In einer Stunde um die Welt


Nur eine Stunde dauert die virtuelle Weltreise in die Expo-Länder. So lange braucht man etwa, um sich
einmal durch alle Expo-Seiten der einzelnen Teilnehmerländer zu klicken. Unterwegs können Sie Kalakukko
mit Mika kochen oder den Klängen der Schweizer Alpen lauschen.


virtuelle Pavillon-Weltreise

Auf der Expo-Homepage werden natürlich
alle Länder kurz vorgestellt.
Viele haben aber zusätzlich eigene Internetseiten zur Expo aufgebaut. Die meisten bieten ähnliche
Informationen an: Das Land stellt sich vor, erklärt sein Anliegen auf der Expo 2000 und präsentiert
seinen Landespavillon. Im sichtbaren Ergebnis unterscheiden sich die Sites allerdings erheblich: vom Augenschmaus
bis "welch ein Graus" ist alles dabei.

Europa

Die meisten der Länder mit eigener Expo-Homepage kommen aus Europa.
Da ist zunächst natürlich Gastgeber Deutschland. Der
Deutsche Pavillon präsentiert sich im Internet
in zurückhaltenden grün-braunen Farben. In den Rubriken "Denken", "Fühlen" und
"Handeln" bekommt der virtuelle Globetrotter kurze erläuternde Texte über den Pavillon, die
Ausstellungsstücke und Extras wie making-of-Filme und 3D-Panoramen.
Unser Nachbar Holland beginnt seine Seite wie ein
Adventure-Computerspiel, Mission: Erforsche den Holländischen Pavillon. Kaum ist der Weltraumreisende auf
der Erdoberfläche gelandet, wird es auch schon weniger aufregend, obwohl der holländische Pavillon, eine
gewagte Konstruktion aus fünf Landschaften auf fünf Etagen, ziemlich spektakulär ist. Die Navigation
spiegelt den Aufbau des Sandwich-Pavillons wider, ansonsten gibt’s sehr viele Infos rund um die Expo. Sympathisch
sind die lustigen Käsewürfel mit Holland-Fahne, die auf Cocktailspießen durch den virtuellen Raum
segeln, wenn im Feld unterhalb der Navigationsleiste ausnahmsweise nicht die Logos der Partnerunternehmen zu sehen sind.

Geographisch naheliegend geht es weiter durch Benelux ins Frittenparadies Belgien.
Die Belgier haben keine eigene Site, dafür eine Institution mit Sitz in Brüssel: die
EU. Deren Pavillon-Seite ist – vielleicht in Anlehnung
an den Brüssler Apparat – ein bisschen vollgestopft. Zu viele Farben, zu viele Icons. Fiese Farbkontraste
erschweren manchmal die Lesbarkeit, die Navigation ist überhaupt etwas unübersichtlich. Der Reisende
verlässt die Seite lieber schnell und begibt sich ins benachbarte Frankreich.

Die Franzosen geben sich zurückhaltend und so
gar nicht oh lálá. Vor allem das Layout würde keinen Fashion Award gewinnen, auch wenn die Mode im echten
Pavillon einen großen Raum einnimmt. Die Seite ist wenig profiliert, ein bisschen über den eigenen
Pavillon, ein bisschen über Weltausstellungen überhaupt und als kleines Bonbon werden in einem virtuellen
Filmstudio unter "Scenographie" kleine Filme zu den Exponaten gezeigt. Unser Fazit: Wie Gott im digitalen
Frankreich ist die Seite nicht.
Noch knapper macht es Monaco: Nach der Startseite mit
einem Logo wie von einer Sportsendung bekommt man kurze Texthappen und ein paar Bilder auf einer übersichtlichen
Seite in grün, rot, weiß. Die Steuereinnahmen wurden wohl für etwas anderes ausgegeben.
Sehr farbenfroh ist die Expo-Seite Portugals,
aber auch etwas unübersichtlich mit der Haupt-Navigation am unteren Ende der Seite. Als special gibt’s einen
Anreiseplan für Portugiesen.

"Das Maß aller Dinge ist der Mensch" – mit ein paar flotten Antikenzitaten und einem "Tempel
der Technik" betont Griechenland, wie sollte es auch
anders sein, vor allem die Verknüpfungen zwischen der Antike und der Gegenwart. "Die Arche des Wissens"
heißt der Pavillon und die dazugehörige Seite mutet auch ziemlich museal an.

Parlo italiano? Sollten Sie, wenn Sie den italienischen Pavillon
im Netz besuchen wollen. Die deutsche Version funktioniert nämlich nicht, dafür erfährt man in
skizzenhaftem, zartem Seitendesign auf englisch und italienisch einiges über die italienischen Verdienste am
technischen Fortschritt.
Mitten in Rom liegt auch der Vatikan: Die Expo-Homepage des
Heiligen Stuhls will neben der üblichen Pavillonvorstellung natürlich auch eine religiöse Botschaft
übermitteln, und das gleich in drei Rubriken, "Gebet", "Leitwort" und "Botschaft".
Trotz des besinnlichen Inhalts ist die Seite erstaunlich weltlich im Design. Von verstaubter Klerikalität keine
Spur. Man kann auch virtuelle Rundgänge durch den Pavillon machen und zahlreiche Exponate anschauen.
Das geographisch ebenso kleine Liechtenstein wartet mit einer
umfangreichen Seite mit vielen Bildern und Texten auf, ist dabei aber nicht unübersichtlich. Auch auf das
Wortspiel mit dem Pavillon als "Liechten-Stein" wird eingegangen.

Satte Kühe auf grünen Wiesen: das ist die Schweiz.
Und so präsentiert sich die Alpenrepublik auch ganz in grün, nur ohne Berge. Der Pavillon, ein
Klangkörper aus Holz, wurde vom Architekten Peter Zumthur gebaut, übrigens auch der Architekt der Berliner
"Topographie des Terrors" . Die Kuratoren der einzelnen Bereiche Klang, Wort, Bekleidung, Trinken und Essen
und Inszenierung, sowie der Architekt der ungewöhnlichen Klangskulptur kommen selbst zu Wort. Außerdem
bietet die Schweizer Site auch eine seltene Gelegenheit, das in der Schweiz gesprochen Rätoromanisch zu lesen.
Österreich macht’s ne Nummer aufwändiger und bietet
eine durchgestylte Site mit Flash-Animationen, vielen Texten und ein paar Quicktime-Videos. Als "Land der
Lebenskunst" will Österreich dastehen. Das angeschlagene Image wird wenigstens virtuell etwas poliert.

Dänemark präsentiert sich dagegen ziemlich bieder.
Viele Infos, Bilder, Computergrafiken auf rot-weiß-blau und irgendwie nett. Land, Expo, Thema sind hier solide,
aber eindimensional umgesetzt. Besondere Themen sind "Der spielende Mensch" und "Grönland".
In der Nähe Grönlands liegt Island, das Land mit der
größten Internetverbreitung. Vielleicht gibt es die Expo-Homepage deshalb nur auf isländisch.
Das Design der Site ist an den Pavillon, einen großen Kubus, angepasst: überall tauchen kleine Quadrate auf.
Mehr lässt sich für den durchschnittlichen Mitteleuropäer leider nicht herausfinden, isländisch
ist recht kompliziert.

Bei hochsommerlichen Temperaturen vor dem Computer bleiben wir noch ein bisschen im Norden.
Die Seite von Norwegen ist eisblaukalt und wunderschön.
Sieht aus wie unter Wasser getaucht oder im Weltraum schwebend. Die einzelnen Räume der beiden
Pavillon-Gebäude kann man anklicken und sich darin umsehen, wobei dem "Raum der Stille" besondere
Aufmerksamkeit zukommt.
Schwedens Expo-Seite ist dagegen sehr schlicht, sehr
übersichtlich, mit nur wenig Text und Bildern auf weißem Grund.
"Mit Mika ist verdahmt veel möklich" haben sich die
Finnen gedacht, als sie den schnellen Landsmann im deutschen
Fernsehen gesehen haben und erdachten daraufhin einen virtuellen Mika als Expo-Botschafter. Mit Mika kann man die
kulinarischen Spezialitäten wie Kalakukko kochen lernen und der seltsamen Sprache lauschen. Das Land, wo
"statt Kirchenglocken die Handys der Priester läuten", legt einen souveränen Webauftritt hin.
Man kann sich auch online in das größte Gästebuch der Welt eintragen, das im finnischen Pavillon in
Hannover steht.

Expo goes East

Auch osteuropäische Länder sind mit einigen Expo-Homepages gut vertreten.
Das High-Tech-Wunderland Estland hat eigentlich die Form eines
Steaks, wie es in Comics gezeichnet wird. Deshalb sieht auch das Logo so aus. "Das Land, das sich den Wellen
stellt" und selbstbewusst erklärt, alle Schwierigkeiten "spielend wie Wellen das Meer" zu
durchbrechen. Neben dem symbolischen Schnickschnack bieten die Esten einen schön übersichtlichen Webauftritt
mit viel weiß und blau und ein paar unaufdringlichen Fotobuttons.
Lettland gibt sich optisch ganz mathematisch-geometrisch.
In einem zweigeteilten Bildschirm bekommt man rechts Texte und ein paar Bilder, links pulsieren fortwährend
Strichelkreise. Das wirkt hektisch, und es wird nicht ganz klar, wozu das Geflimmer eigentlich gehört.
Unser östlicher Nachbar Polen wartet hinter einem Fenster mit
geöffneten Flügeln auf den Besucher. Auf einem schönen satten Dunkelrot werden Infos über Polens
Teilnahme an der Expo präsentiert.

Manch ein Land hat das Geld wohl lieber gleich für den Pavillon ausgegeben. Die Seite
Tschechiens ist sehr sparsam: auf einer
einzigen Seite werden nur die grundlegendsten Fakten angeboten.
Slowenien dagegen liefert eine Vielzahl an Texten
über sich und seinen Auftritt auf der Expo. Das ganze auf grünem Hintergrund, in der Mitte ein schwarzer
Balken, in den ab und zu Bilder integriert sind. Die Texte laufen ausnahmsweise nicht nach unten, sondern nach rechts
weiter.
Die Magyaren sind ein stolzes Volk. Entsprechend präsentiert
Ungarns Seite auch den Pavillon, der auch mal
"Gebäudeskulptur" tituliert wird. Sogar einen Film zum Pavillon kann man anschauen. Ansonsten
die üblichen Infos und Bilder über die Expo, Ungarn und den Pavillon. Wenn Sie sich richtig amüsieren
wollen, lesen Sie die Seite mal auf ungarisch: Üdvözöljüka honlapunkon!
Fotos, Fotos, Fotos sieht man auf der Expo-Site von Bosnien-Herzegowina.
Eine Besonderheit dieser Site: Kinder und Jugendliche aus Bosnien-Herzegowina äußern sich zu zwölf
Themen wie "Vision", "Energy" und "Love".
Jede Menge Fotos auch auf Rumäniens Seiten. Vor hellbraunem
Hintergrund werden neben den üblichen Infos zahlreiche Postkartenmotive von Rumäniens Landschaften gezeigt.

Verlassen wir Europa und klicken uns nach Afrika…

[…hier geht’s zum Rest der Welt…]

Kommentar verfassen