USA: Was bieten Bing und Google zu den Midterms-Wahlen?

Bing Wahlen 640_280Die Vereinigten Staaten gelten als Musterland der politischen Online-Kommunikation. Im Mittelpunkt stehen die Kampagnen, mit denen um Stimmen geworben wird. Anfang November wird dort bei den Midterm Elections gewählt. Dabei konkurrieren nicht nur die Kandidaten, sondern auch die Suchmaschinen um die Gunst der Wähler.

Auch wenn es in Deutschland kaum wahrgenommen wird: In den USA wird in wenigen Wochen gewählt. Dabei stehen auf nationaler Ebene ein Drittel der Senatoren und das gesamte Repräsentantenhaus zur Wahl. Die Relevanz der sogenannten Halbzeitwahlen resultiert aus der Konstellation der Gewaltenteilung: Einem Präsidenten der Demokraten wird von republikanischen Mehrheiten im Kongress natürlich das Leben schwer gemacht (und umgekehrt). Die Bedeutung des Wahlausgangs für die jeweilige Präsidentschaft dürfte neben den Politprofis inzwischen auch den Zuschauern der Serie “House of Cards” geläufig sein. Hier bilden die Midterms den Hintergrund der zweiten Staffel und sorgen für Stress bei den Protagonisten im Weißen Haus. Im Mittelpunkt steht dort die Figur des von Kevin Spacey verkörperten Vizepräsidenten Frank Underwood. Die Position des Stellvertreters ist dramaturgisch klug gewählt. Nicht nur steht damit die Möglichkeit einer kurzfristigen Übernahme des Amtes im Raum, sondern bei einem Patt im Senat hat der Vizepräsident dort eine ausschlaggebende Stimme. Eine Konstruktion, die die Gewaltenteilung an einem Punkt des politischen Systems aufhebt und auch das Ergebnis der anstehenden Wahl sowohl in der nächsten Staffel der Serie als auch im wirklichen Leben sein könnte.

Trotz dieser Umstände ist die Wahlbeteiligung bei den Midterms noch geringer als bei den Präsidentschaftswahlen. Dies kann generell mit den Widrigkeiten des Wahlsystems in Verbindung gebracht werden: Es ist notwendig sich registrieren zu lassen um das Wahlrecht auszuüben. Und es muss kommuniziert werden, wer überhaupt mit welchen Postulaten für welche Ämter kandidiert. Eine Antwort auf diese Ausgangslage ist verstärkte Information, und in diesem Bereich haben sich auch die Suchmaschinenbetreiber mit Angeboten aufgestellt.

OK Google, how do I vote?

Bereits diese Überschrift aus dem Politics & Elections Blog der Marktbeherrscher aus Mountain View zeigt die Marschrichtung an: Es geht um die Suche auf mobilen Geräten. Mit der Ansage “OK Google” wird dort ein Sprachbefehl initialisiert, mit den in diesem Fall standortabhängige Informationen zu den im jeweiligen Bundesstaat geltenden Regelungen erfragt werden. Die Ausgabe erfolgt dann direkt in der Google-Suche-App. Auf einen eigenen Hub, der wahlspezifische Informationen aggregiert, wird verzichtet: Die Adresse “google.com/elections” führt zu einem Profil des Anbieters in seinem eigenen sozialen Netzwerk Google+. Dort werden vor allem Infografiken, die interessante Konstellationen aus der Nutzung der Google-Suche visualisieren, geposted. Einen weiteren Anlaufpunkt gibt es auf der Google-Plattform YouTube, wo die von Nutzern publizierten Clips in formal (z.B. Wahlspots) und thematisch (z.B. Einwanderungsreform) definierten Playlisten eingeordnet sowie die Video-Kanäle von Medienpartnern wie der New York Times präsentiert werden.

Cutting the Clutter

Unter diesem Claim stellt sich der Konkurrent Bing als “One-Stop-Shop for Comprehensive Election Information” auf. Die Suche nach Inhalten, die mit den Wahlen assoziiert werden, soll dort in einer eigenen Spalte rechts von den eigentlichen Suchergebnissen einen standortspezifischen “Voter Guide” hervorbringen.

Introducing Bing’s Voter Guide from Bing on Vimeo.

Neben statischen Inhalten akzentuieren die Ingenieure das Erbe des Vorgängers von Bing, der Microsoft-Suchmaschine Live Search. Interaktive Karten sollen den Zugriff auf aktuelle Umfrage-Ergebnisse ermöglichen und am Wahltag “exit polls” in Echtzeit liefern. Durch die Integration dieser Inhalte in den Voter Guide wird die Personalisierung der Wählerinformation noch weiter getrieben. Nutzern wird nicht nur der Weg zum nächsten Wahllokal gewiesen, sondern gleichzeitig auch vermittelt, ob es auf ihre Stimme überhaupt ankommt. Was, wenn ich bei der Suche nach dem Weg zur Urne direkt angezeigt bekomme, dass mein Favorit haushoch unterlegen ist? In diesem Fall könnte das Angebot sogar negative Auswirkungen auf die Wahlbeteiligung haben und den Wahlakt nicht befördern, sondern die Unterstützer vermutlich unterlegener Kandidaten demotivieren. Ein derart weitgehendes Angebot, das Wähler noch in der Wahlkabine konsultieren können, wirft deshalb auch jenseits simpler Szenarien von algorithmischer Einflussnahme und digitaler Manipulation kritische Fragen auf.

Dies ist ein Crosspost von netzpiloten.de. Der Artikel ist zuerst dort erschienen.

Foto: Dennis Skley

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