Impression Management im Wahlkampf

Politik braucht ein Gesicht, nämlich das Gesicht des Politikers, der diese Macht verkörpert. Das nichtkommerzielle Internetprojekt
www.charismakurve.de untersucht die persönliche Ausstrahlung und die öffentliche Wirkung der Spitzenkandidaten von SPD und CDU, Gerhard Schröder und Angela Merkel und lädt zum mitmachen ein.

Je differenzierter, plastischer und nachhaltiger Politik in den Medien abgebildet ist, desto eher haben Politiker, die besagte Politik verkörpern, eine Chance zu einem „anfassbaren Politiker“ zu werden. Dieser sitzt dann, so könnte man meinen, schließlich neben dem Medienkonsumenten, sprich dem potentiellen Wähler, auf der Couch im Wohnzimmer vorm Fernseher. Beide sind sich auf eine seltsame Art und Weise vertraut, ohne sich jemals gesehen zu haben. Der Medienkonsument ist dabei der Überzeugung „Klar, den Politiker kenn ich doch“.

Politik gewinnt über die Inszenierung durch die Medien, sowie die persönliche Inszenierung der jeweiligen Politiker in den Medien an Glaubwürdigkeit und Authentizität. Politik wandelt sich zur gefühlten, erlebten Politik und politische Entscheidungen wirken auch wie Entscheidungen für oder gegen Personen.

Überleben durch nonverbale Kommunikation

Kompetenz gewinnen PolitikerInnen und Top-ManagerInnen dadurch, dass sie die Klaviatur des Zusammenspiels von nonverbaler Wirkung, Körpersprache, Persönlichkeit und Verhaltensmustern beherrschen. Sie lernen die Kunst: „ich selbst zu sein“ (als Persönlichkeit), „anders zu sein“ (im Rollenverhalten unterscheidbar) und „öffentlich zu sein“ (Öffentlichkeitskompetenz). Dabei wirken sie weniger durch einen antrainierten, spezifischen Verhaltens-Code, der eher die Qualität von „gutem Benehmen“ hat. Statt dessen überzeugen sie als Typus durch ihre persönliche Haltung, ihren individuellen Habitus. Je glaubwürdiger, d. h. in sich stimmiger der jeweilige Typus sich darstellt bzw. wahrgenommen wird, desto höher ist die persönliche Wirkfähigkeit im öffentlichen Feld der Politik. Je sensibler und bewusster diese Politiker und Manager sich sowohl ihrer Verhaltensmuster, als auch im Kern ihrer Persönlichkeit bewusst sind, desto anschlussfähiger sind sie im jeweiligen Kontext.

Politiker als virtuelle Personen

Es geht um die Person und die persönliche Ausstrahlung der Politiker. In der heutigen Mediengesellschaft lassen sich drei Arten von Personen unterscheiden: die natürliche Person, die öffentliche Person und die virtuelle Person.

Die virtuelle Person meint die medial abgebildete inszenierte Person, sei es der Mann, die Frau auf der Straße, der Politiker, der Wirtschaftsboss oder der Promi. Diese virtuellen Personen werden in einem sich selbst regulierenden Identifikationsprozess in der öffentlichen Wahrnehmung als auch der Medienbühne zum Leben erweckt. Die Vielfalt der Medien spiegelt dabei die Vielschichtigkeit der einzelnen Person mit ihren jeweiligen Reaktions- und Verhaltensmustern in der Medienöffentlichkeit wieder.

Besonders unter Stress und hoher Belastung sind besagte Reaktions- und Verhaltensmuster deutlich wahrnehmbar und erkennbar. Ist jemand in der (medialen) Öffentlichkeit präsent und will er als Person Aufmerksamkeit und Bedeutung gewinnen, so erhöht sich, wie die Stressforschung erkannt hat, auf der Lebensebene das Stressniveau. Um sich in diesem Stressgeschehen bestmöglich zu behaupten greift der Mensch oft auf „alte Überlebensmuster“ zurück, die sich in seiner Lebensgeschichte für solche Situationen als persönlich brauchbar herausgestellt haben. Medien bilden diese Besonderheiten, sprich persönlichen Verhaltensmuster ab, ohne aber in der Regel sich hierüber und über die Bedeutung/Auswirkung derselben bewusst zu sein.

Das Projekt

Um an der Untersuchung der Verhaltensmuster mitzuwirken, kann sich jeder Nutzer wöchentlich an der Ermittlung der Werte beteiligen. Das Thema Körpersprache, persönliche Ausstrahlung und öffentliche Wirkung von Gerhard Schröder und Angela Merkel soll differenziert und kompetent beleuchtet werden. Zudem kann man beiden Spitzenkandidaten Empfehlungen zur Verbesserung der Öffentlichkeitskompetenz geben.
www.charismakurve.de führt Vertreter der Fachdisziplinen, die sich gezielt mit dem Thema „Person und Politik“ befassen, zusammen. Bis zum 18. September werden die Entwicklung der Charismakurve und die Ergebnisse der Bewertung wöchentlich aktualisiert bekannt gegeben.

Der Autor des Textes ist Initiator des Projekts
charismakurve.de.

Weiterführender Link zum Thema:

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