“Das Internet ist einfach eine schöne Möglichkeit für uns, Präsenz zu zeigen.”

Entrücktes Leben in aller Abgeschiedenheit, fern von allen weltlichen Einflüssen
– das ist die Vorstellung, die gemeinhin vom Leben der Brüder und Schwestern
im Kloster vorherrscht. Doch Orden
online
und Orden.de belehren
eines Besseren: Das Gros der deutschen Ordensgemeinschaften nutzt das Internet
als modernes Kommunikationsmittel. Wie das ins Klosterleben passt, wie Ordensschwestern
den Weg ins Internet finden und was dabei herauskommt, erzählte Schwester Josefa
Harter von den Barmherzigen Schwestern vom heiligen Kreuz im Interview mit politik-digital.de


politik-digital: Schwester
Josefa, wie sind Sie dazu gekommen, sich mit dem Internet zu befassen?

Schwester Josefa: Wir sind seit 1996 im Internet, zunächst nur mit Email,
seit 1997 auch mit einer eigenen Homepage. Als Ausbildungsleiterin war ich auch
für Öffentlichkeitsarbeit zuständig, und da stellt sich immer wieder die Frage,
wie verstehen wir uns, was ist in der heutigen Zeit unsere Aufgabe, wie geben
wir nach außen Auskunft. Es war für uns naheliegend, uns auch in diesem neuen
Medium zu präsentieren, denn dies ist eine unaufdringliche Form, die auch Menschen
erreicht, die sonst nicht direkt ins Kloster kommen.

politik-digital: Wieviel
Zeit verwenden Sie auf die Internetgestaltung – machen Sie das nebenbei?


Schwester Josefa: Als Ausbildungsleiterin war ich persönlich beteiligt
an der Gestaltung der Internetseiten. Intensiv beschäftige ich mich erst seit
etwa einem halben Jahr mit dem Internet, seit ich nicht mehr Ausbildungsleiterin
bin und mich verstärkt der Öffentlichkeitsarbeit widme.

politik-digital: Wo
haben Sie die nötigen Kenntnisse erworben?


Schwester Josefa: Selbst eingeben kann ich noch nicht, die technische Verwaltung
macht Herr Luft für uns, der Lehrer an unserer Schule ist. Ich stelle ihm die
Texte zur Verfügung, bespreche den graphischen Auftritt mit ihm und informiere
ihn über die aktuellen Termine. Ich denke aber, dass ich in nächster Zeit auch
lernen möchte, wie man die Inhalte eingibt.
Es gibt übrigens Mitschwestern, die an der Schule schon seit mehreren Jahren Internet-Kurse
geben. Jetzt haben wir auch hier im Kloster die Möglichkeit eröffnet, Grundkurse
in Word, Excel, der Internet- und Email-Nutzung zu belegen. Alle sollen die Möglichkeit
haben, den Computer und das Internet zu nutzen. Wer es beruflich braucht, also
z.B. die Verwaltung oder auch die Öffentlichkeitsarbeit, hat eine eigene Email-Adresse.
Die übrigen Schwestern können in den einzelnen Häusern über eine Sammeladresse
erreicht werden bzw. mit einem Passwort Gebrauch von den Computern machen.


politik-digital: Was
versprechen Sie sich von dem Internet-Auftritt Ihres Klosters?

Schwester Josefa: Neben der bereits genannten Idee, auch Menschen zu uns
zu führen, die auf anderen Wegen nicht kommen würden, verfolgen wir immer den
Grundsatz "Immer wieder neue Wege zu den Menschen finden". Wichtig ist das Internet
als Medium besonders für unser Jugendhaus. Die dort angebotenen Programme kann
man über das Internet abrufen, und die Anmeldungen erfolgen schon häufig über
Email. Ein weiteres Beispiel sind unsere Konzerte, zu denen deutlich mehr Leute
kommen als zu der Zeit, wo wir noch nicht im Internet zu finden waren. Wir haben
außerdem auch von außen die Bitte bekommen, unsere Gottesdienst- und Gebetszeiten
im Internet zu veröffentlichen, damit die Menschen auch spontan dazukommen können.
Das Internet ist einfach eine schöne Möglichkeit für uns, Präsenz zu zeigen.

politik-digital:
Vielen Dank für das Gespräch.

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