Zeitung noch nicht reif fürs Museum

Die Zeitung ist tot, es lebe die Zeitung! Entgegen aller Trends sind gedruckte Tageszeitungen bei Kindern und Jugendlichen beliebter als Online-Medien. Gestern wurde eine Studie zu den Nutzungsgewohnheiten von Tageszeitungen und Online-Nachrichtenportalen veröffentlicht.

Das sozialpädagogische Fachinstitut Promedia befragte zwischen Mitte Mai und Anfang Juni dieses Jahres 2.123 Kinder und Jugendliche aller Schulformen im Alter von acht bis 19 Jahren zu ihren Nutzungsgewohnheiten von Tageszeitungen und Online-Nachrichtenportalen. In Zusammenarbeit mit 34 Zeitungen, darunter die Frankfurter Allgemeine, der Focus und die Rheinische Post, betreut Promedia Zeitungsprojekte zur Förderung der Lese- und Medienkompetenz von Schülern. Jährlich befassen sich in diesem Rahmen über 150.000 Schüler deutschlandweit im Unterricht intensiv mit sowohl gedruckten Tageszeitungen als auch mit deren Online-Angeboten. Anlässlich der Neueröffnung des internationalen Zeitungsmuseums der Stadt Aachen befragte das Institut in einer Studie ehemalige Teilnehmer dieser Projekte. Die Ergebnisse werden mit in die Ausstellung „Die Zeitung. Reif für das Museum?“ einfließen – und überraschen.

Laut Umfrage bevorzugen 55 Prozent der acht bis 19-Jährigen die Zeitung als Informationsquelle. Kinder (acht bis 13 Jahre) präferieren die Nachrichten auf Papier sogar zu 63,5 Prozent, während dies bei Jugendlichen (14 bis 19 Jahre) nur für 51 Prozent zutrifft. Kleine Unterschiede gibt es zwischen den Geschlechtern: Es ließ sich feststellen, dass Jungen im Allgemeinen mehr am Internet als Nachrichtenquelle interessiert sind als Mädchen. Nach der Teilnahme an dem Projekt gaben 64 Prozent der Kinder und 66 Prozent der Jugendlichen an, sehr häufig, regelmäßig oder zumindest gelegentlich die Zeitung zu lesen. Vor allem die internetaffineren Jungen ließen sich dank des Projekts für die Printmedien begeistern.

Auch das Münchner Marktforschungsunternehmen Youngcom kam kürzlich zu einem ähnlichen Ergebnis. In einer Umfrage wurden 13 bis 20-Jährige zu ihrem Medienverhalten interviewt. Heraus kam, dass zwar die Nutzung des Internet zunimmt, der Gebrauch von Printmedien aber nicht so stark zurückgegangen ist wie bislang befürchtet.

Als Begründung für die nach wie vor stark verbreitete Nutzung von Tageszeitungen wurden laut der Promedia Untersuchung vor allem Übersichtlichkeit, Glaubwürdigkeit, Lokalbezug und bessere Lesbarkeit genannt, während Aktualität, Universalität und die moderne Ausrichtung Pluspunkte für die Online-Angebote sind.
„Für uns ist das Ergebnis nicht überraschend. Die Stellungnahmen der Schüler zeigen ein hohes Maß an Medienkompetenz", sagte Petra Wolff, Geschäftsführerin von Promedia. In ihrer langjährigen Arbeit habe sie erkannt, dass es einen direkten Zusammenhang zwischen dem Kennenlernen von Zeitungen im Unterricht und dem Zurückgreifen von Jugendlichen auf dieses Medium im späteren Leben gibt. Insgesamt sahen fast 70 Prozent der befragten Schüler eine Zukunft für die Printmedien. Es scheint also, als sei die Zeitung noch nicht „reif für das Museum“.

2 Antworten auf Zeitung noch nicht reif fürs Museum

  1. Gast sagt:

    Nun ja, wenn ehemalige Teilnehmer von “Zeitungsprojekte zur Förderung der Lese- und Medienkompetenz” befragt werden, ist die Studie wenig aussagekräftig.

  2. cnick sagt:

    Hallo Gast,
    das stimmt, daher wurde am Ende darauf verwiesen, dass es eine Verbindung vom Kennenlernen des Mediums Zeitung in der Schule und der späteren Nutzung gibt. Das soll heißen: Konfrontiert man Kinder und Jugendliche mit der Zeitung, dann lernen sie diese als Informationsquelle zu schätzen und dadurch können die Printmedien eine Zukunft haben.

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