Wie Politik für junge Menschen im 21. Jahrhundert aussieht

Protest-Griechenland-linmtheu-CC-BY-SA-2.0-flickr.comWie politisiert ist die Jugend heute? Welchen Einfluss haben die neuen Medien darauf? Wie kann man junge Menschen dazu bewegen, Parteien beizutreten und welche Gestalt müssten die Parteien dafür haben? Das sind Fragen, die Politologen und Abgeordnete in Deutschland bewegen. Doch nicht nur hier wird beobachtet, wie sich Jugendliche politisch organisieren. Vertreter der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) verfolgen in Auslandsbüros in knapp 80 Ländern weltweit die politische Entwicklung.

Adenauer-Huffington-Briefing

Am 02.02.2016 fand das Adenauer-Huffington-Briefing in Berlin unter dem Titel „Wie Politik für junge Menschen im 21. Jahrhundert aussieht“ statt. Es ist der Auftakt eines Kooperationsprojektes zwischen der KAS und der Huffington Post. Dabei legen Mitarbeiter der KAS-Auslandsbüros ihre Eindrücke zur Entwicklung vor Ort auf der Seite der Huffington Post dar. Es sind bereits einige Artikel online und weitere sollen in den nächsten Wochen folgen. Auf der Veranstaltung am Dienstag waren zwei Gäste aus Griechenland und Chile vor Ort und per Skype-Konferenz nahmen Mitarbeiter aus Südafrika, der Mongolei, Uruguay und Tunesien teil.

Den Auftakt bereitete CDU-Generalsekretär Peter Tauber mit einer kurzen Rede zur Situation in Deutschland. Dabei ging er insbesondere darauf ein, dass sich heutzutage das politische Interesse junger Menschen nicht mehr in einer Steigerung der Parteienmitgliedszahlen niederschlägt. Die vielen Demonstrationen für einen Atomkraftausstieg führten so beispielsweise nicht zu einem Anstieg der Parteimitgliedszahlen der Grünen.

Politisierung außerhalb von Parteien

Dieses Phänomen zeigt sich nicht nur in Deutschland, sondern wurde in vielen der vertretenen Länder beobachtet. Die südafrikanische „born-free“-Generation protestiert an den Universitäten, doch wählen geht sie nicht. Die jungen Griechen sind abgeschreckt vom politischen System, das ihr Land ruiniert hat. Sie organisieren sich statt in Parteien lieber in zivilgesellschaftlichen Gruppen, um dem Populismus der großen griechischen Parteien zu entkommen. In Südamerika zeigt sich ein ähnliches Bild: bei Protesten strömen die jungen Menschen auf die Straßen, doch oft sind sie nicht in Parteien organisiert. Die Probleme werden laut artikuliert. Das Interesse ist da. Nur passen diese jungen Leute kaum noch in die oft sehr traditionellen Parteien ihrer Länder. Eine Ausnahme hierzu bildet Argentinien, das momentan einen großen Umbruch erlebt.

In Tunesien ist die  Jugend nach dem arabischen Frühling in Pessimismus verfallen. Von den drei Werten Arbeit, Würde und Freiheit, die in der Revolution gefordert wurden, wurde nach ihrem Empfinden bisher nur die Freiheit erreicht. So geben laut einer Umfrage 64% der Jugendlichen an, in keiner Weise in einer Organisation aktiv zu sein, nicht mal in einem Sportverein oder ähnlichem. Das liegt aber auch daran, dass es kaum Angebote für sie gibt. Die Freiheitskämpfer des arabischen Frühlings sind Individualisten, die sich nicht in Gruppen integrieren (lassen).

Zwist zwischen Jugend und Elterngeneration

In der Mongolei ist die Familie eine wichtige Institution. Hinzu kommt, dass es eine gesellschaftlich anerkannte Norm ist, Älteren nicht zu widersprechen. Wer älter ist, hat Recht. Das macht es Jugendlichen in der Mongolei sehr schwer, sich mit ihrer Meinung entgegen der ihrer Eltern zu positionieren. Sie haben nicht das Gefühl etwas erreichen zu können und sind somit kaum organisiert. In Griechenland sieht das anders aus: hier glauben die Jungen daran, etwas bewegen zu können. Ihre Position widerspricht dabei in vielen Punkten der Einstellung ihrer Eltern. Oft heißt es „alt gegen jung“ in der Auseinandersetzung.

Medien im Alltag der Jugend

Auf der ganzen Welt sind dabei immer auch Medien mit im Spiel. So werden große Protestaktionen in südamerikanischen Ländern häufig über Soziale Medien wie Facebook und Twitter organisiert und verbreitet. In gesamt Lateinamerika hat bereits jeder Zweite einen Facebook-Account. Das entspricht einer Zahl von rund 300 Millionen Usern. Schätzungen prognostizieren für 2020 eine 100%ige Deckungsrate. In Südafrika wächst in rasendem Tempo eine neue Bloggerszene und während der Verhandlungen mit der EU verfolgten Tausende Griechen das Geschehen per Twitter.

Doch auch die traditionellen Medien wie Zeitungen und Radio bleiben weiterhin wichtig. Das gilt besonders für Länder, die in den ländlichen Regionen keine gute Infrastruktur haben. So hat beispielsweise in Südafrika, wie in der Mongolei, nur jeder Zweite überhaupt Zugang zum Internet. Hier informiert man sich häufig über Zeitungen oder Radionachrichten. Im Wahlkampf ist es weiterhin der persönliche Kontakt, der zählt.

Bild: linmtheu, CC BY-SA 2.0

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