Digitale Presseschau 01/2012

Video vom Chaos Communication Congress (28C3), Netzzensur in Weißrussland, Sascha Lobo philosophiert über die Vorratsdatenspeicherung, Internet ist kein Menschenrecht – dies und mehr in der aktuellen Digitalen Presseschau.

 

Video der Woche

Video: Constanze Kurz über Anonymus und Stratfor-Hack (3:38)

In unserem Video der Woche spricht Golem.de auf dem Chaos Communication Congress (28C3) mit Constanze Kurz vom Chaos Computer Club (CCC) über Anonymous und den Stratfor-Hack. Hier noch der dazugehörige Artikel über das zwiespältige Verhältnis des CCC zu Anonymous.


Diskussion um neue EU-Datenschutzverordnung

Den Bericht von Anna Sauerbrey bei tagesspiegel.de sowie Zeit Online über einen im Internet kursierenden Entwurf für die künftige EU-Datenschutzverordnung wählten wir auf den ersten Platz unserer dieswöchigen Presseschau. Demnach sollen beispielsweise die Rechte von Kunden und Internetnutzern gegenüber Firmen, die keinen Sitz in Europa haben, gestärkt werden. Offen ist jedoch, wie der endgültige Entwurf aussehen wird. Experten befürchten eine Verwässerung.

Netz-Zensur in Weißrussland

Seit Mitte letzten Jahres riefen Oppositionelle in Weißrussland verstärkt über soziale Netzwerke zum Protest gegen das Regime von Präsident Lukaschenko auf. Der “letzte Diktator Europas” hat die vom Netz ausgehenden Gefahren für sein Regime erkannt. In einem Interview mit Johannes Kuhn von sueddeutsche.de berichtet die weißrussische Journalistin und Bürgerrechtlerin Iryna Vidanova von der täglichen Online-Überwachung in ihrem Land. Zu einer völlig anderen Einschätzung kommt jedoch Keir Giles, Direktor des in Oxford ansässigen “Conflict Studies Research Centre”. Bei DW-WORLD.DE wird er mit den Worten zitiert, dass Zensurmaßnahmen in Weißrussland eine reine Fiktion seien. Dagegen kritisieren die Reporter ohne Grenzen (ROG) in einer Stellungnahme vom Freitag das heute in Kraft getretene Gesetz 317-3 zur Internet-Überwachung.

Kultur mit Lust am Feindbild

Auf Platz 3 landete ein Experiment im neuen Digitalblog von sueddeutsche.de. Deren Autoren wagten im Rahmen einer E-Mail-Debatte einen Ausblick auf netzpolitische Themen des Jahres 2012 und animieren ihre Leser in einem Blogbeitrag dazu, via Twitter und Google+ mitzudiskutieren.

Angst essen Freiheit auf

Der Netzexperte Sascha Lobo widmet sich dem Sinn und Zweck der Vorratsdatenspeicherung. Dabei zieht er einen interessanten Vergleich mit einem Konzept des englischen Philosophen Jeremy Bentham zum Bau von Gefängnissen und vergleichbaren Einrichtungen. Durch das Panopticon sollte ein Überwachungsdruck geschaffen werden, der Menschen zu regelkonformem Verhalten bringt. Lobo erteilt solch einem Gesellschaftsmodell der totalen Überwachung eine klare Absage und bezeichnet es als Irrglaube.

Internet ist kein Menschenrecht

Bezugnehmend auf einen UN-Bericht macht der als einer der “Väter des Internet” bezeichnete Vinton G. Cerf in der Online-Ausgabe der New York Times deutlich, dass für ihn der Netz-Zugang kein Menschenrecht ist: Technologie ermögliche Rechte, sei jedoch für sich selbst kein Recht.

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