Viel Lärm um Trupoli
23. November 2007 - 14:00
Während Trupoli Ende November mit viel Getöse und Marketingaufwand seine Beta-Phase beendet, sind die Berliner bereits seit Anfang Oktober 2007 weitgehend unbemerkt online.
Im Prinzip haben Trupoli und DiePolitiker.de die gleichen Konzepte: Registrierte Nutzer können Zitate von Politikern einstellen, andere können diese per Klick bewerten und in einem Kommentarbereich diskutieren. Die Ergebnisse der Bewertungen werden zusammengerechnet und grafisch aufbereitet. Alles andere könnte unterschiedlicher nicht sein:
Der Stand
Trupoli hat als Aktiengesellschaft (AG) einen Chief Executive Officer (CEO, Johannes Zumpe, 29 Jahre alt) nach eigenen Angaben 15 feste und studentische Mitarbeiter. Die Firma residiert in Büros im teuren Herzen von München. Finanziert wird die AG u.a. vom Investor Olaf Jacobi von Sirius Ventures, der auch Aufsichtsratsvorsitzender ist. Der Start des aufwändig programmierten Portals wurde nach monatelanger Entwicklungszeit mehrfach nach hinten verschoben.
DiePolitiker.de hat als Gesellschaft bürgerlichen Rechts gerade eine Steuernummer beantragt. Die beiden Macher Max Schulze (18 Jahre alt) und Marc Fuehnen (31 Jahre) sind Programmierer, arbeiten aus Fuehnens Privatwohnung in Berlin-Mitte und haben nach eigenen Angaben laufende Kosten von 92,50 Euro für den Betrieb der Server. Inzwischen macht Fuehnen das Projekt alleine. Die Programmierung des Frameworks von Fuehnen und Schulze (das auch für andere Themen genutzt werden kann) dauerte nach eigenen Angaben zwei Monate, die Anpassung auf Politikerzitate ging schneller: „Wir haben acht Nächte dran gesessen“, sagt Macher Marc Fuehnen.
Der Business-Case
Trupoli will Meinungsforschung verkaufen: „Sinn und Zweck der Plattform ist es, Daten zu erheben“, sagte Aufsichtsratsvorsitzender Olaf Jacobi bei der Pressekonferenz zum Trupoli-Launch im eigens angemieteten Saal im Presse- und Besucherzentrum der Bundesregierung. Werbung und die Einbindung des Portals per Schnittstelle auf Politiker- und Parteienwebsites sollen ebenfalls als kostenpflichtiger Service angeboten werden.
- „Wir haben null Druck, Geld zu verdienen und lassen uns ungern mit Investoren ein“, sagt Marc Fuehnen von DiePolitiker.de beim Kakao im Café um die Ecke – und denkt über vorsichtige Werbung oder Sponsoring nach.
Die Kritik
- Bei Trupoli gab es wegen der kommerziellen Orientierung und den Finanz-Investoren im Hintergrund von Anfang an Datenschutzbedenken. Trupoli verlangt einen Klarnamen und eine gültige E-Mail-Adresse für die Registrierung – die Sichtbarkeit auf der Seite kann man jedoch selbst steuern. „Wir werden keine personenbezogene Daten weitergeben, egal an wen. Auch auf der Plattform sind die einzelnen Bewertungen der Benutzer nicht erkennbar - ganz gleich ob der Klarname oder nur ein Benutzername angegeben ist“, sagte CEO Johannes Zumpe auf Anfrage von politik-digital.de. Dass Interessengruppen oder Parteien an Namen, E-Mail-Adressen oder auf Umwegen an politische Einstellungen von identifizierbaren Nutzern kommen, schließt er auch aus, falls sich die Besitzverhältnisse von Trupoli ändern: „Dieses Recht der Benutzer ist in den AGB festgeschrieben, bei einer Änderung - egal durch wen - müssten die Benutzer zustimmen. Ich glaube aber nicht dass das irgendwer machen würde: Die Glaubwürdigkeit der Plattform hängt extrem von solchen Dingen ab.“
Außerdem sorgte eine angenommene Nähe von Trupoli zu
Teltschik Associates, der Firma des ehemaligen Kohl-Beraters Horst
Teltschik für Wirbel. Tatsächlich hatten Trupoli und Teltschiks
Firma die gleiche Adresse und Telefonnummer. Johannes Zumpe erklärt:
„Ich habe in den letzten zwei Jahren bei Teltschik Associates
gearbeitet, aber das ist seit meinem Start bei Trupoli vorbei. Da
da nun mein Büro frei wurde - und es noch ein bisschen mehr
Platz gab - waren wir dort als Übergangslösung zur Untermiete.
Büros sind in München leider nicht einfach zu finden.“
In dieser Woche ist Trupoli umgezogen.
- DiePolitiker.de kommt angesichts der teuren Tools von Trupoli
etwas unaufgeräumt daher: Die Fotos der Politiker sind ein
bisschen verzerrt.
Die Ziele
DiePolitiker.de hat derzeit 320 User: „Wenn sich eine Community von 2000 bis 3000 Leuten findet, bin ich vollkommen zufrieden“, sagt Marc Fuehnen.
„Wir gehen davon aus, dass mehrere zehntausend bis hunderttausend User schnell erreicht sind“, umreißt Investor Olaf Jacobi die Ziele von Trupoli. Aber bei der Frage nach den nächsten Schritten sind sich David DiePolitiker und Goliath Trupoli wieder verblüffend ähnlich: Beide wollen in sich international ausprobieren. Schließlich tobt in den USA der Präsidentschaftswahlkampf.
Weblinks
Sebastian Gievert |
Sebastian Gievert (30) ist Diplom-Journalist und arbeitet seit Januar 2007 als Redaktionsleiter von politik-digital.de in Berlin.
Email ProfilSchlagworte
Verwandte Artikel
Jork: eGovernment in Kommunen
Im Alten Land wird in der Gemeinde Jork digital aufgerüstet. 26 der insgesamt ...
Weiterlesen
Vom rechtsfreien in den recht freien Raum
Die Unionsfraktion will eine Enquete-Kommission zu „Internet und digitaler ...
Weiterlesen
Linkliste: Reaktionen auf Enquete-Kommission
Die Einberufung der Enquete-Kommission „Internet und digitale Gesellschaft“ ...
Weiterlesen
Obama twittert nicht – so what!
US-Präsident Barack Obama hat zugegeben, Twitter persönlich gar nicht zu ...
Weiterlesen
Europäischer Preis für politik-digital.de
Das Projekt e-participation.net von politik-digital.de und dem British Council ...
Weiterlesen
Copyright
Copyright © 2007 politik-digital.deAll Rights Reserved




"DiePolitiker.de" erscheinen
"DiePolitiker.de" erscheinen mit ihrer Vorschau unter http://www.sportleronline.de/. Ist das von den vielzitierten Machern mit Absicht gemacht oder machen sie dort eine Trainingsphase...?Kommentar hinzufügen