Chat mit Hildegard Müller

HildegardMueller: Hi, Düsseldorf ist online
Moderator: Klasse
Moderator: Sehr geehrte Frau Mueller, im Namen von Cornelsen Online und
politik-digital moechte ich Sie herzlich zu unserer heutigen digitalen
Diskussionsrunde begruessen. Wir freuen uns auf spannende 60
Minuten!
Moderator: Eine kleine Einleitungsfrage vorweg:
rankik: Entschuldigen Sie diese Frage, aber wie kamen Sie zu dieser wichtigen
position und was sind nun genau ihre aufgaben? ich wäre über eine antwort
sehr dankbar!
HildegardMueller: Ich bin schon seit 1983 Mitglied der Jungen Union und bin seit 1998
Vorsitzende der JU. Planen kann man so etwas nicht. Arbeit und Glück würde
ich sagen.
Moderator: Und wie sehen Ihre Aufgabe aus?
Moderator: .. nur kurz umrissen ;-)
HildegardMueller: Zum einen organisatorische und politische Führung des Verbandes
gemeinsam mit meinem Bundesvorstand. Darüber hinaus Kontakte mit CDU/CSU,
Verbänden, Öffentlichkeit etc. Eine bunte Mischung.
Shorty: Spricht sich die CDU eigentlich mit der Jungen Union ab oder in
welchem Verhaeltnis stehen diese beiden Gruppierungen?
HildegardMueller: Je mehr desto besser. Im ERnst zur Zeit haben wir sehr gute Kontakte
und sind zumindest auf der Bundesebene ganz gut vertreten.
Florian: Frau Müller, wieviel Mitglieder umfasst die Junge Union
bundesweit?
HildegardMueller: ZZt. 142.000, steigende Tendenz. Damit sind wir die größte politische
Jugendorganisation Europas.
aufschwung: wie kann ich am schnellsten bei der jungen union mitwirken? habt ihr
vordefinierte zielsetzungen?
HildegardMueller: Am besten informierst Du Dich auf unserer Homepage www.junge-union.de
oder telefonisch in Berlin 030/2787870
JST: Hallo Hildegard! Sag mal, hast Du Deinen usprünglchen Job für den
Vorsitz an den Nagl gehängt? Wie siehst DU Deine Zukunft?
HildegardMueller: Auf der Homepage findet man auch Infos über unsere politischen
Ziele
HildegardMueller: Zu JST: Ich bin berufstätig (Ich arbeite bei der Dresdner Bnak und
leite einen Bereich für Qualitätsmanagement) Politik und Beruf kann man
durchaus verbinden. Ob ich irgendwann einmal für ein Mandat kandidiere
weiß ich noch nicht.
Shorty: wie wichtig ist für euch das internet? habt ihr dadurch einen höheren
zufluss an mitgliedern?
HildegardMueller: Ja, wir kommunizieren zunehmend intern über das Internet. Hier haben
wir aber noch viele Ideen, die noch nicht alle umgesetzt sind. Wir wollen
über das Internet aber auch mit Nicht-Mitgliedern in einen Austausch über
Themen kommen und Meinungen erfragen.
Shorty: wie nutzen sie persönlich das internet?
HildegardMueller: Beruflich, politisch und zunehmend auch privat. Es gibt keine bessere
und schnellere Möglichkeit um sich auszutauschen.
dreisam: Frau Müller, haben Sie auch eine private Homepage?
HildegardMueller: Ja, wie war noch die Adresse…
Moderator: ;-)
HildegardMueller: die besten Infos gibt es aber über die JU
Moderator: vielleciht fällt Ihnen die Adresse ja noch im Laufe des Chats ein
;-)
JST: Mich erstaunt wie Du das hinbekommst? Aber ich schätze diese
Einstellung sehr. Verglichen mit den 4 Stunden die mich im Schnitt die
Geschüftsführung in meinem Verband pro Woche kostet, wirst Du ja kaum noch
Zeit für andere Dinge neben Politik und Arbeit finden! Denkst DU Poltik
wäre besser, wenn es weniger "hauptamtliche" Politiker gäbe?
HildegardMueller: Also Freizeit und Freunde sind mir nach wie vor sehr wichtig. Mal
nicht über Politik oder Beruf zu sprechen ist auch wichtig um nicht
auszubrennen. Ich wünsche mir viel mehr, die Beruf und Politik verbinden.
Beide Bereiche können davon profitieren.
KathrinLausitz: Ein kleines Zukunftsszenario: Wer wird der nächste Kanzler/die nächste
Kanzlerin und welche Koalition werden wir 2002 erleben?
HildegardMueller: Ich habe meine kleine Glaskugel leider nicht dabei. Jedenfalls möchten
wir 2002 diese Bundesregierung wieder ablösen. Dafür müssen wir zuerst
wieder stärkste Partei werden. (Es gibt noch viel zu tun:-) )
keini: was muss man tun, um wieder stärkste partei zu werden?
HildegardMueller: Zuerst einmal müssen wir an uns arbeiten (inhaltlich, strukturell und
personell). D.h. Positionen überarbeiten, bessere Möglichkeiten finden um
bei uns mitzumachen und Nicht-Mitglieder anzusprechen und Personen
herausstellen, die uns glaubwürdig vertreten.
Fanta4: Wie stehen Sie zu Friedrich Merz, bringt er den noetigen Schwung in
die CDU? Was kann er bewirken, was andere zuvor nicht geschafft
haben?
HildegardMueller: Ich finde ihn perrsönlich und inhaltlich sehr gut und glaube, dass er
der Aufgabe gewachsen ist. Er hat sicher zur Zeit mit den schwersten Job
in CDU und CSU….
HildegardMueller: Ich glaube dass er sehr konsequent an und mit der Fraktion arbeiten
wird.
r265348: Spuert man schon den neuen Führungsstil von Frau Merkel?
HildegardMueller: Ich finde schon. Entscheidungen werden nicht mehr vorgegeben, sondern
es wird wieder mehr diskutiert. Ihr deshalb Führungsschwäche vorzuwerfen
halte ich für idiotisch. Solche Führungsstile sind in der Wirtschaft der
Erfolgstip.
sandra2: Was hat sich denn schon alles in der Union, seit dem Sie in der
Parteispitze sind geaendert?
HildegardMueller: Wir haben uns viel vorgenommen (und auch schon begonnen). Dazu gehören
mehrere inhaltliche Punkte (Sozialstaat und Wirtschaftspolitik,
Einwanderungsgesetz, Bio-Ethik, Steuern, Rente….)
muffin: Was beabsichtigen Sie mit ihrem Strategiepapier zu ereichen?
HildegardMueller: intern sitzen wir an der Parteireform und haben eine
Internet-Kommission eingerichtet.
HildegardMueller: Zum einen wollen wir unsere Mutterparteien motivieren die Veränderung
schneller voranzutreiben und direkt inhaltlich Einfluß nehmen.
sunny13: Welche bildungspolitischen Konzepte verfolgen Sie?
HildegardMueller: Das fällt etwas schwer kurz zu beantworten. Ich bin nach wie vor für
das dreigliedrige Schulsystem. Möchte Abitur nach 12 Jahren ermöglichen.
Berufliche Bildung verbessern. Ganz wichtig ist aber eine Reform der
Hochschulen. Warum nicht mehr Wettbewerb in diesem Bereich, Abschaffung
des Beamtenstatus für Profs….
HildegardMueller: Mehr Verbindung zwischen Wirtschaft und Unis. Andere Länder sind uns
hier weit voraus. Detailiierte Infos gibt es bei der JU.
cordhose: Frau Müller, haben Sie eine konkrete Vorstellung von der Politik der
Zukunft? Stichwort Internet …
HildegardMueller: Wir richten z.B. Inside-Bereiche ein, d.h. ich möchte Mitglieder und
Bürger direkter an Politik beteiligen. Dafür müssen wir uns noch einiges
einfallen lassen. Neue Veranstaltungsformen etc. Ich kann mir auch
vorstellen, in naher Zukunft Wahlen über das Internet
durchzuführen.
spanky: Theoretiker sagen, das derzeitige Parteiensystem sei ein
Anachronismus. Tatsächlich könne das Volk sich im Zeitalter der Neuen
Medien viel besser und efizienter selbst vertreten. Sind Sie oder Ihre
Partei vorbereitet?
HildegardMueller: Ich glaube nach wie vor an die Notwendigkeit von Parteien. Interessen
müssen gebündelt werden, sonst zerfasert die beste Idee. Trozdem ist es
richtig, dass die Parteiarbeit sich total umstellen wird. ..
spanky: inwiefern umstellen?
HildegardMueller: Auf Dauer wird nur die Partei eine Chance haben, die die veränderungen
positiv angeht und gestaltet.
spanky: das sagen alle …. ;-)
HildegardMueller: In der Art und Weise wie wir diskutieren und uns externen Sachverstand
dazuholen. Wir haben zu lange im eigenen "Saft" geschmort.
garp: An wen denken Sie bei externem Sachverstand?
HildegardMueller: Fachleute in den verschiedensten Bereichen und hier meine ich nicht
immer nur die üblichen Verdächtigen, sondern wirklich unabhängige mit
neuen Ideen.
Funktioner: Wie soll die Gestaltung konkret aussehen ?
HildegardMueller: Wenn die Einbindung von Fachleuten gemeint ist, z.B. in den
Inside-Bereichen. Wir haben das mal mit dem Thema Bundeswehr
versucht.
Funktioner: Frau Müller, vertreten Sie im Bereich Internet die gleichen
Vorstellungen wie ihr byerischer Kollege Markus Söder oder wollen Sie das
anders machen? Wenn ja wie?
HildegardMueller: Was meinen Sie konkret. Markus Söder hat nämlich viele
Ideen.
Moderator: wir warten auf eine antowort von Funktioner. solange geht es
weiter:
muffin: was halten sie von vorschlägen, gesetzesentwürfe o.ä. online zur
diskussion zu stellen bevor eine weitere beratung in den politischen
gremien erfolgt?
HildegardMueller: Finde ich eine gute Idee. Im übrigen liegt es an den Parteien zur
Diskussion aufzurufen.
Funktioner: Seine neueren Ideen zum CyberVote, die auf der bayerischen JU Seite zu
sehen sind!
Moderator: Danke Funktioner!
HildegardMueller: Hat auch mit der Frage von muffin zu tun. Ich glaube wir sind hier
wirklich erst am Anfang der technischen Möglichkeiten…
HildegardMueller: Ich finde es jedenfalls eine gute Idee in diese Richtung zu
denken.
manja: in österreich sind digitale protestaktionen (zB ballhausplatz.at) sehr
en vogue, waren sie bzw. die junge union auch schon einmal zielscheibe
solcher aktionen?
HildegardMueller: Man muß natürlich bei den Foren schon aufpassen, dass sie nicht von
Radikalen zur Selbstdarstellung mißbraucht werden. Bei uns gab es noch
keine gezielten Aktionen, wir achten aber auch drauf.
Question: Was halten sie vom neuen internet-sprecher der cdu, thomas heilmann?
ist ein solches amt überhaupt notwendig bzw. sinnvoll?
HildegardMueller: Ich komme gut mit ihm zurecht. Uns ist die Kommission wichtig um das
Thema in der Öffentlichkeit voranzutreiben, aber auch um zu überlegen, wie
die Partei sich hier besser organisieren kann und die Möglichekiten zur
besseren Kommunikation nutzt. Dafür ist er sicher der Richtige. Ich möchte
übrigens auch in der Kommission mitmachen.
garp: Die meisten jüngeren Leute sind ja weniger politikverdrossen als
Politikerverdrossen. Wie wollen Sie vor diesem Hintergrund jüngere Leute
für die Parteiarbeit interessieren?
HildegardMueller: Es geht um unsere Zukunft. In einer Gesellschaft die immer älter wird,
ist es wichtig, dass sich junge Menschen einbringen. Ich denke hier z.B.
mal an die Diskussion über die Rente. Gelingen wird es uns nur wenn wir
glaubhaft machen können, dass man mit Engagement etwas verändern kann. Bei
mir überwiegen jedenfalls die positiven Erfahrungen und die JU ist zur
Zeit auch sehr erfolgreich dabei die Partei voranzutreiben.
keini: auf der ju-homepage ist ein banner von dol2day, dem internet-wahlspiel
um die kanzlerschaft. was halten sie von solchen politik-simulationen?
würden sie sie auch für die "echte" parteiarbeit einsetzen?
HildegardMueller: Ja warum nicht, ich glaube zwar dass noch einige Hürden vor uns liegen
(Sicherheit etc.) aber das kriegt man schon hin.
bigboy: Frau Müller, was sind Ihre persönlichen Ziele? Welche Position schwebt
Ihnen im Falle eines Regierungswechsels vor?
HildegardMueller: Schaun mer mal
garp: Wäre nicht die Aufarbeitung der Spendenaffäre und die Klärung der
Korruptionsvorwürfe gegen Alt-Bundeskanzler Kohl ein gutes Mittel wieder
an Glaubwürdigkeit gegenüber Jugendlichen zu gewinnen?
HildegardMueller: Natürlich, deshlab hat die JU dies auch von Anfang an sehr stark
gefordert. Wir müssen alles tun um an die noch fehlenden Infos zu kommen,
leider gibt es Grenzen, die mich schon frustrieren. Die JU jedenfalls war
nicht beteiligt!
Funktioner: Ich fände es gut im Fernsehen mehr Diskussionen mit jungen Poltikern
zu sehen, wie Sie und ein paar ihrer Kollehen auf Phoenix oder M.Söder bei
Friedman. Wann sehen wir so etwas häufiger?
HildegardMueller: Das liegt zum einen an uns: Wir müssen unsere Ideen attraktiv
darstellen. Aber ein Hinweis, bei den Fernsehmachern, dass man sich solche
Diskussionen wünscht, kann sicher nicht schaden. Der Markt bestimmt was
gesendet wird – fordern wir es also ein.
garp: Was und wer frustriert Sie denn besonders an der Aufarbeitung?
HildegardMueller: Na ja, dort wo wir auf persönliche Aussagen angewiesen sind, weil es
keine Unterlagen gibt und die Betreffenden schweigen. Hier liegen wohl die
Grenzen des Rechtsstaates.
Sonja: Wie bewerten Sie selbst den Online-Auftritt der CDU, was könnte man
verbessern?
HildegardMueller: Ich bin natürlich befangen und finde ihn schon ganz nett. Aber wir
haben viele Ideen sowohl für JU als auch für die CDU was wir besser machen
können.
Moderator: zum Beispiel?
HildegardMueller: Die Beteiligungsmöglichkeiten müssen ausgebaut werden. Außerdem sind
wir manchmal nicht aktuell genug.
garp: Guten Tag Frau Müller. Denken Sie, dass Angela Merkel auch langfristig
Vorsitzende der CDU bleiben wird?
HildegardMueller: Ja
BerndMüller: Frau Müller, wie hoch wird die Benzinschraube noch angezogen. Was tut
die junge Union gegen diesen Abzockwahnsinn ?
HildegardMueller: Was wir hier haben ist keine ökologische Steuerung sondern nur noch
ÖkoTeuer. Ich halte die jetzige Form für ungeeignet. Wir werden noch in
dieser Woche eine Aktion dazu starten.
Moderator: Frau Müller, leider ist die Zeit schon um! Deshalb hier die letzte
Frage:
JST: Vor dem Hintergrund der Ära Kohl, ist es sinnvoll über eine
Amtszeitbegrenzung für Parteiämter nachzudenken? Ist es noch sinnvoll, wen
jemand eine Polikerkarriere macht?
HildegardMueller: Die JU überlegt eine Begrenzung bei Spitzenpositionen. Ich wünsche mir
einen besseren Austausch von politik und Wirtschaft. Außerdem verschleißen
alle Spitzenpositionen irgendwann und man findet nicht mehr genug neue
Ideen.
Moderator: Im Namen von Cornelsen Online und politik-digital moechte ich mich
ganz herzlich fuer die vergangenen 60 Minuten bedanken!
HildegardMueller: Ich danke auch – hat Spaß gemacht
Moderator: Es hat uns sehr viel Spass gemacht! Vielen Dank!
Moderator: Gruesse nach Duesseldorf
HildegardMueller: Ebenfalls in den hohen Norden.

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