Zedler-Preis 2012: Die „Oscars“ für Freies Wissen


Von der Nuklearkatastrophe in Fukushima über Vroniplag bis hin zum Pizzakarton. Gestern wurde in Berlin erstmalig der „Zedler-Preis für Freies Wissen“ der Stiftung Wikimedia Deutschland für die besten Wikipedia-Artikel vergeben. Die Ergebnisse zeugen von der Lebendigkeit, Vielfalt und dem Erfolg der Community.

Die Motivation der ehrenamtlichen Wikipedia-Autoren besteht darin, Wissen frei zugänglich zu machen. In ihrer Freizeit sammeln sie Informationen, bereiten diese auf und stellen sie online. Ihr Erfolg steht im Zeichen der Schwarmintelligenz. Dabei sind die behandelten Themen so vielfältig, wie man es von einer Enzyklopädie erwartet, die Beiträge selbst variieren in Qualität, Umfang und Herangehensweise. Das Engagement dieser Ehrenamtlichen wurde nun im Zuge der Preisverleihung sichtbar gemacht, herausragende Projekte wurden entsprechend gewürdigt. Über 100 Projekte waren für den Zedler Preis vorgeschlagen worden. Aus ihrer Mitte wählte eine Jury aus „Wikipedianern“, Wissenschaftlern und Journalisten die Preisträger aus.

Den Zedler-Preis in der Kategorie „Wikipedia Artikel des Jahres“ gewann der Artikel über die Reaktorunfall in Fukushima. In der Begründung der Jury heißt es, dieser Artikel sei „prototypisch für den Anspruch der Wikipedia, ein breites Publikum zeitnah, umfassend und sachlich zu informieren.“ Der ausgesprochen detaillierte Wikipedia Artikel über den Pizzakarton erhielt einen Sonderpreis. Den spätabendlichen Surfer wird dieser Artikel sicherlich zum Schmunzeln bringen.

Das österreichische Wikipedia-Portal „Denkmallisten“ erhielt den Zedler-Preis in der Kategorie „Community -Projekt des Jahres“. Auf diesem Portal bemühen sich rund 220 Wikipedianer darum, für die knapp 40.000 Denkmäler in Österreich Beschreibungen und Fotos in der Wikipedia abzulegen. Knapp 70 Prozent der Denkmäler sind bereits mit Foto in den Denkmallisten aufgeführt. Die Katalogisierung erfolgt in enger Zusammenarbeit mit dem österreichischen Bundesdenkmalamt.

Einen Sonderpreis erhielt das Projekt „Blume der Woche“. Innerhalb der gelegentlich auch von Machtkämpfen und Trollen gebeutelten Wikipedia-Community ist dieses Projekt der Versuch, eine ausgeprägte Dankeskultur für die Autoren zu etablieren. Wöchentlich bekommt ein besonders fleißiger Wikipedianer eine „Blume“ mit einer ausführlichen Begründung, warum er sich um das Online-Lexikon verdient gemacht hat.

Auch Projekte, die nicht unter Trägerschaft der Wikimedia Foundation stehen, wurden geehrt. Die Plattform Vroniplag, deren Mitarbeiter bereits die Doktorarbeiten mehrerer Politiker als Plagiate enttarnt haben, wurde als „Externes Wissensprojekt des Jahres“ ausgezeichnet. In dieser Kategorie zeichnete eine besondere thematische Vielfalt die Projekte aus: Darunter sind openstreetmaps.de, eine nutzergenerierte und frei lizensierte Weltkarte, und hackteria.org, eine Plattform mit Anleitungen für technische und naturwissenschaftliche Kunstprojekte.

Während vielerorts heftig über das Urheberrecht gestritten wird, blüht im Internet die Kultur des frei zugänglichen Wissens. Dabei haben die mit dem Zedler-Preis gewürdigten Projekte bereits eine gesellschaftliche Bedeutung, die weit über die Community, in der sie entstanden, hinausgeht. Und das ist durchaus preiswürdig.

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