?

Lila Rungholt: Verschieden. Hängt davon ab,
ob sie wissen, was das ist. Wer Kibbuzim kennt, findet es meist
super. Wer nicht, hat komische Vorstellungen: Dass es Siedlungen
sind, dass man Waffen tragen muss, oder Uniform. Viele wissen auch
einfach gar nichts darüber.

Daniel: Du anonymisierst ja deinen Namen und die
Namen deiner Familie und Freunde – dennoch stellst du viele Fotos
ins Netz. Würde es dir was ausmachen, wenn dich jemand im Real
Life daran erkennen würde oder ist das sogar schon mal vorgekommen?

Lila Rungholt:
Oh ja, ich bin schon öfter erkannt
worden, und es stört mich nicht. Ich anonymisiere aber, damit
jemand, der mich beruflich kennen lernt, nicht beim Googeln auf
meine Privatseite kommt. Man könnte sagen, ich anonymisiere
mein Berufsleben :-)

Moderator: Bist du eher in Deutschland oder in
Israel erkannt worden? Und wie waren die Reaktionen?

Lila Rungholt: Oh, das Erkennen war andersherum.
Dass jemand Rungholt gelesen hat und gesagt hat: „Hey, die
kenne ich doch!“ Es ist etwas komisch, dann denke ich: Mensch,
die wissen ja schon alles, kennen meine Dönekens. Etwas peinlich…

natasja: Warum hast du angefangen, zu bloggen?

Lila Rungholt: Eigentlich nur als Versuch. Eine
Kollegin von mir ging für ein Jahr nach Indien und blieb per
Blog in Kontakt mit uns. Da dachte ich, das will ich auch mal probieren,
ich bin ja sowieso obsessiv und schreibe seit 1976 Tagebuch. Ich
halte absolut alles schriftlich fest. Ich hätte aber nie gedacht,
dass das überhaupt jemand lesen will! Die Blogwelt ist ja so
reich, das wusste ich vorher nicht.

catta: Du bist ja mal von der Deutschen Welle als
bestes deutschsprachiges Blog ausgezeichnet worden. Hat dich das
überrascht, so einen Preis zu bekommen?

Lila Rungholt: Der Preis – ja, da war ich
platt. Ich hatte das gar nicht mitgekriegt, dass das mit Jurypreis
ist. Ich war total überrascht und es war mir etwas zu viel.
Ich habe den Button der DW nicht im Blog eingebunden und nie im
Blog über den Preis geschrieben. Ich habe eine Weile pausiert,
damit die Zugriffszahlen sich etwas beruhigen. Es war mir etwas
zu viel. Als ob Leute jetzt von mir wer weiß was erwarten.
Erwartungen können lähmend wirken….

Karina: Was bedeutet Rungholt eigentlich?

Ck2: Rungholt ist der Name einer versunkenen Stadt
– warum hast du dein Blog so genannt? Bedeutet der Name etwas spezielles
für dich?

Lila Rungholt: Rungholt bedeutet für mich
alles, was vergangen ist – unzugänglich wie Rungholt. Ich sehe
meine vergangene Welt als versunken, gleichzeitig bewohne ich sie.
Ich habe das Motiv der versunkenen Stadt immer schon geliebt. Ich
bin auch mehr Epimetheus als Prometeus, gucke mehr zurück als
nach vorne. Es war ein spontaner Entschluss, den Blog so zu nennen.
Heute würde ich die „Letters from“ weglassen. Aber
ich wusste ja nicht, wie sich das auswachsen würde!

Moderator: Auswachsen? Meinst du die vielen Leser
und Kommentare?

Lila Rungholt: Ja, obwohl mein Blog bestimmt kein
Alphablog ist. Aber es lesen doch viele Leute mit. Das hätte
ich nicht erwartet.

GH: In deinem Blog wird ja zum Teil recht kontrovers
über Politik diskutiert. Gibt´s dabei manchmal Kommentare,
die dich nerven oder ärgern?

Lila Rungholt: Nerven oder ärgern? Nein, nicht
sehr oft. Wenn dasselbe Argument vom selben Menschen zum x-ten Mal
kommt, dann schon. Aber sonst sind doch fast 100 Prozent meiner
Kommentatoren mir sehr teuer. Sie müssen ja nicht mit mir übereinstimmen.
Ich lerne ja auch immer was dazu, oft korrigieren mich meine Leser
auch. Ich schreibe ja als Privatperson und auch mein Freundeskreis
setzt sich nicht nur aus Leuten zusammen, die so wie ich denken.

Moderator: Zwei ähnliche Fragen:

erdak: Gab es manchmal auch schwierige Situationen
als Deutsche in Israel, gab es z.B. Vorurteile?

Orange: Es ist vor dem Hintergrund der Schoa vielleicht
nicht selbstverständlich, als Deutsche in Israel willkommen
zu sein. Würdest Du sagen, dass Du Dankbarkeit dafür empfindest,
in diesem Land leben zu dürfen?

Lila Rungholt: Nein, fast gar nicht. Ja, ich bin
dankbar, dass niemand, auch nicht aus der Familie meines Mannes,
mir mit Vorurteilen begegnet ist. Das ist nicht selbstverständlich,
wenn Menschen,
die jahrelang beim Klang der deutschen Stimme Angst hatten, mich
so lieb in Empfang nehmen.

Fallinger: Ärgert dich manchmal die Berichterstattung
der deutschen Medien (oder auch der Medien aus anderen Ländern)
über Israel? Was würdest du da gerne klarstellen?

Lila Rungholt: Oh ja, das ärgert mich oft,
die dummen kleinen Phrasen, die Vorurteile, die da durchkommen.
Israel ist ja das meist gehasste Land in Deutschland, wie Umfragen
zeigen. Das erschreckt mich, und ich antworte in meinem Blog darauf.
Nicht, als ob das viel hilft. Aber ich fühle mich dann wieder
besser.

juniper: Israel ist das meist gehasste Land in
Deutschland, schreibst du – was meinst du, woran das liegt? Wie
könnte man hier für ausdifferenzierte Meinungen sorgen
(schwierige Frage, wahrscheinlich)?

Lila Rungholt: Woran das liegt? Das müsst
Ihr in Deutschland beantworten. Fragt Euch selbst mal. Ich weiß
es nicht, ich bin zu weit weg und will nicht über deutsche
Meinungsbildung urteilen. Aber die Umfragen zeigen es leider recht
deutlich. Israel liegt noch hinter Nordkorea und Iran. Wie man für
eine Änderung sorgen könnte?Also, ich weiß auch
nicht, wie man das ändern könnte. Ich habe keinen politischen
Kopf, ich weiß es nicht.

Frager:
Wie wird eigentlich Deutschland in den israelischen
Medien dargestellt?

Lila Rungholt: Deutschland in den israelischen
Medien? Neutral. Deutschland hat sich hier einen guten Ruf erworben.
Joschka Fischer, Merkel, Johannes Rau – sie alle haben hier positiven
Eindruck gemacht. Besonders Angela Merkel. Ihr ernstes Gesicht,
als sie aus Yad Vashem kam, hat vielen hier gut getan. Ansonsten
wird hier über Neonazis berichtet, das interessiert Israelis
nun mal. Manchmal erwische ich mich dabei, dass ich in der Richtung
etwas abwiegele. Ich sehe Deutschland ja nicht als Neonazi-Land.
Aber die Medien hier sind mit dem Nahostkonflikt ausgelastet. Viel
erfährt man nicht über Deutschland. Aber es ist respektiert.

steno: Was erwarten Israelis von den Deutschen
im Umgang mit dem Holocaust?

Lila Rungholt: Oh, was ist denn das für eine
allgemeine Frage? Die kann man ja gar nicht ehrlich beantworten!
Insgesamt erwarten Israelis wohl Ehrlichkeit und keine Heuchelei.
Israelis mögen normalerweise diese Holocaust-Frömmelei
gar nicht. Das stößt viele ab. Es gibt den Holocaust
als israelisch-jüdisches Problem, und es gibt ihn als deutsches
Problem. Beide sind nicht deckungsgleich. Mit dem deutschen Teil
haben die Israelis nicht viel am Hut. Aber sie hören ungern:
„ihr als frühere Opfer solltet doch…“, gewissermaßen
Auschwitz als Lehranstalt. Das sollte man lieber nicht sagen. Aber
sonst? Ehrlich sein, locker sein. Israelis denken nicht automatisch
an den Holocaust, wenn sie Dich sehen!

Moderator: Ein Kommentar zu "Ihr als Opfer
solltet doch…"

steno: Das ist in der Tat eins der Lieblingsargumente
deutscher Israel"kritiker" ;-)

Moderator: Nächste Frage:

nataku: Du hast ja mehrmals beschrieben, wie du
die Bombardierungen u.a. Haifas miterlebt hast – hast du da auch
daran gedacht, wieder nach Deutschland zurückzugehen? Wie haben
deine Kinder das erlebt?

Lila Rungholt: Nein. Ich würde nicht deswegen
nach Deutschland gehen. Die Kinder? Wie alle israelischen Kinder.
Sie waren wesentlich cooler als ich ;-) Wie Jugendliche halt so
sind. Aber ich bin heute Israelin, und for better for worse – ich
bin hier. Die Deutschen sind ja auch nicht ausgewandert, als Deutschand
bombardiert wurde. Heimat ist Heimat.

Moderator: Dann ist also eindeutig Israel heute
für dich deine
Heimat?

Lila Rungholt: Ja, das ist es. Ich habe eine alte
Heimat, das ist Deutschland. Ich liebe Deutschland auch, ich liebe
die Ostsee, meine netten Rheinländer, Berlin, die schönen
Wälder. Aber ich fühle mich in Israel sofort wieder heimisch,
das fängt schon auf dem Flugplatz an. Wenn ich die israelischen
Zeitungen ausliegen sehe, die rüpeligen Mitreisenden mich boxen,
dann weiß ich, ich bin wieder zu hause. Schwer zu erklären.
Aber es ist auch schön, doppelt zugehörig zu sein. Ich
habe Deutschland ja nicht verloren. Ich habe Israel gewonnen. Und
habe heute beides.

juniper: Wie unterscheidet sich das Leben im Kibbuz
am meisten vom Leben in Deutschland?

Lila Rungholt: Ganz subjektiv: Darin, dass alle
Frauen arbeiten, keine Rabenmutter-Orden verteilt werden. Alle arbeiten
für eine Kasse. Einer steht für den anderen ein. Materialismus
ist nicht so ausgeprägt. Es kommt auch hier, aber trotzdem
ist das Leben hier weniger schematisch, weniger festgelegt. Weil
die Gemeinschaft hilft, kann man Mitte 40 den Beruf wechseln. Man
hat praktisch immer eine Großfamilie, die einem reinquasselt,
aber auch hilft. Und Israelis sind insgesamt lockerer, offener,
flexibler, weniger ängstlich, weniger formell. Ein Leben in
Sandalen, gewissermaßen.

steno: Bist du öfter in Deutschland?

Lila Rungholt: Ja, normalerweise im Sommer und
zu Weihnachten.

Moderator: Die Frage nach "warum Kibbuz"
hast du teilweise ja schon beantwortet, aber hier noch ein anderer
Aspekt:

danane: Warum bist du denn ins Kibbuz gezogen?
Hattest du vorher schon mal Zeit in Israel verbracht?

Lila Rungholt: Nein, ich war als Studentin hier
für ein paar Monate, um als Volunteer zu arbeiten und mein
Hebräisch zu verbessern. War Theologiestudentin. Und dann habe
ich meinen heutigen Mann kennen gelernt. Ich habe mich in ihn verliebt,
und da er der typische Kibbuznik ist, in den Kibbuz gleich mit.
Er war wie der kleine Prinz, der von einem kleinen Planeten kommt.
Auf dem Planeten wollte ich leben. Und das tue ich jetzt!

juniper: Welche Rolle spielt Religion in eurem
Leben und welche Stellung nimmt sie im Kibbuz ein?

Lila Rungholt: Religion? Gar keine. Es gibt zwar
ein paar religiöse Kibbuzim, aber der Großteil ist säkular.
Wir haben keine Synagoge, es leben viele Leute wie ich, also Nichtjuden,
hier. Keiner kocht koscher, geht in die Mikve. Die Religion spielt
hier wirklich absolut keine Rolle.

dark fiber: Wie international ist euer Kibbuz eigentlich?

Lila Rungholt: Hm, was heißt international?
Ganz Israel ist international, weil Israelis aus vielen Ländern
kommen. Bei uns leben vier Holländerinnen, zwei Däninnen,
drei Britinnen, zwei Kanadierinnen, jede Menge Leute aus Südamerika,
Leute mit Vorfahren aus Polen, Deutschland, Rumänien, ein paar
Amerikaner…aber das ist für Israel absolut normal. Oh, und
ein paar Russen haben wir auch. Trotzdem sind wir israelisch. Alle
sprechen Hebräisch.

teichtier: Glaubst du, dass ein Modell des Zusammenlebens
wie im Kibbuz als Vorbild auch für andere Länder dienen
könnte? Das es auch sozusagen als staatliches System funktionieren
könnte?

Lila Rungholt: Nein. Ich glaube nicht daran,
dass man Leute zu ihrem Glück zwingen kann. Nur wenige Leute
können so leben wie wir. Auch in Israel sind wir keine große
Bewegung. Obwohl wir im Moment viel Zulauf haben. Aber der Zauber
unserer Lebensform ist die Freiwilligkeit. Woran ich wohl glaube:
dass private Initiativen wie Nachbarschaftshilfe sich an unserem
Modell orientieren könnte. Einer hilft dem anderen. Und Familienfreundlichkeit!!!
Das könnten viele deutsche Einrichtungen von uns lernen. Aber
Systeme sind groß und wir sind individuell. Jeder kann mitbestimmen.
Das geht in einem Staat nicht. Dann fühlen sich Leute gezwungen.
Der Tod der Lebensfreude. Nein, nein.

Moderator: Zum Thema Israel und Palästina:

Dana: Hältst du es für wahrscheinlich,
dass Israelis und Palästinenser jemals friedlich mit- und nebeneinander
leben können? Was müsste sich deiner Meinung nach dafür
ändern, auf beiden Seiten?

Lila Rungholt:
Puh, was für große Fragen! Ich
fühle mich ja geschmeichelt, Dana, dass Du glaubst, ich weiß
eine Antwort. Aber ich glaube sogar, ich weiß eine. Das einzige,
was sich ändern muss, ist, dass die Palästinenser sich
mit unserer staatlichen Existenz abfinden. Nicht mehr dagegen kämpfen.
Die Waffen niederlegen. Das wird das ganze Problem lösen. Von
unserer Seite ist längst die Bereitschaft da, Zugeständnisse
zu machen. Aber der Kampf gegen uns muss aufhören. Sonst können
wir auch die kleinsten Schritte nicht implementieren, wenn es immer
gewalttätigen Backlash gibt. Privat kommen Juden und Araber,
Moslems, oft sehr gut miteinander aus. Ich habe keinen Zweifel,
dass es eines Tages ein neutral-respektvolles Verhältnis geben
kann. Nachdem Jordanien uns akzeptiert hat, gab es Frieden. Dasselbe
wird mit den Palästinensern geschehen, sobald Leute wie die
Hamas sich mit unserer Existenz abgefunden haben.

steno: Kannst du etwas zur aktuellen Stimmung in
Israel bzgl. eines Kriegs mit Syrien sagen?

Lila Rungholt: Oh, ich stecke in letzter Zeit
selten die Nase raus, ich kann nur von meiner kleinen Welt sprechen.
Ich persönlich glaube nicht, dass es so bald zu einem Krieg
kommt. Ich glaube, es wird zu einem Krieg kommen, wenn eine der
Seiten einen strategischen Vorteil hat. Sobald der Iran die A-Bombe
hat, ist diese Situation gegeben. Die Syrer werden so lange warten.
Der Iran patronisiert die Syrer ja, schickt Waffen et cetera. Aber
ich glaube, der große Knall kommt später. Die Stimmung
ist aber nicht überall so wie bei mir. Die Syrer haben sich
im letzten Sommer und überhaupt, mit ihrer Unterstützung
der Hisbollah hier nicht sehr beliebt gemacht. Viele Israelis trauen
ihnen zu, einen weiteren Krieg vom Zaun zu brechen. Aber ich glaube,
Assad ist zu schwach dafür. Und wir sind so nahe, geographisch
– es wäre Irrsinn. Ich hoffe, es kommt zu keinem weiteren Krieg.
Aber es kann gut sein, dass ein Terror-Krieg kommt. Das haben die
Syrer uns versprochen. Mal gucken, ob sie es halten.

Moderator: Noch mal Israel und Palästina:

danane: Siehst du die Situation zwischen Israelis
und Palästinensern nicht etwas einseitig? Die Gewalt geht ja
nicht nur von einer Seite aus. Oder?

Lila Rungholt: Doch. Prüfe die Fakten. So
ungern die Deutschen das hören – die Gewalt geht historisch
eindeutig von der arabischen Seite aus, seit den 20er Jahren. Alle
Kriege waren provoziert, der Terror, Israel reagiert nur. Leider
hörst Du in den deutschen Medien nichts, bis sich Israel einmischt.
Weißt Du, dass hier jeden Tag Raketen fallen? Nein. Aber wenn
Israel einen Angriff fliegt, hörst Du davon. Viele Deutsche
sehen es einseitig. Sie entschuldigen jede Tat der Palästinenser,
als wären es kleine Kinder. Und schieben alle Verantwortung
in Israels Schuhe. Das ist historisch ungenau. Die arabische Welt
hat noch nicht akzeptiert, dass es den Staat Israel gibt. Und wehrt
sich mit Gewalt dagegen. Israel wehrt sich, ebenfalls mit Gewalt.
So ist das, auch wenn Dir das einseitig vorkommen mag.

steno: Hatte der Bau der Grenzmauer einen positiven
Einfluss auf den Rückgang der Terroranschläge in Israel?

Lila Rungholt: Aber ja, Das müsstet ihr doch
auch an den Nachrichten gemerkt haben. Es ist ein Unterschied wie
Tag und Nacht. Wir können wieder in die Stadt gehen, ohne getrennt
zu gehen. Es sind nur noch selten Anschläge. Die meisten werden
verhindert. Vorgestern einer in Tel Aviv. Die Palästinenser
versuchen es dauernd, aber wir können es besser verhindern.
Wenn Du einen Bombenbastler zum Nachbarn hättest, würdest
Du nicht auch einen Zaun bauen? In Deutschland hat doch jeder Schrebergarten
einen Jägerzaun. ;-) Damit ist allerdings die Wurzel des Problems
nicht beseitigt, das sehe ich auch so. Die Wurzel können wir
leider nicht heilen, das kann nur die palästinensische Gesellschaft
selbst. Der Tag, an dem sie das tut, wird für uns alle ein
sehr glücklicher sein.

McBaum: Wie sicher fühlst du dich in Israel?

Lila Rungholt: Total sicher. Sicherer als in Deutschland.
Denn trotz der Bedrohung geben mir die Menschen ein Gefühl
der Sicherheit. Israelis sind wach, mutig, couragiert, ohne Haudrauf.
Bürger verhindern viele Anschläge, aber ohne Lynch zu
begehen. Ich fühle mich hier absolut sicher und gut aufgehoben.
Ich vertraue aber auch, Psalm 121, auf Shomer Israel, den Hüter
Israels.

doc: Wie viel andere Blogs liest du eigentlich?
Gibt es noch mehr, die (auf deutsch oder englisch) aus Israel berichten,
wo man Informationen direkter als in den deutschen Nachrichten bekommen
kann?

Lila Rungholt: Oh, ich habe leider viel zu wenig
Zeit, um alle Blogs zu lesen, die mich interessieren! Es gibt viele,
viele gute Blogs, die aktuell berichten. Erstmal kann man Haaretz,
Yediot
oder Jerusalem Post
auf englisch lesen, jede Zeitung hat ihr eigenes Profil, und alle
sind online. Aber meine Blogroll platzt nur so von guten Blogs!
Einfach mal rumschnuppern. Wer gut Englisch liest, muss die deutschen
Medien gar nicht befragen. Mit der Zeit lernt man auch, zu filtern.
Auch Zeitungen und Agenturen sind ja nicht "objektiv".
Das Schöne an Blogs ist, dass sie auch gar nicht erst so tun,
als wären sie objektiv. Darum lese ich sehr, sehr gern Blogs.

serafin: Willst du noch lange weiterbloggen? Also,
ich hoffe doch, dass du noch lange dabeibleibst :)

Lila Rungholt: Also ich krieg schon manchmal die
Krise, weil Bloggen Zeit kostet und auch Nerven. Manches Mal, wenn
ich persönlich angegriffen oder beschimpft werde, nehme ich
mir das idiotisch zu Herzen. Ich bin ja kein Profi. Aber mein Blog
ist mir kostbar, meine Leser auch, es ist eine Lifeline nach Deutschland,
und ich glaube, so schnell kann ich diese Sucht nicht aufgegeben.
:)

Moderator: Das waren 60 Minuten Blogsprechstunde.
Vielen Dank für Ihr Interesse und die vielen Fragen. Ein ganz
besonderer Dank natürlich an Lila, dass sie sich die Zeit genommen
hat, hier mit uns zu chatten. Das Schlusswort hat natürlich
unser Gast:

Lila Rungholt: Oh, das ging aber schnell! Ich
bin gern bereit, im Blog weiter zu antworten. Hat mir Spaß
gemacht. Vielen Dank! Le hitraot!

Eine Antwort auf “Ich fühle mich in Israel sicher”

  1. Stefan Odenwald sagt:

    Meine Damen und Herren,

    Meine Name ist Stefan Odenwald. Ich bin 59, 168cm groß weiße Harre, braune Augen. Religion Evangelisch. Ich bin Elektromeister und Betriebswirt. In September gehe ich in die Rente.

    Ich fühle durch die Biblische Geschichte und durch die jetztige Leben beziehungen zum Israel. Ich lebe allein. Ich habe meine Lebenspartnerin-Lehrerin durch Krebs verloren.
    Es beschäftigt mich ob ich nach Israel auswandern oder in irgendwelche Form leben und arbeiten könnte.
    Ich arbeite in der Düsseldorfer Stadtwerke. Mein Job ist die Stadtversorgung mit Strom, inklusive Hausanschlüsse und Öffentliche Beleuchtung. Wir arbeiten mit sehr gute Kenntnissen und ausgezeichnete Technik. Diese könnte ich für Israel einsetzen.
    Ich möchte auch eine Frau kennenlernen in Israel wegen Heiraten.

    Ich bin im Umzug. Der neue Telefonanschluß dauert laut Arcor 4-6 Wochen. Der alte wird am Freitag 07.03.08 abgeschaltet. Ich schreibe Ihnen die Daten ab.

    Neue Adresse;
    Stefan Odenwald
    **danke für das Interesse, aber bitte keine Adressen und Telefonnummern in den Kommentaren posten. Ich befürchte auch, wir können nicht wirklich weiterhelfen. Vielleicht das Auswärtige Amt? Die Redaktion**

    Ich möchte gerne von Ihnen auf meine Vorstellungen Informationen erhalten.

    Ich wünsche Ihnen alles Gute,
    Stefan Odenwald

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