Der Reiz der Interaktion

Das Debattenforum
WAHLTHEMEN.DE ist jetzt online. Das Projekt des
Zentrums für Medien und Interaktivität und der
Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) wird von politik-digital.de redaktionell betreut.
bpb-Präsident Thomas Krüger im Interview.


Thomas Krügerpolitik-digital:
Was und wen wollen sie mit dem Projekt WAHLTHEMEN.DE erreichen?

Thomas Krüger: Wir wollen potentiell alle interessierten Bürgerinnen und Bürger erreichen, die das Internet nutzen, um sich im Umfeld der Bundestagswahlen zu informieren. Die Website WAHLTHEMEN.DE ist ein Projekt in einer ganzen Reihe von Angeboten der bpb. Ihr Ziel ist es, eine neue Form der Verknüpfung von Information und Interaktion bei politischen Themen zu realisieren.

politik-digital: Sind sie der Meinung, dass im diesjährigen Wahlkampf die Inhalte zu kurz kommen?

Thomas Krüger: Nein. Eine abschließende Beurteilung ist derzeit jedoch noch nicht möglich. Bereits jetzt sind wichtige Themen wie die Arbeitsmarktpolitik oder die Bildungspolitik durchaus präsent. Ich bin der Überzeugung, dass neben den Personen auch die Inhalte eine Chance haben.

politik-digital: Welche Überlegungen führten zur der Entscheidung, das Projekt im Internet zu realisieren?

Thomas Krüger: Neben unseren klassischen Druckerzeugnissen und Veranstaltungsformaten ist das Internet mittlerweile ein unverzichtbarer Bestandteil unseres Angebotes. Dabei ist es gerade die Möglichkeit der Interaktion, die hier sehr spannende Perspektiven im politischen Informations- und Meinungsbildungsprozess erschließt. Auch die Flexibilität, neue Themenstränge, zusätzliche wichtige Informationen ständig darstellen zu können und intelligente Kontexte zu bilden, gibt es in anderen Medien so nicht.

politik-digital: Was unterscheidet WAHLTHEMEN.DE von Angeboten anderer Medien im Netz zum Wahlkampf?

Thomas Krüger: Die Breite und Qualität der Informationen und Expertenstandpunkte zu den wichtigsten im Wahlkampf aufgerufenen Themen. Wir werden Statements von mehr als 50 hochrangigen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, Publizisten und Praktikern auf der Website haben. Damit ist eine sehr gute Ergänzung gegeben zu den sonst üblicherweise angebotenen Inhalten, die sich vor allem auf den Vergleich der Positionen der Parteien beziehen. Diese systematische Aufbereitung der Themen erfordert einen hohen redaktionellen Aufwand und die entsprechende fachliche Kompetenz, in die wir hier bewusst investiert haben. Auch die Art der Debatte ist schon einzigartig, sie entfernt sich bewusst von den üblichen Foren, wie wir sie sonst im Netz kennen. Die Pro/Kontra-Teilung provoziert eine Entscheidung bei den Nutzerinnen und Nutzern, und das ist ja eine exemplarische politische Situation.

politik-digital: Das Projekt WAHLTHEMEN.DE unterscheidet sich klar von den bisherigen Bildungsangeboten der bpb. Schlagen sie damit einen neuen Weg ein?

Thomas Krüger: WAHLTHEMEN.DE ist eine Ergänzung zu unseren bisherigen, sehr erfolgreichen Angeboten. Und gerade in den Neuen Medien haben wir seit einiger Zeit einen neuen Schwerpunkt unserer Arbeit gesetzt. Wir wollen hier ein aktiver Teil der sogenannten “Public Domain” sein, das heißt des öffentlichen, nicht-kommerziellen Bereichs im Internet. Und dazu gehört auch, neue Formate auszuprobieren und ihren Erfolg zu testen. Wir sind da schon einige Schritte gegangen: mit
www.fluter.de haben wir ein Jugendmagazin auch online auf den Weg gebracht, und unsere Website
www.bpb.de präsentiert sich bald in völlig neuem Design mit vielen innovativen Features. Am 16. Juli bringen wir mit dem ZDF und arte gemeinsam die Website www.wastun.org an den Start, die sich vor allem mit dem Themenkomplex der Globalisierung und der dazu laufenden politischen Auseinandersetzungen beschäftigt. Auch zu zeitgeschichtlichen Themen wie dem
Mauerbau oder dem
17. Juni 1953 haben wir spezielle Angebote entwickelt.

politik-digital: Sie bezeichnen die Nutzung der Neuen Medien als neuen Schwerpunkt ihrer Arbeit. Welche Grundüberlegungen stehen dahinter?

Thomas Krüger: Ganz einfach, wer heute seine Zielgruppen, gerade jüngere erreichen will, muss seine Angebote auch an deren medialen Nutzungsverhalten ausrichten. Das Internet wird dabei immer mehr zu einer allgemein verfügbaren Ressource, deren Nutzung selbstverständlicher Bestandteil von Bildung und Information wird. Wer etwas zu sagen hat, muss es auch digital sagen können. Die spezifischen Möglichkeiten der digitalen Medien, z.B. Interaktivität und Multimedialität, werden wir nutzen, um politische Bildung noch attraktiver zu machen.

politik-digital: Vielen Dank für das Interview!

Erschienen am 11.07.2002

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