Virtuelles Weissbuch der Jugendpolitik



Jugend, Politik und Europa – welche Rolle spielen Europa und Politik
im Bewusstsein Jugendlicher? Welche Forderungen stellen sie an eine europäische
(Jugend-)Politik?

Mit diesen Fragen wird sich die Europäische Kommission
auseinandersetzen müssen, denn im ersten Halbjahr des nächsten
Jahres soll ein Weißbuch zur europäischen Jugendpolitik erarbeitet
werden. Um möglichst viel über die Bedürfnisse Jugendlicher
zu erfahren, finden zur Zeit nationale Jugendkonferenzen statt, während
derer die Jugendlichen die Hauptakteure sind und selbst zu Wort kommen.
In Deutschland treffen sich junge Leute am Pfingstwochenende
in Berlin. Vorbereitet wurde das Treffen durch Regionalkonferenzen sowie
im Internet auf der eigens dafür eingerichteten Vernetzungs- und Diskussionsplattform
u26.de.

Die Internetplattform u26.de

u26.de bietet den Jugendlichen alle notwendigen Informationen rund um
die Jugendkonferenz, umfangreiche Linklisten zu den Bereichen Europa, Jugend
und Medien, eine Kontaktbörse und die Möglichkeit mit prominenten
Politikern zu chatten. Kernstück des Angebotes aber sind die Diskussionsforen.
Thematisch sind sie an den für das Weißbuch relevanten Themen
orientiert und reichen von "Chancengleichheit für Mädchen/Frauen
und Jungen/Männer" über "Bürgerdemokratie statt Dominanz
der Parteien" und "Spannung zwischen Heimatgefühl und Europa-Anspruch"
bis hin zu "Visionen, Utopien, Zukunftsentwürfe". So diskutieren die
Jugendlichen genauso über die Fischer-Rede wie über die Notwendigkeit
der Wehrpflicht. Die Beiträge in den Foren geben so einen Einblick
in die Vielfalt jugendlichen Denkens. Gemessen am Adressatenkreis – alle
Jugendlichen und junge Erwachsenen zwischen 15 und 25 Jahren – ist die
Resonanz nur gering. In den Foren tauchen immer wieder die gleichen Personen
und Pseudonyme auf, durchaus mit sehr qualifizierten Beiträgen, aber
ein breiteres Interesse und eine größere Beteiligung wäre
u26.de zu wünschen gewesen. Dementsprechend werden nicht alle eingerichteten
Angebote gleichermaßen genutzt. Das Pinboard und der Treffpunkt sind
verwaist, bei den angekündigten Mailinglisten wird auf "demnächst"
vertröstet. Ganz fehlen Informationen über Jugendkonferenzen
in den anderen EU-Ländern. So bleibt der Europa-Gedanken auf die nationale
Sichtweise beschränkt. Dies trübt das ansonsten positive Gesamtbild
von u26.de. Das Web-Angebot bleibt langfristig als Vernetzungspunkt für
politisch interessierte Jugendliche bestehen und so ist zu hoffen, dass
von der Konferenz neue Impulse ausgehen, die das vorbildliche Projekt neu
beleben.

Die nationale Jugendkonferenz in Berlin

Zu der über Pfingsten stattfindenden Konferenz sind 90 Jugendliche
aus ganz Deutschland eingeladen. Sie werden von den Regionalkonferenzen
und den Internetforen berichten und in Arbeitsgruppen zu den Themen Bürgergesellschaft,
Lebensqualität/Wohlbefinden, Wirtschaftsstruktur/Beschäftigung,
Selbständigkeit von jungen Menschen und Europa Positionen erarbeiten.
Die Arbeitsergebnisse der Jugendlichen werden im Rahmen der Konferenz der
Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Frau Dr.
Christine Bergmann überreicht. Gleichzeitig bilden die Arbeitsergebnisse
den deutschen Beitrag für die Europäische Jugendkonferenz in
Paris im Herbst 2000. Die dort vorgestellten Positionen sollen maßgeblich
die Arbeit an dem Weißbuch zur europäischen Jugendpolitik beeinflussen.

Virtuelle Konferenzteilnahme

Während der Berliner Konferenz werden die Arbeitsgruppen ihre Ergebnisse
auf u26.de veröffentlichen und zur Diskussion stellen. Denn zusätzlich
– so hoffen die Verantwortlichen – werden sich mehrere hundert Jugendliche
über das Internet an der Konferenz beteiligen. Die virtuellen Konferenzteilnehmer
werden durch ein LiveWebRadio über den aktuellen Stand der Konferenz
informiert. Ebenso können sie während regelmäßig stattfindender
Chats und weiterer Diskussionsforen direkt mit den Jugendlichen in Berlin
kommunizieren und Einfluss auf die Arbeitsergebnisse nehmen.

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