Chat mit Hans Peter von Kirchbach

Moderator: Sehr geehrter Herr von Kirchbach, im Namen von politik-digital moechte
ich Sie ganz herzlich zu unserer heutigen digitalen Runde begruessen. Wir
sind sehr auf das heutige Thema "Brauchen wir die Wehrpflicht noch?"
gespannt!
Generalinspekteur: ich bin gespannt auf die Fragen und grüssse die Teilnehmer
herzlich
Moderator: Schön, dann kann es ja losgehen!
Moderator: Erste Frage:
peter: Ist eine Verkleinerung der Bundeswehr angesichts knapper Kassen nicht
unerläßlich?
Generalinspekteur: die grösse der Bundeswehr ist durch die Frage nach den notwendigen
Fähigkeiten zu beantworten.j
LeutnantBrinx: Guten Tag, welche Vorteile bietet eine Wehrpflichtigen
Armee?
Generalinspekteur: Wir brauchen die Wehrpflicht in erster Linie aus
sicherheitspolitischen Gründen, sie sichert uns den erforderlichen
Aufwuchs an Personal für den Fall der Landes oder
Bündnissverteidigung.
Norman: Ist eine Verkleinerung der Bw in Bezug auf die Landesverteidigung noch
tragbar?
Generalinspekteur: Der FAll der Landesverteidigung ist sehr unwahrscheinlich
….
Generalinspekteur: sollte sie notwendig werden, haben wir eine längere Warn- u.
Vorbereitungszeit….
Generalinspekteur: Insofern ist für diesen Fall nicht die Friedensstärke das
entscheidende Kriterium, sondern die Möglichkeit personell
aufzuwachsen.
Kuddel: Ist die Grösse der Bundeswehr nicht durch die durch die Politik
definierte Notwendigkeit bestimmt?
Generalinspekteur: Das ist richtig. Letztenendes entscheidet die Politik über die
notwendigen Fähigkeiten, Wehrsystem und Umfang. Sie wird dabei miltiärisch
beraten.
Frank: Fühlen sie sich von den Politikern nicht manchmal in Stich gelassen,
wenn über die künftige Bundeswehr nur nach Kassenlage diskutiert
wird?
Generalinspekteur: Die augenblickliche Diskussion dreht sich im Wesentlichen um
sicherheitspoltische Rahmenbedingungen und notwendige Fähigkeiten. Das
angesichts knapper Kassen auch die finanzielle Seite eine Rolle spielt
muss man als Staatsbürger aktzeptiert.
ThomasWelsch: Kann bei den gegenwaertigen finanziellen Ressourcen die Wehrpflicht
ueberhaupt noch aufrechterhalten werden?
Generalinspekteur: Erfahrungen der Nachbarstaaten zeigen, daß eine Freiwilligenarmee wenn
sie nicht sehr klein sein soll, teurer ist.
Kuddel: Scheint Ihnen die militärische Beratung der Poltik sich auch im
Bewußtsein der Haushaltssituation stattzufinden?
Generalinspekteur: Die militärische Beratung vollzieht sich im Bundesministerium der
Verteidigung z.B. durchden Auftrag an mich….
Generalinspekteur: Vorschläge zu Eckwerten der Streitkräfte der Zukunft zu
unterbreiten.
MikeP.: Besteht nicht die Gefahr, daß aufgrund der finanziellen Beschneidungen
die Ausbildung der Soldaten zu kurz kommt, gerade im Hinblick auf die
Auslandseinsätze?
Generalinspekteur: Die Ausbildung der soldaten für Auslandseinsätze ist nach Urteil der
Soldaten im Einsatzland und auch unserer Verbündeten hervorragend. Dort
werden wir auf gar keinen Fall sparen.
Imperator: Währe es nicht besser ein kleines Berufsherr zu unterhalten welches
AUSBILDUNGsmäßig und AUSRÜSTUNGsmäßig das Nivou einer Topelite hat und
sich nicht länger hinter den USA verstecken braucht. Wahre das nicht auch
eine bessere unterstützung für die NATO, als ein großes Herr was kaput
gespart wird?
Generalinspekteur: Diese Alternative gibt es nicht wirklich. Die Frage muss wirklich nach
den erforderlichen Fähigkeiten gestellt werden….
Generalinspekteur: Wir haben viele freiwillig länger dienende Grundwehrdienstleistende
mit hervoragendem Erfolg in den Auslandseinsätzen…
Generalinspekteur: Die vielzahl der Aufträge und die Notwendigkeit Auslandseinsätze auch
übereinen längeren Zeitraum durchzuhalten, machen von vorneherein einen
bestimmten Personalumfang erforderlich….
Jörg: Wie groß ist der "bestimmte" Personalumfang?
Generalinspekteur: Wir werden uns mit den USA nicht auf nationaler Basis messen können
was die technischen Fähigkeiten angeht, hier ist Europa
gefordert.
Moderator: kurz noch zu Jörg!… bestimmte Personalumfang?
Generalinspekteur: Man kann sagen, dass im Bereich der Zeit- u. Berufssoldaten gegenüber
dem heutigen stand ca. 200.000 keine Einsparung denkbar sind.
Moderator: nochmal zu Kuddel (s.o.):
taut: welches sind die Eckwerte und inwieweit kann die Anzahl der Soldaten
durch neueste Technologie mit gleicher Wirkung(Schlagkraft) ersetzt
werden?
Generalinspekteur: Der Vorschlag zu eckwerten beginnt mit erforderlichen neuen
Fähigkeiten….
Generalinspekteur: Auf der Basis der Beschlüsse der NATO und der EU. Dahinter verbergen
sich Systeme z.b. der Aufklärung, des strategischen Transports, des
Führungssystems und der Einsatzwirksamkeit.
LeutnantBrinx: Besteht nicht auch die Gefahr, das angesichts der finanziellen Lage
das Berufsziel Soldat mehr und mehr in der Gesellschaft verschwindet
?
Generalinspekteur: Der Auftrag der Bundeswehr ist gerade im Zusammenhang mit der Lage auf
dem Balkan für viele einsichtiger geworden….
Generalinspekteur: Damit sehe ich die Gefahr aus dem öffentlichen Bewusstsein zu
verschwinden nicht. Die tadelose Leistung unserer Soldaten im Einsatz und
zuhause macht auch deutlich, wie sehr es sich auch künftig lohnt Soldat
als Berufsziel anzustreben….
LeutnantBrinx: Das sehe Ich genauso, es war nur eine Möglichkeit die in Betracht
genommen werden sollte.
Generalinspekteur: An der Ausbildung wird keinesfalls gespart. Modernisierung von
Material kann man nachholen. was man im personellen Bereich versäumt,
daran trägt man viele Jahre.
Kuddel: Nach einer Studie der UniBw München ist die gleiche Leistung der Bw
ohne Wehrpflicht kostengünstiger mit einer Berufsarmee zu erbringen. Bitte
um Stellungnahme!
Generalinspekteur: Der Studie liegen verschiedene Annahmen zu grunde, die man
hinterfragen muss. Z.B. sind Kosten für die Gewinnung von Personal nicht
mitgerechnet. Wir stützen uns auf ganz konkrete Erfahrungen unserer
nachbarländer…
Generalinspekteur: So geben z.B. die USA in diesem Jahr 1,8 Milliarden USDollar nur für
die Gewinnung von Personal aus…
Generalinspekteur: In anderen Ländern ist das ähnlich.
peter: abgesehen von etwa finanziellen Gründen für die Aufrechterhaltung der
Wehrpflicht: Sind Sie persönlich dafür? Warum (nicht)?
Generalinspekteur: Ausschlaggebender Grund ist sichheitspolitisch und bereits
beschrieben. Darüberhinaus steht uns über die Wehrpflicht das ganze
Potential an Talenten unseres Landes eine begrenzte Zeit für die
Streitkräfte zu Verfügung. Ich halte die Wehrpflicht auch für die
Wehrform, die für unsere Demokratie einesehr angemessene ist.
Malte: Herr General, gemäß DBwV ist geplant die Wehrpflicht auf 6 bzw. 8
Monate zu kürzen. Dadurch können viele Verbände Ihren Ausbildungsstand
nicht halten.
Generalinspekteur: Wir haben heute ein sehr flexibles System der Wehrpflicht. Die
mindestzeit ist 10 Monate. Jeder 6. Wehrpflichtige insgesamt 23.500
bleiben freiwillig bis zu 23 Monaten…
Generalinspekteur: Hier kann man überlegen, ob man je nach Verwendung und Auftrag die
Flexibilität noch erweitern kann.
Kuddel: 1,8 Milliarden ist eine gute Zahl, wie ist aber das Verhältnis zu den
Geamtkosten der US-Streitkräfte, wie liegt Deutschland da im
Verhältnis?
Generalinspekteur: Die 1,8 Milliarden beziehen sich nur auf Personalgewinnungskosten.
Insgesamt geben die Vereinigten Staaten bezogen auf das
Bruttoinlandsprodukt deutlich mehr Geld für die Streitkräfte aus, als die
BRD.
rotti: Herr General, glauben sie das das Internet neue Chancen für die
Nachwuchswerbung beinhaltet, und wenn ja, welche?
Generalinspekteur: Ich denke, dass das Internet eine gute Chance ist junge Leute,die sich
für die Bw interessieren anzusprechen und zu informieren. Wir haben
bereits damit angefangen.
rotti: In welcher Form?
peschek: Aber doch sicher nicht mit Bundeswehr.de, oder?
LeutnantBrinx: Die Hompage der Bw ist auch sehr gut gelungen!
Generalinspekteur: In der Tat, die Adresse ist www.bundeswehr.de….
Generalinspekteur: Wir versuchen laufend unser Angebot zu verbessern.
Norman: Was halten Sie von Sharpings Vorschlag zum geteilten Dienst?
Generalinspekteur: Das ist eine Möglichkeit der Flexibilisierung, die wir untersuchen,
ein Teil des Wehrdienstes in einem festem Zeitblock und den Rest in
Wehrübungen abzuleisten.
Jörg: Welche halten Sie für die niedrigste vertetbare Ausbildungszeit
Wehrpflichtiger in Kampfverbänden?
Generalinspekteur: Eine gute Frage..
Generalinspekteur: Vorsorge für die Landesverteidigung heisst fit zu werden für eine
Aufgabe und sie im Team geübt zu haben….
Generalinspekteur: Eine genaue Zahl von Monaten möchte ich noch nicht nennen, weil die
Untersuchungen noch nicht abgeschlossen sind.
LeutnantBrinx: Was bringt den Wehrpflichtigen eigentlich die Wehrpflicht?
Moderator: Haben Sie die Frage erhalten?
Generalinspekteur: Zuerst das Erlebnis für sich und für andere konkret Verantwortung zu
übernehmen, sich in der Gemeinschaft zu bewähren. Für viele
Wehrpflichtige: etwas zu lernen oder zu üben, was man zivil verwenden
kann, Kraftfahrer, IT-Techniker, KFZ Instandsetzer……
Generalinspekteur: Daneben kommen Angebote des Berufsförderungsdienstes, die auch für
Wehrpflichtige gelten. Schließlich gibt es noch die vielen
Wehrpflichtigen, die sichentscheiden , bei uns zu bleiben und sich als
Zeitsoldat zivilberuflich zu qualifizieren.
peschek: Was sagen sie zu der Behauptung, das nur die länger dienen, die keine
weitere Zivilen Möglichkeiten haben?
Generalinspekteur: Das ist nach unseren konkreten Erfahrungen völlig falsch. Wir haben
sehr viel hochqualifizierte Offiziere und Unteroffiziere, die als
Wehrpflichtige angefangen haben.
rotti: Herr General, glauben Sie, dass eine verkürzte Wehrpflicht die
Bundeswehr nicht zu einer Art "Milizarmee" machen würde? Wie stehen Sie
dazu? Wie kann man Reservisten besser einbinden?
Generalinspekteur: Jeder Soldat wird für eine konkrete Verwendung in der Landes o.
Bündnisverteidigung ausgebildet. Die Reservisten spielen heute u.
zukünftig eine wichtige Rolle für alle Aufgaben der Bw einschliesslich der
Auslandseinsätze oder Vertretungsaufgaben im Inland.
Dan: Wieso ist es mir als Wehrpflichtigem ( T7 ) nicht möglich Zeitsoldat
zu werden?
Generalinspekteur: T7 bedeutet gewisse Einschränkungen in der Tauglichkeit. Meine
Empfehlung ist eine Nachuntersuchung zu beantragen.
peter: Was sagen sie zu dem Urteil, dass Frauen an der Waffe dienen
dürfen?
Generalinspekteur: Ich finde es richtig, dass Frauen den gleichen Zugang in die
Streitkräfte bekommen und habe mit dem Urteil keine Probleme.
LeutnantBrinx: Sollen auch Frauen den Wehrdienst ausüben ? Warum (nicht)?
Norman: Warum können Wehrpflichtige sich nicht aussuchen, wann sie Wpfl machen
wollen? Dadurch würden sich doch bestimmt mehr Menschen für die
Wehrpflicht entscheiden?
Generalinspekteur: Das Urteil befasst sich mit dem Zugang zum Beruf, nicht mit der
Wehrpflicht. Hinsichtlich der Wehrpflicht soll es so bleiben, wie es
ist.
Generalinspekteur: Ich möchte jedem raten sich mit seinen Wünschen frühzeitig an das
Kreiswehrersatzamt zu wenden…
Generalinspekteur: Dann bemüht man sich auch solchen Wünschen Rechnung zu
tragen.
peter: Was halten Sie persönlich vom Zivildienst?
Generalinspekteur: Ein wichtiger Dienst für unsere Gesellschaft. Grundlage aber ist der
Wehrdienst. Das sagt auch die Verfassung.
Bundeswehr2000_: Welche Erfahrungen haben Sie mit dem neuen Intranet der
Bundeswehr?
rotti: Nutzen Sie das Bundeswehr-interne – so genannte – "Intr@net
aktuell"?
Generalinspekteur: Ich habe noch keine Erfahrung, es läuft auch erst seit einigen Tagen.
Bei einem Besuch in der letzen Woche bei einem bayrischen Truppenteil habe
ich zu meiner Freude festgestell, dass es schon eifrig genutzt
wird.
LeutnantBrinx: Herr General, haben sie eigentlich ein Buch über die Bundeswehr
geschrieben?
Generalinspekteur: Ich habe 2 Bücher geschrieben, eines davon mit 2 anderen Offizieren
zusammen. Der Titel des letzten Buchs heisst: Mit Herz und mit Hand. Es
befasst sichmit den Soldaten inden neuen Bundesländern.
Moderator: Letzte Frage:
Frank: Befürchten sie nicht manchmal, dass die Zahl der Wehrdienstverweigerer
soweit ansteigt, dass es nicht mehr genügend Wehrpflichtige gibt?nd
Generalinspekteur: Ich glaube das nicht. Für mich ist wichtig, dass jeder einen Dienst
für die Gesellschaft tut. Ich denke die Bedeutung des Wehrdienstes muss im
Bewusstsein gehalten werden. Umfragen zeigen, dass dies auch so
ist.
Moderator: Herr von Kirchbach, wir moechten uns ganz herzlich fuer diesen sehr
interessanten Chat bei Ihnen bedanken! Es war sehr informativ und hat viel
Spass gemacht! Danke!
MMK: Ich sehe, die Chatzeit geht langsam zuende. Herr General, ganz
persönlich, es war schön, Sie nach über 20 Jahren – wenn auch nur im
Internet – mal wieder zu treffen. Matias Krempel (damals Reserveoffizier
beim III. Korps in Koblenz)
Moderator: Sie ist leider schon zuende! ;-(
Moderator: Vielleicht noch ein abschliessendes Statement von Ihnen?
Generalinspekteur: Ein Gruss an alle Teilnehmer. Es hat Freude gemacht.
Moderator: Schoene Gruesse nach Berlin aus HH!!!
Norman: Auf Wiedersehen
LeutnantBrinx: Gruss zurück
LeutnantBrinx: Hat Spass gemacht
Dan: Auf Wiedersehen
rotti: Tschüss aus Bonn
rotti: Auf Wiedersehen, Herr General
Trapp: Tschüss aus Bonn-Hardtberg
LeutnantBrinx: Ich sage Tschüss aus Oberhausen
Kuddel: ciao
muffin: Vielen Dank!
Moderator: Das Transcript des Chats finden Sie morgen auf der Site von
politik-digital!!!

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