US-Wahlkampf: Obama hat im Social Web die Nase vorn

Barack Obamas Erfolg bei den Präsidentschaftswahlen 2008 war nicht zuletzt das Ergebnis einer innovativen Wahlkampf-Strategie im Social Web. Kein Wunder also, dass Mitt Romneys Team  mit allen Mitteln versucht, die digitale Lücke im Social Web zu schließen.

Bei den Präsidentschaftswahlen 2008 votierten 66 Prozent der 18- bis 29-jährigen US-Bürger – die “Digital Naturals” – für den amtierenden Präsidenten Obama. Genau diese Zielgruppe treibt dabei den digitalen US-Wahlkampf voran. Mitt Romneys Team versucht in diesem US-Wahlkampf dementsprechend, die digitale Lücke im Social Web zu schließen – und benutzt dafür ganz ähnliche Mittel.

Republikaner mit Licht und Schatten im digitalen US-Wahlkampf

Mitt Romneys Homepage ähnelt in vielen Organisationselementen mybarackobama.com, dem Social Hub des US-Präsidenten. Zudem sind die Republikaner im US-Wahlkampf heute auf allen altbewährten Social Media Kanälen aktiv, sei es twitter, facebook oder YouTube. Dabei können sie durchaus Erfolge verbuchen: Republikanische Kongressabgeordnete nutzen Social-Media-Kanäle häufig effektiver als ihre demokratischen Kollegen; auch die Interaktionsrate und Viralität der republikanischen Social-Web-Auftritte brauchen den Vergleich mit den Demokraten nicht zu scheuen. Einzig: Wirklich neue, innovative Ideen findet man im digitalen US-Wahlkampf Romneys kaum. Diese „Altbackenheit“ vermischt sich mit dem einen oder anderen Wahlkampf-Patzer: In einer App, mit der User ihre Unterstützung für Romney im US-Wahlkampf zeigen sollten, war von einem besseren „Amercia“ die Rede – ein Rechtschreibfehler, der sofort von zahlreichen Blogs auf die Schippe genommen wurde.

Wahlkampf des US-Präsidenten erneut innovativer

Genau diese Viralität im Social Web spielt im diesjährigen Wahlkampf nicht selten dem amtierenden US-Präsidenten zu: So erstellten seine Anhänger beispielsweise in Anspielung auf Romneys „binders full of women“-Lapsus einen entsprechenden tumblr-Blog. Doch auch Obamas Wahlkampf-Strategen selbst haben immer wieder frische Ideen, um den digitalen US-Wahlkampf anzuheizen. Ein gutes Beispiel ist romneytaxplan.com: Diese Seite nimmt die Weigerung des Herausforderers auf die Schippe, während des US-Wahlkampfs konkrete Details zu seinen Steuerplänen zu äußern. Dass die Seite beim Google-Suchauftrag „Romney tax plan“ auf Position eins rangiert, passt nicht nur gut ins Bild dieses gut durchdachten Wahlkampfmanövers, sondern dokumentiert zudem, dass Suchmaschinenoptimierung in der politischen Kommunikation ein Thema ist.

Obamas US-Wahlkampf mit besserer Reichweite und Software

Doch nicht nur die Kreativität des Wahlkampfteams um den US-Präsidenten sorgt dafür, dass er im Social Web weiter die Nase vorne hat. Durch seine längere Aktivität auf facebook und twitter übertrifft er Mitt Romney in Sachen Social-Web-Reichweite in diesem US-Wahlkampf deutlich – doch auch auf Plattformen, die wie Pinterest oder Instagram 2008 noch gar nicht existierten, hat der Amtsträger mehr Anhänger. Dabei profitiert er von seiner anhaltenden Popularität unter den 18- bis 29-jährigen US-Bürgern, welche den Wahlkampf im Social Web als aktive Player besonders antreiben und auf Patzer Romneys häufig noch schneller reagieren, als Obamas Team selbst.

    
In den USA finden am 6. November 2012 Wahlen statt. Lesen Sie weitere Beiträge zum US-Wahlkampf in unserer Reihe #US2012
Nicht zuletzt hat der Präsident in Sachen Technologie auch in diesem US-Wahlkampf Vorteile: Seit dem Launch von mybarackobama.com läuft die Seite ohne Probleme; die App „Obama for America“ verrät unter anderem, ob der neue Nachbar Demokrat ist und treibt damit das Microtargeting von Wählern im US-Wahlkampf weiter voran. Der technologische Vorsprung Obamas liegt nicht zuletzt an seinem deutlich höheren Budget für Social-Web-Aktivitäten im US-Wahlkampf – welches andererseits durch effektive Online-Fundraising-Konzepte gedeckt wird.

Social Media wichtiger Faktor im US-Wahlkampf

All das wird Obama nicht die US-Präsidentschaft sichern: Wahlen werden (noch) nicht im Social Web entschieden. Aber: Der digitale Wahlkampf mobilisiert möglicherweise entscheidende Wählergruppen – und sollte der Amtsträger die Wahl gewinnen, werden Leitartikler dieses Mal wieder davon sprechen, dass er diese US-Präsidentschaftswahl auch mit einem innovativen Online-Wahlkampf gewonnen hat.

Die ausführlichen Analysen zum US-Wahlkampf im Social Web erhalten Sie auf UdL Digital, wo Gastautor und USA-Spezialist Adrian Rosenthal die digitalen Wahlkampfstrategien Mitt Romneys und Barack Obamas untersucht hat.

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