Zurück in die “Bonner Republik”

BildDie Organisatoren der Netzpolitik-Konferenz “politcamp 2011″ haben sich als Veranstaltungsort in diesem Jahr die ehemalige deutsche Hauptstadt ausgesucht. politik-digital.de wirft einen Blick auf Programm und Konzept und spricht mit den Veranstaltern über Ziele und Bedeutung des politcamps, das am 4. und 5. Juni stattfinden wird.

 

Der Kontrast könnte – zumindest räumlich und atmosphärisch – größer kaum sein. In den vergangen beiden Jahren trafen sich netzaffine Politiker, Abgeordnetenmitarbeiter, Online-Journalisten und Blogger noch im Berliner “Radialsystem”, um direkt am Ufer der Spree, unweit von Berlin Mitte, über die Veränderung von gesellschaftlichen Kommunikationsprozessen, Parteipolitik und politischer (Wahlkampf-)Kommunikation durch das Internet zu diskutieren. In diesem Jahr haben die Organisatoren ihre zweitägige Konferenz mit zahlreichen Vorträgen von der Spree an den Rhein verlagert und führen die Veranstaltungen dort in vermutlich deutlich beschaulicherer Atmosphäre teilweise im ehemaligen Plenarsaal des Deutschen Bundestages durch.

Politcamp-Mitorganisator und Presseprecher Ralf Makolla nimmt im Gespräch mit politik-digital.de unter anderem zu den Gründen für den diesjährigen Ortswechsel Stellung: “Wir wollten das Politcamp schon im Jahr 2010 in Bonn durchführen. Dies hat leider aus unterschiedlichsten Gründen nicht geklappt. Dieses Jahr hatten wir eine nette Anfrage der Stadt Bonn aus dem Büro des Oberbürgermeisters”.Bild Zu den weiteren Vorteilen der Stadt am Rhein ergänzt der Pressesprecher des Organisatorenteams: “Bonn ist mit seiner Historie ein guter Ort für den politischen Dialog. Wasserwerk und die Räumlichkeiten der Deutschen Welle sind dafür wie geschaffen.” Diejenigen netzpolitisch Interessierten, die es am ersten Juniwochenende nicht persönlich nach Bonn schaffen, können die einzelnen Veranstaltungsteile, die mitunter im BarCamp-Format angeboten werden, dennoch in Echtzeit verfolgen: “Wir werden aus jeder Session einen Live-Stream haben und damit können auch die, die es nicht nach Bonn geschafft haben, am Politcamp teilnehmen”, so Makolla weiter.

Das Verhältnis zu anderen Veranstaltungen
Den gewaltigen Diskussionsbedarf beim Thema Netzpolitik zeigen die zahlreichen ähnlich gearteten Veranstaltungen auf dem Gebiet. So fand erst vor kanpp zwei Wochen die Konferenz Next mit einem ähnlichen Adressatenkreis in Berlin statt. Vor allem aber mit der gut 3.000 Teilnehmer zählenden Social-Media-Konferenz “re:publica” hat bereits im April eine unter Netzpolitikern und klassischen Medien breit rezipierte Versammlung in der Hauptstadt stattgefunden.

Das diesjährige Bonner politcamp versteht sich allerdings, wie Pressesprecher Ralf Makolla deutlich macht, keinesfalls als eine direkte Konkurrenzveranstaltung zu Konferenzen wie der re:publica XI: “Die beiden Veranstaltungen ergänzen sich und sprechen teilweise sicherlich die gleichen Teilnehmer an. Das politcamp ist aber wesentlich stärker auf die politischen Themen ausgerichtet und richtete sich damit auch an einen erweiterten Teilnehmerkreis.”
Ein weiterer markanter Unterschied mag, vergleicht man die Programme, darin liegen, dass die re: publica einen merklich internationaleren Fokus hat als das in Bonn stattfindende Pendant.

Die Zielsetzung des politcamp im Jahr 2011
Das dritte politcamp wird sich, genauso wie schon zahlreiche Vorträge auf der re:publica, mit den revolutionären Umwälzungen in Nordafrika und der Bedeutung des Internet in diesem Zusammenhang befassen. Es wird dabei, auch wenn die Konrad-Adenauer-Stiftung und der SPD-nahe “Vorwärts”-Verlag zu den Förderern der Veranstatung zählen, jedoch keine Parteimeinung im Mittelpunkt stehen, denn eines der Hauptziele der Initiatoren um den Hamburger Informatiker Valentin Tomaschek und den Bürgerschaftsabgeordneten Hansjörg Schmidt war bereits in den vergangenen Jahren die parteiübergreifende Vernetzung der Teilnehmer. Ein weiterer Schwerpunkt wird die Diskussion über die bisherigen Ergebnisse der Bundestags-Enquete-Kommission “Internet und digitale Gesellschaft” sein. Im Rahmen einer Session mit verschiedenen Kommissions-Mitgliedern der im Deutschen Bundestag vertretenen Parteien soll eine “Halbzeitbillanz” der bisherigen Arbeit erfolgen.

Jugend-PolitCamp
Die Blogger und Netzpolitiker von heute haben, auch dies ein Unterschied zu anderen ähnlichen Veranstaltungen, bereits die Zielgruppe von morgen im Blick. Als besondere Adressaten haben die Organisatoren in diesem Jahr die Gruppe der Nachwuchswähler ausgemacht. Einer der Jugendlichen soll sogar auf der großen Podiumsdiskussion teilnehmen dürfen.

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