Jetzt geht’s looos!

Damals, als 1974
auf dem Bieberer Berg Beckenbauer baden gingen, schien
kein Flutlicht. Damals ging man Samstag nachmittag zu
Fußball. In seinem Essay plädiert unser Mann
beim 1. FC Köln aber nicht nur für die Samstagspiele.


Bei den Umfragen über die bevorzugten Spieltermine für die Bundesliga stellt sich heraus,
dass die Anstoß-Kombination Freitag abend plus Samstag nachmittag noch stärkere Zugkraft
bei den Fußballfans hat als alle neun Spiele samstags um 15:30 Uhr. Dabei war es die Ausweitung
auf den Freitagabend, durch die die traditionelle Einheitlichkeit der Liga flöten ging.

Als wir noch nicht so groß wie heute waren, sind wir zum ersten Mal mit ins Stadion genommen worden –
und weil die meisten
Kinder bei Flutlichtspielen zu spät ins Bett kommen würden, war das höchstwahrscheinlich an einem
Samstag um 15:30 Uhr. Klassisch, so soll es sein. Allerdings – die erste ernüchternde Einschränkung:
Auch die Anstoßzeit
15:30 Uhr ist kein ‘Urgestein der Liga'; ich zitiere aus einer kurzen Mail-Antwort der DFB-Pressestelle:
"Früher wurde samstags meist um 15 Uhr gespielt. Es gab aber auch die Anstoßzeiten 14.30 uhr oder
(Jahreszeit-bedingt) 17 Uhr."

Irgendwann, vielleicht sogar schon
vor der Stadioninitation, haben wir auch zum ersten Mal mitbekommen,
dass die Bundesliga neu geboren aus der Sommerpause kommt – auch dies ein Datum, das
einen mit anderen Fußballfans verbindet – auch wenn die ein ganz anderes Jahr im Sinn haben.
Und das einen verklärt an den ersten richtig wahrgenommenen 1. Spieltag denken lässt.
Ich erinnere mich noch recht frisch daran, wie 1974 nach dem WM-Sieg mit Beckenbauer,
Müller und Co. Bayern auf dem Bieberer Berg mit 0:6 baden ging, und in der Zeitung
war ein Foto, wie Sepp Maier den Ball im Netz vergnatzt hinterher guckt.

Aber die Preview der Premiere am Freitag abend? Liebe Leser der jüngeren Generation: das
war nicht immer so! Wir haben uns halt dran gewöhnt, und vielen gefällt so ein Flutlichtspiel
ab und zu auch sehr gut. Zumindest wenn es zum Anfang des Wochenendes, eben am Freitag,
stattfindet. Fußball am Samstag oder Sonntag abend ist den meisten Fans offenbar weniger recht.
Und das gilt selbst, wenn man die direkt Betroffenen, die ‘Auswärts-sind-wir-auch-immer-dabei’-Fans
mit ihren Logistikproblemen einmal ausklammert.

Um der Frage näher zu kommen, wo diese Ablehnung der Abende des Samstag und des Sonntag, die in so
deutlichem Kontrast zur Befürwortung des Freitagsabendtermins steht, herrührt, bemühen
viele soziologische Argumente, die mit
Freizeitverhalten und Traditionen zu tun haben. Andere ärgern sich vor allem
über die vermeintliche oder tatsächliche Vergewaltigung des Fußballs durch das Fernsehen.

An dieser Stelle will ich zuächst einfach zurückblicken – darauf, wie der Freitag in die Samstags-Fußballwelt
Einzug hielt. Und besonders markant ist dies eben an den ersten Spieltagen festzumachen.

Durchgängig mindestens ein Spiel am Freitag abend zum Saisonauftakt gibt es erst
seit 1982. Schnell waren es zwei Spiele, schließlich sogar drei. Bis der Fernsehsender Premiere den
Freitag abend auf ein Spiel der ersten Bundesliga zurücksetzte.

Die Geschichte des Freitag abend

Aber wann begann das mit den Freitagsspielen eigentlich?
Was ein konkretes Datum betrifft, ist das schwer zu sagen.
Zum einen liegt das daran, dass sich auch die Datenbanken des DFB und von
ran nicht über alle Spieltermine in den 60er Jahren einig sind. War es im Mai 1965 beim
Spiel Duisburg gegen 60 München oder ein Jahr später beim Duisburger Heimspiel gegen Schalke?

So oder so blieben Freitagspiele in den 60ern eine Seltenheit – von einem
Dammbruch konnte keine Rede sein. Erst in der Saison 1970/71 wurden Freitagsspiele
zur häufiger in Anspruch genommenen Gewohnheit.

Auch der erste Saisonauftakt am Freitagabend war eine – aus heutiger Sicht rätselhafte –
Ausnahme: am 18.8.1967 spielte wieder der MSV Duisburg ein Heimspiel und erreichte gegen
Borussia Dortmund ein 2:2. Der erste Torschütze der Saison hieß Djordje Pavlic, der den
sich und den MSV mit einem schnöden Foulelfmeter in die Pole Position gebracht hatte.

Null ‘Erstes-Tor’-Konkurrenz von den anderen Plätzen – das gab es dann elf Jahre nicht
mehr am 1. Spieltag – bis zum 11.8.1978, als ohne Not das Spiel MSV Duisburg gegen Arminia Bielefeld auf den
Freitagabend gelegt wurde. Ronnie Worm, wer sonst von den da noch wirklich quer
gestreiften ‘Zebras’, schoss das erste Saisontor; am Ende stand es 1:1. Ohne Not spielten
übrigens die Bielefelder in gelben Trikots und schwarzen Hosen. Die Spätfolgen
prägen heute unser Bundesliga-Leben in absurd colorierten Auswärts-Trikots und einem
absurd auseinander gezogenen Spieltag.

und warum nicht Sonntag?

Dennoch sind die Freitage in unserer Bundesliga-Wahrnehmung ‘richtige’ Spieltage – selbst
als jahrelang ein Drittel aller Spiele schon am Freitag abend über die Bühne war, regte
sich dagegen kein wahrnehmbarer Protest. Wenn Ronnie Worm seinerzeit nicht am Freitag
sondern am Sonntag abend getroffen hätte, bzw. wenn schon 1970 die Wahl eines zweiten
Spieltermins statt auf den Freitag auf den Sonntag gefallen wäre – es wäre uns heute liebgewonnene
Tradition. Allerdings erschien der Sonntag vor dreißig Jahren einer noch stärker von Kirchen und
Amateursportvereinen geprägten Öffentlichkeit noch ein Stück heiliger als
heute und kam deshalb offenbar nicht in Betracht.

Der Sonntag ist aber nicht per se ein gruseliger Spieltag – durch die frühe Anstoßzeit von 17:30 Uhr
ist er dies noch nicht einmal für die Auswärtsfans, jedenfalls nicht mehr als der Freitag.
Er war einfach nicht rechtzeitig da. Denn *zwei* Spieltermine will der Fußballfan – mehr nicht.

Jahrelang, seit am 8.8.1993 mit dem Spiel Werder Bremen gegen VfB Stuttgart (5:1) ein Spiel des
ersten Spieltags an einem Sonntag stattfand, wurde dieser Termin von den Fans mehr toleriert denn
geliebt. Durch die Hinzunahme eines vierten Termins am Samstag abend und das zweite Spiel am
Sonntag haben die Verantwortlichen bei DFB und Premiere den Bogen nun überspannt.

Denn an die Zerfledderung des Spieltags mit bis zu vier ‘Spitzenreitern’ an einem Wochenende
werden sich die Fans viel schwerer gewöhnen als an Flutlicht und vorgezogene Tor-Premieren.

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