Bürgergesellschaft im Netz

„Bin ich schon drin oder nicht?“ Der Autor des Ratgebers „Virtuelle Netze nutzen lernen“ Christoph Dowe, Geschäftsführer pol-di.net beantwortet diese Frage und stellt den Ratgeber für Inititiven und NGOs vor.

Ein Internet-Ratgeber für kleine und mittlere Organisationen und Nichtregierungsorganisationen? Ist das nicht fast so etwas wie ein Widerspruch, wie ein anachronistisches oder gar freches Angebot? Schließlich sind es doch gerade solche Organisationen, die das Internet seit Jahren sehr erfolgreich, innovativ und aktivierend nutzen. Hunderttausende Globalisierungs- oder Kriegsgegner gingen inzwischen, ausschließlich über das Netz organisiert, auf die Straße. Tausende von Protestmails überschwemmten politische Akteure aus allen Lagern, vom Gemeinderat bis hin zum Weißen Haus. Unterschriftensammlungen – auch zu abseitigen Themen – bringen zehntausende Menschen dazu, ihren Namen im Internet unter ein gemeinsames Dokument zu setzen. Positive Beispiele gibt es massenhaft. Tatsächlich entstand das Netz zum Kommunizieren, und nicht, wie man heute manchmal glauben mag, um Dinge zu verkaufen. Damit entspricht das Internet der Netzwerkstruktur vieler kleiner Grassroot-Organisationen, Bürgerinitiativen oder ideeller Zusammenschlüsse.

Defizite bei Internetauftritten kleinerer Organisationen

Die Analyse ist richtig und falsch. Tatsächlich haben gerade Nichtregierungsorganisationen (NRO) früh, schnell und innovativ das Netz für ihre Zwecke entdeckt. Bei genauerem Hinsehen jedoch zeigt sich: Hauptsächlich große Organisationen und solche mit junger Mitgliederstruktur nutzen das Internet verlässlich vorbildlich. Natürlich besitzen Amnesty International, Attac oder Greenpeace hervorragende Auftritte – sie haben entweder das Geld oder das Personal (oder beides) um hochgradig professionell zu sein, um Agenturen marktgerecht zu bezahlen oder um eine Armada von Freiwilligen zu mobilisieren. Aber ein Großteil des Bürgerengagements findet nach wie vor nicht in Massenorganisationen statt, sondern in lokal und thematisch begrenzten Zusammenschlüssen aktiver Bürger. Diese verfügen eher selten über eine ausgereifte und gut ausgestattete Struktur. Das Internet setzen sie dabei aus Scheu oder Nichtwissen eher zurückhaltend für die Arbeit ein. Den Internetauftritten kleinerer Organisationen mangelt es oftmals an klaren Vorstellungen und Zielsetzungen.

Ratgeber für den effizienten Internetauftritt

An die Aktivisten dieser kleineren und mittelgroßen Organisationen richtet sich der neue Ratgeber, der von der Stiftung Mitarbeit in Zusammenarbeit mit pol-di.net e.V. /politik-digital.de im Juli 2003 veröffentlicht wurde. Auf 66 Seiten sollen gerade diejenigen Mitstreiter kleiner und mittelgroßer Organisationen angesprochen werden, die sich der Bedeutung des neuen Mediums zwar bewusst sind, sich ansonsten aber eher hilflos gegenüber den neuen Aufgaben fühlen, selbst, wenn vielleicht bereits ein Internetauftritt besteht. Verkürzt werden soll mit dem Ratgeber der Schritt zwischen „Da müssten wir eigentlich mal aktiv werden“ zu „Das packen wir jetzt an!“

Der Ratgeber setzt da an, wo jede Überlegung starten sollte: Ist ein Internetauftritt für meine Organisation sinnvoll? Das Internet als Hilfsmittel taugt ja nicht für jede Organisation, und eine realistische Einschätzung ist nötig, um entscheiden zu können, ob tatsächlich die Mühen den späteren Nutzen lohnen. Wie kann z.B. gerade eine kleine oder mittelgroße, meist nur semi-professionell strukturierte Organisation von den Neuen Medien profitieren? Weitere Kapitel sind den eigenen und fremden Erwartungen an eine Website gewidmet und versuchen, eine Hilfestellung bei der Definition der Zielgruppe zu geben. Der Hauptteil widmet sich den nötigen Schritten, um einen erfolgreichen Netzauftritt zu planen: Aus dem Inhalt:

- Wer sollte einen Internetauftritt planen?

- Woraus besteht ein Redaktionskonzept?

- Ist Design wirklich so wichtig?

- Standard-Anwendungen, Innovative Anwendungen, Killer Applikationen

- Welche rechtlichen Fragen sind wichtig?

- Welche technischen Grundlagen sind nicht vermeidbar?

- Warum braucht jede Seite Marketing?

Ergänzt wird der Ratgeber zudem durch Hinweise für den Umgang mit Agenturen, ein Glossar und eine Checkliste für die wichtigsten ersten Schritte.

Der Ratgeber versteht sich als erste Annäherung an das Thema. Am Ende der Lektüre sollen sich die Leser gerüstet fühlen, die wichtigsten Entscheidungen bei der Erstellung oder Neuerarbeitung einer Internetsite zu fällen und Mitstreiter zu beraten.

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