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Das twitternde (und Dreck fressende) Unterhaus

Noch ist der Termin nicht offiziell bestätigt, doch am 6. Mai 2010 wird wohl das neue britische Unterhaus gewählt. Schon jetzt lohnt es sich, einen Blick auf die Internetaktivitäten der britschen Parlamentsmitglieder zu werfen. In diesem Jahr scheint, wie zuletzt auch in Deutschland, ein regelrechter Hype um Twitter zu bestehen. Einen handfesten Skandal gibt es bereits.

Für den amtierenden Premier Gordon Brown wird es eine äußerst wichtige Wahl, hat er doch das Amt von Tony Blair ohne neue Parlamentswahl übernommen. Brown kann den Termin der Wahl noch festlegen, hat dabei aber nicht mehr viel Spielraum. Denn in Großbritannien muss bis zum Ablauf der Legislatur, zuzüglich einer Toleranz für die übliche Wahlkampfzeit von sechs bis acht Wochen, gewählt worden sein.

Twitter-Hype unter Abgeordneten

Der Telegraph titelte auf seiner Internetseite vor wenigen Tagen: “MPs turn to Twitter to talk to voters” und berichtet, dass immerhin 111 Abgeordnete bereits auf Twitter aktiv seien. 65 Labour-Abgeordnete bilden die klare Mehrheit, ihre konservativen Gegner sind mit nur 16 und die Liberal Democrats mit 23 Twitterern erfasst. Darüber hinaus seien sogar 226 Kandidaten beim Kurznachrichtendienst unterwegs. 

bbc.co.uk

Im Blog Election 10 mit dem fabulösen Untertitel “Wie Social Media Politik und im Besonderen die kommende Unterhauswahl beeinflusst” kann man der Begeisterung des Telegraph nicht so ganz folgen. “Oh No They Don’t” ist ein Artikel überschrieben, der die Bedeutung twitternder Abgeordneter herunter spielt – weil diese zu wenige Follower aufweisen können. Dabei sind Spitzenwerte von 13.000 Followern, gerade im Vergleich zur Bevölkerung, einiges über dem, was deutsche Bundestagsabgeorndete erreichen.

Dreck fressende Tories

Wie in Deutschland kommt politisches Twittern auch in Großbritannien nicht ohne einen handfesten Skandal aus. In diesem Fall ist es die Rede von einem Labour-MP, der in einem Tweet harsche Beleidigungen für seine Tory-Konkurrenten übrig hatte: Dreck fressende Schweine seien das. Die Tories sind reichlich ungehalten über diese Entgleisung und David Wright sucht sein Heil in Ausflüchten: Jemand habe seinen Account gehackt und nachträglich den Tweet verändert. In einem äußerst bekannten Blog weist ‘Guido Fawkes’ darauf hin, dass dies gar nicht möglich sei. Man könne laut Twitter-FAQ Tweets schlicht nicht verändern.

First Lady erreicht Millionen

Die Spitzenkandidaten Gordon Brown und David Cameron scheinen nicht so viel von Twitter zu halten, doch Browns Ehefrau Sarah Brown gehört zu den erfolgreichsten und meist abonnierten Twitterern im Vereinigten Königreich. Mehr als eine Millionen Follower kann sie vorzeigen und verursacht damit prompt Debatten, ob sie dieses Potenzial vielleicht für die Wahl ihres Ehemannes einsetzen könnte.

Livestream der Twitter-MPs

Bleibt eigentlich nur noch ein faszinierendes Werkzeug vorzustellen: Im “Tweetminister” lassen sich nämlich alle (hier wird auf Nutzerhinweise gesetzt) twitternden MPs nach Parteizugehörigkeit auswerten und in einem Livestream verfolgen. Man kann sogar seinen eigenen Abgeordneten über die Postleitzahl des jeweiligen Wohnorts und damit Wahlkreises suchen lassen – vielleicht ist er ja auch unter den twitternden Abgeordneten des britischen Unterhauses.

 Dieser Text erschien zuerst auf homopoliticus.de

EOT
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Christian Jung

Christian Jung (23) studiert Sozial- und Politikwissenschaften an der Uni Gießen und schreibt als freier Autor für politik-digital.de

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