Was macht eigentlich…? Teil 2: Videotext

Der Opa unter den neuen Medien hängt an seinem 27. Geburtstag am 1. Juni 2007 den Nachwuchs locker ab. „Mit Aufkommen des Internets wurde erwartet, dass Teletext obsolet wird. Mitnichten“, freut sich Sabine Wahrmann, Leiterin von ARD-Text, für den rüstigen Medien-Senior.

Tatsächlich stiegen die Nutzerzahlen der Videotextangebote
der deutschen Fernsehsender in den vergangenen drei Jahren weiter
an. Laut einer repräsentativen Studie
der Arbeitsgemeinschaft Fernsehforschung nutzten im Jahr 2006 täglich
rund 17 Millionen Menschen die Teletextangebote, davon etwa sechs
Millionen den Marktführer ARD-Text. Sehdauer wie auch Reichweite
stiegen von Jahr zu Jahr leicht. Auch wenn sich Teletextzuschauer
und Internetnutzer nicht direkt vergleichen lassen: Das größte
deutsche Internet-Nachrichtenportal spiegel.de
erreicht im Monatsdurchschnitt etwa vier Millionen Besucher pro
Tag.

ARD-Text
Der ARD-Text ist das reichweitenstärkste Videotextangebot.

Videotext im Internet

Es gibt sogar Menschen, die sich an den Computer setzen, um Videotext
zu lesen: Der Teletext zahlreicher Fernsehsender wird eins zu eins
im Internet gespiegelt. Eine internationale Übersicht gibt
es hier.
Was die SMS für das Handy, ist der Sport für den Videotext:
Die meisten ARD-Text Zuschauer nutzten aktuelle Sportnachrichten
wie Bundesligatore, dann kommen Programminformationen und die übrigen
Nachrichten, so Sabine Wahrmann.
Als der Videotext, der eigentlich korrekt Teletext heißt,
in den 80er-Jahren gestartet wurde, war er das erste elektronische
Medium, mit dem man aktuelle Nachrichten zeitunabhängig abrufen
konnte. Ein Druck auf die Fernbedienung genügte, was für
Nervosität bei den Zeitungsverlegern sorgte.
Die Ingenieure nutzten die so genannte Austastlücke: Fernseher
empfangen etwas mehr Signale als sie im Fernsehbild wiedergeben.
Diese Bandbreite ist verglichen mit Hochgeschwindigkeitsinternet
via DSL lächerlich klein. Deshalb flimmert der Videotext auch
in Lego-Baustein-Optik mit großformatigen quadratischen Bildpunkten
auf dem Bildschirm. „Bandbreite ist das eine“, sagt
Sabine Wahrmann, „Der der große Vorteil von Teletext
ist, dass ihn fast alle Haushalte empfangen können.“

Senior Teletext wird geliftet

Videotext wurde über die Jahre mit Seitenspeichern in Fernsehgeräten
zwar ein bisschen komfortabler, aber für das Senden von aufwändigen
Bildern und Grafiken reicht es nicht. Dafür konzentrieren sich
die Teletextmacher auf das Wesentliche: Die Informationen sind kurz
und aktuell. Den Privatsendern ist es jedoch gelungen, die im Internet
verhassten Werbe-Einblendungen auch im Teletext unterzubringen.
Je nach Uhrzeit locken den phantasiebegabten Zuschauer pixelige
Frauenkörper in Flirt- und Telefonsexhotlines.
Der Opa Videotext wird übrigens in Kürze geliftet: Ab
2008 soll es eine via digitalem Rundfunk übertragene Version
des ARD-Textes geben. Auf der Funkausstellung 2007 wollen die ARD-Teletexter
vorführen, wie man sich Meldungen auf das Mobiltelefon holen
oder im Auto vorlesen lassen kann. "Den Teletext in seiner
jetzigen Form wird es auf den Fernsehbildschirmen noch lange geben",
beruhigt Sabine Wahrmann allerdings die Traditionalisten.

In loser Reihenfolge schaut und fragt politik-digital.de nach,
was aus Menschen und Phänomen geworden ist, die bewegten. Bisher
sind erschienen:

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