USA: Wahlwerbung zum Auswählen

Der erste Eindruck zählt, besonders im Wahlkampf, besonders im Fernsehen. Doch was tun, wenn das Geld für eine professionelle Fernsehwerbung fehlt und man sich nicht auf virales Marketing bei Videoplattformen wie YouTube verlassen will? Ganz einfach: Vorgefertigte TV-Spots im Internet kaufen. Möglich macht das – zumindest in den USA – Spot Runner. Am 26. März 2008 startete das Unternehmen einen Service für politische Kampagnen.

 

Screenshot Spot Runner

 

Ab 499 US-Dollar kostet eines der Modellvideos – wesentlich weniger als andere Werbeagenturen verlangen. Wahlkämpfer können aus 22 Clips wählen, je nach dem, ob sie eher durch Aussagen zur Steuerpolitik, zur Bildungspolitik oder zur Sicherheit der Grenzen glänzen wollen. Auch für die eher emotionale Selbstdarstellung hat SpotRunner Videos im Angebot: So können sich Politiker als Familienmenschen (wohl gemerkt als "Familiy Man") präsentieren oder aber als harter Knochen, der bei Verbrechen keinen Spaß versteht. Und auch für Politiker, die den religiösen Wähler ansprechen wollen, gibt es den richtigen "warm, low-key, faith-based" Spot mit Kirche und Glockenläuten. Nur noch Fotos des passenden Kandidaten einfügen, das richtige Vioce-Over über die Bilder legen – und fertig ist der TV-Spot.

SpotRunner bietet ähnliche Kampagnen "to go" bereits seit 2005 für Unternehmen an. 2007 kamen dann die ersten Spots für Politiker dazu. Pünktlich zur Hochphase der US-Wahlkampfsaison folgt nun also dieses neue Angebot. Spot Runner wolle damit allen Kandidaten – die Wahlkämpfe zum großen Teil aus Spenden und privaten Mitteln finanzieren – einen professionellen Wahlkampf gewährleisten, heißt es in der Pressemitteilung. Zielgruppe seien alle politischen Kandidaten, ob sie nun für den Stadtrat oder den US-Senat kandidierten.

 

2 Antworten auf USA: Wahlwerbung zum Auswählen

  1. phlo sagt:

    Die Kommerzialisierung und Visualisierung des Wahlkampfes wird damit in den USA wohl auf die Spitze geführt. Dieser “Wahlkampf” wird ohnehin schon wenig von Inhalten, aber umso mehr von Bildern und Personen dominiert. Das könnte uns auch eigentlich vollkommen egal sein, wenn wir nicht in den letzten Jahren unseren Wahlkampf auch amerikanisiert hätten. Man denke nur die “Kanzlerduelle” oder auch die orange “Angie”-Revolution von Angela Merkel. Ich hoffe, dass es nicht noch weiter gehen wird im nächsten Jahr.

  2. sgerdesmeier sagt:

    phlo, ich kann die Befürchtungen verstehen. Nach tatsächlichen Inhalten muss man im derzeitigen US-Wahlkampf suchen. Und jetzt gibt es die inhaltlichen Aussagen fertig zum Mitnehmen – wie praktisch. Richtig absurd wird diese Art von “ready-made”-Kampagne wohl dann, wenn Republikaner und Demokraten in einem Bezirk aus Versehen mit demselben Spot antreten…

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