Wie erreicht man Nichtwähler?

Adam Wyles  cc by-nd 3.0Deutschland droht am 22. September die niedrigste Wahlbeteiligung in der Geschichte der Bundesrepublik. Aber woher kommen diese Nichtwähler und wie kann man sie an die Wahlurne locken? Die neue forsa Studie ”Wähler und Nichtwähler zu Beginn des Wahljahres 2013″ hat sich mit dem Thema Nichtwähler genauer befasst. Dabei fällt auf: Nichtwähler sind politisch interessiert, aber unzufrieden.

Seit ein paar Tagen wissen wir nun wer das TV-Kanzlerduell zwischen Kanzlerin Dr. Angela Merkel (CDU) und ihrem Herausforderer Peer Steinbrück (SPD) moderieren darf: Anne Will (ARD), Maybrit Illner (ZDF), Peter Kloeppel (RTL)…und ein neues Gesicht in dieser Runde: Stefan Raab (ProSieben/Sat.1).

Das Stefan Raab in dieser Runde Fragen stellen darf hat er ProSieben Sat.1-Beirat und Ex-Ministerpräsident Dr. Edmund Stoiber zu verdanken, der Stefan Raab in einem großen SPIEGEL-Interview ins Gespräch gebracht hatte.

Über Stefan Raab wurde in den vergangenen Wochen viel diskutiert, dabei ist die Grundlage von Stoibers Forderung, nämlich eine forsa-Umfrage zu den Nichtwählern im Auftrag der ProSiebenSat.1 Media AG fast untergegangen. Aus diesem Grund möchte ich einige spannende Erkenntnisse der Umfrage hinsichtlich des Kommunikations- und Informationsverhaltens von Nichtwählern hier nochmal präsentieren.

Grundsätzlich lässt sich feststellen, dass sie immer mehr werden. So stieg allein zwischen den Bundestagswahlen 1998 und 2009 die Zahl der Nichtwähler von 10,8 auf 18,1 Millionen Bürger. Wichtigste Erkenntnis der Fokus-Gruppen ist, dass sich diese Wähler nicht komplett aus der Politik zurückziehen, sondern lediglich als “Wähler auf Urlaub” fühlen und hoffen bald wieder an Wahlen teilzunehmen.

Wer sind die Nichtwähler?

Quelle: forsa Studie "Wähler und Nichtwähler zu Beginn des Wahljahres 2013", Seite 12

Nichtwähler haben ein signifikant geringeres Haushaltseinkommen als Unentschlossene und Wähler. Insgesamt haben Nichtwähler auch weniger optimistische Wirtschaftserwartungen als Wähler.

 

 

Quelle: forsa Studie "Wähler und Nichtwähler zu Beginn des Wahljahres 2013", Seite 19Insgesamt lässt sich feststellen, dass die Engagement-Bereitschaft bei Nichtwählern geringer ausgeprägt ist, als bei Wählern und Unentschlossenen. So sind 53 Prozent der Wähler, aber nur 34 Prozent der Nichtwähler Mitglied in einem Verein.

 

Quelle: forsa Studie Wähler und Nichtwähler zu Beginn des Wahljahres 2013, Seite 20Die Beteiligung an Protestaktionen ist allerdings bei Nichtwählern genauso hoch wie bei Wählern. Ebenso  beteiligen sich Nichtwähler fast genauso stark an Unterschriftenaktionen und Bürgerinitiativen wie Wähler.Insgesamt haben sich schon einmal 24 Prozent der wählenden Bundesbürger an einer Protestaktion beteiligt, bei den Nichtwählern sind es 23 Prozent.

 

Quelle: forsa Studie "Wähler und Nichtwähler zu Beginn des Wahljahres 2013", Seite 19Überraschend ist auch das Interesse von Nichtwählern am lokalen Geschehen vor Ort:Nichtwähler haben ein ebenso großes Interesse an lokalem Geschehen, wie Wähler. Ihnen es also nicht egal, was in ihrem Wahlkreis und vor ihrer direkten Haustür passiert.

 

 

Wie informieren sich Nichtwähler?

 

Quelle: forsa Studie "Wähler und Nichtwähler zu Beginn des Wahljahres 2013", Seite 21

60 Prozent der Wähler informieren sich über Politik  im Internet. Nichtwähler tun dies nicht in gleichem Maße,aber trotzdem noch ziemlich stark. Nur Radio, Fernsehen und die lokale Zeitung werden noch häufiger als Informationsquelle genutzt.

 

 

Quelle: forsa Studie "Wähler und Nichtwähler zu Beginn des Wahljahres 2013", Seite 23

Bei den beiden jüngeren Altersgruppen, also den 18-29 jährigen und 30-45 jährigen Nichtwählern sieht das Informationsverhalten dann schon deutlich anders aus. Hier wird das Internet häufiger als alle anderen Medien als Informationsquelle genutzt – auch für politische Inhalte. 

 

Quelle: forsa Studie "Wähler und Nichtwähler zu Beginn des Wahljahres 2013", Seite 27

Interessant ist zudem der Blick auf die Nutzung von sozialen Netzwerken durch Nichtwähler: Soziale Netzwerke sowie Blogs oder Internet-Foren werden von den Nichtwählern in etwas stärkerem Maße genutzt als von Wählern und Unentschlossenen.

 

 

Wie werden aus Nichtwählern Wähler?

 

Quelle: forsa Studie "Wähler und Nichtwähler zu Beginn des Wahljahres 2013", Seite 52Auch wenn immer wieder der Ruf nach “mehr direkter Demokratie” laut wird denkt nur ein geringer Anteil der Befragten, dass mit “direkter Demokratie” die Wahlbeteiligung steigen würde: Nur 13 Prozent der Wähler und 23 Prozent der Nichtwähler sind der Meinung, dass ein Mehr an „direkter Demokratie“ zu einer höheren Wahlbeteiligung führe.

 

Quelle: forsa Studie "Wähler und Nichtwähler zu Beginn des Wahljahres 2013", Seite 53Im Gegensatz dazu stoßen Online-Wahlen auf sehr viel mehr Zuspruch: Online-Wahlen werden von der Mehrheit der Befragten begrüßt. Insbesondere bei der jungen Zielgruppe, 91 Prozent der unentschlossenen Jungwähler und 70 Prozent der
jungen Nichtwähler würden von der Möglichkeit der Online-Wahl gebrauch machen.
 Ob allerdings die Wahlbeteiligung tatsächlich steigen würde, wenn es Online-Wahlen gäbe, ist durchaus fraglich.

 

Quelle: forsa Studie "Wähler und Nichtwähler zu Beginn des Wahljahres 2013", Seite 57Das Internet wird als Medium von Wählern und Nichtwählern in der Altersgruppe 18-29 Jahre am meisten genutzt. Auch in den anderen Altersgruppen liegt es fast gleichauf mit Fernsehen und lokalen Zeitungen.

Im Wahlkampf 2013 wird also keine Partei diesen Kanal vernachlässigen können und dürfen.

 

Fazit

Eine Großzahl der Nichtwähler haben heute das Gefühl, dass viele Politiker kein „Ohr“ mehr für sie, für ihre Sorgen, Nöte, Ängste und Probleme haben. Sie informieren sich aber weiterhin über das politische Geschehen – zumeist im Internet – und sind grundsätzlich bereit bei kommenden Wahlen auch wieder ihre Stimme abzugeben.

All dies zeigt, dass gerade soziale Netzwerke und internetbasierte politische Kommunikation ein enormes Potential für die Ansprache von Nichtwählern bieten. In keinem anderen Medium können Politiker Bürgern so gut zuhören, mit ihnen in direkten Dialog treten und auf deren Wünsche und Meinungen direkt und ohne Filter eingehen.

Zudem informieren sich gerade junge Nichtwähler in sozialen Netzwerken und weiteren Internetangeboten über das Weltgeschehen und lokale Nachrichten. Genau hier also erreicht man potentielle Wähler mit seinen Themen.

Auf geht’s Wahlkämpfer, die 72,7 Prozent Wahlbeteiligung bei der letzten Bundestagswahl waren ein historischer Tiefstand auf Bundesebene. Zeit das sich was dreht! Die Tools stehen bereit.

Die komplette Studie kann hier als .pdf heruntergeladen werden.

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Dieser Beitrag ist ein Crosspost vom Hamburger Wahlbeobachter

Titelbild: Adam Wyles (cc by-nd 3.0)

4 Antworten auf Wie erreicht man Nichtwähler?

  1. Klaus B. Bartels sagt:

    Gerade die Stimmenthaltung der Telnehmer/innen von Protestveranstaltungen und der frustrierten Verfasser einschlägiger Meinungsäußerungen in den Medien konterkariert ihre eigenen Bestrebungen durch ihre Untätigkeit. Die Regierenden könnten ihre Passivität als Zustimmung zur aktuellen Bundespolitik auslegen – ebensogut aber auch als einen Hinweis darauf, dass keine der kandidierenden Parteien die Interessen der Nichtwähler vertritt. Es gibt aber ein Modell, mit dem Fundamentalopposition deutlich gemacht wird: Die Abgabe einer ungültigen Stimme. Der Verfasser beruft sich auf Art. 146 des Grundgesetzes, um dieses durch die dort geforderte Verfassung abzulösen – eine Verfassung, die nach eingehender Befragung aller Wahlberechtigten mit der Mehrheit des Volkes beschlossen wird. Die denkbaren Prämissen unter dem Aspekt einer Volksherrschaft, deren wichtigstes Ziel die Herstellung maximaler Gerechtigkeit für Alle ist, finden sich mit vielen Ideen und Statistiken im E-Book “Volksherrschaft und Gerechtigkeit” (XinXii). Wählen ist das vornehmste Recht eines jeden Demokraten. Wer nicht wählt, vergibt das Recht zur Kritik. Die ungültigen Stiimmen könen durch ihre Zahl – mehr als die Wähler der stärksten Partei, wenn alle Wahlberechtigten dazu beitraagen – unüberhörbar werden.

  2. Klaus B. Bartels sagt:

    Danke – einmal genügt.
    KBB

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