<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Zensur &#8211; politik-digital</title>
	<atom:link href="https://www.politik-digital.de/tag/zensur/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>https://www.politik-digital.de</link>
	<description>Information, Kommunikation, Partizipation</description>
	<lastBuildDate>Sun, 25 Sep 2022 13:22:27 +0000</lastBuildDate>
	<language>de</language>
	<sy:updatePeriod>
	hourly	</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>
	1	</sy:updateFrequency>
	<generator>https://wordpress.org/?v=6.9.4</generator>

<image>
	<url>https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/07/cropped-Politik-Digital_Logo_Sign_Gradient-512-32x32.png</url>
	<title>Zensur &#8211; politik-digital</title>
	<link>https://www.politik-digital.de</link>
	<width>32</width>
	<height>32</height>
</image> 
	<item>
		<title>Zensur in Zeiten von Corona</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/00-test-158164/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/news/00-test-158164/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Michael Erle]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 29 Apr 2020 09:09:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Social Media]]></category>
		<category><![CDATA[Corona]]></category>
		<category><![CDATA[Zensur]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.politik-digital.de/?p=158164</guid>

					<description><![CDATA[]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="wpb-content-wrapper"><div data-parent="true" class="vc_row row-container" id="row-unique-0"><div class="row limit-width row-parent"><div class="wpb_row row-inner"><div class="wpb_column pos-top pos-center align_left column_parent col-lg-12 single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column text-lead" ><p>Ausgangssperren, Kontaktverbot, Überwachung von Bewegungsprofilen – die Covid-19-Pandemie hat zu erheblichen Einschränkungen der Grundrechte geführt. Nicht weniger bedenklich ist die Art und Weise, wie schnell und widerstandslos die sozialen Medien zu einem Sprachrohr der Behörden geworden sind. Sie verbreiten deren Botschaften massenhaft, unterdrücken in ihrem Auftrag Inhalte und greifen sogar in Messenger-Unterhaltungen ein. Ein Plädoyer gegen die Intransparenz algorithmischer Zensur.</p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p>Die Covid-19-Pandemie hat zu erheblichen Einschränkungen der Grundrechte geführt, in Deutschland ebenso wie im Rest der Welt. Die Gründe dahinter sind nachvollziehbar: nach dem aktuellen Kenntnisstand steht das Leben von Millionen Menschen auf dem Spiel. Um die ungebremste Ausbreitung der Pandemie zu verhindern, hat die Bundesregierung Gesetze erlassen, die einige der Grundrechte aus dem Grundgesetz, Artikel 1 bis 20, außer Kraft setzen: so etwa die Versammlungsfreiheit, die Freizügigkeit und die Unverletzlichkeit der Wohnung. Nicht weniger einschneidend ist aber eine Maßnahme, die nicht im Text des Gesetz zur Abmilderung der Folgen der COVID-19-Pandemie im Zivil-, Insolvenz- und Strafverfahrensrecht enthalten ist. Es geht um die Monopolisierung der Information über das Corona-Virus und die Unterdrückung von Veröffentlichungen, die den Zielen der Bundesregierung zur Bekämpfung der Pandemie zuwider laufen.</p>
<h3>Freiwillige Zensur der Social Media Unternehmen</h3>
<p>Die Basis dafür ist der Verhaltenskodex zur Bekämpfung von Desinformation, eine freiwillige Verpflichtung der sozialen Medien aus dem Oktober 2018. In ihr verpflichten sie sich zu einer Reihe von Maßnahmen, etwa die Entfernung von Scheinkonten und die Begrenzung der Sichtbarkeit von Websites, die Falschnachrichten verbreiten. Im Rahmen dieser Vereinbarung haben die sozialen Netzwerke nun begonnen, tiefe Einschnitte in die Kommunikation ihrer Anwender vorzunehmen. Sie blockieren oder entfernen Posts, deren Inhalte von den Regierungen oder NGOs als Falschinformationen bezeichnet werden: “Die Inhalte, die wir entfernen, werden uns von führenden globalen Gesundheitsorganisationen und lokalen Gesundheitsbehörden gemeldet”, so ein Facebook-Sprecher.</p>
<h3>Automatisierte Zensur im Namen der Regierungen, ohne Recht auf Einspruch</h3>
<p>Die Zensurmaßnahmen sind dafür gedacht, Schaden von Menschen fernzuhalten. Sie sollen Werbung für schädliche oder wirkungslose Heilmittel für Covid-19 bekämpfen oder Behauptungen über die Krankheit bekämpfen, welche geeignet wären, die staatlichen Maßnahmen zu untergraben. Nun werden nur die extremsten Vertreter des Rechts auf freie Rede fordern, dass das Heil von Menschen diesem Recht nachrangig ist. Eine sorgsame Abwägung der Grundrechte wird dagegen zu dem Ergebnis kommen, dass angemessene Einschnitte in das Recht der freien Rede zugunsten des Rechts auf körperliche Unversehrtheit zulässig sind. Doch der Teufel steckt im Detail. Was bedeutet “angemessen”? Die Pandemie ist ein Forschungsgebiet mit vielen Unbekannten. Vieles ist nicht als Tatsache gesichert, was als Begründung der Maßnahmen dient. Welche Zweifel an der Faktenlage sind also gerechtfertigt, welche gelten schon als Desinformation, wo endet die zulässige Kritik an den Maßnahmen der Regierung? Diese Entscheidung ist eine, die sehr stark kontextabhängig ist. Es benötigt Fachwissen und Fingerspitzengefühl, diese Fragen zu beantworten. Leider können die sozialen Netzwerke diese sorgfältige Abwägung nicht leisten. So erklärt Facebook: “Mit dünner besetzten und räumlich getrennten Teams [infolge der Pandemie] werden wir verstärkt automatisierte Technologien einsetzen, um unzulässige Inhalte und Profile zu erkennen.” Mit anderen Worten: der Technologiekonzern verlässt sich vermehrt auf Algorithmen der Texterkennung, um Schädliches von Erlaubtem zu unterscheiden. Mit absurden Ergebnissen.</p>
<h3>Brotbacken mit Obama als schädlicher Inhalt?</h3>
<p>So berichten <a href="https://twitter.com/thorstenfirlus/status/1245057401537146881" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Facebook-Nutzer*innen</a> etwa davon, dass die Plattform ihnen scheinbar harmlose Posts untersagt. So hat Facebook das Teilen des Artikels “Stress baking more than usual” der New York Times zeitweise unterbunden. Der an sich harmlose Text enthält einige politisch relevante Begriffe wie “Corona”, “Obama” und “Hillary Clinton”. Der Verdacht liegt nahe, dass diese Mischung genug war, um eine algorithmische Sperrung auszulösen. Bereits einige Tage zuvor hatte Facebook Fehler in der algorithmischen Zensur eingestanden und für behoben erklärt. Ein Facebook-Sprecher konnte auf unsere Anfrage hin die jüngste Blockade mehrere Tage später nicht nachvollziehen: “Wir konnten keine Auffälligkeiten feststellen und können den Artikel auf Facebook teilen.”</p>
</div><div class="uncode-single-media  text-left"><div class="single-wrapper" style="max-width: 100%;"><a class="single-media-link" href="https://twitter.com/thorstenfirlus/status/1245057401537146881/photo/1" target="_blank"><div class="tmb tmb-light  tmb-media-first tmb-media-last tmb-content-overlay tmb-no-bg"><div class="t-inside"><div class="t-entry-visual"><div class="t-entry-visual-tc"><div class="uncode-single-media-wrapper"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="wp-image-158463" src="https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/04/Artikel-630x505-1.jpg" width="630" height="505" alt="" srcset="https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/04/Artikel-630x505-1.jpg 630w, https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/04/Artikel-630x505-1-300x240.jpg 300w" sizes="(max-width: 630px) 100vw, 630px" /></div>
					</div>
				</div></div></div></a></div></div><div class="uncode_text_column" ><p>Nicht nur, dass der Algorithmus scheinbar unsauber arbeitet und seine Ergebnisse nicht einfach nachvollzogen werden können. Ein normaler Anwender hat aktuell nicht die Möglichkeit, eine fälschliche Sperrung zu reklamieren. “Wenn wir Inhalte entfernen, können Personen normalerweise eine erneute Überprüfung verlangen […] Angesichts unserer reduzierten Belegschaft [werden wir] Inhalte voraussichtlich nicht ein weiteres Mal überprüfen”, so der Facebook-Sprecher.</p>
<h3>Eingriff in die private Kommunikation</h3>
<p>Auch Whatsapp und der Facebook Messenger, beides Produkte des Facebook-Konzerns, unterdrücken in der aktuellen Situation Inhalte, die den offiziellen Richtlinien zuwiderlaufen. Durch <a href="https://about.fb.com/de/news/2020/04/beschraenkungen-fuer-die-weiterleitung-von-haeufig-weitergeleiteten-whatsapp-nachrichten/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">verschiedene Maßnahmen</a> hat Facebook erreicht, dass das Volumen weitergeleiteter Nachrichten um ein Viertel zurückgegangen ist. Genaue Zahlen, wie viele Nachrichten so unterbunden wurden, liegen dem Konzern nicht vor. Gleichzeitig verbreitet das Social Media Unternehmen massiv Veröffentlichungen der betreffenden Behörden. Insgesamt 100 Millionen Mal wurden “verifizierte und vertrauenswürdige Informationen [der] Weltgesundheitsorganisation (WHO) und mehr als 20 nationale[r] Gesundheitsbehörden” verbreitet. Auflagezahlen, die jedes Medienimperium vor Neid erblassen lassen.</p>
<h3>Bestimmen auch Orban, Trump, Johnson und Bolsonaro?</h3>
<p>Die sozialen Medien sind aktuell weniger ein Kanal des freien Austauschs, denn ein Massenmedium mit einer klaren Flußrichtung der Information von oben nach unten. Sie unterscheiden sich dabei wenig von Funk und Fernsehen. Mehr noch als zuvor werden sie damit interessant als Werkzeug für autoritäre Politiker, um demokratische Strukturen zu untergraben. Jetzt haben die Autokraten dieser Welt möglicherweise einen Weg erhalten, auch die sozialen Medien für diesen Zweck zu verwenden. Die Vorliebe des US-Präsidenten für Twitter ist bekannt, und es scheint, als ob ihm das soziale Netzwerk keine Beschränkungen auferlegt. So steht ein Tweet Trumps vom 21. März weiterhin online, in dem er den Wirkstoff Hydroxychloroquin als Kur für Covid-19 empfiehlt. Dies ist in medizinischen Kreisen umstritten. Trump schadet damit Patienten, die das Medikament für die Behandlung von rheumatoider Arthritis und des systemischen Lupus Erythematodes benötigen und nun aufgrund der plötzlichen Nachfrage nicht mehr erhalten können. Ebenso gefährdet dieser Hinweis das Leben von Menschen, die Trump beim Wort nehmen. So etwa zwei Menschen aus Nigeria, die sich mit dem Wirkstoff <a href="https://www.bloomberg.com/news/articles/2020-03-21/nigeria-reports-chloroquine-poisonings-after-trump-praised-drug" target="_blank" rel="noopener noreferrer">tödlich vergiftet haben</a>. Die <a href="https://blog.twitter.com/en_us/topics/company/2020/An-update-on-our-continuity-strategy-during-COVID-19.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Richtlinien von Twitter</a> würden diese Art von Tweet ausdrücklich verbieten. Sie untersagen etwa:</p>
<blockquote>
<p>“Beschreibung angeblicher Heilmittel für für COVID-19, die nicht unmittelbar schädlich, aber bekanntermaßen unwirksam sind, [oder] Beschreibungen von schädlichen Heilmitteln oder Schutzmaßnahmen, die bekanntermaßen unwirksam sind.“</p>
</blockquote>
<p>Diese Richtlinien wurden etwa angewandt, um <a href="https://www.buzzfeednews.com/article/ryanhatesthis/twitter-deleted-tweets-brazil-president-coronavirus" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Botschaften ähnlichen Inhalts</a> von Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro zu löschen. Es liegt nahe, dass Twitter für Trump einen anderen Maßstab anlegt – schließlich könnte er als Staatschef des Landes, in dem das Unternehmen seinen Sitz hat, direkte Strafmaßnahmen anordnen. Zudem hat mit dem Milliardär Paul Singer jüngst ein Unterstützer des US-Präsidenten <a href="https://taz.de/Republikaner-kauft-Twitter-Anteile/!5666501/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">einen großen Anteil an Twitter erworben</a>. All das macht es dem Kurznachrichtendienst schwierig, den öffentlichen Diskurs als unabhänige Plattform zu gewährleisten. So vermutet die taz, dass etwa der Kampf gegen rechtradikale Inhalte und Nutzer zum Erliegen kommen könnte.</p>
<h3>Eine besorgniserregende Intransparenz der Maßnahmen</h3>
<p>Den Regierungen in den <a href="https://www.yahoo.com/news/trump-coronavirus-disinformation-campaign-isn-003121699.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">USA</a>, in <a href="https://euvsdisinfo.eu/coronavirus-in-russia-independent-journalists-call-the-bluff/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Russland</a>, <a href="https://www.sueddeutsche.de/politik/corona-covid-19-china-wuhan-statistik-1.4863551" target="_blank" rel="noopener noreferrer">China</a> und <a href="https://slate.com/news-and-politics/2020/04/strongman-medicine-china-russia-kenya-india-pan.html?via=section_features" target="_blank" rel="noopener noreferrer">anderen</a> wird aktuell vorgeworfen, die Fakten zur Pandemie zu verfälschen, um politisches Kapital daraus zu schlagen. Weder Facebook noch der Google-Konzern oder Twitter beantworteten Fragen, ob und wie sie politische Beeinflussung durch Regierungsquellen verhindern. Man darf darüber streiten, ob die aktuelle Lage es rechtfertigt, die öffentliche Diskussion so massiv zu beschneiden, wie es aktuell auf Facebook und anderen sozialen Medien geschieht. Man sollte selbst dann, wenn man diese Frage bejaht, mit größtem Misstrauen überprüfen, ob Regierungen oder andere Interessengruppen diese Zensur nicht für eigene Zwecke nutzen. Aktuell gibt es keine unabhängige Stelle, die darüber wacht. Die sozialen Medien haben dafür keinen Weg vorgesehen. Björn Grünewälder, Sprecher des Bundesministeriums des Innern, für Bau und Heimat bestätigt, dass “ein besserer Forschungszugang zu den Daten der Plattformen geboten ist, um die Verbreitung von Desinformation besser nachvollziehen und die Umsetzung des Verhaltenskodex besser überwachen zu können.” Die Einschränkung der Grundrechte und der Eingriff in die Kommunikation der Menschen sind beängstigende Entwicklungen. Sie sind möglicherweise völlig berechtigt, um im Zuge der Covid-19-Pandemie Leben zu retten. Gleichwohl ist es von höchster Wichtigkeit, durch Kontrolle und kritische Diskussion sicherzustellen, dass sie nicht für andere Zwecke missbraucht werden. Die Intransparenz, die gerade die sozialen Medien in diesem Punkt an den Tag legen, ist eine direkte Gefahr für die Demokratie.</p>
</div><div class="uncode_text_column" ></p>
<p><strong>Photo by:</strong> <a class="external" href="https://unsplash.com/photos/HUBofEFQ6CA" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Kon Karampelas</a> on <a class="external" href="https://unsplash.com/s/photos/anxious?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Unsplash</a></p>
<p>
</div></div></div></div></div></div><script id="script-row-unique-0" data-row="script-row-unique-0" type="text/javascript" class="vc_controls">UNCODE.initRow(document.getElementById("row-unique-0"));</script></div></div></div><div data-parent="true" class="vc_row styleptrl--cc-module has-bg need-focus style-color-gyho-bg limit-width boxed-row row-container" id="row-unique-2"><div class="row unequal col-no-gutter single-top-padding single-bottom-padding single-h-padding row-parent"><div class="wpb_row row-inner"><div class="wpb_column pos-middle pos-center align_left column_parent col-lg-4 styleptrl--cc-module--col single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding  unradius-std" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column" ><p>Text: <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC-BY-SA 3.0</a></p>
</div></div></div></div></div></div><div class="wpb_column pos-middle pos-center align_right column_parent col-lg-8 styleptrl--cc-module--col single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column" ><p><img decoding="async" class="alignnone size-medium wp-image-159021" src="https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/05/CC-Lizenz-630x110111-305x53-1-300x52.png" alt="" width="300" height="52" srcset="https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/05/CC-Lizenz-630x110111-305x53-1-300x52.png 300w, https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/05/CC-Lizenz-630x110111-305x53-1.png 305w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>
</div></div></div></div></div></div><script id="script-row-unique-2" data-row="script-row-unique-2" type="text/javascript" class="vc_controls">UNCODE.initRow(document.getElementById("row-unique-2"));</script></div></div></div>
</div>]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.politik-digital.de/news/00-test-158164/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Deplatforming: Die Privatisierung der Zensur</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/privatisierung-der-zensur-156019/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/news/privatisierung-der-zensur-156019/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Michael Erle]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 10 May 2019 09:52:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Zensur]]></category>
		<category><![CDATA[hate speech]]></category>
		<category><![CDATA[Deplatforming]]></category>
		<category><![CDATA[digitale Redefreiheit]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://politik-digital.de/?p=156019</guid>

					<description><![CDATA[]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="wpb-content-wrapper"><div data-parent="true" class="vc_row row-container" id="row-unique-3"><div class="row limit-width row-parent"><div class="wpb_row row-inner"><div class="wpb_column pos-top pos-center align_left column_parent col-lg-12 single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column text-lead" ><p><span style="font-weight: 400;">Der Attentäter von Christchurch war ein Anhänger des hybriden Informationskriegs: er filmte seinen Anschlag mit einer Helmkamera und streamte ihn live. Aufzeichnungen davon kursierten in Folge auf zahlreichen Social Media Plattformen. Sein Terrorakt sollte ein Aufruf zu weiterer Gewalt sein. Youtube und Facebook unternahmen schnell Schritte, diesen unmenschlichen Inhalt zu blockieren: sie löschten bestehende Videos, die auf ihre Plattformen hochgeladen worden waren. Mittels </span><a href="https://politik-digital.de/news/umgang-mit-fake-news-informationsfreiheit-vs-bullshit-faktor-155852/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><span style="font-weight: 400;">Uploadfiltern </span></a><span style="font-weight: 400;">verhinderten sie, dass Kopien wieder online gestellt würden.</span></p>
</div><div class="uncode_text_column" ></p>
<p>Die Plattformen unternahmen damit auf eigene Initiative hin eine Zensur, und es dürfte sich kaum ein Kritiker dieses Schritts finden. Andere Plattformen wie 8chan ließen das Video online. Als Reaktion darauf entschlossen sich die großen Internet-Anbieter in Australien und Neuseeland, die betreffenden Plattformen zu sperren. Zugriff auf 8chan und andere war in diesen Ländern nur noch über Umwege möglich.</p>
<p><span style="font-weight: 400;">Dieser Schritt wiederum wurde kritisiert. Nicht nur die Verhältnismäßigkeit einer kompletten Sperrung der Plattformen </span><a href="https://slate.com/technology/2019/03/new-zealand-shooting-8chan-isps-block-facebook-youtube.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><span style="font-weight: 400;">wurde in Frage gestellt</span></a><span style="font-weight: 400;">, sondern auch das Recht der ISP (Internet Service Provider), Inhalte zu zensieren. In Deutschland </span><a href="https://www.backstagepro.de/thema/vodafone-sperrt-im-auftrag-der-gema-eine-website-die-urheberrechtsverletzungen-foerdert-2019-03-30-4kdwcDRrQ7?&amp;utm_source=newsletter&amp;utm_medium=mail&amp;utm_campaign=b9L8CQJvH2" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><span style="font-weight: 400;">sperrte</span></a><span style="font-weight: 400;"> Vodafone jüngst auf Betreiben der GEMA einen ausländischen Anbieter urheberrechtlich geschützten Materials.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Doch welche Teile des Ökosystems Internet haben die Möglichkeit, aus eigenem Antrieb heraus bestimmte Inhalte oder Anbieter zu unterdrücken oder völlig zu blocken? Wann geschieht dies, und wie ist dieses Verhalten zu bewerten? Ein Blick auf verschiedene Szenarien des Deplatformings und verwandter Blocks</span></p>
<h3>1. Totschweigen in den sozialen Medien</h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Facebook, Youtube, Instagram und Twitter unterdrücken inzwischen regelmäßig anstößige Inhalte. Dabei sind die entsprechenden Posts noch vorhanden, werden aber in Suchen oder in den Vorschlägen nicht mehr angezeigt. Beispiele sind Videos von </span><a href="https://www.mimikama.at/allgemein/instagram-zeigt-rote-karte/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><span style="font-weight: 400;">Impfgegnern </span></a><span style="font-weight: 400;">oder </span><a href="https://www.buzzfeed.com/markdistefano/youtube-sweeping-new-restrictions-tommy-robinson" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><span style="font-weight: 400;">rechtsradikale Inhalte</span></a><span style="font-weight: 400;">. Oft, aber nicht immer, werden diese Maßnahmen mit dem Verstoß gegen Nutzungsrichtlinien begründet. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Anwender können die betreffenden Inhalte weiterhin verlinken und weiterempfehlen, so dass zumindest die enthusiastischen Follower von dieser Maßnahme kaum betroffen sind.</span></p>
<h3>2. Verbannen aus den sozialen Medien</h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Gerade im Fall von Aufrufen zu Gewalt und Hass durch rechtsradikale Accounts haben sich Facebook et al. in den letzten Monaten </span><a href="https://www.bloomberg.com/news/articles/2018-09-06/twitter-bans-infowars-s-alex-jones-for-abusive-behavior?srnd=premium" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><span style="font-weight: 400;">zur Löschung diverser Accounts</span></a><span style="font-weight: 400;"> entschlossen. Alex Jones Blog Inforwars ist eines der prominenten Beispiele. Erst Anfang des Monats verwies Facebook abermals </span><a href="https://www.heise.de/newsticker/meldung/Facebook-sperrt-sechs-prominente-Hassschleuderer-4412153.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><span style="font-weight: 400;">zahlreiche kontroverse User</span></a><span style="font-weight: 400;"> des Netzwerks. Auch hier liegen meist Verstöße gegen Nutzungsrichtlinien zugrunde. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Anwender haben nur dann die Möglichkeit, die Botschaften der gesperrten Teilnehmer zu empfangen, wenn diese auf anderen Plattformen oder einer eigenen Website vertreten sind.</span></p>
<h3>3. Stilllegen webbasierter Finanzierungsquellen</h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Im Falle von Infowars oder Impfgegnern setzen die Plattform-Betreiber immer wieder auch auf das Stilllegen der Finanzierungsquellen. Im Online-Ökosystem sind Spenden oder Merchandising-Käufe über Bezahldienste wie Patreon oder Paypal ein beliebtes Mittel, einzelne Produzenten zu finanzieren. Werden diese Kanäle (die bisweilen in der Hand der Social Media Plattform sind) von den Anbietern gesperrt, schadet das dem Produzenten empfindlich. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Alternativ können die Anbieter von Online-Werbung (auch hier sind die Social Media Anbieter selbst beteiligt) einzelne Seiten aus dem Anzeigengeschäft ausschließen, und so eine weitere Finanzierungsquelle trockenlegen. In der Vergangenheit waren rechtsradikale Blogs wie </span><a href="https://www.businessinsider.de/facebook-looking-into-calls-to-cut-breitbart-off-from-its-ads-business-2017-11?r=US&amp;IR=T" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><span style="font-weight: 400;">Breitbart</span></a><span style="font-weight: 400;"> oder </span><a href="https://www.theguardian.com/technology/2019/mar/07/facebook-anti-vaxx-vaccine-hoax-ads" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><span style="font-weight: 400;">Impfgegner</span></a><span style="font-weight: 400;"> betroffen &#8211; oftmals </span><a href="https://digiday.com/media/programmatic-platforms-breitbart/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><span style="font-weight: 400;">auf Druck der Anzeigenkunden</span></a><span style="font-weight: 400;"> hin.</span></p>
<h3>4. Entzug von Webspace</h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Selbst wenn ein Produzent umstrittener Inhalte einen eigenen Blog oder eine eigene Website verwendet, greift er dafür oft auf Webspace der großen Cloud-Anbieter zurück. Diese könnten den Vertrag mit ihm kündigen und die betreffenden Inhalte digital “heimatlos” machen &#8211; </span><a href="https://www.heise.de/newsticker/meldung/Nach-Anschlag-auf-US-Synagoge-Hoster-zieht-bei-Twitter-Alternative-Gab-den-Stecker-4206547.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><span style="font-weight: 400;">so geschehen mit dem Netzwerk gab.ai</span></a><span style="font-weight: 400;">. Es steht jedem Teilnehmer des Internets offen, einen eigenen Webserver zu installieren, auf dem die Inhalte gehostet werden. In den meisten Fällen dürfte dies das technische Know-How und die zeitlichen Ressourcen für Pflege und Wartung aber übersteigen.</span></p>
<h3>5. Entzug von DNS-Verweisen</h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Der DNS ist eine Art Adressbuch des Internets, der eine URL in die IP-Adresse des jeweilige Anbieters übersetzt. DNS-Provider sind private Unternehmen, denen es freisteht, Kunden zu akzeptieren oder zu kündigen. So </span><a href="https://www.theregister.co.uk/2018/05/04/whackanazi_resumes_as_godaddy_exiles_altrightcom/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><span style="font-weight: 400;">kündigte der Anbieter Godaddy</span></a><span style="font-weight: 400;"> vor kurzem der rechtsradikalen Seite altright.com. Findet sich kein anderer DNS-Provider, sind die betroffenen Seiten nur noch über ihre IP-Adresse zu erreichen. Ein mühsamer Weg, der den Traffic empfindlich senken dürfte.</span></p>
<h3>6. Blockierung im Netz</h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Das schärfste Mittel, eine Seite oder einen Produzenten von Inhalten mundtot zu machen, sind Sperren auf der Netzebene. Zugriffe auf bestimmte Inhalte oder Seiten werden dabei vom Internetanbieter komplett geblockt. Die oben erwähnten Beispiele belegen, dass die rechtliche Grauzone bereits heute unter verschiedenen Szenarien dazu einlädt, eine digitale Totalzensur einzurichten. In beiden Fällen haben die Internet-Provider ohne rechtlichen Zwang Maßnahmen ergriffen, die vermutlich auf Basis bestehenden Rechts von einem Richter angeordnet worden wären. Aber der vorauseilende Gehorsam macht viele Netzaktivisten nervös. Es ist heute kein absurder Gedanke, dass die nächste Regierung oder der nächste CEO eines großen Tech-Unternehmens autoritäre Tendenzen hat. Die digitale Zensur könnte dann schnell zu einem Mittel des Machterhalts werden, der an das c</span><a href="https://www.heise.de/tp/features/Orwell-laesst-gruessen-China-vor-dem-Nationalen-Volkskongress-4326212.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><span style="font-weight: 400;">hinesische Modell</span></a><span style="font-weight: 400;"> erinnert. </span></p>
<h3><span style="font-weight: 400;">Die Digitalisierung der Redefreiheit</span></h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Alle oben beschriebenen Maßnahmen rühren an eines der wichtigsten Prinzipien der freiheitlichen demokratischen Ordnung: der Redefreiheit. Weniger stark im Falle der Punkte 1-3: es sind hier private Unternehmen, die ein eigenwirtschaftliches Interesse haben. Sie geben in erster Linie dem Druck ihrer Anwender nach, schädliche Inhalte zu tilgen und Akteure zu verbannen. Auch wenn Facebook und Youtube weitgehende Monopole innehaben, ist gegen diesen digitalen Hausputz grundsätzlich nichts einzuwenden. Selbst im Falle des Entzugs von Webspace (Punkt 4) kann man noch argumentieren, dass ein privater Anbieter von technischer Infrastruktur das Recht hat, seine Dienste verschiedenen Kunden vorzuenthalten. Man gerät aber damit an die Grenzen der Diskriminierung: warum sollte ein Bäcker verpflichtet sein, entgegen seiner religiösen Überzeugung Hochzeitstorten für gleichgeschlechtliche Paare zu backen, ein Webspace-Anbieter aber Kunden verweigern dürfen, die seinen politischen Ansichten widersprechen? Es kommt hier auf den Einzelfall an &#8211; aber damit ein Geschädigter Gerechtigkeit einfordern kann, muss die Sachlage justiziabel sein.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Als Faustregel für alle privaten Maßnahmen gegen einzelne Anbieter oder Inhalte könnte gelten: wenn ein verbannter Teilnehmer weiterhin die Möglichkeit hat, sich mit eigenen Mitteln zu helfen (eigener Webserver, eigene Bankverbindung), ist der digitale Boykott nicht zu beanstanden. Die </span><a href="https://politik-digital.de/news/warum-hetze-im-netz-nichts-mit-redefreiheit-zu-tun-hat-151871/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><span style="font-weight: 400;">positive Redefreiheit ist nicht im gleichen Maße einklagbar wie die negative Redefreiheit</span></a><span style="font-weight: 400;">.</span></p>
<p>Anders bei der Blockade oder der Zensur auf Infrastrukturebene: bei DNS-Verweis und Datenverkehr sollten sehr strenge Maßstäbe angelegt werden, bevor ein privates Unternehmen einzelne User blockieren darf. Hier sind oft keine Alternativen verfügbar &#8211; die negative Redefreiheit wird dadurch direkt verletzt. Eine richterliche Anordnung sollte deswegen grundsätzlich erforderlich sein. Sowohl im Falle des Attentäters von Christchurch als auch des Anbieters GEMA-geschützten Materials war dies nicht erfolgt.</p>
<p><span style="font-weight: 400;">Offenbar weist die Rechtsprechung hier eine gefährliche Lücke auf: nicht nur werden die Bürger unzureichend vor dieser privaten &#8211; und willkürlichen &#8211; Zensur geschützt. Es fehlen auch Mechanismen, um gerechtfertigte Ansprüche (wie im Falle des Terrorvideos) schnell genug umzusetzen um den Schaden zu verhindern, den sie anrichten: es fehlt, kurz gesagt, eine Charta der digitalen Redefreiheit.</span></p>
<p>Titelbild: DOE Completes Cleanup of Transuranic Waste at Berkeley Lab by United States Department of Energy, Public Domain, via <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:DOE_Completes_Cleanup_of_Transuranic_Waste_at_Berkeley_Lab.jpg" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Wikicommons</a><img decoding="async" src="http://vg04.met.vgwort.de/na/708ca7d6303f494388227689cae1116b" alt="" width="1" height="1" /></p>
</div></div></div></div></div></div><script id="script-row-unique-3" data-row="script-row-unique-3" type="text/javascript" class="vc_controls">UNCODE.initRow(document.getElementById("row-unique-3"));</script></div></div></div><div data-parent="true" class="vc_row styleptrl--cc-module has-bg need-focus style-color-gyho-bg limit-width boxed-row row-container" id="row-unique-5"><div class="row unequal col-no-gutter single-top-padding single-bottom-padding single-h-padding row-parent"><div class="wpb_row row-inner"><div class="wpb_column pos-middle pos-center align_left column_parent col-lg-4 styleptrl--cc-module--col single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding  unradius-std" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column" ><p>Text: <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC-BY-SA 3.0</a></p>
</div></div></div></div></div></div><div class="wpb_column pos-middle pos-center align_right column_parent col-lg-8 styleptrl--cc-module--col single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column" ><p><img decoding="async" class="alignnone size-medium wp-image-159021" src="https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/05/CC-Lizenz-630x110111-305x53-1-300x52.png" alt="" width="300" height="52" srcset="https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/05/CC-Lizenz-630x110111-305x53-1-300x52.png 300w, https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/05/CC-Lizenz-630x110111-305x53-1.png 305w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>
</div></div></div></div></div></div><script id="script-row-unique-5" data-row="script-row-unique-5" type="text/javascript" class="vc_controls">UNCODE.initRow(document.getElementById("row-unique-5"));</script></div></div></div>
</div>]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.politik-digital.de/news/privatisierung-der-zensur-156019/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Gut gedacht, schlecht gemacht? &#8211; Kommentar zur Reform des europäischen Urheberrechts</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/reform-des-europaeischen-urheberrechts-154792/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/news/reform-des-europaeischen-urheberrechts-154792/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 26 Jun 2018 12:15:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[LSR]]></category>
		<category><![CDATA[Upload-Filter]]></category>
		<category><![CDATA[Lizenzverträge]]></category>
		<category><![CDATA[Urheberrecht]]></category>
		<category><![CDATA[Zensur]]></category>
		<category><![CDATA[EU]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://politik-digital.de/?p=154792</guid>

					<description><![CDATA[In Brüssel brodelt es digital. Nach der umstrittenen Datenschutzgrundverordnung wird im EU-Parlament nun auch eine weitreichende Reformierung des Urheberrechts angestrebt. [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/copyright-389901_1920_640_280.png"><img decoding="async" class="alignnone wp-image-154810 size-full" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/copyright-389901_1920_640_280.png" alt="Lupe mit Lexikon, PDPics via pixapay, CCO, bearbeitet. " width="640" height="280" /></a>In Brüssel brodelt es digital. Nach der umstrittenen Datenschutzgrundverordnung wird im EU-Parlament nun auch eine weitreichende Reformierung des Urheberrechts angestrebt. Was dazu gedacht ist, das geistige Eigentum zu schützen und der digitalen Transformation durch rechtliche Anpassungen gerecht zu werden, könnte weitreichende Konsequenzen für den freien Informationsaustausch haben, bemängeln Kritiker. Ein Kommentar über gut gemeinte Ideen, juristische Probleme und gesellschaftliche Folgewirkungen.</p>
<p>Es ist ein Projekt, das Produzenten wie Youtubern, Journalisten und Künstlern einen fairen Anteil am viralen Erfolg garantieren soll: Nach langem Ringen hat der Rechtsausschuss des europäischen Parlaments am vergangenen Mittwoch eine strikte Reform des Urheberrechts beschlossen, die auf einen Vorstoß der Kommission von vor über zwei Jahren zurückgeht. Diese verpflichtet soziale Netzwerke in Zukunft dazu, sowohl <a href="https://www.heise.de/newsticker/meldung/EU-Copyright-Reform-Abgeordnete-stimmen-fuer-Upload-Filter-und-Leistungsschutzrecht-4087028.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">„angemessene und faire“ Lizenzverträge</a> mit Rechteinhabern zu schließen als auch Inhalte bereits vor dem fertigen Upload auf mögliche Urheberrechtsverletzungen zu überprüfen.  Das ist zwar gut gemeint, könnte in der Praxis aber zu einer starken Einschränkung von Meinungsfreiheit und Informationsreichweite führen.</p>
<h3>Die Skepsis gegenüber „Upload-Filtern“ ist riesig</h3>
<p>Besonders in der Kritik stehen hierbei die sogenannten „Upload-Filter“. Hierbei handelt es sich um meist Algorithmen-basierte Software, die Daten beim Hochladen auf eine Plattform gemäß einprogrammierter Kriterien filtert und selektiert. Sie werden im aktuellen Entwurf zwar nicht konkret genannt, wären aber wohl letztlich die einzige Anwendungslösung für Google, Facebook &amp; Co., um die riesigen Datenmengen effektiv auf Urheberrechtsverletzungen prüfen zu können. Problematisch sind hierbei gleich mehrere Punkte: So sind derartige Filter nicht selten recht fehleranfällig und könnten daher auch Inhalte blockieren, die fälschlicherweise für urheberrechtswidrig gehalten werden.</p>
<p>Dies kann immer dann passieren, wenn sich diese Inhalte mit geschützten Inhalten ähneln, wie es häufig bei Coverversionen von Songs, Memes oder Satirevideos der Fall ist. Zahlreiche Gegner des Entwurfs, darunter auch Größen der Branche wie Mitbegründer von Wikipedia und Mozilla haben sich daher Kampagnen wie <a href="https://blog.xeit.ch/2018/06/internetzensur-save-the-meme/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">„Save your Internet“ oder „Save the meme“</a> angeschlossen. Sie befürchten, dass die Upload-Filter nicht präzise genug programmiert werden können, um Dateien auf der Grundlage feinster juristischer Abwägungen zu bewerten. Gleichzeitig bemängeln Kritiker, dass es kaum Möglichkeiten für User gibt, sich gegen Upload-Verweigerungen zu wehren.</p>
<h3>Die Kultur des offenen Webs ist in Gefahr</h3>
<p>Dies würde im schlimmsten Fall dazu führen, dass viele kreative Inhalte vollständig aus dem Netz verschwinden, wodurch letztlich auch der lebendige Austausch auf sozialen Netzwerken durch alle Nutzer stark eingeschränkt wäre und damit auch die Kultur des offenen Webs in Frage stände. Jener Effekt wird möglicherweise dann noch verstärkt, wenn Unternehmen wie Facebook besonders restriktive Upload-Filter einsetzen, um dem Risiko zu entgehen, gegen die urheberrechtlichen Regelungen zu verstoßen. Obwohl der Entwurf eigentlich auf die großen digitalen Branchenführer abzielt, kann es hierbei auch kleinere Firmen und Start-Ups treffen, denn der Gesetzentwurf spricht nur vage <a href="https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/HTML/?uri=CELEX:52016PC0593&amp;from=EN" target="_blank" rel="noopener noreferrer">von „Dienstanbieter(n) der Informationsgesellschaft, die große Mengen der von ihren Nutzern hochgeladenen Werke (…) speichern oder öffentlich zugänglich machen“</a>. Ab wann eine Datenmenge groß genug ist, damit Anbieter unter diese Definition fallen ist hingegen unklar. Gerade die digitalen Newcomer und kleine Plattformen können es aber meist weder finanziell noch technisch leisten, passende Upload-Filter zu entwickeln, einzusetzen und mögliche Sanktionen bei Verstößen zu tragen.</p>
<h3>Große Missbrauchsgefahr durch Selektionssoftware?</h3>
<p>Gleichzeitig steht auch die Frage nach <a href="http://blogs.taz.de/bewegung/2018/06/22/meinungsfreiheit-und-freies-internet-statt-uploadfilter-linksteuer-und-internetzensur/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">neuen Zensurmöglichkeiten</a> durch Upload-Filter im Raum. Viele befürchten, dass deren Einsatz eine Blaupause für den Missbrauch durch Politik und Geheimdienste darstellt. So könnten jene Filter künftig auch eingesetzt werden, um das Auftauchen unliebsamer Informationen im Netz von vornherein zu verhindern. Dieser Argumentation muss jedoch entgegengesetzt werden, dass der vorliegende Entwurf initiiert wurde, um private Unternehmen zur strikten Rechtsbindung zu verpflichten. Algorithmen-basierte Filter sind etwa bei der NSA keine Zukunftsvision, sondern längst Realität, weshalb die Frage nach Zensur erst dann greifen würde, wenn staatliche Organisationen auch administrativen Zugriff auf soziale Netzwerke erhielten.</p>
<h3>Gesetzentwurf bringt wenige Vorteile und viele Nachteile</h3>
<p>Trotz aller Kritik gibt es durchaus Akteure, die von der Reform profitieren. Hierbei handelt es sich vor allem um große Medienhäuser, die bisher hohe Geldbeträge in die Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen stecken mussten. Dadurch, dass diese Inhalte erst gar nicht erscheinen, fallen die Kosten jener Prozesse nun weg und können etwa für Werbung eingesetzt werden. Alles in allem lässt sich jedoch feststellen, dass die Reformierung des digitalen Urheberrechts mehr Schaden als Nutzen verursacht – und Asymmetrien zwischen den Marktteilnehmern verstärkt statt aufhebt.</p>
<p>Ein gutes Beispiel hierfür ist auch das bereits in Deutschland geltende <a href="http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/diginomics/so-trifft-man-google-nicht-kommentar-zum-neuen-eu-urheberrecht-15650116.html?GEPC=s33" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Leistungsschutzrecht für Presseverleger</a>, das im Zuge der Reform künftig EU-weit greifen soll. Es soll Suchmaschinenanbieter, allen voran Google, dazu verpflichten, Lizenzgebühren an Verlage zu zahlen, um deren Inhalte im Ranking zu veröffentlichen. De facto sind aber vor allen Dingen kleine Verlage stark auf eine große Online-Reichweite angewiesen und vergeben die Lizenzen daher kostenlos an den Suchmaschinenriesen.</p>
<h3>Fazit: Das Internet-Recht wird zu kurz gedacht</h3>
<p>Beobachtet man die aktuellen Bemühungen der EU, digitale Regulierungsmechanismen zu implementieren, so fällt auf, dass durchaus ein ernsthafter Wille vorhanden ist, bestehende Defizite von politischer Seite anzugehen. Gleichzeitig muss jedoch festgestellt werden, dass die juristische Ausarbeitung meist als äußerst mangelhaft bezeichnet werden muss. Dies liegt vor allem daran, dass offensichtliches Verständnis für digitale Strukturen und Märkte sowie deren Funktionsweise fehlt. Hier wird einfach zu kurz gedacht. Nur so oder durch gezielte Lobbystrategien von Interessensverbänden lässt es sich erklären, dass sich scheinbare Absichten und Wirkungen gegenseitig derart verfehlen. Bereits Anfang Juli soll das Plenum des EU-Parlaments in Verhandlungen mit den Mitgliedsstaaten treten. Wenig Zeit für die Gegner, ihre Kritik in wirksamen politischen Druck zu verwandeln.</p>
<p>Titelbild: © PDPics via <a href="https://pixabay.com/de/urheberrecht-lupe-lupen-buch-389901/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">pixabay</a>, <a href="https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/deed.de">CC0</a>, bearbeitet.</p>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x110111.png"><img decoding="async" class="alignnone size-medium wp-image-151003" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x110111-305x53.png" alt="CC-BY-NC 2.0" width="305" height="53" /></a></p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.politik-digital.de/news/reform-des-europaeischen-urheberrechts-154792/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>The Cleaners (2018)</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/rezension-the-cleaners-2018-154589/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/news/rezension-the-cleaners-2018-154589/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Katja Hellmys]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 07 May 2018 10:52:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Zensur]]></category>
		<category><![CDATA[Soziale Netzwerke]]></category>
		<category><![CDATA[Facebook]]></category>
		<category><![CDATA[Content-Moderation]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://politik-digital.de/?p=154589</guid>

					<description><![CDATA[Wenn niemand etwas sieht, was tatsächlich allgegenwertig ist, dann ist das das Werk der Content-Moderatoren. Die Dokumentation THE CLEANERS geht [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/The-Cleaners.jpg"><img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-154590" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/The-Cleaners.jpg" alt="The Cleaners" width="640" height="280" /></a>Wenn niemand etwas sieht, was tatsächlich allgegenwertig ist, dann ist das das Werk der Content-Moderatoren. Die Dokumentation THE CLEANERS geht gegen das Ignorieren an und schafft dabei vor allem eins: Erschrecken und Desillusion vor einer doppelbödigen Gesellschaft.</p>
<h3>Ich sehe was, was du nicht siehst&#8230;</h3>
<p>Im Jahr 2014 veröffentlichte der Islamische Staat ein Video, in welchem die Enthauptung des US-amerikanischen Journalisten James Wright Foley gezeigt wird. Es handelt sich nicht um das einzige Video, das gezielt der strategischen Zermürbung dient. Es steht aber auch exemplarisch für alle jene Bilder, die den Blick des Voyeurs auf sich ziehen und zugleich der sozialen Selektion unterliegen. Videos der eskalierenden Gewalt, der übermäßigen Sexualisierung, Bilder des Missbrauchs von Kindern oder Erwachsenen sowie der Tierquälerei verbreiten sich jedoch sekündlich viral über alle sozialen Netzwerke. Den Schutz vor solchen Videos bieten sogenannte Content-Moderatoren, deren Alltag in der Filterung sozialer Netzwerke vor derartigen Bildern besteht.</p>
<p>Dieser Alltag der Content-Moderatoren, die Konfrontation mit den abstoßenden Seiten der Gesellschaft, arbeitet der Film THE CLEANERS (2018) auf. Die Dokumentation der Regisseure Hans Block und Moritz Riesewieck widmet sich der Arbeit und bildet dabei fast beiläufig und zugleich zentral die Schrecken der Gesellschaft ab, die sich hinter den sichtbaren Seiten der sozialen Plattformen verbergen.</p>
<h3>Faszination und Schrecken des Bösen: „Es war ein Mädchen, etwa sechs Jahre alt –&#8230;“</h3>
<p>Der Film begleitete fünf Content-Moderatoren in Manila (Philippinen). Es handelt sich um den weltweit größten Outsourcing-Standort für Content Moderation. Hier arbeiten die Mitarbeiter zehn Stunden täglich an der Filterung digitaler Inhalte. Der Film bildet deren Alltag ab. Es wird selbst nichts kommentiert, sondern deren Kommentar collagenhaft zusammengestellt. Dabei sind es zwei Seiten, die der Film aufarbeitet: Das Böse, dass seit jeher fasziniert und das sich in jedem Teil des gesellschaftlichen Korpus bewegt. Wie viele freiwillige Zuschauer gab es bei der Hinrichtung Foleys, aus Faszination und Schrecken?<br />
Dem steht jedoch der Einblick in das Leben der Mensch entgegen, die sich diesem Schrecken in ihrer alltäglichen Arbeit aussetzen. Vor diesem Hintergrund verliert das Böse seine Faszination und das, was übrig bleibt, ist die bittere Erkenntnis einer kaputten Gesellschaft. Der persönlichen Überforderung, dem Erschrecken und der Abneigung gegen die Inhalte dieser Bilder steht nur der lapidare Verweis auf den Arbeitsvertrag entgegen. Hierin offenbart sich die Absurdität des sauberen Netzwerkes 2.0.</p>
<h3>Die Digitale Müllabfuhr: Der Alltag der Content-Moderatoren</h3>
<p>Content-Moderatoren werden zum Synonym der digitalen Abfallbehälter, deren tägliche Arbeit in der Beseitigung des sozialen Mülls besteht. Was geschieht jedoch, wenn der Arbeitsalltag sein Ende nimmt? Diejenigen, welche die Gesellschaft von diesem digitalen Abfall befreien, sind ihm selbst schutzlos ausgeliefert. Die langsame Verzweiflung, die sich breit macht, wenn jeder Tag davon erfüllt ist, das zu sehen, was offiziell niemand sehen soll. Das wachsende Misstrauen gegenüber dem Umfeld und das zermürbende Gefühl, dem schutzlos ausgeliefert zu sein. Psychologische Betreuung ist in diesem Umfeld eher die Ausnahme als die Regel.</p>
<p>Auch aus diesem Grund bildet der Film nicht nur deskriptiv den Alltag von Menschen ab, die sich mit jenen dunklen Seiten der Gesellschaft befassen müssen. Es ist vor allem der Schrecken, der sich durch die Doku zieht: THE CLEANERS legt die Seiten der Gesellschaft frei, die aus dem alltäglichen Diskurs ausgeschlossen worden sind. Es handelt sich um die zensierte Wahrheit, oder das, was von ihr übrig bleibt. Unter dem Ausschluss dieser Schattenseiten, kann sich der Einzelne weiterhin der perfekten Illusion des sozialen Netzwerks hingeben. Den Schatten ausblendend, bleibt das Licht der lebendigen Konstruktion einer makellosen Identität der Generation X. Der Film zeigt die bittere Wahrheit, das Internet als Pool derjenigen, die von der Gesellschaft ausgeschlossen sind. In der Anonymität der globalen Netzwerke leben Wahnsinnige, Gewalttäter, Rassisten und andere Stehengebliebene auf. THE CLEANERS zeigt in verstörender Weise, dass dieses Verschwinden das Resultat der menschlichen Zensur ist.</p>
<p>Der Film lässt den Zuschauer in diese Maschinerie der Zensur eintauchen. Es ist die Faszination des Bösen, die jedoch nur solange besteht, bis die Einsicht folgt, die Realität vor sich zu haben. Es handelt sich um die verborgenen Seiten der Gesellschaft, deren sie sich selbst entledigen will. Es bleibt das bedrückende Bild dieser Gesellschaft zurück, die sich selbst noch nicht verstanden hat. Die Arbeit an dem Symptom lässt die Ursache nicht verschwinden: Kaputt.</p>
<p>Titelbild: © THE CLEANERS, bearbeitet</p>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizens-305x531.png"><img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-123698" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizens-305x531.png" alt="Creative Commons Lizenz" width="305" height="53" /></a></p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.politik-digital.de/news/rezension-the-cleaners-2018-154589/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Zensur und Reaktionismus</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/netzwerkdurchsetzungsgesetz-beschlossen-152706/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/news/netzwerkdurchsetzungsgesetz-beschlossen-152706/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Thalis Weizmann]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 05 Jul 2017 07:51:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Meinungsfreiheit]]></category>
		<category><![CDATA[Netzwerkdurchsuchungsgesetz]]></category>
		<category><![CDATA[Transparenz]]></category>
		<category><![CDATA[Zensur]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://politik-digital.de/?p=152706</guid>

					<description><![CDATA[]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="wpb-content-wrapper"><div data-parent="true" class="vc_row row-container" id="row-unique-6"><div class="row limit-width row-parent"><div class="wpb_row row-inner"><div class="wpb_column pos-top pos-center align_left column_parent col-lg-12 single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column text-lead" ><p>Im Schatten der „Ehe für Alle“ hat die Bundesregierung das Netzwerkdurchsetzungsgesetz beschlossen. Social Media Plattformen sollen in die Pflicht genommen werden, diskriminierende Inhalte und Falschinformationen zu löschen. Kritiker befürchten eine unkontrollierte Zensur der Meinungsfreiheit.</p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p>Welche Auswirkungen haben soziale Netzwerke auf die Gesellschaft? Diese Frage treibt die deutsche Politik besonders im Vorfeld der Bundestagswahl an. Während des „arabischen Frühlings“ wurde noch die hohe demokratische Mobilisationskraft dieser Instrumente gelobt, seit geraumer Zeit stehen allerdings eher negative Aspekte im Vordergrund: Gezielte Manipulation des Wahlkampfes durch Socialbots und Hacker, sowie Desinformationskampagnen via Fake News sind nicht erst seit den US-Präsidentschaftswahlen ständige Schreckgespenster der Bundesregierung.</p>
<h3>Kritiken an voreiliger Zensur</h3>
<p>Mit dem nun verabschiedeten Netzwerkdurchsetzungsgesetz soll gegen hate speech, Falschmeldungen und strafbare Inhalte auf sozialen Netzwerken wie Facebook, Twitter, Youtube und Co. vorgegangen werden. Die Mehrheit der Union und der SPD stimmten für das Gesetz, dass die Plattformbetreiber dazu zwingen, offensichtlich strafbare Inhalte wie z.B. die Verbreitung von verfassungswidriger Propaganda, Kinderpornographie, Diskriminierung, Hassreden und Hetze innerhalb von 24 Stunden zu löschen. Leisten die Unternehmen dem nicht Folge, können sie mit Bußgeldern in Höhe von bis zu 50 Millionen Euro sanktioniert werden. Bürgerrechtler und Kritiker des Gesetzes sehen hier das Problem, dass die Plattformbetreiber im Zweifelsfall vorab Inhalte zensieren werden, um einer Bestrafung zu entgehen. Daher könnten auch rechtmäßige Äußerungen, die durch Artikel 5 des Grundgesetzes zur Meinungsfreiheit gedeckt sind, vorauseilend gelöscht werden. Vergangene Fälle, wie <a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/facebook-zensiert-ikonisches-vietnam-kriegsfoto-14427324.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">durch Facebook zensierte historische Kriegsfotografien</a> beweisen, dass dies kein bloßes Hirngespinst ist. Im Gegensatz zum Entwurf enthält das fertige Gesetz die Klausel, dass soziale Netzwerke erst ab einer Anzahl von zwei Millionen registrierten Nutzern von den Regelungen betroffen sind. Damit soll verhindert werden, dass deutsche Startups in ihrer Entwicklung behindert werden. Bei besonders kniffligen Fällen soll innerhalb von sieben Tagen gelöscht werden. Bei Uneinigkeit kann die endgültige Entscheidung über die Löschung auch an eine anerkannte Einrichtung der Selbstregulierung übertragen werden. Der zentrale Kritikpunkt des Gesetzentwurfes, die geringe Zeitfrist für die Löschung gemeldeter Inhalte, wurde nicht geändert. Vertreter der Zivilgesellschaft und der Medien, wie der Deutsche-Journalisten-Verband <a href="https://www.heise.de/newsticker/meldung/Kritiker-Bundespraesident-muss-Netzwerkdurchsetzungsgesetz-stoppen-3760650.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">appellieren nun an den Bundespräsidenten, das Gesetz nicht zu unterzeichnen</a>.</p>
<h3>Intransparente Richtlinien</h3>
<p>Dass die Verantwortung für Kontrolle und Zensur alleine bei den sozialen Netzwerken liegt, ist ein zweischneidiges Schwert. Einerseits ist es zu begrüßen, wenn die Strafverfolgung Ressourcen einsparen kann und sich Plattformen strengere Richtlinien geben, um sich ihrem gesellschaftlichen Auftrag als Massenkommunikationsmedien bewusst werden. Andererseits zeigt sich in diesen internen Richtlinien oftmals ein anderes Verständnis von dem, was als strafbar gilt, sei es nun auf eine andere Kultur im Mutterkonzern oder auf bloße Profitorientierung zurück zuführen. <a href="https://www.theguardian.com/news/2017/may/21/revealed-facebook-internal-rulebook-sex-terrorism-violence" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Der Guardian hat durch einen Leak Zugriff auf die geheimen internen Richtlinien von Facebook erhalten</a>. Was die Dokumente enthüllen zeigt, wie wenig Kontrolle und wie viel Interpretation bei der Löschung eine Rolle spielen. So sollen Kommentare, wie „Someone shoot Trump” gelöscht werden, da es hier um ein Staatsoberhaupt geht. Nach Facebook ist es dagegen nicht verwerflich, wenn Jemand beschreibt, wie einer Frau am besten das Genick gebrochen werden sollte. Video- oder Bildmaterial mit Gewalt gegen Kinder oder gegen Tiere dürfe ebenfalls geteilt werden und müsse nur in Extremfällen mit einer Warnung versehen werden. Hinzu kommt, <a href="https://www.theguardian.com/news/2017/may/25/facebook-moderator-underpaid-overburdened-extreme-content" target="_blank" rel="noopener noreferrer">dass die rund 4.500 menschlichen Facebook Moderatoren unterbezahlt und schlecht ausgebildet sind</a>. Außerdem fehle es an einer psychologischen Betreuung für das Personal, welches mit grausamen Inhalten, wie Videos von Enthauptungen oder Vergewaltigungen konfrontiert werden.</p>
<h3>Reaktionismus und Notwendigkeit</h3>
<p>Es ist also eine Atmosphäre zwischen Notwendigkeit und Reaktionismus, in dem das Netzwerkdurchsetzungsgesetz beschlossen wurde. Notwendig ist ein gesetzlich verankertes Vorgehen, weil soziale Netzwerke unser tägliches Zusammenleben prägen und damit auch ein Abbild unserer Gesellschaft sind. Auch in digitalen Räumen bedarf es Regeln, die Grausamkeiten und Diskriminierungen ausschließen und Minderheiten schützen. Der politische Reaktionismus zeigt sich aber in dem Hauruckverfahren der unausgegorenen Gesetzgebung. Statt für mehr externe Kontrolle und Transparenz bei den Plattformbetreibern zu sorgen und sich um ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Artikel 5 des Grundgesetzes und einer legitimen Strafverfolgung zu bemühen, wird hier Verantwortung abgewälzt. Wie auch in anderen Bereichen, wo Sicherheitsbedenken und Digitalpolitik kollidieren, zeigt sich bei den Entscheidungsträgern ein Unwillen zur breiten gesellschaftlichen Debatte und einer besonnenen Vorgehensweise. Eine weitere Folge zeichnet sich schon jetzt in der Instrumentalisierung des Gesetzes für die bevorstehenden Bundestagswahlen ab. Die etablierten Volksparteien werden argumentieren, im Vorfeld der Wahl „erfolgreich“ etwas gegen Internethetze und Fake News getan zu haben. Parteien wie die rechtspopulistische AfD, können nun von einem „schwarzen Tag für das freiheitliche Deutschland&#8221; lamentieren und geben damit weiteren Hasskommentatoren eine Rechtfertigung, ihr Handeln unter dem Schleier einer gefährdeten Meinungsfreiheit zu verstecken. Das Problem menschenverachtender Inhalte bleibt nämlich bestehen. Mit der jetzigen Lösung doktert die Bundesregierung nur an ihrer oberflächlichen Sichtbarkeit herum.</p>
<p>Titelbild: Grundgesetz, by <a href="https://www.flickr.com/photos/gyst/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Guido A.J. Stevens</a> on <a href="https://www.flickr.com/photos/gyst/130324005/in/photolist-3VPC6S-dDaSbr-bpBwzw-78v3Jc-78yWch-cvWMB-31TDhD-3VJ5X-6qijtL-2oEkMi-2oEkFX-eGadCP-emV4jg-emV53v-enuhwL-6qdZjT-cXJCh-enugFh-emV4Dt-65KpCE-epjdAM-epjbZV-eqfonu-uxiJt-eqfss9-USDPd9-9Q1HBb-ao17RN-fKt4RL-4VnS8L-5iVUWf-6qcB6M-epj9Bi-65Kqod-epjdVx-eqfr1h-65MXMY-65Kvr5-696KWZ-4A7XzX-epjdog-eqfqPG-65MYq1-65FaVK-eqfohf-65F2bc-eXhtRZ-65Fd4c-65KtWG-5QaVoD/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Flickr</a>,  <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0/legalcode" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC-BY-NC-ND 2.0</a></p>
<p>
</div></div></div></div></div></div><script id="script-row-unique-6" data-row="script-row-unique-6" type="text/javascript" class="vc_controls">UNCODE.initRow(document.getElementById("row-unique-6"));</script></div></div></div><div data-parent="true" class="vc_row styleptrl--cc-module has-bg need-focus style-color-gyho-bg limit-width boxed-row row-container" id="row-unique-8"><div class="row unequal col-no-gutter single-top-padding single-bottom-padding single-h-padding row-parent"><div class="wpb_row row-inner"><div class="wpb_column pos-middle pos-center align_left column_parent col-lg-4 styleptrl--cc-module--col single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding  unradius-std" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column" ><p>Text: <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC-BY-SA 3.0</a></p>
</div></div></div></div></div></div><div class="wpb_column pos-middle pos-center align_right column_parent col-lg-8 styleptrl--cc-module--col single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column" ><p><img decoding="async" class="alignnone size-medium wp-image-159021" src="https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/05/CC-Lizenz-630x110111-305x53-1-300x52.png" alt="" width="300" height="52" srcset="https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/05/CC-Lizenz-630x110111-305x53-1-300x52.png 300w, https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/05/CC-Lizenz-630x110111-305x53-1.png 305w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>
</div></div></div></div></div></div><script id="script-row-unique-8" data-row="script-row-unique-8" type="text/javascript" class="vc_controls">UNCODE.initRow(document.getElementById("row-unique-8"));</script></div></div></div>
</div>]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.politik-digital.de/news/netzwerkdurchsetzungsgesetz-beschlossen-152706/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Feinde der Pressefreiheit: Alte Bekannte und neue Gesichter</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/feinde-der-pressefreiheit-alte-bekannte-und-neue-gesichter-150489/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/news/feinde-der-pressefreiheit-alte-bekannte-und-neue-gesichter-150489/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Thibaud Saint-Viteux]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 02 Nov 2016 12:12:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Zensur]]></category>
		<category><![CDATA[Pressefreiheit]]></category>
		<category><![CDATA[Reporter ohne Grenzen]]></category>
		<category><![CDATA[Feinde der Pressefreiheit]]></category>
		<category><![CDATA[Internationalen Tag zur Beendigung der Straflosigkeit für Verbrechen gegen Journalisten]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://politik-digital.de/?p=150489</guid>

					<description><![CDATA[Seit 2013 begeht die UN am 2. November den “Internationalen Tag zur Beendigung der Straflosigkeit für Verbrechen gegen Journalisten”. Aus [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" class="alignnone size-large wp-image-150491" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Pressefreiheit-2016_630x2551-630x255.jpg" alt="pressefreiheit-2016_630x255" width="630" height="255" />Seit 2013 begeht die UN am 2. November den “Internationalen Tag zur Beendigung der Straflosigkeit für Verbrechen gegen Journalisten”. Aus diesem Anlass veröffentlichen die Reporter Ohne Grenzen (ROG) heute eine aktualisierte Liste der “Feinde der Pressefreiheit”, in der nicht nur Staats- und Regierungschefs, sondern auch Extremisten und Verbrecherorganisationen stehen. Nach ROG sind diese Einzelpersonen und Gruppen für Zensur, Verhaftungen, Folter und Mord von Journalisten verantwortlich.</p>
<p>Auf der Liste der größten „Feinde der Pressefreiheit“ finden sich ‚alte Bekannte‘ wie der chinesische Staats- und Parteichef Xi Jinping und Nordkoreas Diktator Kim Jong Un. Auch die Nominierung von Russlands Präsident Wladimir Putin, Syriens Präsident Baschar Al-Assad und Kubas Präsident Raul Castro ist wenig überraschend.</p>
<p>Der Bericht listet jedoch auch neue Kandidaten auf: Dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan wird die Inhaftierung von mindestens 130 Journalisten und die Schließung von 140 Medien vorgeworfen. Auch der ägyptische Präsident Abdelfattah al-Sisi, Saudi-Arabiens König Salman, Thailands Junta-Chef Prayut Chan-o-cha und Venezuelas Präsident Nicolas Maduro finden sich auf der Liste wieder. Die extremistische Organisation “Islamischer Staat” ist wahrscheinlich der am wenigsten überraschende Neuling 2016.</p>
<p>Der Kampf gegen die Straflosigkeit von Verbrechen ist Teil einer ROG-Kampagne zum Schutz von Journalisten. Nach ROG-Angaben sind allein in den letzten zehn Jahren 787 journalistisch arbeitende Menschen in Ausübung ihres Berufs gestorben.</p>
<p>Die Liste der „Feinde der Pressefreiheit“ finden Sie <a title="Weltkarte der Pressefreiheit 2016" href="www.reporter-ohne-grenzen.de/feinde">hier</a>.</p>
<p>Titelbild: Karte Pressefreiheit 2016, © Reporter ohne Grenzen</p>
<p><img decoding="async" class="alignleft size-medium wp-image-139428" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011-305x53.png" alt="CC-Lizenz-630x110" width="305" height="53" /></p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.politik-digital.de/news/feinde-der-pressefreiheit-alte-bekannte-und-neue-gesichter-150489/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Nationales-Internet-Projekt des Iran: Zensur oder Schutz?</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/nationales-internet-projekt-des-iran-zensur-oder-schutz-150299/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/news/nationales-internet-projekt-des-iran-zensur-oder-schutz-150299/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Jana Donat]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 27 Sep 2016 05:23:11 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Proteste 2009]]></category>
		<category><![CDATA[Digitalisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Telegram]]></category>
		<category><![CDATA[Instagram]]></category>
		<category><![CDATA[Hassan Rouhani]]></category>
		<category><![CDATA[Zensur]]></category>
		<category><![CDATA[Amir Rashidi]]></category>
		<category><![CDATA[Informationsfreiheit]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel 19]]></category>
		<category><![CDATA[Soziale Netzwerke]]></category>
		<category><![CDATA[Ayatollah Ali Khamenei]]></category>
		<category><![CDATA[Menschenrechte]]></category>
		<category><![CDATA[Halal]]></category>
		<category><![CDATA[Reporter ohne Grenzen]]></category>
		<category><![CDATA[nationales Internet-Projekt]]></category>
		<category><![CDATA[Iran]]></category>
		<category><![CDATA[nationales Intranet]]></category>
		<category><![CDATA[Twitter]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://politik-digital.de/?p=150299</guid>

					<description><![CDATA[Iranische Browser, Suchmaschinen und E-Mail-Services gibt es schon seit ein paar Jahren. Dennoch bleiben die beliebtesten Online-Dienste in der iranischen [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Titelbild_Iran.jpg"><img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-150301" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Titelbild_Iran.jpg" alt="Internet Halal, Iran" width="640" height="352" /></a>Iranische Browser, Suchmaschinen und E-Mail-Services gibt es schon seit ein paar Jahren. Dennoch bleiben die beliebtesten Online-Dienste in der iranischen Bevölkerung weiterhin zensierte Anbieter und Netzwerke aus dem Ausland – wie Facebook, YouTube und Twitter. Durch das nationale Datennetzwerk sollen Online-Sperren noch größere Auswirkungen auf den realen Alltag im Iran haben. Die kürzlich zelebrierte Einweihung des „nationalen Internet“ im Iran stößt auf internationalen Aufschrei – die universellen Menschenrechte der Informations- und Meinungsfreiheit seien in Gefahr.</p>
<p>Die erste Phase des nationalen Internet im Iran leitete der iranische Minister für Informations- und Kommunikationstechnologie, Mahmoud Vaezi, <a href="http://en.mehrnews.com/news/119304/Iran-launches-National-Information-Network" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Ende August 2016</a> ein. Das auf den Iran beschränkte Datennetzwerk umfasst in dieser Phase Websites und Dienste von Regierungsstellen sowie von lokalen Behörden. Der Plan ist keineswegs neu: Seit 2010 arbeitet die iranische Regierung an dem Nationales-Internet-Projekt. Anfänglich ging die Regierung sogar von einer Implementierung bis 2015 aus. Heute wird ein nationales Datennetzwerk kaum mehr vor 2019 erwartet.</p>
<h3>Landesweit Surfen im Internet Halal</h3>
<p>Das unberechenbare World Wide Web soll an die digitale Leine genommen werden. Ein sauberes und reines Internet heißt die Maxime, kurz: Internet Halal. Das arabische Wort „Halal“ bedeutet so viel wie „zulässig“ und gestattet nur Online-Inhalte, die nach islamischem Recht erlaubt sind. Nicht nur Staatspräsident Hassan Rouhani, sondern vor allem auch Revolutionsführer Ayatollah Ali Khamenei spricht sich für ein kontrollierbares Internet aus. Ein nationales, sicheres und reines Internet soll es also sein. Für die Regierung liegen die Vorteile auf der Hand: technisch gesehen bedeutet es, einen Zugewinn an <a href="http://www.heise.de/newsticker/meldung/Iran-stellte-erste-Phase-seines-nationalen-Internets-vor-3307868.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Sicherheit</a> gegenüber Hacker-Angriffen sowie schnellere und preiswertere Breitbandverbindungen zu schaffen. Aber nicht nur der Technologiesektor, sondern auch die Wirtschaft schlage Profit, da durch die Unabhängigkeit zum World Wide Web mehr Arbeitsplätze in nationalen Projekten generiert werden können.</p>
<p>Dass manche Argumente auf Seiten der iranischen Regierung „nicht ganz ohne Substanz“ seien, meint auch Politikwissenschaftler Dr. Marcus Michaelsen. Seit Jahren forscht und publiziert er zum digitalen und politischen Wandel im Iran und hält fest: „Immerhin war der Iran Ziel eines der ersten internationalen Cyberangriffe auf eine zentrale staatliche Infrastruktur. Durch Sanktionen und Isolation des Landes hat die iranische Regierung die Bedeutung von eigenständiger Beherrschung von Technologie schätzen gelernt.“ Dass der Drang nach Sicherheit ein historisch gewachsenes Resultat der iranischen Regierung auf internationale Konflikte ist, bezweifelt auch der iranische Geflüchtete und Internetsicherheit-Forscher Amir Rashidi nicht. Amir Rashidi studierte Software Engineering im Iran, floh nach der umstrittenen Wahl 2009 als Aktivist nach Italien und arbeitet nun seit zwei Jahren in New York bei der Menschrechtsorganisation <a href="https://www.iranhumanrights.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">International Campaign for Human Rights in Iran</a>. Auf technischer Ebene sieht Rashidi das gesamte Projekt vielmehr als eine Art „nationales Intranet“, also wesentlich „kleiner dimensioniert im Sinne eines internen Netzes, das vor fremden Eingriffen geschützt werden soll.“ Auch Rashidi bestätigt den Vorteil der technischen Schnelligkeit und Kosteneinsparung, während er das Problem der virtuellen Kontrolle auf einer ganz anderen Ebene sieht: „Wir Iraner vertrauen der Regierung nicht.“</p>
<h3>Internetzensuren im Iran: technische Sicherheit vs. digitale Apartheid</h3>
<p>Auch wenn iranische Stimmen – wie die des ersten Vize-Präsidenten Irans, Eshagh Jahangiri – beteuern, dass das nationale Internet <a href="http://parstoday.com/de/news/iran-i14122-nationales_internet_in_iran_in_betrieb_genommen" target="_blank" rel="noopener noreferrer">keine Einschränkung</a> für den Informationszugriff bedeutet, sehen dies Menschenrechtsverteidiger anders. Für die britische Menschenrechtsorganisation <a href="https://www.article19.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Article 19</a> passen internationale Standards der Informations- und Meinungsfreiheit, nach <a href="http://www.un.org/depts/german/menschenrechte/aemr.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Art. 19, UN Menschenrechtskonvention</a>, nicht zum Konzept eines nationalen Datennetzwerkes. In ihrem Anfang 2016 erschienenen <a href="https://www.article19.org/data/files/medialibrary/38315/The-National-Internet-AR-KA-final.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Report</a> zum nationalen Internet-Projekt sehen sie den Schutz der Online-Anonymität und das Recht auf Privatsphäre in Gefahr. Auch bei Reporter ohne Grenzen (<a href="https://www.reporter-ohne-grenzen.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">ROG</a>) steht der Iran auf der Liste der „<a href="http://12mars.rsf.org/wp-content/uploads/EN_RAPPORT_INTERNET_BD.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Feinde des Internet</a>“. ROG befürchtet seit Jahren ein zweigeteiltes Internet, eine Art „<a href="https://www.reporter-ohne-grenzen.de/presse/pressemitteilungen/meldung/internet-experte-ohne-anklage-in-haft-rog-befuerchtet-digitale-apartheid/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">digitale Apartheid</a>“, in der die Bevölkerung lediglich Zugang zu gefilterten Online-Inhalten hat, während Regierung und religiöse Anführer, wie Ayatollah Ali Khamenei, keine Einschränkung haben.</p>
<p>Auch Michaelsen sieht Gefahren in dem Aufbau eines nationalen Datennetzwerks: „In jedem Fall birgt das Projekt Risiken für den freien Zugang zu Informationen, weil Verbindungen zum World Wide Web besser eingeschränkt, überwacht und gefiltert werden können.“ Kontrolle und Unterdrückung sind besonders aufgrund vergangener Menschenrechtsverletzungen im Iran ein brisantes Thema. So kam es bereits in der Vergangenheit zu Festnahmen von <a href="http://www.sueddeutsche.de/medien/deutsche-journalisten-in-iran-haft-fuer-die-pressefreiheit-1.1053773" target="_blank" rel="noopener noreferrer">JournalistInnen</a> und <a href="http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2016-05/iran-instagram-models-schleier-strafverfahren-festnahme" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Models</a>. Aufsehen erregte auch der Fall eines <a href="http://www.abendblatt.de/politik/ausland/article107781865/Haeftling-soll-nationales-Internet-im-Iran-aufbauen.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">iranischen Internet-Experten</a>, der ohne Anklage inhaftiert wurde und im Gefängnis als Programmierer für die iranische Regierung arbeiten musste.</p>
<p>Amir Rashidi betont in dem Zusammenhang, dass die Regierung einfach Angst habe vor den westlichen Lebensweisen und Selbstinszenierungen, wie sie durch Instagram, Facebook und Co. ermöglicht werden. Aber wie kommt die Regierung erst an die Leute, die sie verhaften will? „Die Taktik und die gesamte Hacker-Technik der Regierung ist unglaublich simpel“, meint Rashidi. Ob erzwungene Informationen durch InformantInnen oder einfachste Hacking-Angriffe auf Accounts von Störenfrieden des „Halal“ Internet – „die Möglichkeiten der Regierung sind so unglaublich einfach, aber effektiv“, so Rashidi.</p>
<h3>Rouhani und der virtuelle Alltag im Iran</h3>
<p>In der Islamischen Republik Iran haben sich mit Amtswechsel auch virtuelle Regierungsziele verändert: unter Mohammad Chatami und Mahmud Ahmadinedschad wurden bereits Online-Inhalte in großem Umfang gefiltert. Michaelsen stellt aber den entscheidenden Unterschied nach den Wahlen 2009 fest: Nachdem die Bevölkerung soziale Netzwerke und digitale Kommunikation zur Protestförderung nutzte, „hat die iranische Regierung ihre Versuche, das Internet zu kontrollieren und zu überwachen, eindeutig verschärft.“ Nicht nur Amir Rashidi floh zu dieser turbulenten Zeit aus dem Iran, sondern <a href="http://www.spiegel.de/politik/ausland/flucht-aus-iran-ueber-die-grenze-und-in-den-westen-a-663465.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Tausende reformorientierte IranerInnen</a>. Für Rashidi „hat alles unter Ahmadinedschad begonnen. Die Regierung wurde immer nervöser“ &#8211; es ging schon lange nicht mehr nur um die Zensur von Pornographie und Religiösem. Die politische Online-Nutzung nahm ein neues Ausmaß an. Dabei erinnert sich Rashidi vor allem an ein Video, welches die Regierung möglichst schnell aus dem Netz nahm. Darin sah man inmitten der Aufstände eine tote Frau, die zur „<a href="http://www.spiegel.de/politik/ausland/tote-iran-demonstrantin-neda-die-ikone-des-protests-a-631670.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Ikone des Protests</a>“ wurde.</p>
<p>Zur Wahl Rouhanis 2013 kamen vor allem bessere technische Möglichkeiten auf Regierungsseite zu tragen. Michaelsen berichtet, dass der Internetverkehr in „kritischen Momenten <a href="https://iranwire.com/en/features/1653" target="_blank" rel="noopener noreferrer">verlangsamt</a>“ wurde und Rouhani seitdem seinem „<a href="http://politik-digital.de/news/kurswechsel-im-iran-ein-tweet-in-richtung-freiheit-133173/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Wahlversprechen</a> von mehr Informationsfreiheit im Internet“ nicht nachgekommen sei. Aus der Distanz betrachtet, stellen wir uns darunter extreme Einschränkungen im Alltag der iranischen Bevölkerung vor. Die deutschgebürtige Iranerin Zonai (25) berichtet aber, dass alle ihre Verwandten und Bekannten im Iran Instagram und Facebook haben. Dem Geo-Blocking im Iran lässt sich einfach über Virtual Private Networks (VPN) oder Tor entkommen. Diese technischen Lösungen sind aber im Gegensatz zu einer Mitgliedschaft in sozialen Netzwerken im Iran nicht erlaubt. Die Umgehung der Zensur via Proxys steht sogar <a href="http://www.heise.de/ct/artikel/Iran-Der-Machtkampf-um-Informationen-2566400.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">unter Strafe</a>. „Über Sanktionen machen sich meine Verwandten keine Gedanken oder es ist ihnen auch gar nicht so bewusst“, erzählt Zonai. Um Kontakt zu halten, schreibt die Studentin keine E-Mails, sondern nutzt Instagram und chattet über die unzensierte App Telegram mit ihren Verwandten im Iran. Auch Rashidi freut sich, dass Telegram mittlerweile mit 20 Millionen NutzerInnen im Iran als populärste Messaging-App fungiert.</p>
<h3>Twitter Halal?</h3>
<p>Auch Twitter ist seit der Wahl 2009 für die iranische Bevölkerung ohne Umwege nicht mehr zugänglich. Repressionen und Propaganda waren die Folge der intensiven Nutzung von Twitter als Informations- und Organisationstool während der Proteste. Die Politiker bleiben aber unbeirrt: im Zuge ihrer eigenen Internetfreiheit twittern Rouhani, Khamenei und Co. – und das sogar über mehrere Accounts und Sprachen. Ausgerechnet die Gegner der virtuellen Welt führen mehrere Accounts auf verschiedenen Netzwerken, wobei sie damit doch theoretisch im Internet Halal niemand in ihrem eigenen Land erreichen dürften. Auch spielte <a href="https://smallmedia.org.uk/media/projects/files/IranVotes_2016.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Twitter in der Parlamentswahl 2016</a> eine wichtige Rolle, weshalb Rashidi der Auffassung ist: „Twitter wird die erste Plattform sein, die die Regierung wieder entblockt. Da bin ich mir sicher.“</p>
<p>Starke Interessendivergenzen bei zensierten Online-Diensten, die bekommt Zonai vor allem zwischen den Altersgenerationen mit: „Die jungen Leute wollen mehr Freiheiten haben, aber die Älteren haben einfach mehr Macht.“ Aber auch insgesamt kann sich Zonai nicht vorstellen, dass irgendwer im Iran ein nationales Intranet, geschweige denn Internet, begrüßen würde. Aus westlicher Perspektive scheinen die Einschnitte in die Menschenrechte alle anderen Vorteile in den Hintergrund zu drängen. Michaelsen betont aber auch, dass das ganze Projekt „von doppeldeutigen Zielstellungen geprägt“ sei, da die Datenspeicherung von Regierung und Administration innerhalb des eigenen Landes „auch ein legitimes Ziel“ ist. In einer Hinsicht gibt auch Rashidi zumindest eine kleine Entwarnung: „Rouhani weiß, dass es keine nationale Entkopplung geben kann, und er will auf keinen Fall eine digitale Isolation von der restlichen Welt – aber ja, Kontrolle will er schon.“</p>
<p>Titelbild: Internet Halal, Iran von <a href="http://politik-digital.de/user/jdonat/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Jana Donat</a> / <a href="http://politik-digital.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">politik-digital.de</a>, licenced <a href="http://i0.wp.com/politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC BY SA 3.0</a></p>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img decoding="async" class="alignleft  wp-image-139428" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" alt="CC-Lizenz-630x1101" width="441" height="77" /></a></p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.politik-digital.de/news/nationales-internet-projekt-des-iran-zensur-oder-schutz-150299/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Soziale Medien in China: Wo bleibt Angela Merkel?</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/soziale-medien-china-147598/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/news/soziale-medien-china-147598/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Josip Pejić]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 01 Dec 2015 14:39:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Soziale Medien]]></category>
		<category><![CDATA[weibo]]></category>
		<category><![CDATA[Christoph Rehage]]></category>
		<category><![CDATA[Zensur]]></category>
		<category><![CDATA[Angela Merkel]]></category>
		<category><![CDATA[China]]></category>
		<category><![CDATA[Twitter]]></category>
		<category><![CDATA[David Cameron]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://politik-digital.de/?p=147598</guid>

					<description><![CDATA[Das chinesische Twitter-Pendant Weibo hat mehr als 500 Millionen Mitglieder. Abseits unseres digitalen Radars genießt die soziale Plattform trotz der [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Weibo-Teaser.jpg"><img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-147599" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Weibo-Teaser.jpg" alt="Weibo-Teaser" width="640" height="280" /></a>Das chinesische Twitter-Pendant Weibo hat mehr als 500 Millionen Mitglieder. Abseits unseres digitalen Radars genießt die soziale Plattform trotz der Zensur im Reich der Mitte große Popularität. Der britische Premier David Cameron hat Weibos Potenzial schon erkannt – die deutschen Politiker hinken noch deutlich hinterher.</p>
<p>Als der britische Premierminister David Cameron im Dezember 2013 nach China reiste, um sich mit seinem chinesischen Amtskollegen Xi Jinping zu treffen, eröffnete er kurz vor seiner Abreise einen Account auf dem chinesischen Microblogging-Portal Weibo und setzte sogleich seinen ersten Post ab: „Hello my friends in China. I&#8217;m pleased to have joined Weibo and look forward to visiting China very soon.“ Ungeachtet der wenig spektakulären Aussage seiner Nachricht verbreitete sich diese rasend schnell in dem sozialen Netzwerk und so konnte Cameron bereits zehn Minuten nach Versenden seiner ersten Botschaft mehr als 10.000 Antwortkommentare von begeisterten chinesischen Nutzern verzeichnen. Nur acht Stunden nach Eröffnung seines Accounts hatte der britische Premier bereits mehr als 40.000 Follower auf Weibo. Der Social Media-erfahrene Cameron, der schon auf Weibos westlichem Pendant Twitter über eine stolze Anhängerschaft von knapp 1,27 Millionen Followern verfügt, nutzte denn auch im Folgenden seinen neuen Account, um Eindrücke von seinem China-Aufenthalt festzuhalten und diese mit seinen chinesischen Fans zu teilen.</p>
<p>Die Absicht, die dahinter steckte, war klar: Cameron wollte die chinesischen Netizens an seinem Besuch teilhaben lassen und dadurch ihre Herzen für sich gewinnen. Dies ist ihm zweifellos gelungen, haben doch die Chinesen seinen Inhalten sehr viel Beachtung geschenkt, seine Beiträge massenhaft kommentiert, geteilt und geliked. Als dann zwei Jahre später der chinesische Staatspräsident Xi Jinping nach London reiste, reaktivierte Cameron kurzerhand seinen Weibo-Account und postete Bilder von ihm und Xi für die chinesische Netzgemeinde. Obwohl er dadurch wieder viel Aufmerksamkeit auf sich zog, beließ es der britische Premier dieses Mal dabei und verzichtete darauf, mehr von Xis Besuch zu berichten. Leider, möchte man fast sagen, denn die chinesischen Netizens hätten sich durchaus für Xis Amtsbesuch aus der Sicht des britischen Premierministers interessiert. Ihre Begeisterung für die Interaktion über soziale Medien ist jedenfalls unbestritten.</p>
<h3>Westliche soziale Netzwerke in Punkto Mitgliederzahlen längst überholt</h3>
<p>Wie groß diese mittlerweile ist, zeigt unter anderem der Umstand, dass Sina Weibo mit mehr als 500 Millionen Mitgliedern über eine der größten Social Media-Gemeinden der Welt verfügt. Knapp 90 Prozent aller chinesischen Internetnutzer sind in sozialen Netzwerken aktiv. In keiner anderen Region der Welt gibt es mehr aktive Social Media-User als im asiatisch-pazifischen Raum. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass die etablierten westlichen Plattformen, wie z.B. Facebook, Twitter oder Youtube, im Reich der Mitte aufgrund der dort herrschenden rigiden Medienzensur geblockt werden und dadurch Millionen chinesische Internetnutzer von diesen Diensten faktisch abgeschnitten sind. Denn die chinesische Regierung hat längst auf das entstandene Vakuum reagiert, indem sie eigene soziale Netzwerke erschaffen ließ, die auf die Bedürfnisse chinesischer Nutzer zugeschnitten sind und dabei gleichzeitig den medienpolitischen Vorgaben Pekings entsprechen. So findet sich für fast jede westliche Plattform eine chinesische Entsprechung, von denen manche ihre westlichen Vorbilder in puncto Mitgliederzahlen sogar schon überholt haben.</p>
<h3>300 ausländische Politiker auf Weibo</h3>
<p>Angesichts der immer weiter wachsenden chinesischen Online-Community liegt die Vermutung nahe, dass neben Cameron auch andere westliche Top-Politiker und Repräsentanten das Potenzial erkannt haben, welches ein Profil beispielsweise auf Weibo für die eigene Reputation haben kann. Und tatsächlich: Laut Aussagen des chinesischen Internetunternehmens Sina Corporation, das u.a. für den Microblogging-Dienst Weibo verantwortlich zeichnet, sind heute etwa 300 ausländische Politiker in dem sozialen Netzwerk registriert. Neben David Cameron sind mit Indiens Premierminister Narendra Modi, dem ehemaligen australischen Premierminister Kevin Rudd und Venezuelas Präsidenten Nicolas Maduro drei weitere Staatsoberhäupter vertreten. Darüber hinaus unterhalten der UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon, der frühere israelische Staatspräsident Schimon Peres und die Direktorin des Internationalen Währungsfonds (IWF) Christine Lagarde eigene Weibo-Accounts.</p>
<p>Angela Merkel ist (noch) nicht dabei – generell sucht man deutsche Politiker auf Weibo bislang vergeblich. Dabei macht es auch für deutsche Akteure durchaus Sinn, den direkten Draht zur chinesischen Netzgemeinde in ihre diplomatische Arbeit zu integrieren. So könnte beispielsweise die deutsche Bundeskanzlerin besorgten Chinesen versichern, dass die europäische Flüchtlingskrise keine Gefahr für die deutsche Stabilität darstellt und chinesische Studenten auch weiterhin sorgenfrei zum Studieren nach Deutschland kommen können. Sie könnte aber auch ihren Standpunkt erläutern, warum es angesichts von Kriegen und Vertreibungen im Nahen Osten wichtig ist, Flüchtlinge aufzunehmen – eine Ansicht, die ein Großteil der Chinesen nicht teilt. Unabhängig davon, ob sich Merkel auf Weibo aufhält oder nicht, finden solche Diskussionen in chinesischen Netzwerken statt – und manche rücken die Rolle Deutschlands und der Kanzlerin nicht gerade in ein positives Licht.</p>
<h3>Interesse der chinesischen Netizens wecken</h3>
<p>Dass es im Zweifelsfall aber auch ohne politische Beiträge oder breit gefächerte Diskussionen geht, zeigt das Beispiel von David Cameron. Demnach sind Reisen nach China Anlass genug, ein Konto auf Weibo zu eröffnen und letztlich der einfachere Weg, um das Interesse der Chinesen zu wecken und ihre Sympathie zu gewinnen. „Deutsche Politiker sollten sich zunächst vorrangig mit chinesischen sozialen Medien beschäftigen, wenn sie nach China reisen und mit der chinesischen Bevölkerung in Kontakt treten wollen“, sagt Karsten Luc, China-Experte bei der <a href="http://www.thinkasiagroup.com/">Think Asia Group</a> und zuletzt Visiting Academic Fellow am Mercator Institut für China Studien (MERICS). „Nicht etwa um deutsche Innenpolitik mit den chinesischen Netizens zu diskutieren, sondern um primär ihre Chinareisen aus einer authentischen Perspektive zu dokumentieren.“ Das Ziel solle sein, das Interesse der chinesischen Netizens für die deutsch-chinesischen Beziehungen zu wecken: Welche Themen wurden mit der chinesischen Führung diskutiert? Welche spannenden Ereignisse mit der chinesischen Bevölkerung gab es? Was halten die deutschen Politiker von Chinas Fortschritten und Problemen? Das sind die Fragen, für die sich die Chinesen interessieren.</p>
<h3>Pekings Internetzensur zum Opfer gefallen</h3>
<p>Doch wie authentisch ist der Social Media-Auftritt eines Politikers, der von vornherein bestimmte Themen lieber ausklammert, da sie von Peking nicht gerne gesehen werden? Denn die Gefahr, sich mit politischen Äußerungen zu weit aus dem Fenster zu lehnen, ist in China immer präsent und nicht wenige einflussreiche Persönlichkeiten sind Pekings strenger Internetzensur bereits zum Opfer gefallen. „Die chinesische Regierung hat einen strengen und effektiven Zensurapparat geschaffen“, so Luc. „Was ich sehe ist, dass sich ausländische Politiker oder Institutionen der Zensur bewusst sind und sich in den sozialen Medien an die “Spielregeln” halten.“ Im Endeffekt bedeutet das: Bloß keine Massenmobilisierung in Chinas Netzwerken für Themen loszutreten, die der chinesischen Führung ein Dorn im Auge sind. Haifen Nan, China-Expertin und Social Media-Redakteurin der Robert Bosch Stiftung, erinnert sich an einen Deutschen, der Chinas strenge Internetzensur unlängst am eigenen Leib zu spüren bekam: Der Autor und Sinologe Christoph Rehage. Als einer der einflussreichsten Ausländer auf Weibo mit über 800.000 Followern geriet er 2014 aufgrund seiner Äußerungen zu verschiedenen politischen Themen ins Fadenkreuz der chinesischen Internetwächter. Rehage, der als Student mehrere Jahre in Peking gelebt hat, hatte 2007 mit einer 4646 Kilometer langen Wanderung von Peking in die westliche Provinz Xinjiang landesweit Berühmtheit erlangt. Während seiner Reisen durch China nutzte er seinen Weibo-Account lange Zeit, um von seinen Erlebnissen und Erfahrungen zu berichten und diese mit den chinesischen Netizens zu teilen. Nach einigen Jahren hatte er eine so große Fangemeinde um sich geschart, dass auch die chinesische Internetpolizei auf ihn aufmerksam wurde. Nachdem sich Rehage 2014 immer häufiger auch zu politischen Themen wie Umweltschutz, freie Meinungsäußerung oder soziale Gerechtigkeit öffentlich äußerte, beschloss man den Stecker zu ziehen und den Deutschen still zu legen. Zunächst wurde sein Weibo-Account gelöscht, dann verlor er auch noch seinen Job als Kolumnist bei einer Pekinger Zeitung. Sämtliche seiner veröffentlichten Artikel wurden aus dem chinesischen Netz entfernt und Weibo war um einen Deutschen ärmer. Laut Nan kann Rehages Löschung durchaus als eine Warnung verstanden werden, dass die chinesischen Autoritäten auch bei prominenten Ausländern keine Ausnahme machen – egal wie populär diese auch sein mögen. Heute zwitschert Rehage auf Twitter weiter, wo er sowohl einen englischsprachigen als auch einen chinesischen Account unterhält. Dessen ungeachtet stellt seine Sperrung für die Nutzer auf Weibo einen großen Verlust dar, denn deutsche Persönlichkeiten wie er erfreuen sich in Chinas sozialen Netzwerken großer Beliebtheit.</p>
<h3>Promis als Deutschland-Botschafter</h3>
<p>In einer von MERICS veröffentlichten Studie hat Karsten Luc sich mit Deutschlandbildern in chinesischen sozialen Netzwerken beschäftigt und dabei interessante Ergebnisse zutage gefördert. Demnach stößt das Thema Deutschland bei chinesischen Social Media-Nutzern auf reges Interesse: „Erstellt man ein Nationen-Ranking auf Basis der ausgewerteten Weibo-Daten, so befindet sich Deutschland auf dem vierten Platz“, so Luc. Dabei drehen sich die Diskussionen am häufigsten um Fußball, deutsche Produktqualität und Bildung. Zu den deutschen Profilen mit den meisten Followern zählen das DFB-Team oder der FC Bayern München. Generell ist der deutsche Fußball auf Weibo ein beliebtes Gesprächsthema. So sind es laut Luc auch eher Persönlichkeiten wie Mesut Özil oder andere deutsche Fußballspieler, die den Wunsch der chinesischen Netzgemeinde befriedigen, berühmten Persönlichkeiten auf Augenhöhe zu begegnen und sich ihnen zumindest virtuell nahe zu fühlen. Zwar sind auch zahlreiche deutsche Einrichtungen vor allem aus dem Bildungsbereich, wie das Goethe Institut, der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) oder das Deutschland-Zentrum, in Chinas sozialen Medien vertreten. Allerdings nutzen diese die Netzwerke in erster Linie als Informationsportale und nicht als eine interaktive Plattform, auf der Inhalte kommentiert, geteilt oder geliked werden sollen. „Institutionen posten sehr häufig Antragsformulare und Job-Ausschreibungen als Fotos oder Webseiten-Screenshots. Formate wie Cartoons, Kurzvideos oder Infografiken, die vor allem jüngere chinesische Netizens ansprechen, werden kaum genutzt“, so Luc in seiner Studie. Darüber hinaus erreichen sie aufgrund ihrer vergleichsweise geringen Follower-Zahlen nur einen kleinen Teil der chinesischen User. Im Gegensatz dazu haben viel beachtete Persönlichkeiten wie Lukas Podolski oder Philipp Lahm einen wesentlich größeren Einfluss und prägen dementsprechend stärker das Deutschlandbild in Chinas sozialen Netzwerken.</p>
<p>So plädiert Luc denn auch dafür, prominente Persönlichkeiten als Deutschland-Botschafter zu nutzen. Wenn schon keine offiziellen Amtsträger den direkten Dialog mit chinesischen Netizens forcieren, so könnten sich zumindest deutsche Prominente mit wichtigen chinesischen Persönlichkeiten in den sozialen Medien vernetzen, um bedeutenden Deutschland bezogenen Themen ein größeres Gewicht zu verleihen. „Das aktuelle Deutschlandbild ist in den chinesischen Sozialen Medien überwiegend positiv“, resümiert Luc. „Es wäre aber fahrlässig, sich darauf auszuruhen.“</p>
<p>Bild: <a href="http://www.weibo.com/ukprimeminister" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Screenshot Weibo @ukprimeminister</a></p>
<p><img decoding="async" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x1101-305x53.png" alt="CC-BY-SA" width="305" height="53" /></p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.politik-digital.de/news/soziale-medien-china-147598/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>1</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Wenn das Dark Web dein Leben rettet</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/wenn-das-dark-web-dein-leben-rettet-146944/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/news/wenn-das-dark-web-dein-leben-rettet-146944/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Livia Helbing]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 24 Sep 2015 11:40:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Kommunikation]]></category>
		<category><![CDATA[Arabischer Frühling]]></category>
		<category><![CDATA[Dark Web]]></category>
		<category><![CDATA[Deep Web]]></category>
		<category><![CDATA[Unterdrückung]]></category>
		<category><![CDATA[Zensur]]></category>
		<category><![CDATA[Anonymität]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://politik-digital.de/?p=146944</guid>

					<description><![CDATA[Viele Regierungen auf dieser Welt zensieren Internetseiten und Messenger, um die Meinungsfreiheit zu beschränken und Proteste zu verhindern. Äußert man [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Knebel-Tor2.jpg"><img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-146948" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Knebel-Tor2.jpg" alt="Knebel Tor2" width="640" height="280" /></a>Viele Regierungen auf dieser Welt zensieren Internetseiten und Messenger, um die Meinungsfreiheit zu beschränken und Proteste zu verhindern. Äußert man seine Meinung doch öffentlich im Internet, kann das lebensbedrohliche Folgen haben. Das Dark Web bietet die anonyme Alternative zum Surface Web und dient in vielen Krisengebieten als wichtige Kommunikations-Methode.</p>
<p>„Ich habe nichts zu verheimlichen“ sagen viele, wenn sie sich für ihren riskanten Umgang mit den eigenen Daten rechtfertigen oder wenn der Staat Gesetze erlassen will, die seinen Zugriff auf Daten vereinfachen. Aber haben wir nicht alle etwas zu verheimlichen? Jeder Mensch hat Träume, Wünsche, Ambitionen und Ängste, die er nicht mit Regierungen oder Unternehmen teilen möchte. Auch die Abfolge unserer Suchanfragen, auf welche Anzeigen wir klicken, wo wir im Internet die meiste Zeit verbringen und über was wir uns im Netz mit anderen Nutzern unterhalten, sind private Informationen, die wir möglicherweise nicht einmal unserem besten Freund anvertrauen würden. Doch Regierungen, Geheimdienste und US-amerikanische Unternehmen haben Zugriff darauf.</p>
<h3>90-95% des Internets nicht einsehbar</h3>
<p>Es gibt jedoch Möglichkeiten dieses transparente Internet, auch Surface Web genannt, zu verlassen und sich stattdessen im sogenannten Deep Web zu bewegen. Das Deep Web umfasst jene Seiten, die weder von Google noch von DuckDuckGo oder anderen Suchmaschinen indiziert werden. Schätzungen zufolge zeigen diese Suchmaschinen nur fünf bis zehn Prozent des tatsächlichen Inhalts des Internets an. Den Großteil des Deep Webs machen unsichtbare Datenbanken wie etwa die der NASA, von Regierungen oder Museen aus. Ein anderer Teil sind kostenpflichtige Inhalte von Internetseiten wie Kataloge oder Bibliotheken.</p>
<p>Klar vom Deep Web zu unterscheiden ist das „Dark Web“, das nur einen Teil des Deep Webs ausmacht. Das Dark Web ist ein verschlüsseltes Netzwerk, in das man in der Regel über den sogenannten Tor Browser gelangt. Ziel der Macher war es, sich von Strafverfolgern abzuschotten und anonyme und geheime Kommunikation zu ermöglichen. Die so geschaffene Anonymität war jedoch nicht nur für unterdrückte Revolutionäre aus Zensurstaaten hilfreich, sondern auch für Nutzer (kinder-)pornographischer Inhalte, Waffen- sowie Drogenhändler und deren Kunden. In erster Linie war das Dark Web jedoch insbesondere als Informations- und Kommunikations-Tool gedacht.</p>
<p>Tor („The Onion Router“) kann jeder Internet-Nutzer herunterladen. Die Zwiebel steht symbolisch für die drei Verschleierungsschichten, durch die die Informationen permanent laufen. Die erste „Schale“ ist der Server, der die Informationen von einer beliebigen Internetadresse entgegennimmt. Als nächstes werden die Informationen von einem anonymen Server an den nächsten weitergereicht. Der letzte Server schickt die Informationen an den Empfänger weiter. So ist die ursprüngliche IP-Adresse und damit die Identität nicht mehr nachzuverfolgen.</p>
<h3>Spionage gleich Todesstrafe</h3>
<p>Wenn Korruption, Ungleichheit und Unterdrückung an der Tagesordnung sind, bleibt den Menschen oft nur der Protest, um auf sich aufmerksam zu machen. Denn in vielen Ländern auf dieser Welt ist es nicht selbstverständlich, dass wir uns frei im Internet bewegen. Oftmals werden Seiten wie Facebook, Amnesty International, YouTube oder Twitter von Regierungen zensiert. So auch während des Arabischen Frühlings, nachdem sich die Rebellen in erster Linie über soziale Netzwerke organisiert hatten. Online-Aktivisten, Journalisten und Blogger nutzten deswegen Tor, um sich weiterhin austauschen, informieren und anonym bleiben zu können.</p>
<p>Jacob Appelbaum, ein Mitentwickler von Tor, soll Nutzer im arabischen Raum sogar aktiv darin geschult haben, wie sie das Dark Web effizient und gefahrlos nutzen können. Dieser berichtete aber bei einem Treffen des „Chaos Computer Clubs“, derartige Aktionen seien zunehmend schwierig geworden, weil Tor inzwischen so populär geworden sei, dass Zensurstaaten alles daran setzen, gerade diesen Dienst zu blockieren. In Syrien werde beispielsweise der gesamte Internetverkehr gespeichert, sodass es dort sehr schwer werde, einzelne Verbindungen zu tarnen.</p>
<p>In einer <a href="http://motherboard.vice.com/read/buying-guns-and-drugs-on-the-deep-web-2" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Reportage </a>von <a href="http://motherboard.vice.com/de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">motherboard.vice.com</a> berichtete der iranische Journalist Ehsan Narouzi, wie er dem Druck und der Überwachung der iranischen Regierung ausgesetzt war. „When you know the government is watching you, you are trapped in your own self-censorship, even in your private conversations”. Man könne bereits der Spionage beschuldigt werden, nur weil man einen Anruf erhalte, in dem es darum gehe, was auf den Straßen los sei. Eine entsprechende Anklage würde in diesem Fall nur eines bedeuten – Todesstrafe.</p>
<h3>Anonymität als Versicherungspolice</h3>
<p>Kommunikationswege können in manchen Staaten also über Leben und Tod entscheiden. Das Dark Web bietet die Chance, seine Meinung kundzutun und mit anderen Menschen zu kommunizieren. Anonymität ist hier eine Art Versicherungspolice, die einen gegen die totale Kontrolle schützen kann. Netzaktivist Sebastian Nerz ist sogar davon überzeugt, die Möglichkeit sich anonym zu äußern, sei Voraussetzung für echte Meinungsfreiheit in Staaten. Kriminelle, die diese Anonymität für ihre Zwecke ausnutzen, wird es immer geben. Wie Ehsan Narouzi es passend zusammenfasst: „We’re still free to choose. Ultimately it’s up to us: do we want the devil we know, or the devil we don’t.”</p>
<p>Bild: <a class="owner-name truncate" title="Geh zum Fotostream von Brian J. Matis" href="https://www.flickr.com/photos/brianjmatis/6723758731/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Brian J. Matis </a><a href="https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/2.0/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">(CC BY-NC-SA 2.0)</a></p>
<div id="yui_3_16_0_1_1443091126297_764" class="view follow-view clear-float photo-attribution"> <img decoding="async" class="alignleft size-medium wp-image-130752" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x1101-305x53.png" alt="CC-BY-SA" width="305" height="53" /></div>
<div id="yui_3_16_0_1_1443091126297_763" class="view attribution-view requiredToShowOnServer clear-float photo-attribution"></div>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.politik-digital.de/news/wenn-das-dark-web-dein-leben-rettet-146944/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Mit Verschlüsselung gegen Zensur am Beispiel der russischen Wikipedia</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/mit-verschluesselung-gegen-zensur-am-beispiel-der-russischen-wikipedia-146808/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/news/mit-verschluesselung-gegen-zensur-am-beispiel-der-russischen-wikipedia-146808/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Annika Kremer]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 04 Sep 2015 09:33:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Zensur]]></category>
		<category><![CDATA[Meinungsfreiheit]]></category>
		<category><![CDATA[Russland]]></category>
		<category><![CDATA[Wikipedia]]></category>
		<category><![CDATA[Netzsicherheit]]></category>
		<category><![CDATA[Verschlüsselung]]></category>
		<category><![CDATA[https-Verschlüsselung]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://politik-digital.de/?p=146808</guid>

					<description><![CDATA[Der aktuelle Fall der russischen Wikipedia zeigt, warum Verschlüsselung und Anonymisierung unter anderem auch wichtige Werkzeuge für die Meinungsfreiheit sind. [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="big"><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/5171679608_39976d33d4_z.jpeg"><img decoding="async" class="alignnone wp-image-146809 size-full" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/5171679608_39976d33d4_z.jpeg" alt="5171679608_39976d33d4_z" width="640" height="280" /></a>Der aktuelle Fall der russischen Wikipedia zeigt, warum Verschlüsselung und Anonymisierung unter anderem auch wichtige Werkzeuge für die Meinungsfreiheit sind.</p>
<p class="big">Russland plante vergangene Woche die Sperrung von mit Drogen in Verbindung stehenden Wikipedia-Seiten. Dies wurde von der bei der Wikipedia eingesetzten https-Verschlüsselung jedoch unterbunden – die Autoritäten hätten lediglich die Option gehabt, die gesamte Wikipedia zu sperren, oder die Zensur zu unterlassen. Sie entschieden sich am Ende für letzteres. Das Beispiel zeigt, dass Verschlüsselung und Anonymisierung nicht nur unsere Privatsphäre und wichtige Geschäftsgeheimnisse schützen. Sie sind auch elementare Werkzeuge gegen Zensur. <span id="more-69561"></span></p>
<h3>Russlands erfolgloser Wikipedia-Zensurversuch</h3>
<p class="big">Russland bemüht sich schon seit letztem Jahr verstärkt um die Kontrolle von <a class="liexternal" href="https://www.eff.org/deeplinks/2014/03/russia-blocks-access-major-independent-news-sites" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Informationsquellen im Internet</a>. Kürzlich geriet das <a class="liwikipedia" href="https://www.wikipedia.org/" target="_blank" rel="nofollow noopener noreferrer">Online-Lexikon Wikipedia</a> verstärkt ins Visier der <a class="liexternal" href="http://www.theguardian.com/world/2015/aug/25/russia-bans-wikipedia-drug-charas-https" target="_blank" rel="noopener noreferrer">russischen Zensoren</a>. Insbesondere eine Seite, die sich mit der Cannabis-Variante Charas befasst, war den Behörden ein Dorn im Auge.</p>
<p class="big">Wikipedia allerdings begann im Juni die Umstellung aller Verbindungen auf die Nutzung einer <a class="liexternal" href="https://blog.wikimedia.org/2015/06/12/securing-wikimedia-sites-with-https/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">https-Verschlüsselung</a>. Bei <a class="liwikipedia" href="https://en.wikipedia.org/wiki/HTTPS" target="_blank" rel="nofollow noopener noreferrer">https</a> handelt es sich um ein Protokoll zur sicheren Übertragung von Websites. Es findet seit Jahren bei Anwendungen wie Onlineshops und Online-Banking und zunehmend auch bei E-Mail-Providern, sozialen Netzwerken und News-Websites Verwendung.</p>
<p class="big">Das dem Internet zu Grunde liegende http-Protokoll wurde zu einer Zeit entwickelt, in der Sicherheit (aufgrund des beschränkten Zugriffs zu Netzwerk-Ressourcen) keine vorrangige Rolle spielte, technische Kapazitäten dafür aber äußerst knapp waren. Dementsprechend werden alle wichtigen Informationen im Klartext übertragen. Man muss noch nicht einmal selbst mit einem Tool wie <a class="liexternal" href="https://www.wireshark.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Wireshark</a> herumprobiert haben, um eine Ahnung zu haben, wie viele Informationen (über den Inhalt der Kommunikation ebenso wie über den Kommunikationspartner und ausgetauschte Informationen) sich über eine solche Verbindung mitlesen lassen. Da dies zunehmend zum Problem wurde, wurden zusätzliche Sicherheits-Werkzeuge, darunter https, entwickelt.</p>
<p class="big">Eine https-Verschlüsselung schützt dabei nicht nur die mit einer Website ausgetauschten Daten (wichtig beispielsweise beim Eingeben sensibler Informationen wie Passwörter und Bankdaten, aber auch beim Verfassen und Hochladen kontroverser Kommentare). Es verschleiert auch die genaue URL – “praktisch gesagt, alles nach dem Schrägstrich”, wie die <a class="liexternal" href="https://www.eff.org/deeplinks/2015/08/russias-wikipedia-ban-buckles-under-https-encryption" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Bürgerrechts-Organisation EFF</a> erklärt – vor mitlesenden Dritten. Somit hatten die russischen Behörden nicht mehr die Option, nur den beanstandeten Wikipedia-Artikel zu sperren. Sie hätten lediglich das gesamte Online-Lexikon für den Zugriff durch russische Nutzer sperren können. Das allerdings wagten sie nicht – und so blieb die Wikipedia auch für Nutzer in Russland frei verfügbar.</p>
<h3>Mit Verschlüsselung und Anonymisierung gegen Zensur</h3>
<p class="big">Verschlüsselung, das zeigt das jüngste Beispiel aus Russland, schützt nicht nur unsere Privatsphäre und unsere sensiblen Geschäftsgeheimnisse. Sie leistet auch einen unverzichtbaren Beitrag zur Meinungsfreiheit. Das zeigen auch weitere Beispiele – seien es mit <a class="liexternal" href="https://www.torproject.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Hilfe von Tor</a> anonymisierte Verbindungen für chinesische Dissidenten, entsprechend abgesicherte Messaging-Tools beim “arabischen Frühling” oder die Möglichkeit des anonymen, sicheren Whistleblowing über Plattformen wie <a class="liexternal" href="https://wikileaks.org/index.de.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">WikiLeaks</a>.</p>
<p class="big">Manche Skeptiker mögen argumentieren, dass es bei Fällen, wie dem der russischen Wikipedia besser sei, eine teilweise Zensur (bestimmter Websites) hinzunehmen, als es auf eine Sperrung des gesamten Inhalts ankommen zu lassen. Das Beispiel zeigt jedoch, dass die Behörden eine derart ungezielte Herangehensweise oftmals nicht riskieren. Und selbst wenn – eine komplette Sperrung ganzer Online-Angebote ist, wie die EFF erklärt “sichtbarer – sie [ermutigt] die Menschen in diesen Ländern, die Existenz von Zensur zur Kenntnis zu nehmen und sich über Technologien zur Umgehung von Zensur zu informieren und diese anzuwenden”, was die betreffenden Nutzer in vielen Fällen noch dazu vor staatlicher Überwachung schütze.</p>
<h3>(Auch) technische Lösungen gesucht</h3>
<p class="big">Die Entwicklung, Weiterentwicklung und Verbreitung von Verschlüsselungslösungen ist somit ein wichtiger, lobenswerter Beitrag zur Freiheit im 21. Jahrhundert. Natürlich ist staatliche Zensur (ebenso wie Überwachung und andere Formen von Rechtsverletzungen und Machtmissbrauch) kein ausschließlich oder auch nur primär technisches Problem. Sie ist vielmehr ein gesellschaftliches und politisches. Dennoch benötigen solche Probleme heutzutage (auch) technische Lösungen. Die Mächtigen wählen nur allzu oft digitale Waffen – und wer sich gegen ihre Exzesse zur Wehr setzen will, muss das auch tun. Glücklicherweise gibt es dazu Möglichkeiten. Nutzen wir sie und setzen wir uns für mehr Verschlüsselung ein.</p>
<p class="big">Dies ist ein Crosspost von netzpiloten.de. Der Artikel ist zuerst <a class="external" href="http://www.netzpiloten.de/verschluesselung-zensur-wikipedia-russland/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">dort</a> erschienen.</p>
<p class="big">Bild: <a href="https://www.flickr.com/photos/upim/5171679608/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Timo Heuer</a> <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/2.0/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">(CC BY-NC-SA 2.0)</a></p>
<div class="attribution-info">
<div id="yui_3_16_0_1_1441356758875_720" class="view follow-view clear-float photo-attribution"> <img decoding="async" src="http://i1.wp.com/politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz.png?resize=441%2C77" alt="http://i1.wp.com/politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz.png?resize=441%2C77" /></div>
</div>
<div id="yui_3_16_0_1_1441356758875_719" class="view attribution-view requiredToShowOnServer clear-float photo-attribution"></div>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.politik-digital.de/news/mit-verschluesselung-gegen-zensur-am-beispiel-der-russischen-wikipedia-146808/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>1</slash:comments>
		
		
			</item>
	</channel>
</rss>
