Politische Spiele

(Artikel) Wenn über Computerspiele debattiert wird, geht es meist um so gennante „Killerspiele“, in denen das massenhafte Töten von Gegnern Programm ist. Doch es geht auch anders. Wir stellen drei politische Spiele vor.

 


Tropico – der Diktator-Simulator

Das Volk ist mit der Gesamtsituation unzufrieden: Die Nahrungsversorgung ist zusammengebrochen und im Fernsehen laufen auch nur langweilige Durchhalteparolen von „El Presidente“. Intellektuelle planen den Umsturz. Da muss der Maximo Lider natürlich handeln. Der Radelsführer wird schnell und unauffällig umgebracht und die Militärpräsenz in den Unruhevierteln verstärkt. Schon herrscht wieder Ruhe im der karibischen Bananenrepublik Tropico. In der
Aufbau-Simulation
Tropico“ muss man sein Geschick als Diktator eines karibischen Inselstaates beweisen und das richtige Ausmaß an Wahlfälschung, Bestechung von Meinungsführern und Medienzensur finden. So füllt sich das private Schweizer Bankkonto stetig und das Spielziel wird erreicht.


Das Volk ist zufrieden, wenn das Essen gut, die Wohnungen modern und die Arbeit hoch bezahlt ist. Intellektuelle kann man unterdrücken, benötigt sie aber für den Aufbau der Wirtschaft. Handelt der Diktator jedoch zu unmoralisch, wird die Bevölkerung unruhig. Trotz satirischer Elemente ermöglicht Tropico so einen Blick in das Innenleben einer Diktatur, wo der Zweck die Mittel heiligt. Oppositionelle werden beseitigt oder bestochen, Medien kontrolliert und Entwicklungshilfe in die eigene Tasche gewirtschaftet. Ein interessantes Detail ist übrigens, dass der illustrierte Charakter mit Militäruniform und dicker Zigarre auf dem Spieltitel eindeutig Fidel Castro nachempfunden ist. Im Spiel kann man jedoch zwischen den Profilen echter südamerikanischer Potentaten von Nestor Kirchner bis zu Che Guevara wählen oder sich Charktereigenschaften wie "leidenschaftlicher Spieler" oder "Alkoholiker" zuschreiben.


Civilization

Demokratie, freie Meinungsäußerung, Wahlen und Pressefreiheit sind das Nonplusultra im vierten Teil von Sid Meiers
Aufbaustrategiespiel
Civilization. Der Spieler begleitet sein Volk durch mehrere tausend Jahre Menschheitsgeschichte von der Steinzeit bis in das Jahr 2050. Während sich die Menscheit technologisch weiterentwickelt, ändern sich auch die Staats- und Regierungsformen. Von der Sklavenhaltung über Königtum bis hin zur Demokratie reiht sich Revolution an Revolution. Welche Staatsform genehm ist, entscheidet jedoch der Spieler.

Politikformen werden so im Kontext ihrer jeweiligen Zeit erklärt, dennoch könnte der Spieler auch im Jahr 2020 den Kommunismus oder das Sklaventum einführen, wenn es ihm strategisch in den Kram passt. Die Politikbilder ändern im wesentlichen die Verteilung der Ressourcen für Produktion, Nahrung, Handel und Forschung.Anders als in vielen anderen Compterspielen ist Krieg möglich, man kann das Spiel jedoch auch gewinnen, ohne seinen Nachbarn zu überfallen und dessen Städte zu plündern. Ab einem gewissen Fortschrittsgrad kann ein Spieler die Vereinten Nationen gründen. Dann entscheiden alle Herrscher über globale Fragen – die Entscheidungsfreiheit ist jedoch vom Spiel vorgegeben.


Black and White

In klassischen
Egoshootern und Ballerspielen gibt es meist einen Gottmodus, in dem man unbesiegbar ist und unbegrenzte Feuerkraft hat. In
Black and White ist man Gott, der sich jedoch auch um die ganz alltäglichen Probleme seiner Jünger kümmern muss. Kräfte bezieht man aus den Gebeten seiner Anhänge – geht es mit der Anbetung nicht voran, kann man auch eines seiner Schäfchen auf dem Altar opfern. Allmacht hat man jedoch nur in den Bereichen, in denen man verehrt wird. Außerhalb dieser Zonen schwindet der Einfluss rapide.

Moralische Aspekte lässt Black and White offen. Man kann als rachsüchtiger Gott bedingungslose Unterwerfung fordern oder als liebender Allgeist mit Wohltaten seine Anhänger verzücken. Für das Spielziel ist die Herangehensweise unerheblich.

Black and White treibt also die Allmacht des Spielers in Computergames auf die Spitze, indem der Gott tatsächlich mit allem interagieren und die Welt nahezu beliebig formen kann. Die Untertanen haben jedoch die Wahl und können zu einem konkurrierenden Gott überlaufen.

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