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Wenn Bürgermeister bloggen

Was macht eigentlich ein Bürgermeister den ganzen Tag? Mit einem Online-Tagebuch können die Chefs der Kommunalverwaltungen einen Einblick in ihr Arbeitsleben geben. Aber nur wenige Bürgermeister führen ein Weblog. Und diese sind häufig schlecht verlinkt.

 

Blogs basieren im Grunde auf Tagebüchern. Bürgermeister können diese Möglichkeit nutzen, um den Internet-Nutzern in ihrer Gemeinde einen Einblick in ihren Arbeitsalltag zu geben. Das machte zum Beispiel Friedhelm Werner, der Bürgermeister der Stadt Laichingen (ca. 11.000 Einwohner), bis Ende des Jahres 2006. Einige Beiträge des Laichinger Bürgermeisters können noch auf www.laichingen.de nachgelesen werden.

Dem Bürgermeister, in seiner Stellung als Mittler und Motivator zwischen Kommunalpolitik, Verwaltung und Bürgern, kommt eine wichtige Rolle zu. Professor Paul Witt von der Hochschule für öffentliche Verwaltung in Kehl sieht den Bürgermeister als „Motor“ der Gemeinde. Im fahrenden Auto erkennt man einen defekten Motor am Geräusch. Aber wie erkennt der Bürger, wenn der Motor der Gemeinde und damit die Kommunalpolitik und die Verwaltung nicht mehr funktioniert?

Bloggen mit dem Diktiergerät

Friedhelm Werner machte mit seinem Blog einen ersten Schritt zur Beantwortung dieser Frage. Er führte dabei ein Online-Tagebuch im Wortsinne - denn für einen „echten“ Bürgermeisterblog fehlten eine Kommentarfunktion und ein RSS-Feed (Benachrichtigungsdienst, mit dem aktuelle Inhalte von Webseiten abonniert werden). Auch der Veröffentlichungsprozess von Einträgen war eher untypisch: Oftmals habe er Tagebucheinträge mit einem Diktiergerät aufgezeichnet und seiner Sekretärin aufgetragen, den Text seinem „Blog“ hinzuzufügen. Das berichtete Steffen Hemberger, Ideengeber für die Stadt Laichingen und Geschäftsführer der Firma Hitcom New Media, anlässlich des Workshops „Stadtwikis, Bürgermeisterblogs, E-Communities – Social Software in Kommunen“ der Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg im Sommer 2006. Friedhelm Werner schloss Ende des letzten Jahres sein Online-Tagebuch – zum weiteren Bloggen fehlte ihm die Zeit.

Blog nach negativen Kommentaren eingestellt

Was ist demzufolge ein Bürgermeisterblog? Ein Bürgermeisterblog ist ein Weblog, das vom Bürgermeister oder der Bürgermeisterin geführt wird, eine Kommentarfunktion besitzt und in persönlicher Art und Weise sowohl über gesellschaftliche und politische Ereignisse in der Stadt oder Gemeinde berichtet, als auch über die Arbeit eines Bürgermeisters oder einer Bürgermeisterin.

In Baden-Württemberg bloggte Martin Weissbrodt, Oberbürgermeister der Stadt Bad Säckingen (ca. 16.800 Einwohner). Dort veröffentlichte er einen offenen Brief an den Ministerpräsidenten des Landes Baden-Württemberg, Oettinger, bezüglich dessen „Filbinger-Rede“. Nachdem er daraufhin zahlreiche persönlich angreifende Kommentare erhielt, schloss er das Weblog. Seine Argumentation veröffentlichte der Südkurier am 23.04.2007: „Er habe den Blog als Kommunikationsforum und nicht als "Streit- und Zoffkolumne" eingerichtet.“ Im Gemeinderatsprotokoll der Stadt Bad Säckingen vom 23.04.2007 steht geschrieben, dass Weissbrodt „den Zeitaufwand für dieses Kommunikationsmittel und die aggressiven Reaktionen der Mitbürger auf die Blog-Inhalte unterschätzt“ hat.

Aktuelle Bürgermeisterblogs muss man lange suchen

Aktuell aktive Bürgermeisterblogs zu finden, gestaltet sich schwierig. Mayor Mark Steenbergh, City of Warren in Michigan, schreibt beispielsweise in unregelmäßigen Abständen über die Situation der Stadt. Der letzte Eintrag stammt jedoch aus dem Monat Mai und kann daher nicht als aktuell bezeichnet werden. Ein weiteres Problem dieses Blogs ist, dass Mark Steenbergh sehr lange und komplizierte Beiträge verfasst. Blogleser und vor allem kommunalpolitisch interessierte Bürger wollen griffige und verständliche Texte.

Ein aktuelles Beispiel aus Deutschland liefert Dr. Siegfried Balleis, Oberbürgermeister der Stadt Erlangen. Er nutzt regiolog.com, das sich selbst als eine Wissensplattform der Metropolregion Nürnberg bezeichnet. Dort verfasst er seit März 2007 in unregelmäßigen Abständen Texte, die Erlangen und die Region betreffen. Sein aktueller Beitrag befasst sich mit den Interaktionsmöglichkeiten der Website www.erlangen.de, die – wie er selbst eingesteht – lediglich ein Gästebuch anzubieten hat. „Bis wir diese Kommunikationsplattformen zu einer richtigen E-Democracy entwickeln, wird jedoch noch viel Wasser die Regnitz hinunterfließen“.

Bürgermeister vernachlässigen die Blogosphäre

Warum gibt es so wenig Bürgermeisterblogs und wieso scheitern manche beim Versuch? Das Beispiel von Martin Weissbrodt zeigt, dass viele Kommunalpolitiker das Internet und besonders das Mitmach-Internet Web 2.0 scheuen, da die Reaktionen nicht reguliert werden können. Zudem erfordert gerade zu Beginn das Schreiben, Verlinken und Moderieren von Beiträgen viel Zeit. Die hat ein Bürgermeister wohl nicht, wie die Aktualität bisheriger Blogs nahe legt. Und auch Bürgermeister müssen Werbung machen, um ihre Leserschaft zu vergrößern und sich einen Platz in der Blogosphäre zu erarbeiten. Alle dargestellten Bürgermeisterblogs waren schlecht verlinkt und haben es versäumt, andere Blogger und weitere mögliche Communitymitglieder einzubinden.

Welche Möglichkeiten transparentes Verwaltungshandeln bieten kann, zeigt www.verwaltungmodern.de. Verwaltungspraktiker und Bürger, sowie Professoren und Studenten der Fachhochschule Kehl beleuchten bloggend, was in der öffentlichen Verwaltung passiert. Hier erfahren die Leser, dass „auf dem Amt“ nicht mehr Schreibmaschinen und gelangweilte Beamte einfach nur ihren Dienst tun. Vielerorts ist das Dienstleistungsunternehmen Stadt oder Gemeinde schon Wirklichkeit, der Öffentlichkeit ist dies allerdings noch nicht bekannt.

EOT
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