Chat mit Ulrich Wickert

Moderator: Lieber Herr Wickert, im Namen von Tomorrow und politik-digital moechten
wir Sie ganz herzlich in unserem digitalen Studio begrüßen. Wir freuen
uns auf einen spannenden Chat mit Ihnen, der diesmal wieder dank TV1
live gestreamt wird.
Hauser: Herr Wickert, welche Nachtricht hat Sie denn am meisten überrascht? und womit?
UlrichWickert: Wahrscheinlich war es der Fall der Mauer am 9. 11. 1989. Obwohl auch das vorherzusehen war, wenn auch nicht an diesem Tag.
ClausSupper: Hallo Herr Wickert, arbeiten Sie viel mit neuen Medien, zum Beispiel bei der Recherche?
UlrichWickert: Da muß ich antworten: WIR arbeiten viel mit denneuen Medien. Denn es
ist so, daß eine Moderationsredakteurn die meisten Recherchen für mnich
erledigt.
FranzPeter: was ist Ihre Lieblingssendung ?
UlrichWickert: Witzbold: Tagesthemen.
Moderator: keine andere?
UlrichWickert: Doch: James Bond-Filme oder Humphrey Bogard
ClausSupper: Herr Wickert, haben sie Ambitionen im Filmgeschäft "mitzumischen" ?? (vgl. Frau Stahnke)
UlrichWickert: Ich habe schon immer einen Traum gehabt, nicht etwa als Professor Unrat
aufzutreten, sondern als Regisseur einen Spielfim (oder viele) zu
machen – und zwar nach dem Vorbild von Alfred H.
big_tom: was empfindet man als bekannter moderator, wenn man von Bill Clintons Bodyguards eifach weggetragen wird?
UlrichWickert: Man stellt fest: alles ist relativ
ArthurSchmidt: Ihre fast täglich präsenz bei den Tagesthemen hat sich im
ZDF-Abendprogramm mehr als etabliert, welche Ziele setzen Sie sich
selbst. Gibt es bald ein neues Format?
UlrichWickert: Das sind gleich drei Fragen: erstens was Sie als ZDF ansprechen ist die
ARD. Ziele? Ich möchte gern mal einen Krimi schreiben! Gibt es ein
neues Format? Wo ?
Bücherwurm: Herr Wickert, welches persönliche Verhältnis – mal auf den Punkt
gebracht – haben Sie zu Frankreich? Frankreich taucht in Ihrer
Biographie ja immer wieder auf; nicht zuletzt auch in Ihren eigenen
Publikationen.
UlrichWickert: Ich arbeite ja an einem neuen Format. Das sind meine Zeitzeugengespräche im Dokumentationskanal Phoenix
UlrichWickert: In Frankreich fühloe ich micih heimisch. Das hat damit zu tun, dass
(neue Rechtschreibung) als Schüler drei Jahre in eine französische
Schule in Paris gegangen bi. Und dann habe ich als Korrespondent zehn
Jahre aus Paris berichtet.
ismene: Wie viel Zeit verbringen Sie im Jahr in Frankreich?
UlrichWickert: Das kommt drauf an. Aber gerade letzte Woche war ich für sieben Tage dort. Es sind im Jahr immer mehrere Wochen.
ismene: Was haben Sie in den USA studiert?
UlrichWickert: An der Wesleyan University in Connecticut habe ich Politische
Wissenschaften (das amerikanische System), Literatur, Kunst und
RUSSISCH studiert
CheGuevara: Was sind die bedeutendsten Unterschiede zwischen Frankreich und Deutschland?
UlrichWickert: Lieber Revolutionär: die Franzosen haben die Revoluti8on zweihundert
Jahre vor den Deutschen gemacht – und dann auch noch mit der Guillotine
lorenza: guten morgen herr wickert, warum ist Deutschland als das 3 groesste
wirtschaftland der welt nicht in der lage die Arbeitslosen zusenken?
mit lieben gruessen aus dem popcornland
UlrichWickert: Das liegt unter anderem an der deutschen Bürokratie, dem Korporatismus und dem mangelnden Flexibiulität.
CheGuevara: Sehr geehrter Herr Wickert, wie lange bleibt Fidel Castro in Kuba noch an der Macht?
UlrichWickert: Bis zu seinem Tod.
Schwarz: Es gibt in Europa ein Sprachenproblem, sollte man ausser Englisch auch Französisch lernen? Wie stehen Sie dazu?
UlrichWickert: Auf jeden Fall, und auch noch Italienisch, Spanisch und Russisch
Beemer: How do you feel about the American military being here in Germany?
UlrichWickert: Gott, die stören mich hier oben in Hamburg nicht. Und es werden ja auch immer wenig.
LeCorbeau: Hallo Ulli, ich wage es zu behaupten, dass Du der beste
Nachrichtenmoderator welltweit bist! Ich wohne in der Schweiz, wir
empfangen fast 300 TV-Sender über Satelit, ich muss es ja wissen.
Bücherwurm: Gefällt Ihnen eigentlich die Bezeichnung "Mr. Tagesschau"? Für viele Millionen TV-Seher sind sie es ja…
UlrichWickert: Mister Tagesthemen bin ich, aber Sie haben nicht Unrecht: man benutzt
den Begriff Tagesschau heute ja allgemein als Bezeichnung für
Nachrichten. Ich habe nichts gegen den Begriff: Mister T.
LeCorbeau: Herr Wickert,würden Sie auch mal als Korrespondent in der Schweiz arbeiten, und wenn nein, warum nicht???
UlrichWickert: Wegen der hohen Berge nicht. Da bekomme ich Klasustrophobie.
ismene: Um wieviel Uhr müssen Sie im Studio des NDR sein, wenn Sie die Tagesthemen moderieren?
UlrichWickert: Ich fange jeden morgen um zehn Uhr schon an mit der Lektüre von zehn
Tageszeitungen. Dann kommt die erste große Planungskonferenz – Sie
sehen, ich habe einen Halbtagsjob: zwölf von 24 Studen
peno: Ulrich: ist es dir schonmal passiert, dass du waehrend der Sendung Schluackauf bekommen hast?
UlrichWickert: Nein, erstaunlicherweise hört der Schluckauf vor der Sendung auf und fängt danach wieder an,
newsman: Hallo Herr Wickert, sie hatten vor kurzem ein sehr lustigen
Versprecher: "ausscheißen" statt ausscheiden. Ist Ihnen ähnliches schon
Mal passiert.
UlrichWickert: Nein! Ich verspreche mich nie. Sie haben sich verhört. Sie Ferkel
ben_: Herr Wickert, was halten Sie eigentlich davon, dass bei der Tagesschau auf Teleprompter umgestellt werden soll?
UlrichWickert: Warum nicht. Das ist ein kleiner Schritt für die Menschheit.
darkvoice: wie sehen Sie die Zukunft der reinen Nachrichtensender, NTV, Bloomberg #oder CNN??
UlrichWickert: Ich kann mir sogar vorstellen, dass eines Tages auch ARD-aktuell 24Stunden sendet
Larsandl: Die Vernetzung von Internet und Fernsehen wird die nächsten Jahre zu
vielen neuen Formaten führen. An welche TV-Internet-Formate glauben Sie?
UlrichWickert: Auf jeden Fall werden Informationen vernetzt. Unterhaltung wird schwieriger sein.
Mendok: Können sie sich vorstellen auch ein Politisches Magazin zu Moderieren ( z.B. wie Sabine Christiansen
CheGuevara: Was halten Sie persönlich von den Qualitäten Sabine Christiansens als Moderatorin einer Politsendung?
UlrichWickert: Solang es um Politik geht, kann ich mir vieles vorstellen.
ismene: Welches war das interessanteste Gespräch bei phoenix?
UlrichWickert: Wahrscheinlich das mit Helmut Kohl. #Es dauerte drei Stunden, die wir
in zwei Etappen gesendet haben. Und spannend wird es auch Mit Gerhard
Schröder, den ich für den 1.1.2000 interviewen werde
ismene: Sie sind jetzt im Internet aber auch sehr unterhaltsam, Herr Wickert!
UlrichWickert: Danke Ismene!
Binky: nutzen sie das www privat ? wenn ja, wofür ?
UlrichWickert: ja, für den chat
Bücherwurm: Sind Sie das erste Mal in einem Chat oder ist es schon Routine? Wie
gefällt Ihnen der direkte & interaktive Kontakt zu Ihren Fans?
UlrichWickert: Das ist der erste in dieser Form. Ich f9inde es wunderbar.
SantaClaudia: Herr Wickert: Was würden sie im Fernsehen niemals machen?
UlrichWickert: Vieles Nicht
newsman: Wenn Sie Stefan Raab für den Raab der Woche nominieren würde, würden Sie dann in die Sendung tv total gehen??
UlrichWickert: Dazu habe ich leider keine Zeit.
Teleprompter: Was halten Sie von der Qualität von n-tv?
UlrichWickert: Sie stellen mir aber Fragen!
Moderator: Fiese natürlich.. :-)
UlrichWickert: Man soll Kollegen nie öffenbtlich kritisieren, das ist meine Meinung
SantaClaudia: Was halten sie von Daily-Talkshows z.B. auf RTL oder SAT.1?
UlrichWickert: Das ist nicht my cup of tea
sepp-a-lot: wie lang wollen sie noch die tagesthemen machen
UlrichWickert: Ich habe gerade gehört, dass die Intendanten der ARD meinen Vertrag bis 2003 verlängern wollen.
Tim14: Würden sie je zu einem Privatsender wechseln,wenn ein gutes Angebot vorläge?
UlrichWickert: Privatsender sind per se nicht von Übel. Es gibt da ja auch gute
Sendungen wie SPiegel TV. Aber bisher hat mich dort nie etwas gereizt
Steiner: Wenn man Ihre Antworten betrachtet erinnert das an einen eigefleischten Politiker
ArnoS: Ist es für Sie schwer dem Image als "politisch neutral" in der Funktion als Nachrichtensprecher gerecht zu werden?
UlrichWickert: Manchmal ja, denn als MODERATOR (nicht sprecher) schreibe ich ja all
meine Texte selber. Und da auch ich nur aus Fleusch und Blut bestehe,
habe ich auf Gefühle und Politische Ansichten.
lexbarker: Wann stehen Sie wieder für Werbung zur Verfügung?
UlrichWickert: Nicht
simonH: Was ist ihr Hauptmedium zur ihrer eigenen Meinungsbildung?
UlrichWickert: Es gibt viele Meiden: Rundfunk, TV, Zeitungen, Bücher.
Stellina: darf ich sie noch einmal fragen, was sie gerne lesen, wenn freie Zeit bleibt, nach Ihren 10 Tageszeitungen?
UlrichWickert: Zur Zeit lese ich mehrere Romane paralle: Gheisa – finde ich spannend
und sehr gut geschrieben, und dann von Ernst Weiss: Der arme
Verschwender – ein ganz hervorragender Roman., geschrieben 1^942- jetzt
neu aufgelegt.
Bücherwurm: Sie schrieben 1997 das Buch "Deutschland auf Bewährung". Was meinen
Sie, warum es so komliziert ist, Deutscher zu sein? Haben Deutsche ein
generelles Problem mit Ihrer Identität?
UlrichWickert: Ja. Das haben sie schon seit Jahrhunderten (sieh mein Buch: Deutschland
auf Bewährung). Auch ich habe mein Problem mit der deutschen Identität
gehabt, besonders, als ich ein junger Mensch war und nicht mit der
deutschen Vergangneheit der Nazis udn der Judenvernichtung belastet
werden wollte. Wahrscheinlich habe ich das Buch geschrieben, um für
mich eine persönliche Antwort zu finden,
ismene: Was würden die Franzosen zu der aktuellen Parteifinanzierungsdebatte
sagen, würden Sie anders reagieren als die Deutschen und ihre Medien?
UlrichWickert: Erstens: die Franzosen sind da sehr viel entspannter – das Volk. Aber
inzwischen sind dort die Richter auch hinter den Parteien und ihren
illegalen Konton her und sperren Politiker ein – oder verurteilen sie.
Dort ist es noch schlimmer als bei uns.
ismene: Wieviele Bücher möchten Sie noch schreiben?
CheGuevara: Was den Franzosen Ihr Wein, ist den Deutschen ihr Wickert: Hut ab
UlrichWickert: Ich habe noch eine ganze Reihe von Ideen. Also: ich kann mir
vorstellen, dass es eines Tages ein Leben ohne Fernsehn für mich gibt.
Aber kein Leben ohne Bücher – schreiebn und lesen.
lexbarker: Was halten Sie vom Steve Forbes’ Moral Compass im Rahmen des
US-Wahlkampf?
UlrichWickert: Habe ich noch nicht gelesen.
lexbarker: finden Sie auf der forbes website
ArnoS: Welches war für Sie persönlich die bewegendste Meldung, welche Sie
vorgetragen haben?
UlrichWickert: Vielleicht etwa persönlich sehr betroffen machendes: ich mußte den
Toid eines Freundes vermelden, dessen Nachruf ich auch noch als Bericvht
hergestellt hatte
Moderator: Dürfen wir den Namen erfahren?
UlrichWickert: Eugene Ionesco, der französisch rumänische Theater-Autro
ArnoS: Verbindet Sie noch etwas aus Ihrer Kindheit mit dem asiatischen
Raum?
UlrichWickert: Ja, wahrscheinlich ein besonderes Interesse für Japan und China. Ich
habe schon als junger Mensch in der Bibnliothek meines Vaters die
chinesischen Klassiker gefunden und gelesen (auf deutsch).
BlueHawaii: Ich habe eine Grande Ecole besucht. Ich würde gerne wissen was Sie vom
französischen Bildungssystem im Vergleich zu unserem halten?
UlrichWickert: Unseres ist schelcht und hat seine guten Seiten. Das französiche ist
schlecht und hat seine Grandes Ecoles. Was ich von den Eliteschulen hatle,
habe ich in einem meiner Frankreichbücher schon geschrieben. Und in dem
jetzigen: Vom Glpück Franzose zu sein, weise ich auf die Absurditäten
dieser Ausbildung hin.l DViele, die aus der ENA kommen halten sich für
etwas besonderes
ismene: Welche Musik hören Sie privat am liebsten?
UlrichWickert: Zuerst Klassik, mein Favorit ist Beethoven. Aber auch Ennio Morricone
oder Country-Musik Ich liebe den Film Nashville. Und dann bin ich ein
großer Beastle fan.
LarsHintze: Wo feiern Sie Sylvester?
UlrichWickert: In Hamburg ganz gemütlich mit meiner Freundin bei Freunden.
Stellina: was halten sie von dem Millenium -Fieber
ChristophA: Befürchten Sie schlimmere Konsequenzen aus dem Jahr 2000-Problem
(politisch/wirtschaftlich)?
UlrichWickert: Liebe Stellina, davon halte ich nichts. Aber offenbar haben viele
Menschen inzwischen auch schon gemerkt, dass da nichts besonderes
passiert.
UlrichWickert: Ich glaube nicht, dass es einen großen Zusammenbruch geben wird. Aber
ich habe gehört, dass in dieser Nacht alle Computerspezialisten von Banken
an Bord sein müssen. Na ghut.
deppendorf: was halten Sie von den derzeit so gehypten neuen deutschen Jungautoren
(Kracht, Stuckrad-Barre, Bessing etc.)
UlrichWickert: Stuckrad-Barre habe ich letztens mal kennengelernt, und wir haben uns
köstlich amüsiert6. Und ich bin der Meinung solche Leute muß es geben: wie
im Theater auch Christoph Schlingensief.
TomH: Ich werde langsam den ganzen Skandalen müde. Denken Sie auch oft:
"Aha, der hat also auch Dreck am stecken!"
UlrichWickert: Es sind ja eigentlich weniger Skandale, als man meint. Es gibt
tausende von Politikern in Deutschland, die sehr ehrenwehrt und auch
ehrenamtlich arbeiten. Leider überdecken die paar Skandale ihr
Wirken.
Carlo2: In Italien broch nach der Parteispendenaffäre die Popularität der
führenden Volkspartei DC um 90% ein, und einige Leute mussten ins
Kittchen. Wenn Kohl sagt er übernehme Verantwortung, sollte er dann auch
mal ins Gefängnis?
UlrichWickert: Ins Kittchen muß nur, wer gegen die Strafgesetze verstoßen hat. Bei
dem Parteifinanzierungsgesetz gibt es keine Strafbestiummungen.
lexbarker: Was steht denn da auf ihrem Sweatshirt?
UlrichWickert: Da steht Kiawah drauf, das ist eine kleine Halbinsel vor
South-Casrolina. Dort kann man sehr schön Uralub machen. Bei dem jetztigen
Wetter in Hamburg wäre das ein erstrebenswertes Ziel
lexbarker: Haben Sie sich an der Konzeption der TT-Website beteiligt?
UlrichWickert: Nein.
lexbarker: Kaufen Sie ihre Weihnachtsgeschänke im Internet?
UlrichWickert: Nein, aber die TT-Website ist hier entstanden.
simonH: Chatten sie heute gegen Bezahlung?
UlrichWickert: Nein. Ich kaufe Weihnachtsgeschenke nur dort, wo ich sie sehe und
anfassen kann. Da bin ich ganz altmodisch.
UlrichWickert: Nein, ich bekomme nichts – ausser dem Vergügen, das ich
habe.
sepp-a-lot: wuerden sie ard-korrespondent auf dem mond werden?
UlrichWickert: Nein. da ist schon ein Mann.
MHE: Herr Wickert, was denken Sie persönlich über die Spendenaffäre der CDU
?
Moderator: Auch wenn Sie den Raum bereits verlassen haben, bedanken wir uns bei
Ihnen für dieses Gespräch, und bei allen Anwesenden Chattern für die
vielen guten Fragen! :-)
golfo: schade..war sehr gut!
LeCorbeau: Danke Herr Wickert…….
Dan: Hallo Moderator!! Ich bin zu spät eingestiegen, und würde gerne die
ganze Stunde nachlesen. Möglich??? (Danke im Voraus)
kanebo: Schade, in der ARD wird doch ganz gerne überzogen…

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