Was Parteien online verbessern können

Die Online-Auftritte deutscher Parteien spielen bei politischen Suchanfragen fast keine Rolle. Zwar werden die Webseiten von CDU, Grünen und Co. bei der gezielten Eingabe von Parteien- oder Abgeordnetennamen prominent gelistet, bei der Suche nach tagesaktuellen oder allgemein politischen Berichten bleiben die Parteien-Seiten jedoch weitgehend unsichtbar.

Nach einem Report der Universität Bamberg gelangen Internetnutzer, die sich über aktuelle politische Themen informieren wollen, in aller Regel nicht auf die Online-Präsenzen der Parteien. Grund ist das schlechte Google-Ranking der entsprechenden Auftritte von Parteien. Als Resultat wird das programmatische Spektrum einer Partei nur ausschnittsweise präsentiert und von Nicht-Parteimitgliedern nur selten wahrgenommen. Eine Ausnahme bildet die Piratenpartei, die auch bei themenbezogenen Suchanfragen in den Google-Ergebnislisten einen vorderen Platz einnimmt. Noch schlechter als die Bundesparteien schneiden die Landesverbände ab, deren Informationsangebot im Internet fast völlig an den Nutzern vorbeigehe. Erstellt wurde die Studie von Wissenschaftlern der Otto-Friedrich-Universität Bamberg, untersucht wurden im Zeitraum vom 27. Juli bis zum 22. August 2011 die Webseiten von Parteien auf Bundesebene und in den Bundesländern, in denen im September Wahlen stattfanden (Mecklenburg-Vorpommern, Berlin und Niedersachsen).

Nach Ansicht der Autoren der Studie gibt es für das schlechte Google-Ranking mehrere Gründe. Kaum beeinflussbar durch die Seitenbetreiber seien Faktoren wie die Verlinkung der Parteien-Webseite auf andere Seiten oder die Häufigkeit, mit der Nutzer nach Suchanfragen den Eintrag der entsprechenden Webseite in den Ergebnislisten anklicken.

Andreas_JungherrDennoch gäbe es für die Parteien Wege, ihre Internetseiten sichtbarer zu machen, wie Andreas Jungherr, Wissenschaftler an der Universität Bamberg und einer der Autoren des Reports, gegenüber politik-digital.de erklärt:

"Parteien haben zwei Möglichkeiten, um ihre Sichtbarkeit in politisch relevanten Suchergebnissen zu erhöhen. Sie müssen bei der Programmierung ihrer Seiten sicherstellen, dass der Quellcode suchmaschinenfreundlich geschrieben ist und die Seiten systematisch strukturiert sind. Hierfür müssen Parteien den von ihnen beauftragten Agenturen wohl etwas stärker auf die Finger schauen, als sie es bisher tun. Zur Zeit finden sich die Verantwortlichen in Parteien zu schnell mit einem schicken Design fürs Auge ab.“ Jungherr empfiehlt daher: „Zusätzlich sollten Parteien ihre Webseiten stärker redaktionell betreuen. Sie sollten regelmäßig tagesaktuelle politische Inhalte bereitstellen. Die Seite der SPD im Bund ist hierfür ein gutes Beispiel. Durch regelmäßige Beiträge zu aktuellen politischen Themen schafft die Partei Inhalte, die zur Verlinkung einladen und garantieren, dass die Seite langfristig mit aktuellen politischen Stichworten verbunden wird".

Derzeit verschenken die meisten Parteien die Möglichkeit, nicht gebundene Wähler anzusprechen und sich so neue Wählerschichten zu erschließen, hier gäbe es noch viel Handlungsspielraum.

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