Digitale Presseschau 21/2012

Das Theater um Facebooks Börsengang in der vergangenen Woche zeigt: Neue Medien sehen sich gerne selbst als Hauptdarsteller gesellschaftsrelevanter Themen – und inspirierten junge Künstler zu unserem Video der Woche. Kreative Urheber spielen überhaupt die Hauptrolle in der aktuellen digitalen Presseschau. Ebenfalls im Rampenlicht: das skandalisierbare Publikum, die Regie führende Politik oder die Enfants terribles der digitalen Welt.

Das Facebook-Musical: Zuckerbergs Werk als Video-Experiment in zehn Szenen.

Warum Kreativität kein Maßstab für Urheberrechte ist

Der Radiojournalist Gábor Paál hinterfragt in einem Gastbeitrag für iRights.info die Verwendung der in der Urheberdebatte unreflektiert verwendeten Begriffe Kreativität und geistiges Eigentum. Seine Erfahrungen im journalistischen Alltag hätten ihn darauf gestoßen, dass Geisteswissenschaftler ihre “Werke” häufiger als geistiges Eigentum reklamierten als Naturwissenschaftler. Paál deckt in dem ursprünglich auf  SWR 2 ausgestrahlten Hörbeitrag nicht nur die Begriffsunklarheiten zwischen Leistung und Eigentum sowie Erfindung und Entdeckung auf, sondern veranschaulicht auch deren gesellschaftliche Folgen.

„Jeder und alles ist skandalisierbar”

Der Medienforscher Bernhard Pörksen legt in einem Interview mit dem Tagesspiegel die neue Logik der “entfesselten Skandals” dar, der dank der digitalen Medien und unmittelbaren Beteiligung des Publikums eine Demokratisierung und einen Kontrollverlust erfahren habe. Das zeitlich und räumlich entgrenzte “Enthüllungs- und Empörungsgeschäft” habe aber auch zur Folge, das nicht mehr wie früher nur Prominente und Mächtige Opfer des Skandals werden. Pörksen erkennt in diesem Phänomen derzeit noch einen Spagat zwischen “ekelhafte[m] Spektakel” und “dringend benötigte[r] Aufklärung”.

Wie speichern wir das Internet?

Der Bibliothekar Eric Steinhauer gibt im Interview mit iRights.info Aufschluss über die bislang ungeklärten Möglichkeiten digitaler Langzeitarchivierung. Er verweist dabei auf die paradoxe Situation der Deutschen Nationalbibliothek: Einerseits erwarte der Gesetzgeber,  dass sie das Internet regelmäßig abspeichert. Da dies gegen geltendes Urheberrecht verstoße, könne die Nationalbibliothek dieser Erwartung allerdings nicht nachkommen. Steinhauer schlägt einen Kompromiss aus Persönlichkeitsrecht, kommerziellem und öffentlichem Interesse vor, um sicherzustellen, dass digitales Wissen langfristig archiviert werden kann.

Das offene Parlament

Christiane Schulzki-Haddouti stellt in dem ZDF-Blog Hyperland das neue Open-Data-Projekt von Friedrich Lindenberg vor, das Transparanz in die Web-Präsenz des Bundestages bringen soll. Dafür verlinkt Lindenberg auf offenesparlament.de etwa Schlagwörter mit Redebeiträgen der politischen Akteure. So lasse sich gezielt herausfinden, welche Bundestagsfraktion wie oft zu welchem Thema gesprochen hat. Obwohl die erzielten Verbesserungen bei der Sichtung der Bundestagsdaten erkennbar seien, käme die Bundestagsverwaltung  der Entwicklergemeinde noch zu wenig entgegen, findet Schulzki-Haddouti.

“Ich bin ein toter Mann”

Sarah Ehrmann porträtiert für Süddeutsche.de den ägyptischen Blogger Maikel Nabil Sanad, der zur Zeit mit seinem Bruder Mark in Deutschland Vorträge über seine Erfahrungen als regimekritsicher Internetaktivist gibt. Sanad wurde für seine Kritik am Militärrat verprügelt und zu drei Jahren Haft verurteilt. Gegen seine Haftbedingungen protestierte er mit einem Hungerstreik, der ihn beinahe das Leben kostete.

Wann ist ein Hacker ein guter Hacker?

Patrick Beuth hat für Zeit Online an einer Tagung des Chaos Computer Club teilgenommen, der sich die Reform der längst überholten “Hackerethik” aus den 1980ern zum Ziel gesetzt hatte. Anhand der Debatte um den Neuentwurf des Kodex hebt Beuth die Unklarheit innerhalb der Hackergemeinde über ihr moralisches Selbstbild auf. Von einer zeitgemäßen Ethik erwarteten sich die Hacker einen Leitfeiden für junge Kollegen einerseits. Andererseits hoffen sie, der Gesellschaft das “Phänomen Hacker” erklären zu können. Trotz der Uneinigkeit über Inhalt und Notwendigkeit einer neuen Ethik distanzierte sich der CCC klar von Aktionen, die im Namen von Anonymous stattgefunden haben.

Kommentar verfassen