Streamripping, Gefahr für die Musikindustrie?

Das wachsende Angebot an kommerziellen und privaten Internetradios eröffnet dem Hörer eine neue Programmvielfalt. Brauchte man noch vor einigen Jahren einen Weltempfänger, um internationale Radiostationen zu empfangen, so stehen einem heute mit einem Klick ins World Wide Web eine unüberblickbare Anzahl von Internet-Radio-Sendern zur Verfügung. Viele Sender strahlen ihr Musikprogramm rund um die Uhr und dazu in bester Klangqualität aus

Die Musikindustrie steht dieser Entwicklung allerdings skeptisch gegenüber. Sorgen bereitet ihr weniger die Zunahme von Internetradio-Stationen als vielmehr die zunehmende Verbreitung von sogenannten Streamripper-Programmen.

Ersetzt das Internet-Radio die illegalen Tauschbörsen?

Streamripper-Programme könnten in Kombination mit dem Internetradio die illegalen Tauschbörsen ablösen. Die meisten Internet-Radio-Stationen übertragen jeweils auch Informationen über den Interpreten und den Titel an den geneigten Hörer. Dies machen sich auch die Streamripper-Programme zu Nutze, die mittlerweile in verschiedenen Ausführungen kostenlos im Netz verfügbar sind. Früher musste man noch gebannt vor dem Radio sitzen und schnell die REC-Taste seines Kassetten-Recorders bedienen, wenn der Lieblingssong gespielt wurde. Heute übernimmt diese Arbeit ein Streamripper-Programm. Es durchsucht gezielt das WWW nach einem Radio-Stream, der den gewünschten Titel spielt und speichert diesen im MP3-Format auf der heimischen Festplatte ab.

Die Nachfrage nach Streamripper-Programmen scheint groß zu sein. Mit der Eingabe des Begriffs Streamripper bei
download.com, erfährt man, dass allein die meistgefragteste Ripperversion rund 370.000 mal pro Woche downgeloaded wurde. Das Internet-Radio und die Streamripper-Programme könnten somit den illegalen Musiktauschbörsen Konkurrenz machen. Schließlich ist die Aufzeichnung von Internet-Radio-Programmen mit Hilfe der Streamripper – bis jetzt – vollkommen legal.

Doch dies könnte sich bald ändern. Denn die ohnehin angeschlagene Musikindustrie sieht nach den illegalen Musiktauschbörsen nun in der Kombination aus Internetradio und Streamripper die nächsten Umsatzeinbußen auf sich zukommen. So fordert der amerikanische Musik-Branchenverband Recording Industry Association of America (
RIAA), einen Kopierschutz für US-Internetradios. Zwar soll dann immer noch die Aufnahme von Internetradio-Programmen möglich sein, ein Herausschneiden einzelner Lieder aber dadurch unterbunden werden. Ebenso soll dieser Kopierschutz den Tausch von aufgenommenen Internet-Radio-Material unmöglich machen.

Hierzulande teilen die deutschen Phonoverbände (
ifpi) die Befürchtung ihrer amerikanischen Branchenkollegen. Bedrohliche Züge nehme das Kopieren von Rundfunksendungen und Internetradioprogrammen mit Hilfe ‘intelligenter’ Aufnahmesoftware an, warnt Gerd Gebhardt, Bundesvorsitzender der deutschen Phonoverbände. Aber anders als die RIAA fordert die ifpi keinen Kopierschutz für die Internetradios, sondern ein generelles Verbot intelligenter Aufnahmesoftware für Internet-Radio-Programme.

Das Verbot soll, wenn es nach dem Willen der Phonoverbände ginge, in den Regierungsentwurf zur Novelle des Urheberrechtsgesetzes aufgenommen werden. „Hier muss der Gesetzgeber konsequent tätig werden, wenn er der technischen Entwicklung nicht dauernd hinterherhinken will“, resümiert Gebhardt.

Die GEMA und das Internetradio

Im Gegensatz zur Musikindustrie dürfte die
GEMA von dem wachsendem Angebot der Radios im Internet profitieren. Denn deren Betreiber müssen, ähnlich wie herkömmliche Rundfunkstationen, Gebühren an die GEMA entrichten. Je nach technisch möglichen Hörerzahlen, Programmgestaltung und Sendezeit beläuft sich diese Gebühr auf 25 bis 3.000 Euro pro Monat. Zwar ist der Anteil der Webradios an den gesamten Einnahmen der GEMA mit 0,15 Promille noch relativ gering, doch die Anzahl der von der GEMA lizensierten Webradios steigt stetig. Waren 2001 lediglich 80 Web-Radios bei der GEMA in Deutschland gemeldet, so sind es 2004 bereits 450.

„Kleine” und nicht kommerzielle Internetradio-Sender, denen die GEMA Gebühren zu teuer sind oder die einfach nicht bereit sind, diese zu entrichten, umgehen die Gebühren indem sie ausschließlich GEMA-freie Musikstücke spielen. Dadurch erhalten Musiker jenseits des Mainstreams eine Plattform, um sich einem breiterem Publikum vorzustellen. Die Vielfalt der Programme wächst also durch die Internet-Radios – ob mehr Masse auch mehr Klasse bedeutet, entscheiden die Hörer.

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