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	<title>Koalitionsvertrag &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Koalitionsvertrag &#8211; politik-digital</title>
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		<title>Das große Versprechen &#8211; Was wurde aus dem FSJ_digital?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Daniel Krüger]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 18 Jul 2017 09:07:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Digitale Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[FSJ-digital]]></category>
		<category><![CDATA[Koalitionsvertrag]]></category>
		<category><![CDATA[Digital Natives]]></category>
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					<description><![CDATA[Es war eine eher vage formulierte Vision des Koalitionsvertrages von 2013: Das FSJ_digital. Die Idee: Die “Digital Natives” geben im [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Unbenannt1.png"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignnone size-large wp-image-152829" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Unbenannt1-630x348.png" alt="Unbenannt" width="630" height="348" /></a>Es war eine eher vage formulierte Vision des Koalitionsvertrages von 2013: Das FSJ_digital. Die Idee: Die “Digital Natives” geben im Rahmen ihres Freiwilligen Sozialen Jahres ihre digitalen Medienkompetenzen an Andere weiter. Wir haben uns in Rheinland-Pfalz umgehört, was aus dem Modellprojekt wurde.</p>
<p>Wenn Marten Gerdnun über das FSJ_digital spricht, merkt man ihm die Begeisterung förmlich an. Der Pädagoge aus Flensburg wurde vor drei Jahren von seiner Heimat Flensburg aus in das rheinland-pfälzische Kulturbüro einberufen, um dort ein Mammutprojekt umzusetzen: das FSJ_digital. Was darunter genau zu verstehen ist? Das wusste damals keiner genau, lacht Gerdnun. Klar war nur: Die Bundesregierung hatte in ihrem <a href="http://www.focus.de/politik/deutschland/bundestagswahl-2013/der-koalitionsvertrag-im-wortlaut-4-4-digitale-agenda-fuer-deutschland_id_3437465.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Koalitionsvertrag 2013 </a>ein Modellprojekt geplant, bei dem die digitalen Kompetenzen junger Menschen im Rahmen des Freiwilligen Sozialen Jahres genutzt und an die entsprechenden Einsatzstellen weitergegeben werden sollten:</p>
<p><em>“&#8230;Wir befürworten ein „Modellprojekt Freiwilliges Soziales JahrDigital“, damit junge Menschen ihre technischen Fertigkeiten und Fähigkeiten im Umgang und in der Anwendung von neuen Medien in den Dienst von gemeinnützigen Einrichtungen stellen und diese bei der Umsetzung von digitalen Projekten und der Vermittlung von Medienkompetenz unterstützen…”</em></p>
<h3>Das FSJ als “Add-on”</h3>
<p>Zwei Bildungsträger erhielten den Zuschlag für das FSJ_digital: das Kulturbüro in Rheinland-Pfalz und das Rote Kreuz in Sachsen-Anhalt. Wie so häufig im Zusammenspiel von Politik und öffentlichen Trägern kam zwar das Geld, aber kein konkreter Plan. Und so bastelte Gerdnun, dessen zweite Leidenschaft schon immer die Medienproduktion war, mit einem kleinen Team unentwegt an einem zukunftsfähigen Konzept. Ihre Idee: Das FSJ-digital als Add-On. Die FSJler können sich auf der eigens eingerichteten Homepage mit einem selbst erdachten Projekt für ihre Einsatzstelle bewerben. Sie erhalten im Gegenzug dazu die notwendigen Materialien und werden in vom Kulturbüro organisierten Workshops und Seminaren geschult. Die Expertise der dort Unterrichtenden ist vielfältig, genauso wie die behandelten Themen: Vom richtigen Umgang mit sozialen Medien bis zur Videoproduktion ist alles dabei. Und: Die Lehrenden kommen aus verschiedenen Fachgebieten, haben nicht zwangsläufig einen pädagogischen Background.  Im Gegenzug zur klassischen Schulbildung bietet das deutlich mehr Möglichkeiten, denn die digitalen Kompetenzen von Lehrern sind aufgrund starrer Strukturen im deutschen Bildungssystem oftmals gar nicht bis wenig ausgereift.</p>
<div class="c33l info-box"><div class="subc"><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Marten-Gerdnun.jpg"><img decoding="async" class="alignnone  wp-image-152825" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Marten-Gerdnun-305x381.jpg" alt="Marten Gerdnun" width="162" height="203" /></a>Marten Gerdnun ist studierter Erziehungswissenschaftler und Medienpädagoge. Seit 2015 arbeitet er als Projektkoordinator und Medienbildungsreferent an dem Modellprojekt FSJ_digital. Das von Gerdnun für den Offenen Kanal Schleswig-Holstein konzipierte Projekt „Schüler-Medien-Lotse“ gewann 2016 die Google Impact Challenge in der Kategorie Lokale Projekte<i>.</i></div></div>
<h3>Riesiger Ansturm auf das Projekt</h3>
<p>Die FSJler hatten immer eine Menge Spaß, betont Gerdnun. Besonders die Gemeinschaft sei in den Digital-Seminaren immer ein großes Plus gewesen. Er agiert auch selbst als Ansprechpartner und hat ein sogenanntes “Sorgentelefon” eingerichtet. Wenn die Jugendlichen in ihrem Projekt Probleme haben, können sie das weitere Verfahren jederzeit mit Mitarbeitern des Kulturbüros absprechen. Von Anfang an sei das Interesse groß gewesen. So groß, dass sich mittlerweile über ein Dutzend anderer Träger von sozialen Einrichtungen bei Gerdnun gemeldet habe, um das FSJ_digital auch in ihren Einsatzstellen verwirklichen zu können. Das belegen auch die Zahlen: Während es im ersten Jahr bereits 49 Anträge gab, hat sich die Anzahl im zweiten Jahr mit rund 91 Anträgen fast verdoppelt.</p>
<p>Eine Aufgabe, die das Kulturbüro trotz aller Euphorie regelmäßig an ihre Grenzen bringt. Gerdnun setzt trotzdem darauf, dass die Politik durch das FSJ_digital ein Bewusstsein für die Bedeutung von Medienbildung entwickelt. Leider gebe es immer noch zu viel Konkurrenzdenken in öffentlichen Einrichtungen und wenig Platz für die Umsetzung wichtiger Projekte auf übergeordneter Ebene, meint der Pädagoge. Und: Ein FSJ_digital reiche bei Weitem nicht aus, um endlich den Digitalisierungs-Rückstand in Schulen und anderen öffentlichen Einrichtungen auszugleichen. Wo Hardware und Soft-Skills fehlen, wo Bürokratie und starre Strukturen den Fortschritt hemmen, ist der Einsatz junger Menschen und das Engagement einzelner Projektleiter wie Gerdnun oft nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.</p>
<figure id="attachment_152828" aria-describedby="caption-attachment-152828" style="width: 600px" class="wp-caption alignnone"><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/IMG_7801_Kulturbuero.jpg"><img decoding="async" class="size-full wp-image-152828" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/IMG_7801_Kulturbuero.jpg" alt="FSJler bei einem Digitalseminar des rheinland-pfälzischen Kulturbüros." width="600" height="400" /></a><figcaption id="caption-attachment-152828" class="wp-caption-text"><em>FSJler bei einem Digitalseminar des rheinland-pfälzischen Kulturbüros.</em></figcaption></figure>
<h3>Achtjährige iPhone-Besitzer und hoffnungsvolle Lehrer</h3>
<p>Dass der Digitalisierungs-Rückstand im öffentlichen Sektor nicht auf mangelndes Interesse der Einsatzstellen zurückzuführen ist, hat auch Mailin schnell bemerkt. Nach dem Fachabi entschied sie sich für ein FSJ an einer Grundschule in Koblenz. Hier wollte die 21-Jährige, die ein Lehramtsstudium anstrebt, eigentlich nur in das spätere Berufs-Umfeld “hineinschnuppern”. Stattdessen traf sie auf achtjährige iPhone-Besitzer und hoffnungsvolle Lehrer. Die Direktorin hatte vom FSJ_digital gehört und wollte unbedingt, dass ich dort ein Projekt anmelde, erzählt Mailin. An ihrer Schule hätte es außer gelegentlichem Computer-Unterricht quasi keinerlei Digitales gegeben. Keine technische Ausstattung, geschweige denn Know-How. Im Gegensatz dazu seien jedoch bereits die Drittklässler zum großen Teil mit Smartphones ausgestattet gewesen. Wenn die Glocke zum Schulschluss geläutet hat, haben dann alle sofort wie wild angefangen zu spielen, lacht die FSJlerin.</p>
<h3>Auch die Lehrer sind neugierig</h3>
<p>Die Eltern berufstätig, die Schule kaum medienkompetent. Als Mailin, die begeisterte Hobby-Photographin, ihren Antrag auf einen Fotokurs bewilligt bekommt, ist die Freude bei allen groß. Nicht nur die Kinder, auch die Lehrer sind neugierig. Einige kamen gleich zu mir und wollten die projektfinanzierten Geräte für den eigenen Unterricht ausleihen, berichtet Mailin. Sie bringt den Kindern nicht nur bei, wie schöne Bilder geschossen werden, sondern geht weit darüber hinaus: Im von Mailin erdachten Konzept des “Kameraführerscheins” lernen die Schüler auch spielerisch digitale Urheberrechte kennen und müssen die Bilder letztlich am PC bearbeiten und ausdrucken. Dass dies für die Kinder so schwierig zu erlernen ist, hatte die FSJlerin jedoch nicht erwartet. Doch bereits das Übertragen von JPEG-Dateien auf den Laptop sei eine riesige Hürde gewesen – und das unabhängig davon, ob die Kinder ein Smartphone besitzen oder nicht.</p>
<h3>Viel Smartphone, wenig Medienkompetenz</h3>
<p>Diese und andere Erfahrungen zeigen: Die “Digital Natives” werden viel zu häufig alleine gelassen. Die intuitive Bedienung erleichtert selbst für die Jüngsten den Einstieg in die Welt von Smartphone und Tablet. Weder Schule noch Eltern können jedoch derzeit an diesem Punkt Hilfestellung leisten, um den richtigen Umgang mit der Technik und jenen miteinander im Netz zu vermitteln. Der Einzug des Digitalen in die Lebenswelten der Jüngsten bleibt deshalb auf einer unvollständigen Ebene. Viele Kinder können nicht mal richtig lesen und schreiben, weiss Mailin zu berichten. Diese Ambivalenz habe sie des Öfteren gewaltig überrascht. Trotz vieler Schwierigkeiten sei ihr Projekt dennoch ein großer Erfolg gewesen. Auf der 125-jährigen Jubiläumsfeier der Schule erstellten die von Anfang an wissbegierigen Kinder dann mithilfe eines Programmes eigene Fotos der Teilnehmer im Comic-Format. Und auch die Direktorin war mehr als dankbar, dass durch das Engagement der 21-Jährigen in der Schule auch endlich digitale Inhalte eine Rolle spielten. Sie war sehr glücklich und hat sich innig bedankt, erinnert sich Mailin.</p>
<div class="c33l info-box"><div class="subc"><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/0-weu-d3-405fbe793b5aeb3a3bb6144467b3d9a1.jpg"><img decoding="async" class="alignnone  wp-image-152854" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/0-weu-d3-405fbe793b5aeb3a3bb6144467b3d9a1-305x458.jpg" alt="0-weu-d3-405fbe793b5aeb3a3bb6144467b3d9a1" width="149" height="224" /></a>Mailin Karaskiewicz aus Andernach, 21, kam durch Interesse am Lehrerberuf und über eine Kollegin von der Caritas zum FSJ_digital. Mit einem Fotoprojekt leistete sie einen großen Beitrag zur Digitalisierung ihrer Einsatzstelle, einer Grundschule in Koblenz<i>. Bild: Privat</i></div></div>
<h3>FSJler digitalisieren Institutionen</h3>
<p>Gerade deshalb hofft sie, dass Marten Gerdnun und sein Team irgendwann mit Sicherheit wissen, dass die Finanzierung weiterer Jahrgänge nicht ausbleibt. Denn besonders die Einsatzstellen profitieren massiv vom FSJ_digital. Die Freiwilligen helfen häufig entscheidend bei der Einrichtung von Webpräsenzen und Social-Media-Kanälen, vermitteln Jung und Alt wichtige Medienkompetenzen und ermöglichen sogar teilweise die technische Aufrüstung der jeweiligen Institution. Auch wenn diese Aufgabe eigentlich bei anderen läge. Zu oft, sagt Gerdnun, habe er das Gefühl, die Politik verstehe den Prozess der Digitalisierung lediglich als zusätzliches gesellschaftliches Entwicklungs-Konstrukt. Viel zu oft werde hier vergessen, dass es sich vielmehr um eine allumfassende Transformation handle, die alle Lebensbereiche betreffe. Deshalb ist es nach Gerdnuns Ansicht unbedingt notwendig, im gesamten Bildungsbereich tiefgreifende Veränderungen durchzusetzen.</p>
<h3>Freiwilliges Engagement trotz Mehraufwand</h3>
<p>Um die Politik von der Relevanz seines Konzeptes zu überzeugen, lässt Gerdnun seit Beginn des Projekts den Verlauf wissenschaftlich begleiten und evaluieren. Auf Fachkonferenzen stellt er Ergebnisse vor, kommt in Kontakt mit potentiellen Dozenten für Workshops und spricht immer wieder mit Vertretern der Kultusministerien. Dieses kraftraubende persönliche Engagement aller Beteiligten steht sinnbildlich für den Charakter des FSJ_digital: Keine digitale Revolution, aber der absolute Wille, trotz Mehraufwand und geringer Bezahlung im Freiwilligendienst einen Beitrag für die Zukunftsfähigkeit des sozialen Sektors zu leisten. Ein Einsatz, der sich auszahlt; mittlerweile hat Gerdnun die Zusage für ein weiteres Jahr erhalten. Das einzige Problem: Weil die Bewerbung ab nächstem Jahr planmäßig auch für FSJler in anderen Bundesländern offen sein soll, wird dann vermutlich eine Jury über Anträge entscheiden und aussortieren müssen. Denn Gerdnuns Team ist klein und der Andrang riesig.</p>
<p>Die Zukunft des FSJ_digital ist ungewiss. Vieles hängt auch von den parteipolitischen Entwicklungen der nächsten Jahre ab. Dennoch bleibt zu hoffen, dass der Versuch, den öffentlichen Bereich “von unten” zumindest ein Stück weit zu modernisieren, nicht ungehört bleibt. Denn ein paar Wenige können diesen immensen Transformationsprozess nicht alleine bewältigen. Dazu braucht es mehr. Mehr Kooperation, mehr Steuerung und vor allem: Mehr Mut.</p>
<p>Alle Bilder: Kulturbüro Rheinland-Pfalz</p>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img decoding="async" class="alignleft  wp-image-139428" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" alt="CC-Lizenz-630x1101" width="441" height="77" /></a></p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Thüringer Koalitionsvertrag: Meilenstein der Netzpolitik</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 20 Nov 2014 16:26:54 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Die neue Thüringische Landesregierung hat sich auf einen Koalitionsvertrag geeinigt, in dem sich das Kapitel zur Netzpolitik wie ein Wunschzettel [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/thueringen_640x280.png"><img decoding="async" class="alignleft size-large wp-image-143193" alt="thueringen_640x280" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/thueringen_640x280-630x275.png" width="630" height="275" /></a>Die neue Thüringische Landesregierung hat sich auf einen <a href="http://spdnet.sozi.info/thueringen/dl/Koa_gesamt_16_final_mit_Logos.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Koalitionsvertrag</a> geeinigt, in dem sich das Kapitel zur Netzpolitik wie ein Wunschzettel der netzpolitischen Szene liest. SPD, Linkspartei und Bündnis 90/Die Grünen gehen viele wichtige Themen an, die sie in dieser Legislaturperiode umsetzen wollen. Tobias Schwarz hat sich den Thüringer Koalitionsvertrag genauer angesehen.</p>
<h2>Selbstbestimmte Freiheit statt staatliche Überwachung</h2>
<p>&#8220;<em>Der Zugang zu digitalen Netzen und deren Inhalten gehört zur Daseinsvorsorge</em>&#8220;. Mit diesem Satz beginnt das netzpolitische Kapitel im Koalitionsvertrag der neuen Thüringischen Landesregierung. Es ist ein starker Satz, der den Gedanken unterstreicht, dass der Zugang zur digitalen Welt zugleich die Grundlage für die Demokratie und unsere Gesellschaft ist. Ohne Internet ist &#8220;<em>die Inanspruchnahme demokratischer Rechte und gesellschaftliche Teilhabe</em>&#8221; nicht möglich, schreiben die Parteien weiter. Folgerichtig ist auch ein Eingriff in diesen Bereich nicht duldbar, weshalb sich die neue Regierungskoalition &#8220;<em>gegen jegliche Zensurversuche im und Überwachung des Internets</em>&#8221; ausspricht. Der viel zitierte Grundsatz &#8220;Löschen statt Sperren&#8221; soll hier die leitende Idee sein.<br />
Das sind bekannte Gedanken, sie fanden sich so auch schon in den Wahlprogrammen der Parteien und teilweise in anderen Koalitionsverträgen, auch von der CDU, aber vor allem von der SPD und Bündnis 90/Die Grünen, in seiner klaren und unumstößlichen Formulierung beeindruckt dieser Koalitionsvertrag dann doch. Damit wird jeglichen &#8220;<em>Eingriffen in die informationelle Selbstbestimmung</em>&#8221; – zum Beispiel durch Überwachungsmethoden wie der Vorratsdatenspeicherung, Online-Durchsuchungen, Staatstrojanern und Deep-Packet-Inspection – ein klarer Riegel vorgeschoben. Dies soll einerseits durch einen Fokus auf Medienbildung geschafft werden, indem zum Beispiel über &#8220;<em>Datenschutz, informationellem Selbstschutz und Selbstbestimmung und vor unkontrollierter Profilbildung durch Big-Data-Algorithmen</em>&#8221; informiert wird, aber auch durch rechtliche und gerichtliche Möglichkeiten, um die informationelle Selbstbestimmung zu garantieren.</p>
<h2>Netzneutralität als Grundlage eines freien Netzes</h2>
<p>Grundlage des Internets als Lebensraum, wie es im Koalitionsvertrag steht, ist die Netzneutralität. Die drei Parteien sprechen sich gegen eine Einschränkung aus, &#8220;<em>Verstöße gegen die Netzneutralität sollen</em>&#8221; sanktioniert werden. Wie, möchte der Freistaat &#8220;<em>in Abstimmung mit der Bundesebene</em>&#8221; entwickeln. Zudem spricht sich die zukünftige Landesregierung für eine &#8220;<em>gesetzliche Fixierung der Netzneutralität</em>&#8221; aus, was als ein angestrebter Meilenstein bezeichnet werden kann. Eine interessante Idee ist auch, &#8220;<em>ob im Rahmen des Breitbandausbaus die Vergabe von Fördermitteln an die Wahrung der Netzneutralität geknüpft werden kann</em>&#8220;. Die Telekommunikationsunternehmen sehen Netzneutralität als eine romantische Forderung des Internet an, wie es Unitymedia-CEO <a href="https://twitter.com/LutzSchueler" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Lutz Schüler</a> gestern <a href="http://netzpilotenonthefly.de/post/103030867039/zeit-konferenz-digitale-transformation-der-wirtschaft" target="_blank" rel="noopener noreferrer">auf der gestrigen Zeit Konferenz formulierte</a> und sich positiv über Alexander Dobrindt äußerte. Rot-Rot-Grün in Thüringen wird für eine vollkommen andere Politik stehen.<br />
Beim Breitbandausbau soll nach dem Koalitionsvertrag durch eine Fortführung der &#8220;<a href="http://www.thueringen.de/imperia/md/content/tmwta/techologie/breitbandinitiative/breitbandstrategie_2013_final.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Breitbandstrategie Thüringen 2020</a>&#8221; fortgeführt werden, mit dem zeitnah der Breitbandausbau forciert und &#8220;<em>so die Aufbaugeschwindigkeit</em>&#8221; erhöht werden soll. Ein Bundesland wie Thüringen setzt hier natürlich vor allem auf den Ausbau im ländlichen Raum, weshalb die Kommunen eng mit dem Land zusammenarbeiten werden. Um den eingangs zitierten Satz auch umsetzen zu können, ist ein schnellstmöglicher Glasfaserausbau vorgesehen. Dazu sollen Mittel aus den Europäischen Fonds verstärkt eingesetzt werden. Und, ein weiterer Meilenstein nach der Netzneutralität, die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/St%C3%B6rerhaftung" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Störerhaftung</a> soll &#8220;<em>für die privaten und kommunalen Anbieter freier Netzzugänge</em>&#8221; abgeschafft und &#8220;<em>bürgerschaftliches Engagement im Bereich des Netzzugangs</em>&#8220;, wie zum Beispiel die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Freifunk" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Freifunk-Initiativen</a>, gefördert werden. Die Koalition wird ein Modellprojekt zum &#8220;<em>Kommunalen WLAN</em>&#8221; und &#8220;<em>WLAN im ÖPNV</em>&#8221; einrichten.</p>
<h2>Mehr Offenheit</h2>
<p>Ein weiterer Punkt im Koalitionsvertrag ist die E-Government-Strategie der Thüringer Behörden. Ziel ist es, dass &#8220;<em>alle Behördenangelegenheiten in Zukunft auch online erledigt werden können</em>&#8220;, zumindest soweit wie möglich. Der auch für die neue Landesregierung geltende Beschluss des Thüringischen Landtags, eine &#8220;<em>End-to-End-verschlüsselte-Kommunikation in allen Landesbehörden</em>&#8221; anzubieten, soll umgesetzt werden. Zusätzlich sollen die Kommunen dabei unterstützt werden, selber &#8220;<em>Angebote für die gesicherte Bürger-Behörden-Kommunikation vorzuhalten</em>&#8220;. Der Freistaat will sich außerdem an der bundesweiten Datenplattform <a href="https://www.govdata.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">GovData</a> beteiligen und &#8220;<em>die dort eingespeisten Daten mit offener Lizenz zur Verfügung stellen</em>&#8220;. Ein schönes Bekenntnis zu Open Data, durch das für die Bürger ein zentrales Informationsregister entsteht, in dem Daten leicht abgerufen werden können.<br />
Im letzten Abschnitt spricht sich die Landesregierung auch für Open Source und Open Access aus. Der Ausbau freier Software soll unterstützt und gefördert, das Forschungspotential der Thüringer Hochschulen genutzt (besonders Techniken zur Wahrung der informationellen Selbstbestimmung) und eine &#8220;<em>Aufnahme von FLOSS-Kriterien (<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Free/Libre_Open_Source_Software" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Free/Libre Open Source Software</a>) in die Vergabebestimmung geprüft werden</em>&#8220;.</p>
<h2>Meilenstein über Meilenstein</h2>
<p>In einem Koalitionsvertrag stehen stets einige schöne Vorhaben, wie zum Beispiel in diesem auch die Unterstützung von Gründern in Thüringen durch ein Mikrokreditprogramm und Gründerzentren. Aber dieser Koalitionsvertrag der ersten rot-rot-grünen Landesregierung in Deutschland lässt zumindest netzpolitisch kaum etwas offen. In Landeswahlprogrammen stehen oft noch Vorhaben zum Urheberrecht, kein reines Landesthema und sowieso bald auf der Tagesordnung der Europäischen Kommission. Man hätte sich vielleicht, ähnlich der Überlegung FLOSS-Kriterien in die Vergabebestimmung aufzunehmen, ein Bekenntnis zu unter Creative Commons lizenzierten Inhalten in Schulbüchern oder im Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk gewünscht.<br />
Mit den Punkten des Grundrechts auf Internet, der Ablehnung der Vorratsdatenspeicherung, einer gesetzlichen Verankerung der Netzneutralität und mehr Openness im Freistaat, wurden aber Meilensteine verabredet, deren Umsetzung mit Spannung verfolgt werden darf. Vor dem Hintergrund einer an Details armen Digitalen Agenda der Bundesregierung, was an dem angeblichen Neuland-Charakter der Thematik liegt, wirkt dieser Koalitionsvertrag wie ein Versprechen auf eine Netzpolitik, die diesem Namen auch gerecht wird. Ob diese neue Parteienkonstellation sich im Regierungsalltag mit all seinen Herausforderungen auf die allgemein wenig beachtete Netzpolitik ausreichend konzentrieren kann, wird sich zeigen.<br />
<em><strong>Anmerkung</strong>: Mir sei bitte die für Journalismus untypische Begeisterung für diesen Koalitionsvertrag gestattet, da ich zum ersten sehr an Netzpolitik interessiert bin und es sich zum anderen nur um einen Koalitionsvertrag handelt, der erst auch einmal so umgesetzt werden muss, wie er verabredet wurde.</em></p>
<hr />
<p>Bild: Wappen: „<a href="http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Coat_of_arms_of_Thuringia.svg#mediaviewer/File:Coat_of_arms_of_Thuringia.svg" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Coat of arms of Thuringia</a>“ lizenziert unter Public domain über Wikimedia Commons<br />
Dieser Artikel steht unter der Creative Commons Namensnennung 4.0 /<a href="https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/deed.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC BY 4.0</a>).</p>
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		<title>14. Berliner Hinterhofgespräch: Alles oder Nichts? – Die Digitale Agenda der Bundesregierung 2014-2017</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/themen/berliner-hinterhofgespraeche-themen/14-berliner-hinterhofgespraech-alles-oder-nichts-die-digitale-agenda-der-bundesregierung-2014-2017-141506/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 20 Aug 2014 14:05:14 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Tobias Schwarz]]></category>
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		<category><![CDATA[Koalitionsvertrag]]></category>
		<category><![CDATA[Tobias Wangermann]]></category>
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					<description><![CDATA[Die vom Kabinett abgesegnete Version des netzpolitischen Regierungsprogramms wurde am 20. August in einer Bundespressekonferenz vorgestellt. Enttäuschendes Fazit: Insgesamt scheint die [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/P1020225_mehr_kontrast-630x3541.jpg"><img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-139955" alt="P1020225_mehr_kontrast-630x354" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/P1020225_mehr_kontrast-630x3541.jpg" width="630" height="354" /></a>Die vom Kabinett abgesegnete Version des netzpolitischen Regierungsprogramms wurde am 20. August in einer Bundespressekonferenz vorgestellt. Enttäuschendes Fazit: Insgesamt scheint die Digitale Agenda 2014-2017 wenig von dem zu halten, was der Koalitonsvertrag einst versprochen hat. Zentrale Themen wie Open Data, Netzneutralität oder Urheberrecht werden kaum mehr behandelt. Die Schwerpunkte liegen nun auf der Datensicherheit für Unternehmen und dem Breitbandausbau. In unserem 14. Berliner Hinterhofgespräch haben wir über den netzpolitischen Fahrplan der Bundesregierung diskutiert und ihn bewertet.<br />
<iframe hcb-fetch-image-from="http://youtu.be/Pg083TlESvg" title="Alles oder Nichts? – Die Digitale Agenda der Bundesregierung 2014-2017" width="840" height="473" src="https://www.youtube.com/embed/Pg083TlESvg?feature=oembed&#038;width=840&#038;height=1000&#038;discover=1" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture" allowfullscreen></iframe><br />
Am <strong>Montag, den 25. August</strong>, haben wir im 14. Berliner Hinterhofgespräch verschiedene BeobachterInnen aus der Netzszene zu Wort kommen lassen und<strong> </strong>darüber gesprochen, welche Potenziale und Lücken die Digitale Agenda 2014-2017 birgt und worauf wir uns in den kommenden drei Jahren einstellen müssen.<br />
Unsere Diskussionsgäste im Google Hangout waren <strong>Lena-Sophie Müller</strong>, Geschäftsführerin der Initiative D21 e.V. <span style="color: #000000"><b>, </b></span>die zuständige Redakteurin für Netzpolitik beim Berliner Informationsdienst <strong>Aylin Ünal</strong> sowie <strong>Tobias Wangermann</strong>, Leiter der Stabstelle Beratungsmanagement in der Hauptabteilung &#8220;Politik und Beratung&#8221; bei der Konrad-Adenauer-Stiftung. Moderiert hat <strong>Tobias Schwarz</strong>, Projektleiter bei den <a href="http://www.netzpiloten.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Netzpiloten</a>, mit denen wir die Hinterhofgespräche gemeinsam durchführen.<br />
<a href="http://politik-digital.de/14-berliner-hinterhofgespraech-alles-oder-nichts-die-digitale-agenda-der-bundesregierung-2014-2017/poldihhg-2/" rel="attachment wp-att-141530"><img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-141530" alt="poldiHHg" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/poldiHHg1.jpg" width="565" height="184" /></a><br />
Porträts v.l.n.r. : Lena Sopie Müller: CC BY 4.0, A. Bedoy; Aylin Ünal; Tobias Wangermann: Konrad Adenauer Stiftung ; Tobias Schwarz<br />
Bild oben: politik-digital.de<br />
<a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png"><img decoding="async" class="alignnone  wp-image-139428" alt="CC-Lizenz-630x1101" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" width="441" height="77" /></a></p>
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		<title>„Der Koalitionsvertrag bietet genug Angriffspunkte.“ &#8211; Interview mit der stellvertretenden Piraten-Chefin Caro Mahn-Gauseweg</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 02 Jan 2014 10:40:38 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Bei der Bundestagswahl 2013 kamen die Piraten der Fünf-Prozent-Hürde nicht mal nahe, es reichte nur für 2,2 Prozent. Klar ist: [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/piratenpartei_3900757438_6ae57faca3_z.jpg"><img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-135805" alt="piratenpartei_3900757438_6ae57faca3_z" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/piratenpartei_3900757438_6ae57faca3_z.jpg" width="640" height="429" /></a><br />
Bei der Bundestagswahl 2013 kamen die Piraten der Fünf-Prozent-Hürde nicht mal nahe, es reichte nur für 2,2 Prozent. Klar ist: Themen gibt es für die Piraten genug. Im Interview mit politik-digital.de äußert sich die neue stellvertretende Vorsitzende, Caro Mahn-Gauseweg, zu Datenschutz, NSA-Überwachung – und dazu, was unfrei ist am geplanten Freihandelsabkommen TTIP.<br />
Kaum ist die Bundestagswahl mit ihren schlechten Ergebnissen für die Piratenpartei verdaut, steht im Mai 2014 die Europawahl bevor. Die rechtlichen Rahmenbedingungen sind günstig wie selten für die Piraten: Erst 2011 hatte das Bundesverfassungsgericht die <a href="http://www.zeit.de/politik/deutschland/2011-11/europawahl-parlament-sperrklausel" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Fünfprozenthürde gekippt</a>, um auch kleinen Parteien Chancengleichheit zu gewähren. Doch die Piratenpartei und andere Kleinparteien sind nun erneut vor das oberste deutsche Gericht gezogen und klagen gegen die erst im Juni 2013 eingeführte Dreiprozenthürde. Doch <a href="http://www.taz.de/!127848/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">einige Kommentatoren </a>sind sich gar nicht sicher, ob es die Partei in sechs Monaten noch geben wird. Ende November wurde zwar ein neuer <a href="http://www.piratenpartei.de/partei/bundesvorstand/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Bundesvorstand </a>gewählt, doch die Wahl ging in den Medien fast unter, zumal diesmal kein einziger prominenter Name dabei war.<br />
Der Bundesparteitag am 4. und 5. Januar in Bochum will u.a. Team und Programm für die bevorstehende Europawahl beschließen. Die neue stellvertretende Bundesvorsitzende <a href="http://www.piratenpartei.de/tag/caro-mahn-gauseweg/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Caro Mahn-Gauseweg</a> gibt sich im Interview kämpferisch.<br />
<i><strong>politik-digital.de:</strong> Der neue Parteivorsitzende Thorsten Wirth gab die Parole aus, dass Motivation das Gebot der Stunde sei. Wie wollen Sie eine Partei motivieren, die ihr Ziel – Einzug in den Bundestag – klar verfehlt hat?</i><br />
<strong><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/MahnGauseweg.jpg"><img decoding="async" class=" wp-image-135804 alignleft" alt="MahnGauseweg" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/MahnGauseweg-305x458.jpg" width="214" height="321" /></a>Caro Mahn-Gauseweg</strong>: Natürlich war das Wahlergebnis eine herbe Enttäuschung. Wir haben viel Energie und auch viele Hoffnungen in den Wahlkampf gesteckt. Das Scheitern war eine Kröte, an der wir schwer zu schlucken hatten.<br />
Allerdings haben wir uns 2006 ja nicht mit dem Ziel gegründet, sofort in Parlamente einzuziehen. Wir haben uns gegründet, weil wir gesehen haben, dass der Politikbetrieb, wie er bis dato existierte, die digitale Gesellschaft und die Innovationskraft und Eigendynamik des Internets nicht verstanden hatte. Unserer Lebenswirklichkeit, in der nicht mehr zwischen online und offline getrennt wird, drohten Einschränkungen, Verbote, Überwachung und Zensur. Diese Themen sind heute so aktuell wie 2006. Wir als Bundesvorstand müssen es schaffen, den Blick der Piraten wieder nach vorne zu richten; auf die bevorstehenden Wahlen und vor allem auf die politischen Konflikte, die sich um Netzpolitik in den kommenden Jahren noch ergeben werden. Der Koalitionsvertrag bietet genug Angriffspunkte.<br />
<i><strong>politik-digital.de:</strong> Mit welchen Themen soll sich die Piratenpartei unter Ihrer Leitung künftig profilieren?</i><br />
<strong>Caro Mahn-Gauseweg</strong>: Hinter allem, was wir tun, steht das Ideal eines Lebens in Selbstbestimmung und Freiheit. Der Staat, die Gesetzgebung, Technik &#8211; all das sind Instrumente, die uns dazu befähigen sollen. Sie sind die Mittel zum Zweck und kein Selbstzweck.<br />
Ganz aktuell steht vor diesem Hintergrund natürlich der Grundrechtsschutz. Der massenhafte Eingriff in die Privatsphäre durch &#8220;befreundete&#8221; Nachrichtendienste, die Untätigkeit der Bundesregierung in diesem Zusammenhang&#8230; Das ist ein großer Themenkomplex, dem wir uns in den kommenden Monaten intensiv widmen werden.<br />
<i><strong>politik-digital.de:</strong> An der Parteispitze der Piraten herrscht ein Kommen und Gehen. Katharina Nocun z. B. war nur ein halbes Jahr lang politische Geschäftsführerin, sie trat auf dem jüngsten Bundesparteitag nicht zur Wiederwahl an. Verschleißen die Piraten ihr Führungspersonal?</i><br />
<strong>Caro Mahn-Gauseweg</strong>: Wir haben aus strukturellen Gründen eine höhere Fluktuation als andere Parteien. Das ist korrekt. Das liegt hauptsächlich daran, dass unsere Vorstände ehrenamtlich arbeiten. In einem Ehrenamt eine Partei mit 30.000 Mitgliedern zu führen ist eben nicht immer, oder zumindest nicht dauerhaft, vereinbar mit der jeweiligen privaten Situation. Das ist aber ein Phänomen, das auch auf NGOs und andere Vereine zutrifft.<br />
Im Gegensatz zu anderen Parteien haben und wollen wir keine Lobbyspenden, weil das unserem Verständnis von politischer Unabhängigkeit widerspricht. Die Piratenpartei finanziert sich aus Mitgliedsbeiträgen und Kleinspenden, ergänzt um die staatliche Parteienfinanzierung. Für eine reguläre Bezahlung unserer Vorstände reicht das derzeit nicht.<br />
<i><strong>politik-digital.de:</strong> Was gefällt Ihnen aus netzpolitischer Sicht am jüngst vorgelegten Koalitionsvertrag zwischen CDU/CSU und SPD – und welche Punkte gehen überhaupt nicht?</i><br />
<div class="c33l info-box"><div class="subc"><strong>Caro Mahn-Gauseweg</strong> (Jg. 1981) ist seit Ende November 2013 neue <strong>stellvertretende Vorsitzende der Piratenpartei</strong>. Die Verkehrsingenieurin war Beisitzerin im Landesvorstand Sachsen; ihre Themenschwerpunkte liegen in der Verkehrs-, Außen- und Sicherheitspolitik. </div></div> <strong>Caro Mahn-Gauseweg</strong>: Inhaltlich ist lobenswert, dass dem Breitbandausbau mittlerweile zumindest symbolisch ein derart hoher Stellenwert eingeräumt wird, dass er sogar in einem Ressortnamen verankert wird. Auch, dass Problemfelder wie die Störerhaftung oder der Routerzwang als solche erkannt wurden, ist erfreulich. Danach beginnt die Lektüre des Koalitionsvertrags aber sehr schnell wirklich frustrierend zu werden.<br />
Die Koalitionsvereinbarung und mehr noch der Zuschnitt der Ministerien selbst verdeutlichen, dass die Bundesregierung die Komplexität und Vielschichtigkeit der Thematik nicht verstanden hat. Die wilde Zuteilung der Zuständigkeiten programmiert Kompetenzgerangel vor. Und sie zeigt, dass die Aspekte der Netzpolitik offenbar nur einzeln, nicht aber als Teiles eines nötigen Gesamtkonzeptes gesehen werden.<br />
Konkrete Kritikpunkte sind unter Anderem die Wiedereinführung der Vorratsdatenspeicherung, die Netzneutralität mit Hintertüren, der unverkennbare ACTA-Einfluss, der Mangel eines schlüssigen und vor allem handfesten Datenschutzkonzeptes und das vollkommene Fehlen einer Aussage zur militärischen Nutzung des Internets.<br />
<i><strong>politik-digital.de:</strong> Durch die Datenschutzgrundverordnung soll der Datenschutz EU-weit gestärkt werden. Aber wie lassen sich Daten schützen, die auf Servern außerhalb der EU gespeichert sind?</i><br />
<strong>Caro Mahn-Gauseweg</strong>: Der Grundrechtsschutz der Datenschutzgrundverordnung soll auch bei den Diensten greifen, die speziell für den europäischen Markt angeboten werden; unabhängig davon, wo die anbietenden Firmen ihre Hardware geparkt haben. Das ist ein revolutionärer Ansatz, der Verbraucherrechte deutlich stärkt. Durch die Verordnung soll ebenso ein Verbandsklagerecht eingeführt werden, das Verbänden erlaubt, stellvertretend für Nutzer den Rechtsweg beschreiten zu können.<br />
Im Moment bleibt uns allerdings kaum mehr als die Hoffnung, dass die Verordnung in diesen entscheidenden Punkten nicht weiter verwässert wird. Die bisherige Bundesregierung hat sich in den vergangenen Monaten in diesem Zusammenhang nicht gerade mit Ruhm bekleckert, sondern sich eher als Bremser hervorgetan<br />
<b> <i><strong>politik-digital.de:</strong></i> </b><i>Nach wie vor werden neue Details über die weltweiten Überwachungsmaßnahmen enthüllt. Die USA und Großbritannien machen kaum Anstalten, ihre Dienste an die Leine zu nehmen. Bleibt den Bürgern nur die digitale Selbstverteidigung, z. B. durch Verschlüsselung?</i><br />
<strong>Caro Mahn-Gauseweg</strong>: Vorerst ja. Die Bundesregierung hat bewiesen, dass ihr ein wirksamer Schutz der persönlichen Daten deutscher Staatsbürger weit weniger wichtig ist als eine reibungsarme transatlantische Zusammenarbeit. Zudem besteht gerade für die Dienstleistungen ausländischer Anbieter bisher keine datenschutzrechtliche Handhabe, die die Sicherheit der Daten und ein Verbot der Weitergabe regeln könnte.<br />
Nichtsdestotrotz haben die Europäische Union und die europäischen Regierungen durchaus Möglichkeiten, die Auswüchse der Überwachungstätigkeiten einzudämmen.<br />
Ein erster Schritt wäre ein wirksamer Schutz von Whistleblowern, beispielsweise durch politisches Asyl. Ein weiterer Schritt ist die konsequente Offenlegung aller bisher gesammelten Erkenntnisse über die Möglichkeiten, Quellen und Nutzer von Spähprogrammen wie PRISM, XKeyscore und Anderen. Internetznutzern muss eine Auswahl wirkungsvoller Software zur Verfügung gestellt werden, mit der er sich und seine Daten vor unberechtigtem Zugriff schützen kann.</p>
<blockquote><p>Und nicht zuletzt wird es Zeit, dass es endlich ein verbindliches internationales Abkommen über die Freiheit des Internets auf den Weg gebracht wird.</p></blockquote>
<p><i><strong>politik-digital.de:</strong> Warum ist es Ihrer Ansicht nach so vielen Bürgern egal, dass ihre Daten von Geheimdiensten gespeichert und ausgewertet werden?</i><br />
<strong>Caro Mahn-Gauseweg</strong>: Ich glaube nicht, dass es den Bürgern egal ist. Einigen ist die digitale Welt möglicherweise zu abstrakt, um ein umfassendes Verständnis für sie und ihre Mechanismen zu entwickeln. Einigen sind die beinahe grenzenlosen Möglichkeiten der Aggregation von Bewegungs-, Verbindungs-, Zahlungsdaten und anderen Informationen vielleicht nicht bewusst. Mehrheitlich glaube ich aber, dass die Betroffenen &#8211; also im Grunde wir alle &#8211; mit einem Gefühl der Machtlosigkeit auf die Machenschaften der Nachrichtendienste sehen. Uns sind die Hände faktisch gebunden. Tragischerweise verfällt die Bundesregierung, die als einziger Akteur im Land wirkungsvoll tätig werden könnte, angesichts der Monstrosität der Snowden-Enthüllungen in Lethargie, anstatt mutig voranzugehen und sich ihrer Aufgabe gemäß für den Schutz der eigenen Bürger einzusetzen.<br />
Mutige und einschneidende Reformen sind nötig; in Deutschland und Europa. Und eine starke außerparlamentarische Opposition kann durchaus ein Anstoß für die Bundesregierung zu sein, endlich tätig zu werden. Zumindest die Besetzung einiger Staatssekretärsposten gibt tatsächlich Anlass zu etwas Hoffnung.<br />
<i><strong><i><strong>politik-digital.de:</strong></i></strong></i><b> </b><i>Am 25. Mai 2014 ist in Deutschland Europawahl. Nach aktueller Gesetzeslage wird eine Dreiprozenthürde gelten. Ihre Partei will die Hürde fallen sehen und klagt deswegen vor dem Bundesverfassungsgericht. Rechnen die Piraten also nicht mehr damit, über die Stimmenzahl einer Kleinpartei hinauszukommen?</i><br />
<strong>Caro Mahn-Gauseweg</strong>: Der Kampf gegen die 3%-Hürde hat nichts mit der Angst vor zu wenigen Stimmen zu tun. Die Vielfalt in Parlamenten ist uns generell ein Anliegen.<br />
Das Bundesverfassungsgericht hat nicht umsonst geurteilt, dass die 5%-Sperrklausel auf EU-Ebene gegen die Grundsätze der Wahlrechtsgleichheit und Chancengleichheit der Parteien verstößt. Warum eine 3%-Sperrklausel nun grundgesetzkonform sein soll, erschließt sich mir nicht.<br />
Abseits der juristischen Argumentation sollten wir uns zudem eines vor Augen führen: Die Zeiten, in denen die politische Meinungsvielfalt durch wenige Volksparteien abgebildet wurde, sind vorbei. Dieser Realität sollte auch das Wahlrecht Rechnung tragen.<br />
<i><strong>politik-digital.de: </strong>Mit welchen Themen gehen die deutschen Piraten in den Europawahlkampf ?</i><br />
<strong>Caro Mahn-Gauseweg</strong>: Die europäische Idee liegt uns sehr am Herzen und wir sprechen uns nachdrücklich für eine stärkere europäische Integration aus. Das kann allerdings nur funktionieren, wenn die europäischen Institutionen stärker demokratisiert werden. Das europäische Parlament &#8211; mithin das einzige europäische Gremium, dessen Zusammensetzung durch die Europäer selbst bestimmt werden kann &#8211; hat nur wenige Einflussmöglichkeiten. Deswegen ist eine stärkere Demokratisierung der Entscheidungsprozesse innerhalb der EU eines unserer Anliegen. Größere Transparenz in der Arbeit der europäischen Institutionen und Gremien gehört aus unserer Sicht ebenso dazu wie stärkere Mitbestimmungsmöglichkeiten. Ein Thema, das bisher leider etwas außerhalb des öffentlichen Fokus steht, ist das Freihandelsabkommen TTIP. Dieser Vertrag gibt den USA ein umfassendes Mitsprache- und Vetorecht bei der europäischen Gesetzgebung. Auch der Einflussnahme von Konzernen wird Tür und Tor geöffnet. Die Verhandlungen dazu laufen zudem noch hinter verschlossenen Türen und damit unter Ausschluss derer ab, die von den Auswirkungen direkt betroffen sind. Ein solches Vorgehen seitens der EU, wie wir es auch schon von den ACTA-Verhandlungen kannten, werden wir mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln bekämpfen.</p>
<blockquote><p>Weitere große Themen sind der Kampf gegen Korruption, eine Reform des Urheberrechts und natürlich die Stärkung des Datenschutzes auf europäischer Ebene.</p></blockquote>
<p>Ich hoffe sehr, dass die Datenschutzgrundverordnung noch vor der Wahl durch das europäische Parlament verabschiedet wird, damit wir darauf aufbauen können. Sollte das nicht gelingen, ist das die erste große Baustelle der PIRATEN im neu gewählten Europaparlament.<br />
Fotos: <a href="http://www.flickr.com/photos/erwinrommel/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">tm-md</a> <a href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">(CC BY-NC-ND 2.0)</a> / saxnpresse Fotoarchiv <a href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><br />
</a></p>
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		<title>Die Kernpunkte des Koalitionsvertrags zur Netzpolitik</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Aylin Ünal]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 10 Dec 2013 11:41:06 +0000</pubDate>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="wpb-content-wrapper"><div data-parent="true" class="vc_row row-container" id="row-unique-0"><div class="row limit-width row-parent"><div class="wpb_row row-inner"><div class="wpb_column pos-top pos-center align_left column_parent col-lg-12 single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column text-lead" ><p>Noch nie war so viel Netzpolitik in einer Koalitionsvereinbarung enthalten. Doch welche Positionen haben sich in den Verhandlungen durchgesetzt? Wie groß war der Einfluss der verschiedenen Stakeholder? Welche Forderungen aus den Wahlprogrammen finden sich im Vertrag wieder? Und was bleibt zu tun? Unsere Gastautorin hat einen sehr nützlichen Überblick über die netzpolitischen Kernpunkte des Koalitionsvertrags erstellt.</p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p>Die Netzpolitiker aller Bundestagsfraktionen waren sehr ambitioniert in ihren Vorstellungen zur digitalen Zukunft Deutschlands, doch bis in den Koalitionsvertrag haben es längst nicht alle innovativen Ideen geschafft. Im Laufe der Koalitionsverhandlungen wurde deutlich, dass die Mitglieder der Arbeitsgruppen Justiz und Inneres ihre Themenschwerpunkte stärker durchsetzen konnten als die Unterarbeitsgruppe Digitale Agenda. Dennoch war noch nie so viel Netzpolitik in einer Koalitionsvereinbarung enthalten. Gleichzeitig lassen einige Formulierungen noch viel Raum für Interpretation, insbesondere Themen wie Netzinfrastrukturausbau, Datenschutz und das Urheberrecht digitaler Güter sind weiterhin drängende Themen auf der künftigen politischen Agenda.<br />
Um die Verhandlungsergebnisse der zukünftigen Großen Koalition besser einordnen zu können, ergänzen die <a href="http://www.polisphere.eu/BID-dossier-Koalitionsvertrag-Netzpolitik.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">„Kernpunkte des Koalitionsvertrages“</a> des <a href="http://www.polisphere.eu/bid/category/netzpolitik/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Berliner Informationsdienstes</a> die netzpolitischen Aussagen der Koalitionsvereinbarung um die Forderungen aus den Wahlprogrammen der beiden Koalitionspartner. Auf diese Weise lässt sich auf einen Blick erkennen, welche Positionen sich am Ende durchgesetzt haben. Auch die verschiedenen Stakeholder haben ihre Spuren im Koalitionsvertrag hinterlassen – durch die Zuordnung zu Themen des Koalitionsvertrages wird schnell ersichtlich, wie sich die Branchenverbände positionieren. Um auch den regulatorischen Rahmen zu erschließen, führt die Übersicht die – gescheiterten und erfolgreichen &#8211; Gesetzesinitiativen der letzten Legislatur auf, sodass die Ausgangslage der anstehenden Gesetzesprozesse deutlich wird. Mit einem Klick kommt man dadurch beispielsweise zu Referentenentwürfen oder dem Gesetzgebungsprozess.<br />
Der vorliegende Koalitionsvertrag setzt einen Rahmen für die digitale Agenda der nächsten vier Jahre, doch viele Details sind noch offen. Es bleibt also abzuwarten, wie die neue Bundesregierung den abgesteckten Gestaltungsspielraum nutzt, um die Digitalisierung in der Gesellschaft zu regulieren und zu fördern.<br />
Bild: <a href="http://www.flickr.com/photos/henrikpihl/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">hepsolo</a> <a href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">(CC BY-NC-ND 2.0)</a></p>
</div></div></div></div></div></div><script id="script-row-unique-0" data-row="script-row-unique-0" type="text/javascript" class="vc_controls">UNCODE.initRow(document.getElementById("row-unique-0"));</script></div></div></div><div data-parent="true" class="vc_row styleptrl--cc-module has-bg need-focus style-color-gyho-bg limit-width boxed-row row-container" id="row-unique-2"><div class="row unequal col-no-gutter single-top-padding single-bottom-padding single-h-padding row-parent"><div class="wpb_row row-inner"><div class="wpb_column pos-middle pos-center align_left column_parent col-lg-4 styleptrl--cc-module--col single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding  unradius-std" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column" ><p>Text: <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC-BY-SA 3.0</a></p>
</div></div></div></div></div></div><div class="wpb_column pos-middle pos-center align_right column_parent col-lg-8 styleptrl--cc-module--col single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column" ><p><img decoding="async" class="alignnone size-medium wp-image-159021" src="https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/05/CC-Lizenz-630x110111-305x53-1-300x52.png" alt="" width="300" height="52" srcset="https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/05/CC-Lizenz-630x110111-305x53-1-300x52.png 300w, https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/05/CC-Lizenz-630x110111-305x53-1.png 305w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>
</div></div></div></div></div></div><script id="script-row-unique-2" data-row="script-row-unique-2" type="text/javascript" class="vc_controls">UNCODE.initRow(document.getElementById("row-unique-2"));</script></div></div></div>
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		<title>Sex, Überwachung und der Koalitionsvertrag &#8211; Digitale Presseschau 48/2013</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Nicolas Morgenroth]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 29 Nov 2013 16:17:07 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Wie viel Netzpolitik steckt im Koalitionsvertrag der großen Volksparteien? Obwohl der Begriff kein einziges Mal vorkommt, sind digitale Themen so [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Wie viel Netzpolitik steckt im Koalitionsvertrag der großen Volksparteien? Obwohl der Begriff kein einziges Mal vorkommt, sind digitale Themen so präsent wie nie zuvor. Was sich hinter den vielen Formulierungen versteckt &#8211; und was nicht &#8211; ist seit einigen Tagen Gegenstand der Diskussion. Dass Antworten auf den Überwachungsskandal bitter nötig wären, verdeutlicht Digitalcourage e. V. mit einer Liste persönlicher Berichte von Betroffenen aus Deutschland, den USA und Großbritannien. Derweil thematisieren Filme, Studien, Blogs und sogar die NSA die Sexualität in Zeiten des allgegenwärtigen Internets und der andauernden Vernetzung. Schließlich wird in zwei Beiträgen an der Utopie der freien digitalen Gesellschaft gebaut.</p>
<h3>Video der Woche</h3>
<p><iframe hcb-fetch-image-from="http://www.youtube.com/watch?feature=player_detailpage&amp;v=ZfPAwgo8FTs&amp;start=340&amp;end=504" title="086: Künstliche Tiere, ein Wahlkampfanzug und gedrosselte Netze" width="840" height="473" src="https://www.youtube.com/embed/ZfPAwgo8FTs?feature=oembed&#038;width=840&#038;height=1000&#038;discover=1" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture" allowfullscreen></iframe><br />
Der Elektrische Reporter: &#8220;140 Sekunden&#8221; &#8211; @matthiasrichel: Politische Parteien tummeln sich in Wahlkampfzeiten zunehmend im Social Web.</p>
<h3></h3>
<h3><a href="https://digitalcourage.de/blog/2013/wer-nichts-zu-verbergen-hat" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Schwarze Schafe</a></h3>
<p>Sind wir nicht alle Schafe einer globalen Herde, deren väterlicher Schäfer uns vor uns selbst schützen muss? Hat Überwachung nicht nur für Kriminelle und Terroristen negative Konsequenzen, während wir anderen Unschuldslämmer keine Angst mehr vor Wölfen haben müssen? Um das zu widerlegen, hat Digitalcourage e. V. eine kleine Liste von Berichten über Menschen zusammengestellt, die ganz konkret die Folgen staatlicher Überwachung zu spüren bekommen haben. Darunter sind in Deutschland ein kritischer Sozialwissenschaftler, eine Journalistin und ein vom Verfassungsschutz beobachteter Islam-Experte. Hinzu kommen Berichte von Journalisten, Musikern und Touristen, denen die Einreise in die USA verweigert wurde, sowie von einem britischen Ehepaar, das die falschen Begriffe bei Google suchte.</p>
<h3><a href="http://netzwertig.com/2013/11/26/killer-applikation-des-internets-die-pornoflut-und-ihre-auswirkungen/#more-31309" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Sexualität und Internet</a></h3>
<p>Ein Großteil des Datenverkehrs im Internet fällt auf pornographische Inhalte. Damit haben ziemlich viele Leute etwas zu verbergen, <a href="https://netzpolitik.org/2013/nsa-untersucht-online-porno-konsum-um-zielpersonen-zu-diskreditieren/#more-59195" target="_blank" rel="noopener noreferrer">findet zumindest die NSA</a>, die mit Informationen über Sexualität und den Konsum von Pornographie „Radikalisierer“ verunglimpfen will. Spannender ist aber die Frage, ob neue Kommunikationstechniken unsere Sexualität verändern? Ja, meint Alexander Lohninger auf <a href="http://netzwertig.com/2013/11/26/killer-applikation-des-internets-die-pornoflut-und-ihre-auswirkungen/#more-31309" target="_blank" rel="noopener noreferrer">netzwertig.com</a> und warnt davor, dass die Darstellung von Sex und Geschlechterbildern in Pornovideos Einfluss auf das reale Sexleben vieler Menschen habe. Zudem geben <a href="http://www.theguardian.com/commentisfree/2013/nov/26/smartphones-bonking-crisis-british-less-sex-technology" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Studien</a> zu bedenken, dass die Verwischung von Privatleben, Arbeit und Öffentlichkeit Sexualität und Beziehungen verändere. In Großbritannien führen Forscher einen starken Rückgang der sexuellen Aktivität auch auf die Allgegenwärtigkeit von Smartphones und Laptops zurück. Diese Themen sollten offen diskutiert werden, meint Lohninger. Popkulturell haben eine <a href="http://blog.zdf.de/hyperland/2013/11/luxuria-superbia-liebe-dein-tablet/#more-13873" target="_blank" rel="noopener noreferrer">App</a>, die Sex mit dem geliebten Gadget ermöglichen soll, und Hollywood &#8211; mit Filmen wie <a href="http://www.youtube.com/watch?v=24cjqfVv1fs&amp;hd=1" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Shame</a>, <a href="http://www.youtube.com/watch?v=bcGO_oAahV8&amp;hd=1" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Don Jon</a> oder <a href="http://www.youtube.com/watch?v=WzV6mXIOVl4&amp;hd=1" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Her</a> &#8211; bereits den Anfang gemacht.</p>
<h3><a href="http://www.boell.de/de/2013/11/28/der-digitale-aufbruch-kommt-nicht" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Hätte schlimmer kommen können</a></h3>
<p>Der Koalitionsvertrag steht und obwohl kein einziges Mal der Begriff „Netzpolitik“ darin vorkommt, sind digitale Themen so präsent wie nie zuvor. Dennoch sieht Malte Spitz in seinem Artikel für die Heinrich-Böll-Stiftung den Vertragsentwurf aus netzpolitischer Sicht kritisch. Dies liege vor allem an drei Punkten: Vorratsdatenspeicherung, <a href="http://www.neunetz.com/2013/11/27/koalitionsvertrag-keine-netzneutralitat-aber-neutralitat-bei-suchergebnissen/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Netzneutralität</a> und <a href="https://netzpolitik.org/2013/urheberrecht-im-koalitionsvertrag-bedrohungen-lichtblicke-und-auslassungen/#more-59296" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Urheberrecht</a>. Annette Mühlberg von ver.di fasste ihre Kritik im <a href="http://politik-digital.de/9-berliner-hinterhofgespraech-wunschliste-an-die-neue-regierung-welche-netzpolitik-brauchen-wir/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Hangout mit politik-digital.de</a> mit der Feststellung zusammen, dass Netzpolitik im Vertrag als Wirtschaftspolitik behandelt würde. Jedoch selbst unter diesem Aspekt sieht Thomas Knüwer auf <a href="http://www.intmag.de/2013/11/koalitionsvertrag/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">intmag.de</a> den Vertrag als verfehlt, denn die Förderung der digitalen Wirtschaft würde Sicherheitsinteressen untergeordnet. Immerhin, so resümiert Spitz, „es hätte durchaus schlimmer kommen können“.</p>
<h3><a href="http://www.stefan-niggemeier.de/blog/mir-liegt-der-177-seitige-entwurf-des-koalitionsvertrages-vor-und-ihnen-auch/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">&#8230;liegt der Öffentlichkeit exklusiv vor</a></h3>
<p>Die unter Ausschluss der Öffentlichkeit abgehaltenen Koalitionsverhandlungen wurden von einem ständigen Fluss von Arbeitspapieren an die Öffentlichkeit begleitet. Mit der exklusiven Verwendung dieser Dokumente durch die großen Medien sei es nun aber vorbei, hofft Stefan Niggemeier auf seinem Blog. Seit Malte Spitz diese Exklusivität sinnlos machte, indem er den ersten Entwurf des Koalitionsvertrags einfach als pdf online stellte, folgten auch große Online-Medien diesem Beispiel. Dies sei, <a href="http://malte-spitz.de/2013/11/27/eine-neue-offenheit/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">so Spitz auf seinem Blog</a>, eine neue Art von Journalismus, die den Lesern Quellen zur Verfügung stelle und sie damit mündiger mache.</p>
<h3><a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/lehren-aus-dem-nsa-skandal-der-bauplan-fuer-ein-sicheres-internet-12680524.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Dezentral &amp; Open Source bitte</a></h3>
<p>Weder eine Nationalisierung der Netzinfrastruktur, noch ein zentrales europäisches IT-Großprojekt seien adäquate Antworten auf die NSA und das digitale Zeitalter. So argumentiert zumindest Felix von Leitner auf faz.net und fordert den dezentralen Aufbau einer europäischen Open-Source-Infrastruktur, den viele kleine Unternehmen vorantreiben sollten. Durch die Spezifikation einheitlicher Schnittstellen würde dieser die IT-Wirtschaft fördern und Monopolen entgegenwirken, die anfälliger für Überwachung seien. Schließlich sei so auch das Internet entstanden. Dass dies im Netzausbau tatsächlich der bessere Ansatz sein könnte, belegt auch eine <a href="http://www.fr-online.de/wirtschaft/wettbewerb-auf-telekommunikations-markt-telekom-konkurrenz-ruestet-auf,1472780,25445734.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Studie</a> des Wissenschaftlichen Instituts für Infrastruktur und Kommunikationsdienste.</p>
<h3><a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/mehr-transparenz-was-wir-von-suchmaschinen-wissen-wollen-a-900326.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Liebe Suchmaschinen</a></h3>
<p>Suchmaschinen wie Google sind der primäre Zugang zur vernetzten Öffentlichkeit, werden jedoch von privaten Konzernen betrieben. Damit sie ihre Macht weniger ausnutzen können, fordert die Große Koalition von Ihnen „Neutralität“ gegenüber allen Angeboten. Das widerspreche jedoch der Aufgabe von Suchmaschinen, meint Jürgen Geuter, da sie ja gerade diejenigen Ergebnisse filtern sollten, welche die NutzerInnen interessiere. Eine andere Möglichkeit wäre die Offenlegung der verwendeten Algorithmen. Diese öffne jedoch Tür und Tor für Manipulation seitens der Anbieter. Darum hat Geuter auf Spiegel Online einen Katalog von fünf Forderungen an Suchmaschinenbetreiber erstellt, der es NutzerInnen ermöglichen soll, Suchergebnisse kritisch zu hinterfragen.<br />
&nbsp;<br />
<a href="http://politik-digital.de/4-berliner-hinterhofgespraech-ist-digital-besser-demokratie-und-buergerbeteiligung-im-netz/cc-lizenz-630x110/" rel="attachment wp-att-130752"><img decoding="async" alt="CC-Lizenz-630x110" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x1101.png" width="407" height="71" /></a></p>
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		<title>Niedersachsen: Netzpolitik-Check des rot-grünen Koalitionsvertrags</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/niedersachsen-netzpolitik-check-des-rot-gruenen-koalitionsvertrags-126879/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 14 Feb 2013 14:27:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Koalitionsvertrag]]></category>
		<category><![CDATA[Netzpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Landtagswahl Niedersachsen]]></category>
		<category><![CDATA[rot-grün]]></category>
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					<description><![CDATA[Nach der gewonnenen Wahl in Niedersachsen haben sich SPD und Bündnis&#8217;90/Die Grünen auf einen gemeinsamen Koalitionsvertrag geeinigt, der am Wochenende [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/niedersachsen-netzpolitik-check-des-rot-gruenen-koalitionsvertrags/koalitionsvertrag/" rel="attachment wp-att-126883"><img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-126883" alt="Koalitionsvertrag" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Koalitionsvertrag.png" width="609" height="342" /></a>Nach der gewonnenen Wahl in Niedersachsen haben sich SPD und Bündnis&#8217;90/Die Grünen auf einen gemeinsamen Koalitionsvertrag geeinigt, der am Wochenende von den Mitgliedern der Parteien noch beschlossen werden muss. Vor der Landtagswahl habe ich mir für politik-digital.de die netzpolitischen Vorhaben in den Wahlprogrammen aller Parteien angeschaut, auch von den beiden neuen Regierungsparteien <a href="http://politik-digital.de/spd-niedersachsen-netzpolitik-ist-moderne-gesellschaftspolitik/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">SPD</a>  und <a href="http://politik-digital.de/buendnis90die-gruenen-niedersachsen-schnelles-und-freies-internet-fuer-alle/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Bündnis’90/ Die Grünen</a>. Jetzt schaue ich, welche dieser Vorhaben den Weg in den Koalitionsvertrag gefunden haben.</p>
<h3><b>Schnelles Internet für alle?</b></h3>
<p>Für alle Parteien war der Breitbandausbau und die Förderung der Internet- und Kreativwirtschaft von entscheidender Bedeutung für die Zukunft des Landes Niedersachsen. Die SPD setzte sich für ″die landesweite Grundversorgung mit schnellem Internet als Bestandteil der öffentlichen Daseinsvorsorge″ ein, um ″gesellschaftliche Teilhabe″ durch ″flächendeckende Grundversorgung mit schnellen breitbandigen Internetverbindungen″ zu ermöglichen. Ein Kompetenzzentrum sollte Kommunen, Stadtwerke sowie Vertreter_innen von Wirtschaft und Gesellschaft miteinander zum Thema Breitbandausbau verbinden. Alternativ dachten die Sozialdemokrat_innen an die Anwendung einer Universalverpflichtung, um ähnlich wie beim Telefonnetz den Zugang zu einem freien Internet ohne eine Form der Diskriminierung als ein Mindestangebot an Diensten für die Öffentlichkeit zu ermöglichen.<br />
Die niedersächsischen Bündnisgrünen setzten sich ebenfalls für den Breitbandausbau als Voraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe ein. Das Besondere am grünen Wahlprogramm war die Nennung von zivilgesellschaftlichen Engagement – etwa bei Projekten, die private Internetzugänge per WLAN der Allgemeinheit zugänglich machen und damit einen wichtigen Beitrag zur flächendeckenden Verfügbarkeit des Internets leisten sollen. Für derartige Projekte ist aber eine Gesetzesänderung zur Störerhaftung notwendig, damit im öffentlichen Raum frei verfügbare lokale Netze allen Bürger_innen einen Zugang zum Internet eröffnen.<br />
Beide Vorhaben haben es in den Koalitionsvertrag geschafft. Die rot-grüne Koalition wird sich für eine flächendeckende Grundversorgung mit schnellen breitbandigen Internetverbindungen einsetzen und drängt darauf, diese durch Universalverpflichtung abzusichern. Im Wahlprogramm hatte die SPD noch als Ziel eine Bandbreite von 100 Mbit/s genannt, wie es die ″Digitalen Agenda″ der Europäischen Kommission bis 2020 für die Hälfte der Bevölkerung fordert, im Koalitionsvertrag wird keine genaue Zielvorgabe genannt. Das von der SPD geplante Breitband-Kompetenzzentrum mit Kommunen, Stadtwerken sowie Wirtschaft und Gesellschaft wird ebenfalls kommen und eine gemeinsame Strategie für den flächendeckenden Breitbandausbau erarbeitet und umgesetzt. Die neue Landesregierung hat sich vorgenommen, die Initiativen der Länder Hamburg, Berlin und des Bundestages, das Haftungsrisiko für WLAN-Betreiber zu beschränken, zu übernehmen.</p>
<h3> <b>Transparenz, Offenheit und Teilhabe?</b></h3>
<p>Die SPD und die Grünen versprachen einen informatorischen Kulturwandel in Niedersachsen. Kern dieser Bemühungen sollte ein Informationsfreiheitsgesetz werden, dass die wachsende Informationsmacht der Behörden für die Bürger_innen nutzbar macht. Die Grünen setzten sich dafür ein, dass ein Register über sämtliche vorhandenen Daten (in maschinenlesbarer und barrierefreier Form) veröffentlicht wird. Daten von allgemeinem Interesse sollen die Behörden von sich aus veröffentlichen (Open Data). Beide Parteien versprachen sich davon, dass durch die Veröffentlichung staatlicher Daten das Verwaltungshandeln transparenter wird. Eine moderne E-Government-Strategie sollte Transparenz, Bürgernähe und Partizipation in den Mittelpunkt des Regierungshandels stellen.<br />
Durch die thematische Nähe der Positionen beider Parteien werden diese Forderungen laut Koalitionsvertrag auch ohne Abstriche umgesetzt. Die rot-grüne Koalition will mit allen maßgeblichen Akteuren ein Konzept zur Stärkung von Öffentlichkeit und Transparenz entwickeln, ähnlich wie es in Hamburg geschah. SPD und Grüne verständigten sich auch auch auf eine umfassende Open-Data-Strategie, die staatliche Stellen dazu verpflichtet, ″alle relevanten Informationen digital in einem Transparenzregister zu veröffentlichen. Nur in begründeten Ausnahmefällen – so zum Schutz von personenbezogenen Daten oder zum Schutz öffentlicher Belange – soll der Informationszugang im Einzelfall verwehrt bleiben″.<br />
Durch den verstärkten Einsatz von Freier Software und Open Source wollten die Grünen die monopolartige Marktmacht einzelner Unternehmen verringern, Lizenzkosten in Millionenhöhe zu vermeiden und lokale Software-Unternehmen unterstützen. Die neue Regierung plant, den weitgehenden Einsatz von Freier Software und Open Source in allen Behörden und Bildungseinrichtungen fördern. Darüber hinaus will sie prüfen, wie dort der Einsatz von Tablets und Laptops zu verstärken ist.</p>
<h3><b>Bildung 2.0 – unklar wie es weitergehen soll</b></h3>
<p>Im Wahlprogramm versprachen beide Parteien eine Reform der pädagogischen Ausbildung von Lehrer_innen. Medienpolitische Inhalte sollten fester Bestandteil der Ausbildung werden, damit Kinder auch fachgerecht unterrichtet und die Möglichkeiten digitalisierter Lernmaterialien ausgeschöpft werden. Die SPD sprach sich hier für den Einsatz von analogen wie auch digitalen Lernmaterialien aus, ″die als offene Lizenzen von Lehrerinnen und Lehrern sowie Schülerinnen und Schülern genutzt werden können″. Diese Forderung basierte darauf, dass durch den Einsatz offener und freier Lizenzen restriktive Regelungen des Urheberrechts ohne eine Gesetzesreform heute schon umgangen werden können.<br />
Im Koalitionsvertrag finden sich dazu leider nur die recht inhaltsleeren Punkte ″Einsatz von Freier Software und Open Source in allen (&#8230;) Bildungseinrichtungen″, ″eine moderne Lehrerbildung in Niedersachsen″ und ″sich für ein faires und zeitgemäßes Urheberrecht einsetzen (…), dass bildungs- und wissenschaftsfreundlich″ ist. Das ist verglichen mit den Wahlprogrammen und der Dringlichkeit einer Modernisierung des Bildungssystem etwas wenig. Es ist unklar, welche Partei hier für so verallgemeinerte und unkonkrete Punkte eintrat, denn vor den Wahlen zeigten beide noch mehr Kompetenz und Tatendrang, die niedersächsische Bildungslandschaft ins 21. Jahrhundert zu führen.</p>
<h3><b>Stärkung der Bürgerrechte</b></h3>
<p>Die abgelöste schwarz-gelbe Landesregierung setze sich in der Vergangenheit besonders für mehr Videoüberwachung ein und machte das Thema relevant für den Wahlkampf. Alle großen Oppositionsparteien sprachen sich dagegen aus und so verspricht die neue Koalition, dass die Videoüberwachung eingeschränkt wird. Für die verbleibenden Überwachungsanlagen wird ein öffentlich einsehbares ″Anlagenkataster″ geschaffen und die anlasslose Überwachungen von Großveranstaltungen erheblich eingeschränkt. Ebenfalls neu ist, dass jede Überwachung kenntlich gemacht werden soll.<br />
Den umstrittenen Einsatz von Drohnen als technisches Mittel zur Anfertigung von Bild- und Tonaufnahmen bei Veranstaltungen oder Ansammlungen im Rahmen von polizeilichen Maßnahmen lehnen SPD und Grüne generell ab. Der Einsatz von Drohnen soll verboten werden, lediglich bei der Verfolgung von schweren Straftaten wie Geiselnahmen, Entführung mit erpresserischem Menschenraub oder bei der Verfolgung nach einem Bankraub soll die Verwendung von Drohnen im Einzelfall gestattet sein. Die besonders von der niedersächsischen Polizei betriebene Fahndung und Ermittlung in sozialen Netzwerken werden datenschutzrechtlich überprüft und dafür eine gesetzliche Grundlage geschaffen.<br />
Auf Bundesebene werden sich die niedersächsische SPD und Grüne für ein Exportverbot von Soft- und Hardware einsetzen, die zur Überwachung und Vorbereitung von Repressionsmaßnahmen in Diktaturen genutzt werden kann und in Deutschland nicht verwendet werden darf. Beide Landesverbände lehnen alle Varianten der Vorratsdatenspeicherung ab und werden sich auf Europa- und Bundesebene, im Bundesrat und in der Innenministerkonferenz dagegen einsetzen. Auch die heimliche Onlinedurchsuchung von Computern wird als massiver Eingriff in die Grundrechte abgelehnt.</p>
<h3><b>Moderner Datenschutz für Niedersachsen</b></h3>
<p>Die Grundlagen politischer Entscheidungen und Debatten sind häufig statistische Daten und Fakten. Diese sollen in Zukunft unabhängig erhoben, analysiert und bewertet werden. Deshalb wird die rot-grüne Landesregierung die Landesstatistik in ein eigenständiges ″Landesamt für Statistik″ überführen und im niedersächsischen Statistikgesetz die grundlegenden Aufgaben und Normen der Statistik sowie die parlamentarische Kontrolle verankern. Im Bundesrat werden sich beide Parteien für einen weitergehenden Datenschutz für Beschäftigte und für einen hohen datenschutzrechtlichen Standard auch auf der EU-Ebene einsetzen.<br />
Ein neues Landesdatenschutzgesetz, wie zuvor gefordert, soll einen unabhängigen, bürgernahen und effizienten Datenschutz verwirklichen. Das Personal der Landesbehörde für den Datenschutz, der Polizei, der Staatsanwaltschaften und der Gerichte wird dafür besser geschult und mit besserer technischer Ausstattung ausgerüstet werden.</p>
<h3><b>Fazit</b></h3>
<p>Aus netzpolitischer Sicht hält dieser Koalitionsvertrag, was zuvor versprochen wurde. Wie die Vereinbarungen nun umgesetzt werden, muss weiter kritisch begleitet werden, aber SPD und Grüne haben einen Vertrag beschlossen, der sich stark an den Wahlprogrammen der beiden Parteien orientiert. Die Ablehnung eines Leistungsschutzrechts und eine festgeschriebene Staatsferne im öffentlich-rechtlichen Rundfunk sind kleine Glanzlichter.<br />
Zu kritisieren bleibt, dass bei einer Reform des Urheberrechts und besonders bei der Bildung, die den Grundstein für den Umgang mit dem digitalen Wandel legt, viele gute und konkrete Ideen aus den Wahlprogrammen nicht im Koalitionsvertrag vorkommen. Dieses Thema ist aber zu wichtig für zu allgemeine Forderungen und Versprechen. Es bleibt zu hoffen, dass die Arbeit der Ministerien fortschrittlicher sein wird.<br />
<em>Disclosure: Der Autor ist neben seiner Tätigkeit als Blogger und Journalist auch Sprecher der Landesarbeitsgemeinschaft Netzpolitik von Bündnis 90/Die Grünen Berlin.</em><br />
<a href="http://politik-digital.de/internationale-datenschutzkonferenz-von-paragrafenreitern-und-versaeumnissen/cc-lizens/" rel="attachment wp-att-121978"><img decoding="async" class="alignleft size-medium wp-image-121978" alt="CC-BY-SA-Lizenz" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizens-305x53.png" width="305" height="53" /></a></p>
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		<title>Björn Böhning: &#8220;Netzpolitik hat für Berlin eine besondere Bedeutung&#8221;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Frank Vaccaro]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 18 Nov 2011 17:04:08 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Berlin]]></category>
		<category><![CDATA[SPD]]></category>
		<category><![CDATA[CDU]]></category>
		<category><![CDATA[Koalitionsvertrag]]></category>
		<category><![CDATA[Netzpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Netzneutralität]]></category>
		<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[Open Data]]></category>
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					<description><![CDATA[Am Mittwoch wurde die rot-schwarze Koalitionsvereinbarung für Berlin veröffentlicht. Der Coup: Ein eigenes Netzpolitik-Ressort wurde verabredet. politik-digital.de hat dazu SPD-Netzpolitiker [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/bjoern-boehning-netzpolitik-hat-fuer-berlin-eine-besondere-bedeutung/bjoern_boehning/" rel="attachment wp-att-11801"><img decoding="async" class="size-full wp-image-11801 alignleft" title="Bjoern Böhning" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/bjoern_boehning.jpg" alt="" width="285" height="195" /></a>Am Mittwoch wurde die rot-schwarze Koalitionsvereinbarung für Berlin veröffentlicht. Der Coup: Ein eigenes Netzpolitik-Ressort wurde verabredet. politik-digital.de hat dazu SPD-Netzpolitiker und &#8211; Bundesvorstand Björn Böhning befragt.</p>
<p>Die Netzöffentlichkeit jubelt über das Kapitel „Fortschrittliche Netzpolitik“, das ein eigenes Ressort, mehr Open-Data und die Sicherung der Netzneutralität verspricht. Dennoch bleiben viele Punkte in der Koalitionsvereinbarung vage. politik-digital.de fragte bei dem Berliner SPD-Netzpolitiker Björn Böhning nach, der auch Mitglied des Bundesvorstands der Sozialdemokraten ist.</p>
<p><strong>Von wem ging die Initiative für ein eigenes Ressort Netzpolitik aus?</strong></p>
<p>Die Initiative ging von der SPD aus. Ein eigenes Ressort, eine eigene Verwaltung ist dafür sicherlich nicht vorgesehen, aber das wird jetzt zwischen den Koalitionsparteien im Detail geklärt werden.</p>
<p><strong>War die Entscheidung eine Reaktion auf den Erfolg der Piratenpartei?</strong></p>
<p>Nein, die Vorbereitung der Vereinbarung und die inhaltlichen Vorarbeiten dafür sind bei der SPD schon im Wahlprogramm geklärt worden. Das war im März und da haben wir die Inhalte schon so festgelegt.</p>
<p><strong>Welche Bedeutung misst die Berliner SPD dem Thema Netzpolitik mit dieser Maßnahme zu?</strong></p>
<p>Das Thema Netzpolitik hat für Berlin eine besondere Bedeutung. Berlin ist schon heute zu einer zentralen Stadt für IT und digitale Gesellschaft in Deutschland geworden. Für die Berliner SPD ist entscheidend, dass wir hier weitere Schritte vorankommen in Bezug auf die Digitalisierung der Stadt aber auch in Bezug auf die Arbeitsverhältnisse und die Arbeitsbedingungen für die Menschen, die im IT-Bereich arbeiten.</p>
<p><strong>Für die Umsetzung der Empfehlungen der Enquetekommission „Internet &amp; Gesellschaft“ des Bundestags wird in der Vereinbarung formuliert, dass diese überprüft und gegebenenfalls umgesetzt werden. Was heißt gegebenenfalls?</strong></p>
<p>Die konkreten Ergebnisse lagen während der Verhandlungen noch nicht vor. Gegebenenfalls heißt, was können wir davon im Land umsetzen, da viele Dinge Bundesregelungen sind, die das Land nicht beeinflussen kann. Es wird aber überprüft werden, in welchen Punkten für Berlin Schlussfolgerungen zu ziehen sind.</p>
<p><strong>Auf welche Weise soll ein moderneres Urheberrecht auf Landesebene entwickelt und umgesetzt werden?</strong></p>
<p>Auf Landesebene kann man nur wenige Schritte einleiten, weil die meisten Regelungen EU- oder Bundesrecht betreffen. Wir engagieren uns aber seit längerem für einen Kreativ-Pakt, mit dem sich Konsumenten und Verwerter an einem Tisch diesen Fragen nähern sollen. In dieser Hinsicht stellen wir uns vor, einen Dialog einzuleiten, der das Thema Urheberrecht an der Wurzel packt.</p>
<p><strong>Welche Ansätze zur Netzneutralität sollen auf Landesebene, welche im Bundesrat verfolgt werden? Die CDU sieht im Gegensatz zur SPD keine Notwendigkeit einer gesetzlichen Regelung – wie kann es da zu einer einheitlichen Initiative kommen?</strong></p>
<p>Wie setzen uns als SPD für eine gesetzliche Regelung ein. Es geht hier beispielsweise auch um die Frage der Novelle des Telekommunikationsgesetzes. Wie müssen überprüfen, an welchen Stellen Landeskompetenzen berührt sind, und uns dort als Land für die Netzneutralität engagieren. Zweitens geht es auch darum, dass Netzneutralität sehr, sehr eng mit dem Breitbandausbau verbunden ist und damit den Verbraucherschutz berührt, beispielsweise die Frage, welche Bandbreiten zur Verfügung stehen sollen. Wir werden Wert darauf legen, dass Breitbandausbau stattfindet, aber die Dienstklassen nicht differenziert werden.</p>
<p><strong>Einen Widerspruch zur CDU sehen Sie dort nicht?</strong></p>
<p>Die CDU hat eine Vereinbarung im Koalitionsvertrag unterschrieben. Im Bund haben beide Parteien unterschiedliche Ansätze. In Berlin haben wir deutlich gemacht, dass uns Netzneutralität ein besonders wichtiges Gut ist. Widerstände in der CDU kann ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht sehen. Wir haben eine Vereinbarung im Koalitionsvertrag, und die hat Bestand.</p>
<p><strong>Die Koalition wird die Open-Data-Initiative des Landes fortsetzen und ausbauen. Dazu setzt sie sich für eine Prüfung der weitgehenden Offenlegung von öffentlichen Daten unter Wahrung des persönlichen Datenschutzes ein. An welche Daten denken Sie? Gibt es konkrete Beispiele?</strong></p>
<p>Es ist uns schon in der letzten Legislaturperiode gelungen, die Open-Data-Initiaitve zu starten. Sie steckt aber noch in den Kinderschuhen. Ich denke insbesondere an Geodaten: Geoinformationsdaten, die wir als Land erheben, der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Man muss auch an weitere Daten denken. Dabei ist natürlich klar, dass persönliche Daten von Berlinerinnen und Berlinern im Einzelfall aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht veröffentlicht werden.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Koalitionsvertrag in Rheinland-Pfalz vorgestellt</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/ecampaigning-im-superwahljahr/koalitionsvertrag-in-rheinland-pfalz-vorgestellt-5233/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/ecampaigning-im-superwahljahr/koalitionsvertrag-in-rheinland-pfalz-vorgestellt-5233/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Johann Eggert]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 06 May 2011 17:19:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[eCampaigning im Superwahljahr]]></category>
		<category><![CDATA[Koalitionsvertrag]]></category>
		<category><![CDATA[SPD]]></category>
		<category><![CDATA[Rheinland-Pfalz]]></category>
		<category><![CDATA[Bündnis 90/Die Grünen]]></category>
		<category><![CDATA[rot-grüne Koalition]]></category>
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					<description><![CDATA[Am heutigen Freitag wurde in Mainz der Koalitionsvertrag für die kommende Legislaturperiode von 2011 bis 2016 vorgestellt. Zukünftig werden sich die Sozialdemokraten unter Ministerpräsident Kurt Beck die Ministersessel mit den Grünen teilen müssen. politik-digital hat unter netzpolitischen Gesichtspunkten einen Blick in den Koalitionsvertrag geworfen.
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Am heutigen Freitag wurde in Mainz der Koalitionsvertrag für die kommende Legislaturperiode von 2011 bis 2016 vorgestellt. Zukünftig werden sich die Sozialdemokraten unter Ministerpräsident Kurt Beck die Ministersessel mit den Grünen teilen müssen. politik-digital hat unter netzpolitischen Gesichtspunkten einen Blick in den Koalitionsvertrag geworfen.</p>
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</p>
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Unter dem Motto „Den sozial-ökologischen Wandel gestalten“ haben sich die Verhandlungsdelegationen, angeführt von dem Ministerpräsidenten und SPD-Landeschef Beck sowie den beiden grünen Spitzenpolitikern Eveline Lemke und Daniel Köbler, nun geeinigt. Nachdem Meinungsverschiedenheiten über verkehrspolitische Großprojekte an Rhein und Mosel ausgeräumt wurden, soll die energiepolitische Ausrichtung des Landes in den kommenden fünf Jahren zum Schwerpunkt der Zusammenarbeit werden. Aber auch unter netz- und verbraucherschutzpolitischen Gesichtspunkten lohnt ein Blick in das gut <a href="http://spdnet.sozi.info/rlp/dl/Koalitionsvertrag.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">100 Seiten umfassende Papier</a>.
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<p>
<b>Netzpolitik in der Koalitionsvereinbarung</b><br />
Ab Seite 79 wird in dem Kapitel „Frei und sicher Leben“ unter der Überschrift „Informationsfreiheitsgesetz und Datenschutz“ umfangreich zu datenschutzrechtlichen Punkten Stellung genommen. Innenpolitisch relevant sind hier vor allem die in den Verhandlungen vereinbarte Novellierung des Polizei- und Ordnungsbehördengesetzes (POG) und das Ziel, die umstrittene Online-Überwachung einer externen wissenschaftlichen Evaluation zu unterziehen. Ein Punkt, bei dem sich die Grünen in den Verhandlungen durchgesetzt haben. Im folgenden 14. Kapitel mit der Überschrift &quot;Medien- und Netzpolitik&quot; werden von den Parteien der Ausbau des rheinland-pfälzischen Breitband-Netzes, eine verstärkte Schulung von Medienkompetenz bei (Kindergarten- und Vorschul-) Kindern und Jugendlichen sowie ein diskriminierungsfreier Zugang zum Internet angekündigt.
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Die zukünftigen Koalitionäre halten zu dem letztgenannten Punkt auf Seite 91 fest: „Für die Freiheit der Information im Netz und den ungehinderten Transport von Daten ist es unerlässlich, die Neutralität des Netzes durch die Betreiber sicherzustellen. Die Gleichbehandlung von Daten im Sinne der Netzneutralität ist für uns hier ein wichtiges Ziel“. Zu den Zielen des bei weiten Teilen der Netzgemeinde kontrovers debattierten Jugendmedienschutzstaatsvertrages bekennen sich SPD und Bündnisgrüne zwar, erklären sich auf Seite 92 aber zugleich dazu bereit, sich einer Fortführung der Debatte mit den Kritikern des JMStV zu stellen.<br />
Genauso wie im angrenzenden Bundesland Baden-Württemberg, wo die beiden Parteien – in umgekehrter Konstellation – vor einigen Tagen ebenfalls ihre Koalitionsvereinbarung vorgestellt haben, machen sich in Mainz die zukünftigen regierungstragenden Fraktionen bei der Bekämpfung von Internet-Kriminalität für den Grundsatz „Löschen statt Sperren“ stark.
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<p><a href="http://spdnet.sozi.info/rlp/dl/Koalitionsvertrag.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img decoding="async" src="/wp-content/uploads/rlp-finaler-rand.jpg" title="Vertrag" alt="Vertrag" align="left" height="278" width="200" /></a></p>
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Auch zum Thema Online-Bürgerbeteiligung (&quot;eParticipation&quot;) wird in der ersten rot-grünen Koalitionsvereinbarung in der Geschichte des Bundeslandes Rheinland-Pfalz Stellung bezogen. So ist auf Seite 93 von der Schaffung eines Bürgerhaushalts und der Etablierung einer eParticipation-Plattform die Rede. Diese solle, so die Autoren weiter, „eine Kombination von Information, Konsultation und Partizipation der Bürgerinnen und Bürger“ möglich machen. Die Landesverwaltung im Südwesten soll beim Thema eGovernment weitere Fortschritte machen und in diesem Zusammenhang Dokumente und Antragsverfahren barrierefrei und „überwiegend elektronisch“ bereitstellen.<br />
Erwähnenswert erscheint mit Blick auf die zukünftige rheinland-pfälzische IT-Infrastruktur darüber hinaus, dass die beiden Parteien sich in den kommenden fünf Jahren  &#8211; „sofern fachliche Eignung, Wirtschaftlichkeit und Sicherheit dem nicht entgegenstehen“ &#8211; vermehrt um die Einführung von Open-Source-Softwareprogrammen in der Landesverwaltung bemühen wollen (vgl. S. 93 der Vereinbarung).
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Am kommenden Wochenende müssen Sozialdemokraten und Bündnis90/Die Grünen das heute vorgestellte Vertragswerk noch auf ihren jeweiligen Landesparteitagen absegnen lassen. Die SPD war nach der Landtagswahl vom 27. März, bei der die Partei im Vergleich zum Urnengang von 2006 gut 10 Prozentpunkte eingebüßt hatte, nur knapp vor der CDU stärkste Fraktion geworden und auf einen Koalitionspartner angewiesen. Die Wiederwahl Kurt Becks, der bereits seit 1994 die Regierungsgeschäfte in der Mainzer Staatskanzlei führt, ist laut Presseberichten für den 18. Mai vorgesehen.</p>
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		<title>Schwarz-gelber Jahrestag</title>
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		<dc:creator><![CDATA[wgerstenecker]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 26 Oct 2010 15:50:25 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Vor genau einem Jahr, am 26. Oktober 2009, haben CDU/CSU und FDP ihren Koalitionsvertrag unterzeichnet. Aus diesem Anlass hat politik-digital.de die netzpolitischen Entwicklungen der vergangenen zwölf Monate einmal genauer unter die Lupe genommen. Welche Themen wurden bereits umgesetzt und wo gibt es noch Defizite?
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Vor genau einem Jahr, am 26. Oktober 2009, haben CDU/CSU und FDP ihren Koalitionsvertrag unterzeichnet. Aus diesem Anlass hat politik-digital.de die netzpolitischen Entwicklungen der vergangenen zwölf Monate einmal genauer unter die Lupe genommen. Welche Themen wurden bereits umgesetzt und wo gibt es noch Defizite?</p>
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In Sachen Vorratsdatenspeicherung streiten sich Innen- und Justizministerium seit Monaten darüber, wie weiter vorgegangen werden soll. Laut <a href="http://www.cdu.de/doc/pdfc/091026-koalitionsvertrag-cducsu-fdp.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Koalitionsvertrag</a> sollte die Vorratsdatenspeicherung bis zur Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts außer Kraft gesetzt werden. Ausnahme: die Abwehr einer „konkreten Gefahr für Leib, Leben und Freiheit“. Nach dem <a href="http://www.zeit.de/digital/datenschutz/2010-03/bundesverfassungsgericht-vorratsdatenspeicherung" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Urteil des Verfassungsgerichts</a> im Frühjahr 2010 will die Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) nun abwarten, wie sich die EU-Kommission verhält. Denn das deutsche Gesetz basiert auf einer <a href="http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=OJ:L:2006:105:0054:0063:DE:PDF" target="_blank" rel="noopener noreferrer">EU-Richtlinie</a>, die von der zuständigen Kommissarin jetzt noch einmal auf den Prüfstand gestellt worden ist.
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Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) hingegen drängt darauf, rasch eine neue deutsche Regelung zu erarbeiten. Schließlich hätten die Verfassungsrichter die Vorratsdatenspeicherung nicht generell abgelehnt, lediglich der Umfang der Speicherung und die Art des Zugriffs auf die Daten seien kritisiert worden, argumentiert der Minister. 
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<p><center><br />
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<p>
<i>Stellungnahme von Bundesinnenminister Thomas de Maizière zum Urteil des Bundesverfassungsgerichts, 2. März 2010.</i>
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Dem Drängen des Bundesinnenministers stehen die Zahlen aus der <a href="http://www.bka.de/pks/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Kriminalstatistik</a> des Bundeskriminalamtes (BKA) für die Jahre 2008 und 2009 entgegen. Diese weisen die bisher niedrigsten Aufklärungsraten bei Internetvergehen auf, seit diese statistisch erfasst werden – und das in den einzigen Jahren, in denen die Vorratsdatenspeicherung in Deutschland angewandt wurde. </p>
<p><b>Netzsperren auf dem Prüfstand</b></p>
<p>Weiterhin außer Kraft bleibt auch das “Gesetz zur Bekämpfung von Kinderpornographie in Kommunikationsnetzen“, besser bekannt als das Netzsperren-Gesetz. Im Koalitionsvertrag wurde eine einjährige Frist vereinbart, in der die alternativen Vorgehensweisen des BKA evaluiert werden sollten. Unter den netzaffinen Bundestagsabgeordneten herrscht bereits ein breiter Konsens für das Prinzip „Löschen vor Sperren“. Dies wurde nicht zuletzt auf der <a href="http://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2010/31880353_kw43_pa_neue_medien/index.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Anhörung</a> des Unterausschusses Neue Medien am 25. Oktober 2010 zum Thema &quot;Kampf gegen die Darstellung von Kindesmissbrauch im Internet&quot; deutlich.
</p>
<p><center><br />
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<i>Aufzeichnung der Anhörung des Unterausschusses Neue Medien, 25. Oktober 2010.</i>
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<p></center></p>
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Aber auch in dieser Sache könnte Deutschland die Entscheidung über die Art und Weise der Bekämpfung von kinderpornografischen Inhalten im Internet von der EU abgenommen werden. Denn die EU-Kommissarin für Innenpolitik Cecilia Malmström hatte Anfang des Jahres bereits angekündigt, eine <a href="http://www.faz.net/s/Rub99C3EECA60D84C08AD6B3E60C4EA807F/Doc%7EE504B485974C94C7594CED07FFDF66FB9%7EATpl%7EEcommon%7EScontent.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">EU-Richtlinie zu Sperrungen</a> bei kinderpornografischen Inhalten einzuführen. Der Vorstoß, stieß allerdings nicht bei allen EU-Kommissaren auf Verständnis:</p>
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<!-- Link zum Öffnen der Colorbox --><br />
<a href="/" class="colorbox"></p>
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</div>
<p></a><br />
<!-- Inhalt der Colorbox --><br />
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</div>
<p><noscript><br />
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</center><br />
</noscript><br />
<center><i>EU-Justizkommissarin Viviane Reding im Videointerview zum Thema Netzsperren, 20. September 2010.</i></center></p>
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</p>
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<b>Stiftung Datenschutz</b></p>
<p>Bisher nicht verwirklicht wurde die von Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger geforderte Stiftung Datenschutz. Diese hat laut Koalitionsvertrag den Auftrag &quot;Produkte und Dienstleistungen auf Datenschutzfreundlichkeit zu prüfen, Bildung im Bereich des Datenschutzes zu stärken, den Selbstdatenschutz durch Aufklärung zu verbessern und ein Datenschutzaudit zu entwickeln.&quot; Gegenüber politik-digital.de erklärte das Bundesministerium der Justiz (BMJ): &quot;Gegenwärtig bemüht sich das Bundesinnenministerium, die Möglichkeiten einer Finanzierung und damit der Errichtung der Stiftung im Jahr 2011 zu klären. Anfang Oktober 2010 hat sich die Staatssekretärin im Bundesministerium des Innern Cornelia Rogall-Grothe vorsichtig optimistisch geäußert, das dies gelingen wird.&quot;</p>
<p>In Expertenkreisen wird eine mögliche Stiftung Datenschutz durchaus kritisch gesehen, so zum Beispiel von <a href="http://www.datenschutz.rlp.de/de/presseartikel.php?pm=pm2010090801" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Edgar Wagner</a>, Landesdatenschutzbeauftragter von Rheinland-Pfalz. Laut Wagner ist die Unabhängigkeit einer solchen Stiftung nicht gesichert, da sie sich zum Teil durch Geld aus der Wirtschaft finanzieren soll. Durchaus positiv steht Bündnis 90/Die Grünen zu der geplanten Stiftung. &quot;Damit würde eine dringend zu füllende Angebotslücke auf Bundesebene geschlossen, welche die Realisierung moderner Datenschutzkonzepte beinhaltet&quot;, sagte der netzpolitische Sprecher der Grünen, Konstantin von Notz, gegenüber politik-digital.de.</p>
<p><b>Gleichheit im Netz</b></p>
<p>Ein weiterer Punkt aus dem Koalitionsvertrag, die Wahrung der Netzneutralität, wird zur Zeit kontrovers in der <a href="http://www.bundestag.de/internetenquete/Oeffentliche_Anhoerung_Netzneutralitaet/index.jsp" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Enquete-Kommission</a> &quot;Internet und digitale Gesellschaft&quot; debattiert. Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) legte derweil bereits eine Reformvorlage des Telekommunikationsgesetzes vor, der die <a href="http://www.wiwo.de/technik-wissen/bundesnetzagentur-soll-ueber-netzneutralitaet-im-internet-entscheiden-444444" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Bundesnetzagentur alle Entscheidungsgewalt in Fragen der „Internet-Verkehrsordnung“ zubilligt</a>. Der Entwurf soll noch dieses Jahr vom Kabinett eingebracht werden.</p>
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