US-Wahl: Trump, Sanders und das Netz

Bernie-Sanders-Smartphone-Image-Phil-Roeder-CC-BY-2.0-via-Wikimedia-CommonsIm Sommer nominieren die Parteitage ihre Präsidentschaftskandidaten. Doch welchen Einfluss haben Online-Kampagnen und Gatekeeper wie Facebook und Google?

Wenn über die Relevanz von sozialen Medien in der Wahlkampfkommunikation gesprochen wird, geht es häufig um die Reichweite: Wie viele Fans und Follower  hat ein Kandidat auf welcher Plattform und welche Inhalte finden virale Verbreitung? Demgegenüber demonstrieren die Anhänger des Demokraten Bernhard Sanders das Potenzial von Online-Kommunikation für die Aktivierung von Freiwilligen. Könnten am Ende aber auch soziale Netzwerke und Suchmaschinen als Gatekeeper entscheidende Bedeutung erlangen?

Wenn es darum geht, die Achtungserfolge des Außenseiters Sanders in der Konkurrenz mit Hillary Clinton um die demokratische Präsidentschaftskandidatur zu erklären, spielen nicht nur Inhalt und Stil eine Rolle. Wo Donald Trump die Enttäuschten von rechts einsammelt, kommt Bernie Sanders als „demokratischer Sozialist“ (so die Selbstwahrnehmung) von links. Beide kompensieren vermeintliche Schwächen ihrer politischen Organisation durch Instrumente der Online-Kommunikation. Trump mobilisiert seine Anhänger maßgeblich via Twitter. Er schreibt seine Tweets selbst und passt die Inhalte im Hinblick auf die Reaktionen an, wie die Mediensoziologin Zeynep Tufekci herausgearbeitet hat: „He uses Twitter as a kind of gut focus-group polling to pick up and amplify messages that resonate.“

Big Organizing

Wo Trump quasi programmatisch auf einen umfangreichen Mitarbeiterstab verzichtet, setzt Sanders auf eine Graswurzelbewegung. Verstand es die Obama-Kampagne bereits, Freiwillige für den Tür-zu-Tür-Wahlkampf sowie den Wahlkampf per Telefon zu rekrutieren und durch datengetriebenes Campaigning effektiv einzusetzen, so organisieren die „Sandernistas“ sich nun in weiten Teilen selbst und übernehmen dabei mehr Verantwortung. Eine der Beraterinnen von Sanders, Becky Bond, fasst es so zusammen: „If the media framed the 2012 campaign as being about ‘Big Data,’ the 2015-2016 Bernie campaign is driven by ‘Big Organizing.’

Es geht also, um es im Start-up-Sprech zu sagen, um ein schnell skalierbares Organisationsmodell. Eine wichtige Online-Plattform dafür ist der Messaging-Dienst Slack, den auch viele Firmen in den USA für die interne Kommunikation nutzen. In den meisten Bundesstaaten existieren inzwischen entsprechende Kanäle, in denen sich ehrenamtliche Aktivisten und Kampagnen-Mitarbeiter bei Bedarf rund um die Uhr koordinieren.

Darüber hinaus gibt es einen Sack voll digitaler Tools, die von Freiwilligen programmiert wurden, um den revolutionären Elan derjenigen, die sich hinter dem Hashtag #FeeltheBern versammeln, weiter zu befeuern. Oder wie es bei berniesanders.com heißt:

This is your movement. They have the money, but we have the people. If everyone who visits this website joins our movement, there’s nothing we can’t accomplish together.

(dt.: „Das ist eure Bewegung. Sie haben das Geld, aber wir haben das Volk. Wenn jeder, der diese Seite besucht hat, sich der Bewegung anschließt, gibt es nichts, was wir nicht erreichen können.“)

Soll Facebook Trump als Präsidenten verhindern?

Doch was passiert, wenn die Vorwahlen entschieden sind, können die dann nominierten Präsidentschaftskandidaten mit den Mitteln der Online-Kommunikation auch die gesamte Wählerschaft erreichen? In diesem Zusammenhang rücken nach den Massenmedien als vermeintlichen Meinungsmachern soziale Netzwerke und Suchmaschinen in den Mittelpunkt des Interesses. So entscheiden die Mitarbeiter von Facebook wöchentlich in einem internen Voting, zu welchen Themen sich Mark Zuckerberg in der nächsten Frage-und-Antwort-Session äußern soll. Wie bekannt wurde, war nun eine vorgeschlagene Frage dafür: „What responsibility does Facebook have to help prevent President Trump in 2017?

Abwegig erscheint dieses Ansinnen nicht, wenn man an die Diskussionen über Maßnahmen zu Hate Speech einerseits und zu Eingriffe in den Newsfeed (beispielsweise um die Wahlbeteiligung in den USA zu erhöhen, wie sie eine Studie dokumentiert hat) andererseits denkt. Aber Facebook hat die Möglichkeit der Einflussnahme für oder gegen einen Kandidaten freilich ausgeschlossen.

Die Bedeutsamkeit dessen, was über Kandidaten an prominenter Stelle etwa in Suchergebnissen sichtbar ist, für die politische Präferenzbildung von Rezipienten haben in den letzten Jahren jedenfalls bereits Untersuchungen am Beispiel von Google experimentell belegt. Insofern könnten Facebook oder Google durchaus dazu beitragen, Trump als Präsidenten zu verhindern.

Medienethisch erscheinen solche Manipulationen allerdings nicht vertretbar, und die Forderung nach „Algorithmic Accountability and Transparency“ (Nick Diakopoulos) wird immer wichtiger.

Dies ist ein Crosspost von netzpiloten.de. Der Artikel ist zuerst dort erschienen.

Bild: Phil Roeder unter Lizenz: CC0 Public Domain

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