Journalist und TV-Moderator Richard Gutjahr:

Hoffnungslos. Schier hoffnungslos. Das ist meine Antwort auf die Frage, ob ich abschalten kann. Ich habe es versucht, glauben Sie mir. Allein ich kann es nicht!

Foto Richard GutjahrLange bevor einige Kollegen Bücher über ihre Offline-Selbstversuche verfasst haben, hatte ich schon resigniert. Meine auf YouTube-dokumentierten Tage ohne Handy und Internet aus dem Jahr 2008 (“Eine Woche offline”), sprechen Bände. Wenn ich offline bin, kann ich nicht entspannen. Mehr noch: komplett abgekoppelt zu sein, macht mich regelrecht rasend! Es ist, als würde man mich meiner Existenz berauben. Ich bin online also bin ich. Bin ich süchtig? Gegenfrage: Ich atme – macht mich das zu einem Sauerstoff-Junkie? Im Urlaub nicht online sein zu können, ist für mich wie allein ins Kino zu gehen. Allein in einem schicken Restaurant zu Abend zu essen. Film oder Essen können noch so gut sein, aber irgendwas fehlt. Zudem kommt, dass ich als Journalist natürlich von Informationen lebe. Das ist mein Kapital. Kann man vom Journalist-sein Urlaub machen? Nicht erreichbar zu sein, ist kein erstrebenswerter Zustand für mich. Das heisst nicht, dass ich im Urlaub ständig E-Mails, Facebook- oder Twitternachrichten checken muss. Zu wissen, dass ich online gehen könnte, wenn ich denn wollte, befriedigt mich. Randnotiz: Diese Zeilen schreibe ich Ihnen aus 10.000 Meter Höhe. Neuerdings bietet Lufthansa WiFi über den Wolken. Endlich kann ich auch über den Wolken in die Cloud gehen. I love it!


Richard Gutjahr ist Absolvent der Deutschen Journalistenschule in München und hat an der Ludwig-Maximilians-Universität Politik und Kommunikationswissenschaft studiert. Seine Praktika führten ihn u.a. nach Frankreich und in die USA, wo er für mehrere Zeitungen schrieb und für CNN berichtete. Heute ist Richard Gutjahr Mitarbeiter der Chefredaktion des Bayerischen Fernsehens, arbeitet als Reporter und moderiert die Rundschau. In seiner wöchentlichen Print-Kolumne für die Münchner Abendzeitung schreibt Gutjahr über das Digitale Leben. Für seine Reportage-Reihe zu den Hartz-Reformen wurde er mit dem „Ernst-Schneider-Preis“ für Wirtschaftsjournalismus ausgezeichnet.
Bei Twitter findet man ihn unter @gutjahr

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