Partizipation, KI und Startups – Auftakt im Amplifier

Bühne des AmplifiersAm 7. Mai 2019, dem ersten Eröffnungstag des Amplifiers, demonstrierten die Hosts den Connect-Modus des Veranstaltungsortes. Im Fokus standen die Themen Künstliche Intelligenz, demokratische Beteiligung und die Berliner Startup-Szene.

Die Eröffnungstage des Amplifiers werden eingeläutet

Eröffnungs-PanelDie Begrüßung der Gäste erfolgte durch die fünf Amplifier-Hosts Sebastian Blecke (GSG Berlin), Jan Thomas (NFK Media), Wolfgang Macht (Netzpiloten), Andor Poll (FTWild) und Steffen Wenzel (politik-digital). Gemeinsam stellten sie die Location und das inhaltliche Konzept des Amplifiers vor. Das Mikro wurde dann an Steffen Wenzel und Jan Thomas übergeben, die von nun an durch den ersten Eröffnungstag des Amplifiers führten.

 

Connecting AI – Ökonomische Phantasien und gesellschaftlicher Nutzen

Künstliche Intelligenz – es ist das brandaktuelle Thema, das mittlerweile auf keiner Veranstaltung zu Digitalem mehr fehlen darf. Auch bei der Eröffnung des Amplifiers machte es deshalb den Auftakt. Gemeinsam mit Daniel Abbou vom KI Bundesverband e.V. sprach Agnieszka M. Walorska (Creative Construction) über die Potentiale von KI, die sie vor allem im Gesundheitsbereich sieht. Sie glaubt, wenn KI bestimmte Tasks übernehmen würde, entstünden zeitliche Kapazitäten, die das Pflegepersonal entlasten. Grundsätzlich beobachtet Walorska in Deutschland eine hohe Technologieskepsis, die unter dem Deckmantel ethischer Bedenken geäußert würde. Allzu oft würde ein Fokus auf Gefahren und Bedrohungen gelegt. Um mit China und USA mithalten zu können, müsse Deutschland eine Nische finden in der die hiesigen Unternehmen besser agieren als die anderen globalen Player.

Connecting People – Wie stärken wir die Gesellschaft der Zukunft?

Anschließend an den KI-Talk debattierten Marina Weisband (politik-digital) und Moritz Ritter (Liquid Democracy) über die demokratische Gesellschaft der Zukunft.

„Beteiligung ist etwas Gutes und wir brauchen mehr davon. Die Mittel und Wege von politischer Beteiligung haben sich aber verändert.“ Mit dem einführenden Statement der Moderatorin Alexa Schaegner (politik-digital) schienen Weisband und Ritter einverstanden. Beide haben politische Beteiligungsprojekte gegründet und umgesetzt, die stark mit digitalen Möglichkeiten arbeiten: aula ist eine Online-Plattform, die Jugendlichen aktive Mitbestimmung im Alltag ermöglicht, meinBerlin das offizielle Angebot zur Bürgerbeteiligung des Landes.

„Schule ist Diktatur!“

Marina Weisband konstatiert, ein Großteil der deutschen Schulen habe keine demokratischen Strukturen. Die Schüler und Schülerinnen fragten sich, wieso sie sich überhaupt beteiligen sollen. Dieses Gefühl der Ohnmacht setze sich später oft in einer Politikverdrossenheit fort. Aus „Die da vorne machen eh was sie wollen“, wird „Die da oben machen eh was sie wollen.“ Deshalb tritt aula dann an die Menschen heran, wenn sie noch jung sind, denn Beteiligung müsse man lernen. Vor allem will Weisband die Schüler und Schülerinnen erreichen, die sich selbst nicht als politisch begreifen. Ob aula erfolgreich ist, kann die Projektleiterin klar beantworten: „Wir sind an 11 Schulen und an 14 Jugendforen von Kommunen aktiv. Wir kriegen ständig Anfragen und haben eine wissenschaftliche Evaluation gemacht, die sehr positiv ausgefallen ist. Wirklich erfolgreich sind wir aber erst dann, wenn alle Schulen demokratisch sind. Dann kann ich mich zurücklehnen.“

Im Spannungsfeld zwischen Gesellschaft und Verwaltung

Podiumsdiskussion mit Marina Weisband, Alexa Schaegner und Moritz RitterDas Land hat mit der Plattform meinBerlin eine zentrale digitale Infrastruktur geschaffen. Zwar wird sie von den Bürgern und Bürgerinnen gut aufgenommen. Projekte, Ideen und Kommentare werden stetig eingereicht. Dennoch befindet sich Moritz Ritter ständig in einem Spannungsfeld zwischen Gesellschaft und Verwaltung. Er will auf der einen Seite das System verändern und mehr Beteiligung schaffen, und ist auf der anderen Seite abhängig von Politik und Verwaltung und deren Strukturen. Ritter findet, die erfolgreichsten Beteiligungsverfahren haben sowohl digitale als auch analoge Komponenten. Sie gehören zusammen und lassen sich nicht mehr trennen. Weisband fasst zusammen: „Ein mündiger Bürger ist einer, der beides kennt und nutzt.“

„Die größte Herausforderung von aula ist kultureller, nicht technischer Natur“

Marina Weisband sieht die Probleme und Hürden von aula vor allem in der Kultur der Schulen. Die Lehrenden nehmen die Schülerschaft als eine chaotische Masse wahr, die es zu bändigen gelte und wollen gar nicht unbedingt mehr Beteiligungsmöglichkeiten schaffen.

Moritz Ritter merkt in seiner Arbeit, dass einige Menschen sich erst davon überzeugen lassen müssen, dass Digitalisierung etwas Gutes sei, nicht nur Hate Speech und Datenklau. Er denkt, Twitter und Co. seien schlecht darin, einen Dialog mit den Usern zu initiieren. Das müssen Plattformen wie meinBerlin daher besser machen.

Startup-Szene Berlin

Der nächste Programmpunkt des Amplifier-Eröffnungstages widmete sich der Berliner Startupszene. In einem humorvollen Vortrag von Christoph Sollich („The Pitch Doctor“) wurde die Frage aufgeworfen, wie Berlin zur Startup-Metropole und führendem digitalem Innovationszentrum werden konnte.

sdr_softIm anschließenden Panel mit Catherine Bischoff (Factory Berlin), Sascha Schubert (GF Bundesverband Deutsche Startups) und Roger Bendisch (IBB Beteiligungsgesellschaft), moderiert von Andreas Winiarski (Founding Partner & CEO of Awesome), war der Konsens, dass sich in der Berliner Startupszene so einiges getan habe. Bischoff, die zwischendurch einige Jahre in Kanada lebte, war bei ihrer Rückkehr nach Berlin überwältigt von der Entwicklung und auch Bendisch konstatiert: „Seit 2010 gibt es nur noch eine Richtung und die geht nach vorne!“ Auch wenn andere Regionen wie München aufholten, sei Berlin gut aufgestellt. Allerdings gäbe es in Berlin auch zunehmend Probleme, wie knappen Büroraum und hohe Mieten. Bischoff erzählt: „Wenn wir Talente aus dem Ausland anwerben, können sie nicht kommen, weil sie sich die Miete nicht leisten können.“ Zudem mache die Bürokratie das Gründen immer noch schwer. In Paris sehen die Panel-Teilenehmenden eine europäische Stadt, die zu Berlins Konkurrenz werden könnte. Das läge insbesondere daran, dass Macron sich dafür ausspricht, Paris zu einer Startup-Metropole zu machen. In Deutschland gäbe es so ein Commitment nicht.

„Wir alle trinken täglich Wasser, sprechen, und nutzen Suchmaschinen.“

Zum Abschluss des Programms kündigte Jan Thomas die Pitches der drei Berliner Top-Startups, mitte, Ecosia und i2x an. Die Vorträge lieferten einen Einblick in die Vielfalt der Berliner Startupszene. Während mitte einen Filter entwickelt, der Wasser klärt und mit Mineralien anreichert, pflanzt die Suchmaschine Ecosia Bäume und i2x liefert Sprachanalysen für Firmen.

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