Wahlhilfe mit Macken

Wer noch nicht weiß, was er bei der Europawahl am 7. Juni 2009 wählen soll, kann sich Rat beim EU Profiler holen. Der zeigt, wie nahe die eigenen Vorstellungen den Parteiprogrammen kommen. Das System hat jedoch noch Macken.

Zu insgesamt 30 Thesen aus sozial-, finanz- und wirtschaftspolitischen Themenbereichen ebenso wie zu Gesellschaft, Innen- und Außenpolitik sowie Europäischer Integration soll der Benutzer des EU-Profilers sich positionieren. Ergänzt werden die Antworten durch eine Gewichtung der Themenfeldern und Präferenzen zu bestimmten Parteien. Damit hat der EU-Profiler ein ähnliches Konzept wie der Wahl-O-Mat der Bundeszentrale für Politische Bildung.

Sind die Thesen beantwortet, errechnet der EU Profiler, wie man mit den antretenden Parteien inhaltlich übereinstimmt. Für Deutschland sind neben der CDU, CSU, SPD, FDP, den Grünen und der Linkspartei auch die Freien Wähler, die Newropeans, Republikaner und DVU vertreten. Alle übrigen 22 zur Europawahl zugelassenen Parteien kommen nicht vor.

Programmatik und Übereinstimmung

Klickt man auf den Namen einer Partei, werden deren Positionen und die eigenen Antworten gegenübergestellt. Zur Ergänzung gibt es Auszüge aus den Wahlprogrammen, Parteidokumenten oder Aussagen von Vertretern der Partei. Zu sehen ist auch, wie hoch der Grad der Übereinstimmung in einzelnen Politikfeldern ist. Fragen, die man selbst als nicht so wichtig angegeben hat, werden bei der Berechnung offenbar außen vor gelassen.

100 Prozent Übereinstimmung auf Grundlage einer Frage

Bei genauerem Hinsehen fällt auf, dass sich bei weitem nicht jede Partei zu allen Fragen geäußert hat. Eine vermeintliche Übereinstimmung von 100 Prozent kann daher auch auf nur einer einzigen beantworteten Frage beruhen. Zudem scheint es zumindest im Bereich Gesellschaft, Kultur und Religion noch einige Fehler zu geben: mit Parteien, zu denen man völlig entgegengesetzte Ansichten hat, kann man immer noch eine Zustimmung von über 50 Prozent erreichen ­  und umgekehrt. Wer mag, kann auch das Maß der eigenen inhaltlichen Übereinstimmung mit Parteien in anderen europäischen Ländern betrachten.

Der EU Profiler ist ein parteiunabhängiges Projekt von Wissenschaftlern und wird von keiner EU-Institution betrieben. Finanziert wird es durch ein Konsortium aus Robert Schuman Centre for Advanced Studies des European University Institute, des Kieskompas und des Zentrums für Demokratie Aarau/der Universität Zürich.

Kommentar verfassen